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E_1948_Zeitung_Nr.034

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Hr. 34 - BERN, Mittwoch, 4. August T948 44. Jahrgang Nimmer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schwell: ABONN EM ENTS-PREISEt halbjährlich Fr. 6.30 Hirnen Fr. 12.60 Erscheint jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon (031) 2 82 22 - Poeicheck III414 • Telegramm-Adresse: Antorevne, Bern Ge*chäfti»telle Zürich: Löwenstraese 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grnndzeile oder deren Raun 60 Rp. Grössere Inaerate nach Spezialtartf Ineeratenschlnss Freitag 12 00 Uhr Meditationen bei einer Sonntagsfahrt Vor der Freigabe des neuen TeFlstückes der Grimselstrasse Nichts ist so wie der Betrieb anf uns er n Strassen an einem strahlenden Sonntag dazu angetan, einem deren völlige Unzulänglichkeit ad oculos zu demonstrieren. Zwar ist die Verkehrsdichte bei den Motorfahrzeugen auf einen bisher nie erreichten Stand angewachsen, und dazu gesellen sich die Heerscharen der Radfahrer, bei denen die Entwicklung ebenfalls nicht Halt gemacht hat, übersteigt doch heute unser Bestand an « Stahlrössern » 1,7 Millionen Stück. Die Strassen aber sind gleich breit oder, besser gesagt, gleich schmal geblieben. Mit dem Erfolg, dass es einem an solchen Tagen blühen kann — und es auch immer wieder tut — kilometerweit im 10—20 km-Tempo in schlangenhaft gewundenem Kure gondeln und obendrein noch von Zeit zu Zeit anhalten zu müssen. Auf beiden Seiten eingerahmt von ganzen Schwärmen von radfahrendem Volk, wobei eich namentlich die Hand in Hand oder wenn möglich in noch innigerer Umschlingung fahrenden Pärchen dadurch auszeichnen, dass sie sich um keinen Preis lösen und hintereinander einreihen können, sieht sich der Automobilist in drangvoll fürchterlicher Enge, aus der es kein Entweichen gibt, die ihn aber dafür zu ständiger höchster Konzentration zwingt. Naht dann in solch lieblichem Getümmel — wohlverstanden auf einer Hauptdurchgangsstrasse — noch Autoverkehr aus der Gegenrichtung, dann ist das fast unweigerlich das Signal zum Anhalten und nochmaligen Anhalten. Ueber Kilometer und Kilometer setzt sich dieses neckische Spiel fort, wobei der Mann am Volant, statt in Temperamentsausbrüchen zu machen, die doch nichts fruchten, mit Vorteil Betrachtungen darüber anstellt, wohin wohl der Benzinzoll, den Vater Bund an solchen Tagen in rauhen Mengen einheimst, fliessen möge. Auf die Strasse jedenfalls nicht, wie der Augenschein lehrt. Solange « Bern » aber das Motorfahrzeug — das dort noch immeT als Luxus gilt, dieweilen der mächtig angeschwollene Vergnüigungsverkehr bei den Bahnen, systematisch gefördert durch Extrafahrten und eine nicht zu knappe, teilweise aus Mitteln der öffentlichen Hand finanzierte' Propaganda, eben kein Luxus ist — solange « Bern » dem Automobil gegenüber das Rezept anwendet, dass nehmen beträchtlich seliger sei denn geben, werden auch die unmöglichen und untragbaren Strassen- und Verkehrsverhältnis6e andauern. Höchste Zeit deshalb, dass hier grundlegender Wandel geschaffen und der Bund dazu gebracht wird, von dem fetten Hasen, den wir Automobilisten ihm mit den * diversen » Fiskalabgaben m die Küche jagen, wenigstens einen gTÖsseren Teil des BenzinzollertrSjgs- den Kantonen für die Pflege und Verbesserung der Straseen abzutreten. Sehr geehrter Herr Schleicher! Ja, Sie meine ich, der Sie mit ihrem 30-&m-Tempo anf kurvenreicher Strasse einherechleichen und es damit fertigbringen, dass sich hinter Ihnen hn Handumdrehen eine Kolonne staut, weil hier an ein Ueberholen nicht zu denken ist, Für Ihr Bedürfnis, an diesem herrlichen Tag nrit Gottfried Keller zu leben « Trink, oh Auge, •was die Wimper hält, von dem goldnen Ueberfluss der Welt! > habe ich und haben die andern vor mir alles Verständnis. Denn keiner hetzt und keiner entlockt 6einem Klaxon ungeduldige Töne, so manierlich sind sie alle. Den^ noch — der eine und andere darunter hat, nach seinem Nummernschild zu schliessen, in dieser Abendstunde noch einen weiten Heimweg. Und Sie haben einen Rückspiegel! Wie wär's, wenn Sie sich, ganz aus freien Stücken, entschlössen, sich einmal an geeigneter Stelle, deren es auch auf dieser ränkevollen Strasse gibt, seitwärts indieBü6che zu schlagen und auszustellen, um freie Bahn für die Schlange zu schaffen, die sie hinter sich herziehen? Bei Ihrem Tempo würde Ihnen das bestimmt nicht viel ausmachen, an den andern aber täten Sie damit ein wohlgefälliges Werk. Auch Ihnen kann es nämlich nicht entgangen sein, mit wieviel sichtlicher Erleichterung diese « andern » Fersengeld gaben, aLs die Strafen- und Verkehrsverhältnisse endlich ein Vorfahren erlaubten. Nicht jeder hat eb«a SOTMI Zeit «od kann damit geuden wie Sie! Führt Sie ihr Weg nach der Talstation einer unserer vielen Bergbahnen, Schwebebahnen, Sesselilifte usw., dann können Sie mühelos Anschauungsunterricht bester Sorte von der Bedeutung des Automobils als Zubringer dieser Unternehmen geniessen. Ueberall dränigen 6ich die Wagen in Scharen, parkiert wo sich nur ein « gäbiger » Platz dazu findet. Ihre «Fracht» aber ist ausgeflogen, mit der Bahn höhewärts. Dabei erspäht das Auge Nummernschilder aus allen, selbst den entferntesten Gegenden unseres Landes. So alimentiert das Auto die Touristenbahnen, bei der starken Zunahme unseres Fahrzeugparks während der letzten Jahre natürlich in steigendem Masse. Nein, der Automobilist ist nicht immer und nicht nur « Kilometerfresser »; er weiss seinen Wagen auch als Werkzeug zu besinnlichem und beschaulichem Sein oder zu Wanderungen auf unsern Bergen zu benützen. Auf diesen Aspekt des Problems Schiene-Strasse hinzuweisen, scheint der Augenblick Jetzt, während der Tourensaison im Gebirge, wieder einmal gekommen zu sein. Selbstredend legt man sich auch bei den Bergbahnen Rechenschaft über die wertvollen Zubringerdienste ab, welche das Motorfahrzeug ihnen leistet, und die Autokundschaft ist bestimmt die schlechteste nicht. Allein, ma.i pflegt diesen Tatbestand, zum mindesten in gewissen Bahnkreisen, geflissentlich und wohlweislich zu verschweigen, weil er nicht in deren Konzept passt. Handelt es sich hier auch nur um einen relativ kleinen Ausschnitt au6 dem Bild der Befruchtung, die vom Autotourismus auf unser Fremdenverkehrsgewerbe und die Wirtschaft iganz allgemein ausgeht, so wäre es doch höchst interessant und aufschlussreich, durch das Mittel der Statistik einmal Licht in die Frage zu bringen, was für einen Prozentsatz ihrer Einnahmen die Bergbahnen und ähnliche Betriebe allein dem Auto verdanken. Vermutlich würde man dabei Ueberraschungen erleben. « Es lächelt der See, er ladet zum Bade. Der Knabe sitzt dort, am grünen Gestade. » Und hat seinen Wagen auf der Strasse parkiert. Dagegen wäre angesichts des lächelnden Sees und des ladenden Bades nichts einzuwenden, wenn, wie es eben vorkommt, durch das Parkieren nicht ein Teil der alles andere als breiten, dafür um so belebteren Fahrbahn mit Beschlag belegt würde. Zur Hälfte in sie hinausragend oder ganz «draus- 6en» stehend, und das während Stunden, wirken solche Wagen, sonderlich so sie in ganzen Rudeln auftreten, bei dieser sonntäglichen Hochfrequenz Ein Teil der bestehenden Grimselstrasse kommt bekanntlich in den Stauraum des neven Akkurmjtterbeckens zn liegen, das im Zuge des Ausbaus der Kraftwerke Oberhasli (Handeck II) gegenwärtig geschaffen wird. Es war daher ein« Höherver. legung der Strasse zwischen Gerstenegg und Sommeregg notwendig die heute soweit fortgeschritten ist, dass das neu. erstellte Teilstück voraussichtlich ab Montag, den 9. August dem durchgehenden Verkehr geöffnet werden kann. Ueber die Anlage dieses neuen Abschnittes, von deren Schönheit dieses Bild einen Begriff zu geben vermag — man beachte übrigens das an dieser Stelle mit Radabweis ernd Wehrsteinen versehene Strassenbord — orientiert in Wort und Bild unsere Reportage auf den Seiten 23/24 der vorliegenden Nummer. als Hemmnisse und Störefriede für rfie andern. Hält Ihr Blick nach einem Orte Ausschau, wo sich « Hütten bauen lassen », dann widmen Sie sich, bitte, dieser Tätigkeit im Bewu6stsein dessen, was die Kameradschaft der Strasse von Ihnen erwartet: dass Sie nämlich Ihren Wagen in einer Art und Weise ausstellen, die den übrigen Verkehr nicht behindert. Verkehrswidrig in Kurven parkierte Personenwagen sind ein alltäglicher Anblick. Aber Gesellschaftswagen! Doch auch das gibt's. Ein Prachtsbeispiel hiefür lieferte jener Neuenburger Car, dessen Chauffeur ihn an diesem Sonntagabend, zu einer Zeit, da die Flut von Wagen in beiden Richtungen nicht einen Moment abriss, auf der Strasse Bern—Thun seelenruhig in einer Kurve aufgepflanzt hatte, währenddem sich der « Inhalt » dieses Mastodonten zu gemütlicher Siesta am Strassenbord niederliess, « um von 6Otanem vorteilhaftem Posten die bunte Welt gemächlich auszukosten » und 6ich daran zu weiden, wie der von links und rechts kommende Verkehr, weil die Sicht versperrt war, ins Stocken geriet. So etwas gehört ins Tierbuch und der Chauffeur eigentlich an den Pranger. Unbewachte Bahnübergänge und ihre rechtliche Problematik In letzter Zeit hat die Presise eine Reihe schwerer Autounfälle gemeldet, die sich infolge Zusammenstosses von Motorfahnzeugen mit Eisenbahnen an unbewachten Bahnübergängen ereigneten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Zahl der Todesfälle, die auf solche Zusammenstösse zurückzuführen sind, Jahr für Jahr erschreckend hoch ist, weshalb man nicht übertreibt, wenn man die unbewachten Bahnübergänge als eigentliche Todesfallen bezeichnet. Ganz abgesehen vom Leid der betroffenen Familien ist anzunehmen, dass die Schadenssummen und Versicherungswerte in die Hunderttausende von Franken gehen. Die Frage ist deshalb durchaus am Platz, ob es auch vom rein finanziellen Standpunkt aus gesehen für die Bahnunternehmen nicht vorteilhafter wäre, solche Bahnübergänge entweder zu schützen oder durch U eiber - oder Unterführungen zu eliminieren. Vom Standpunkt des Straßenverkehrs aus stellen Bahnübergänge, seien sie bewacht oder unbewacht, etwas Unerwünschtes dar, weil sie den Strom des Verkehrs schneiden und eine gewisse latente Gefahr darstellen. Dass diese bei unbewachten Bahnübergängen bedeutend grösser ist, beweisen, wie betont, die hohen Unfallzahlen. In den Geschäftsberichten des Versicherungsverlbandes Schweiz. Bahnen wird mit Unmut festgestellt, dass sich nrit der Steigerung des StrassenverVehre die Zusammenstösse zwischen Strassentmd Bahnfahrzeugen mehren und dass eine ständige Zunahme der Begehrlichkeit der Verunfallten festzustellen sei. Gegen die Automobilisten beispielsweise richtet sich der Vorhalt, sie missachteten das Bahnpolizeigesetz von 1878, indem sie nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, 10 m vor der geschlossenen Schranke {wozu sinngemäss auch die optische und akustische Absperrung zu rechnen ist) anhalten. Weiter führt der erwähnte Bericht bewegliche Klage darüber, dass die Bahn bei den Gerichtsbehörden nicht die nötige Unterstützung finde, weil gesetzliche Bestimmungen gegen Fehlbare nicht zur Anwendung gelangen. Eine Stellungnahme, die, wie es in diesem Falle zutrifft, der Missachtwng von bahnpoiizeilichen Vorschriften durch die Automobilisten die mas6- gebende Bedeutung an den Unfällen .zuschreibt, scheint jedoch bei der Behandlung des Problems an der Oberfläche hängen zu bleiben. Solange Eisenbahnschranken die Verkehrswege schneiden, wird es Unfälle geben, und zwar vor allem dann, wenn diese Schranken Moos optisch oder akustisch sind. Unseres Erachtens ist die Gerichtspraxis nicht, wie der Verlbaod meint, gegenüber den Verunfallten zu lange, sondern eher umgekehrt. Wir sind der Meinung, dass den Gerichten die Pflicht erwächst, im Rahmen des Gesetzes die Verunfallten und Hinterlaseenen 6oweit a-ls möglich zu schützen. Wenn die Inständigen Bahn- und Versicherungsinstanzen einmal einsehen, dass es billiger kommt, Bahnübergänge durch Schranken xn bewachen und besondere gefährliche Niveaukreuzungen zu eliminieren, als grosse Haftpflichtsummen auszuzahlen, so hat eine derartige verschärfte Gerichtspraxis zweifellos segensreidh gewirkt, Angesichts der Tatsache, dass die Unfälle an Schienenübergängen sich zu einem Problem auswachsen, das dringend nach einer Lösung ruft, mag es interessieren, welche Praxis eigentlich die Gerichte befolgen. Nach der Rechtsprechung ist die Bahn nur dann von ihrer Haftpflicht befreit, wenn ein schuldhaftes Verhalten des Verunfallten oder Dritter die alleinige Ursache des Unfalles darstellt, was beispielsweise dann nicht der Fall sein kann, wenn gleichzeitig ein konkurrierendes Kausalversdhulden der Bahn, bzw. ihres Personals vorliegt. Trifft sie ein mitverursachendes Verschulden am Unfall, so sind die Voraussetzungen ihrer Haftpflicht immer gegeben. Die Schuldfrage muss aber beispielsweise immer dann verneint werden, wenn weder Mängel der technischen Einrichtung und Anlagen des Eisenbahnbetriebes noch ein fahrlässiges Verhalten des Bahnpersonals nachgewiesen werden können. In diesem Fall erhebt sich Nach dem Unglück in der Biaschina Sie schüren die Hetze weiter! Ein vergessener Pionier der Strassen. asphaltierung: Philippe Suchard Sportnachrichten Neukonstruktionen im deutschen Sportfahrzeugbau Reifen und Sicherheitsglas Die Pariser Verkehrsprobleme und ihre Lösung Deutsche Autoindustrie auf dem Weg der Erholung Reportage: Ein neues Teilstück der Grimselstrasse