Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1948_Zeitung_Nr.033

E_1948_Zeitung_Nr.033

AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE MITTWOCH, 28. JDU 1948 - Nr. 33 550x15 ersetzt durch 640x15 600x15 ersetzt durch 670x15 neue Dimension 710 x 15 650x15 ersetzt durch 760x15 700x15 750x15 550x16 600x16 ersetzt ersetzt ersetzt ersetzt durch 820 x15 durch 890 x15 durch 640 x16 durch 670 x16 625x16 650x16 700x16 750x16 ersetzt ersetzt ersetzt ersetzt durch 710x16 durch 760x16 durch 820x16 durch 890x16 ns •U

II. Blatt BERN, 28. Juli 1948 AUTOMOBIL-REVUE II. Blatt BERN, 28. Juli 1948 Vorsiöhtsbremsen Anlass gibt. Bis zur Einfahrt nach Rudolfstetten, ein kleines Dorf, das, wie so viele andere, leider oft mit übersetzter Geschwindigkeit befahren wird, 6teigt die breite, gute Strasse nur leicht, um sich nachher in zwei Kehren zum Mutscheller hinaufzuwinden, eine Partie, die das Interesse jedes sportlichen Fahrers findet und sehr gut angelegt ist. Das gleiche gilt auch für die Abfahrt vom Höhenzug ins Reusstal, wo die Fahreigenschaften eines Wagens rasch ans Tageslicht kommen. Bei der Einfahrt nach Bremgarten überqueren wir noch zweimal die Bahnlinie, worauf wir da« alte Städtchen und die malerische Hofcbrüöke mit Respekt durchfahren (ein pittoreskes Hindernis, das der Verfasser auf keinen Fall missen möchte). Nachdem wir dem krummen Turm noch einen Blick geschenkt haben, beschleunigen wir unsere Fahrt und kommen auf guter Strasse in leichtem Anstieg zur rotgepflästerten « Glatteis »- Kurve, die heute gut ausgebaut ist. Weiterhin führt die Strasse schnurgerade durch den Wald, um nach dessen Verlassen auf der Höhe nach zwei Ein 1 vielbefahrenes Strassenstück analysiert: Sichere und wirtschaftliche Durchschnittsgeschwindigkeiten Die Strasse Zürich—Bern — Welche Durchschnitte können auf ihr gefahren werden? — Der Preis hoher Geschwindigkeiten Jägerlatein, auch wenn es dem Munde leichtfertiger Nimrode entströmt, ist ein ziemlich harmloses Laster, bei dem es niemandem an den Kragen geht. Auch das heute recht verbreitete Autlerlatein wäre an und für sich nicht so ßchlimm, wenn es nicht hin und wieder einen biederen Fahrer locken würde, die Stammtisch-Rekordfahrten auf offenen Strassen nachträglich durchzuführen. Man hört in letzter Zeit mehr und mehr wieder Erzählungen von unglaublich hohen Durchschnitten, die vielleicht, im Interesse der Sicherheit auf der Strasse hoffen wir es, nicht immer allzu wörtlich zu nehmen sind. Im Laufe der letzten zwölf Monate hat die «A.-R.» dieses Problem im Zusammenhang mit Prüfungsfahrten näher untersucht. Die Frage lautete: Welche Durchschnitte sind auf normalen schweizerischen Ueberlandstrassen zu erreichen, vorausgesetzt, das« der Fahrer in jedem Moment die Belange der Sicherheit allen anderen voranstellt? Als gutes Beispiel erschien uns die Streoke Zürich—Bern, die zweifellos zu den in der Schweiz weitaus am meisten befahrenen Strassenzüigen gehört. Seit einiger Zeit wurden deshalb alle möglichen Personenwagen, u. a. auch auf der Strecke Zürich—Bern, erprobt, um neben anderen Zwekken auch Unterlagen für diese Untersuchung zu lie- lern, iven wuierungs- una v erKenrsvernannissen wurde insofern Beachtung geschenkt, als wir uns an möglichst gleichwertige Messbedingungen hielten. Wenn man die von verschiedenen Wagen erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen Zürich und Bern vergleichen will, so muss man sich zuerst darüber einigen, welche Punkte man als Beginn und Ende der Messung bestimmt. In dieser Beziehung herrscht nicht überall die gleiche Ansicht, und man unterscheidet heute folgende Varianten im « Volksmund »: Strecke 1: Zürich - Hauptbahnhofgegend bis Bern-Hauptbahnhofgegend 123.6 km Strecke 2: Zürich-Hardturm bis Zollikofen-Tankstelle Strecke 3: Zürich-Hardturm bis Bern- Einfahrtstafel 118,6 km Diese Differenzen spielen bei der Berechnung der Durchschnittsgeschwindigkeiten eine beträchtliche Rolle, die die Tabelle 2 deutlich erläutert. Obwohl die meisten Automobilisten hin und wieder in die Lage kommen, die Strecke zwischen wirtschaftlicher und politischer Kapitale der Schweiz zu befahren, findet nur selten jemand die Müsse, die Strassenverhältnisse näher kennenzulernen, und es soll sich ereignen, dass Mitfahrer nach Dutzenden von Fahrten weder die Dorfnamen noch die markanten gefährlichen Stellen zu bezeichnen wissen. Deshalb sei es hier gestattet, ohne dass man sich hoffentlich dem Odium der Banalität aussetzt, die Strecke, wenn auch nicht ä la Baedecker genau, zu beschreiben. Zürich—Bern ist ein Stück des Strassenzuges Nr.l, der Ost—West-Achse durch unser Land, und zwar eines der meistbefahrenen. In den letzten Jahren wurde es an manchen Stellen ausgebaut, und zwar haben alle Kantone, die sich in die Strecke teilen, also Zürich, Aargau und Bern, dazu ihr Teil beigetragen. Dennoch kann man dieser Strasse, was die zuständigen Stellen der Verkehrsverbände immer und immer wieder betont halben und die Behörden heute in Rechnung stellen, nur für sehr kurze Teilstüoke den Charakter einer nationalen oder sogar internationalen Ueberland-Verkehrsader zusprechen. Haupthindernisse, die in grosser Zahl vorkommen und die sich sowohl auf die im Interesse der Sicherheit zulässigen Fahrgeschwindigkeiten wie auch auf den Umfang' des durchschleusbaren Verkehrsvolumens ungünstig auswirken, sind zahlreiche Ortschaften mit oft engen «nd verwinkelten Passagen, zu schmale J Strassenstücke mit ungünstig angelegten K,urven, dann die grosse Anzahl von Bahnübergängen (10 bewachte, 7 unbewachte) sowie Nefeenbahnigeleise auf dem Strassentrasse. Die beigegebene Tabelle 1 zählt sowohl die besten Teilstücke wie die Hindernisse dieser Strecke auf, die vielleicht in dieser Massierung doch einen gewissen Eindruck hinterlassen werden. Tabelle 1 112.7 km Bremgarten Von «Tester» Fahren wir nun in Gedanken die Strecke Zürich —Bern in beschaulichem Tempo ab. Vom Hauptbahnhof verlassen wir nach der Zollbrücke die Tranigeleise der Limmatstrasse, um dem Wasser entlang unter dem Bahnviadukt bis zum Escher- Wyss-Plata vorzustossen, wobei die Holzdrehscheiben des Eisembahageleise6 am linken Strassenrand die Fahrbahn beträchtlich einschränken. Der Verkehr auf dem Escher-W^ss-Platz ist durch Inseltrottoire gut gelenkt, und wir folgen den Tramschienen bis zur Endstation der Strassenbahn beim Hardturm, wo man sich eine Benzintankstelle auch auf der rechten Strasseoseite wünschte. Nun beginnt die berühmte Industriestraese, die durch eine Kreuzung bei Altstetten sowie die Einfahrt zum Gaswerk Schlieren eine gewisse Gefährdung erhält. Die wellenförmige Ausbildung des Strassenrandes, die gegenüber früher vermindert wurde, macht sich aber besonders bei weichgefederten Wagen unangenehm bemerkbar. Eine Einfahrt zur städtischen Schweinemästungsanstalt oder einem ähnlichen Unternehmen spürt man hin und wieder durch Abfälle auf der Strasse, die 6chon zu Unfällen Anlass gegeben haben sollen. Recht gefährlich ist die Ueberbrückung der Eisenbahn nach dem Gaswerk, da manche Fahrer es nicht unterlassen können, trotz des Sichtmangels im Anstieg, anderen Fahrzeugen vorzufahren. Der Verfasser hat selbst grossen Respekt vor dem Leichtsinn der Zeitgenossen bekommen und reduziert das Tempo vor jener Stelle. Nach dem Abzweigen von der Baslerstrasse nach links in einer sehr übersichtlichen Gabelung überschreiten wir nach der Passage einer weiteren Bahnüberführung die Strasse Schlieren—Dietikon und verlassen in einer Rechtskurve diese ausserordentlich grosszügig angelegte, breite Ausfahrt von Zürich. In offenen Kurven steigen wir gegen Bergdietikon und befahren die Rep- Industriestrasse Zürich-Hardturm bis Aufstieg gegen Bergd1etikon-(3 Kreuzungen, eine Werkausfohrt, 1 Gabelung) V.-i Wohlen—Lenzburg (2 Gabelungen, 1 Kreuzung, Einfahrten) Lenzburg—Suhr (1 Kreuzung, eine Gabelung, ohne Durchfahrt Hunzenschwil) Suhr—Kolliken (ohne Durchfahrt Oberentfelden) Nach Ausfahrt Rothrist bis vor Einfahrt Murgenthal Oberönz—Seeberg (durch den Wald am Burgäschisee) Ausfahrt Oeschberg bis vor Einfahrt Kirchberg Ausfahrt Kirchberg bis vor Einfahrt Hindelbank 2. Gefährliche Ausserorts-Passägen. Zwischen Safenwil und Stngelhohe: Ausfahrt Zwischen Strigelhöhe und Oftringen: Gefährliche Kurve, nach aussen hängend Zwischen Rothrist und Mufgenthalj Enge Kurve Bei der Kaltenherberge: Enge Kurvengruppe ' Zwischen Worblaufen und Bern: Haltestelle Felsenau der Solothurn-Bern-Bahn Nach Lenzburg: Vor Suhr: Zwischen Kolliken und Safenwil: Zwischen Strigel und Oftringen: Bei Roggwil-Wynau Station: Nach Bützberg: Nach Herzögenbuchsee: In Kirchberg: Vor Hindelbank: In Schönbühl: Die Strecke Zürich - Bern unter der Lupe 1. Längen Strassenstücke, die gefahrlos höhere Geschwindigkeiten erlauben. 3. Niveau-Bohnubergange (10!). Ziemlich gut Ziemlich gut Belag gut, Strassenführung verlangt starke Geschwindigkeitsreduktion Belag gut, Uebergang in Geleiseuberhöhung Ausserordentlich schlecht, Schrittempol Belag gut, in Kurve Belag gut Belag ziemlich gut Belag gut Sehr wellia. verbessert 4. Störende Nebenbahnen, unbewachte Uebergange Zwischen Bergdietikon und Rudolfstetten: Unbewachte Kreuzung In Bremgarten Einfahrt: Zwei unbewachte Kreuzungen In Suhr: Unbewachte Kreuzung In Oberentfelden: Unbewachte Kreuzung Bei der Kaltenherberge: Geleise auf Strassentrassee Nach der Kaltenherberge: Unbewachte Kreuzung In Schönbühl: Unbewachte Kreuzung Von Zollikofen bis Worblaufen: Geleise auf Strassentrassee 5. Innerortsengpässe, die starke Geschwindigkeitsreduktion verlangen. Bremgarten Kurven Ausfahrt Murgenthal Lenzburg Rechtskurve Herzögenbuchsee Enges Brücklein Rothrist (rücke über Emme Kirchberg Rnhnunterführunn Bahnunterführung Murgenthol Muraenthol Kurven in Hindelbank pischsenke, der wir uns in einer nach aussen hängenden Linkskurve nähern. Vor dem Eintritt in das gerade Strassenstück überquert die Dietikon— Bremgarten-Bahn unsere Fahrbahn, was zu einem Tabelle 2 Fahrzeiten und Durchschnitte Strecke Zürich—Bern. Strecke 1s Zürieh-Hauptbahnhofgegend bis Bern- Hauptbahnhofgegend (123,6 km) Strecke 2: Zürich Ausfahrt Hardturm bis Zollikofen Tankstelle Strassengabel (1127 km) DURCHSCHNITTS- FAHRZEIT GESCHWINDIGKEIT IN km/h Strecke 1 Strecke 2 .2 h 20' 53.1 48,3 2 h 10' 57.2 52,1 2 h 00" 61,9 56,4 1 h 50" 67,6 61,6 1 h 40' 74.3 67,6 1 h 30 1 82.4 75,2 1 h 20' (92,9) 84,7 1 h 15' (99,1) 903 In Klammern! Auch mit schnellen Wagen und unter günstigsten Verhältnissen nicht realisierbare Durchschnitte. leichten Rechtskurven langsam gegen Wohlen zu sinken. Die Kurven und Abzweigungen in dieser Ortschaft verlangen wiederum starke Reduktion des Tempos, woran auch das elegant angelegte Betonstück bei der Ausfahrt nichts ändert. Wir schwenken nun in die Längsachse des Bünztals ein und haben bis zur Einfahrt' von Lenzburg eine fast hindernisfreie Strecke vor uns, die angesichts des gestiegenen Verkehrs heute allerdings etwas zu schina! ist und deswegen kein volles Ausfahren der rWagen- erlaubt. Auch der Belag hat in den letztea Jahren etwas gelitten, doch gehört diese Teilstrecke immer noch zu den schnellsten Partien unseres «Parcours». Wir verlangsamen unser Tempo bei der Abzweigung nach Hendschiken und betreten nach dem Ueberqueren eines sanften Hügelzuges das Gebiet von Leazburg. In vielen Fällen hat man das Pech, in den schmalen Strassen dieses Städtchens einem Traktor oder Fuhrwerk folgen zu müssen, wobei die Anlage der Fahrbahn ein Vorfahren oft erst nach der Passage des Bahnübergangs beim Ausgang erlaubt. Bis Hunzenschwil führt die breite^ gute Strasse fast in gerader Linie. Dies letztere Dorf ist wohl jedem Fahrer in Erinnerung, weil üblicherweise die vor den Wirtschaften parkierten Lastwagenzüge der Ueberlandchauffeure geradezu musterhafte Beispiele des richtigen Aufstellens von Fahrzeugen — we,g von der Fahrbahn — sind. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens den Führern der schweren und langen Anhängerzüge ein Kränzchen gewunden, denn ihre Fahrweise ist in den meisten Fallen so anständig und ihr Verhalten- so höflich, dass sich mancher Automobilist daran ein Beispiel nehmen könnte. Wenn die Nutzfahrzeuge dennoch oft Hindernisse im Verkehrsablauf bilden, so ist dies auf ihre Länge und Breite, bzw. auf die mangelnde Anlaige der Fahrstrecke zurückzuführen. Nachdem wir den Gruss des Tankstellenwartes bei der Abzweigung nach Aarau erwidert haben, nähern wir uns in einer offenen Linkskurve Suhr und überqueren auf dem Bahnübergang eine der wenigen dampfbetriebenen Linien der SBB, um uns gleich darauf vom welligen Uebergamg über die Wynentalbahn schütteln zu lassen. Wir hüten uns vor der abfallenden Linkskurve beim Dorfausgang und gelangen auf das gerade Strassenstück nach Oberentfelden, das links von der Bahnlinie Lenzburg—Zofingen beigleitet wird. In der Ortschaft achten wir uns vor der Kreuzung mit der Strasse Aarau—Surs.ee und gelangen bei gemässigter Geschwindigkeit auf ein weiteres gerades, von der Bn Instrument zur Erzeugung guter Durchschnitte Ein Teil der Untersuchungen über die Eignung der Strecke Zürich—Bern für hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten wurde mit einem Allard-Cabriolet durchgeführt. Diese englische Version eines sportlichen Fahrzeugs verwendet weitgehend senen-