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E_1948_Zeitung_Nr.027

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Nr. 27 - BERN, Mittwoch, 16. Juni 1948 44. Jahrgang Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schwein ABONNEMENTS-PREISE: halbjährlich Fr. 6.30 jährlich Fr. 12.60 Eraeheint jede» Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr.97, Bern Telephon (031)2 82 22 - Postcheck III414 • Telegramm-Adrette: Antorevne, Bern Geschäftsstelle Zürich: LSwenstranse 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grtradzeile oder deren Raum 60 Rp. Grössere Inserate nach Spczialtarif lnseralenschlnss Freitag 12 00 Uhr Die Abteilung Heeresmotorisierang Mit der nunmehr gesetzlich verankerten neuen Abteilung für Heeresmotorisierung, wie sie durch ein offizielles Communique (siehe «Automobil- Revue » Nr. 26 vom 9. Juni) vor einigen Tagen bekanntgegeben wurde, tritt die Motorisierung unserer Armee in ein neues Stadium. Während bis zu dieser Neuschöpfung im Eidg. Militärdepartement keine Amtsstelle mit genügenden Kompetenzen ausgerüstet war, um die immer schwieriger werdenden und sich mehr und' mehr verflechtenden Motorisierungsfragen für alle interessierten Truppen gemeinsam und in gleichem Sinne zu behandeln, kann nun der neue Abteilüngschef und seine Mitarbeiter auf Grund der erlassenen Bestimmungen seinen Einfluss dahin geltend machen, dass zwischen den Bedürfnissen der Armee und den Möglichkeiten des Landes, zwischen den wehrtechnischen Anforderungen und den traditionsbedingten Imponderabilien der zweckmässig6te Weg beschriften wird, Die Entstehung der Abteilung HeeTesmotorisierung geht auf das Jahr 1940 zurück. Vor dem Kriege befasste sich die Sektion Motorwagendienst mit Motorisierungsfragen. Diese, ursprünglich als Sektion der Generalstabsabteilung gebildet, kam 6päter unter Oberstdivisionär Labhart zur Abteilung für Leichte Truppen. Mit Kriegsbeginn trat die Sektion Motorwagendienst zum Armeestab über, wo es 6ich aber bald zeigte, dass sre den vielen anstürmenden Fragen nicht gewachsen war. Es kam im Frühsommer 1940 zur Bildung der Abteilung Heeresmotorisierung, die sich in vier Sektionen gliederte. Mit einer entsprechenden Personaldotierung bearbeitete sie die immer wachsenden Motorisierungsbelange und überwachte die Motorfahrzeugbestände und ihre Bemannung. Als erster Chef der Abteilung Heeresmotorisierung funktionierte Oberst Hermann Mäder. Während die fachtechnische Ausbildung der WehrmSnner Sache der neu gebildeten Abteilung war, wurde die Ausbildung der Rekruten und der Kader dem neu geschaffenen Chef der Motortransporttruppe, Oberst Ruf, übertragen. Leider hat man es damals unterlassen, der mit den Kompetenzen des Generals ad hoc gebildeten Organisation die notwendigen gesetzlichen Grundlagen zu verschaffen. Die Abteilung Heeresmotorisierung musste deshalb nach Beendigung des Aktivdienstes zunächst wieder in eine Sektion der Generalstabsabteilung zurückgebildet werden. Die gesetzliche Neubildung der Abteilung für Heeresmotorisierung, bzw. die Erweiterung der ehemaligen Sektion in eine dem Generalstabschef direkt unterstellte, den übrigen Fachabteilungen mit Truppen (Abt. für Sanität, für Veterinärwesen, Oberkriegskommissariat etc.) gleichgestellte Abteilung war innerhalb der departementalen Entwicklungen zwar vorgesehen, der Anstoss für eine rasche Durchführung der geplanten Neuordnung kam jedoch von der Truppe, und zwar im besonderen von Seiten der schweizerischen Gesellschaft der Offiziere der motorisierten Truppen. In mehrjähriger Arbeit und in immer wiederholten Anträgen hat die Offiziersgesellschaft einer Organisationsform zum Durchbruch verholfen, die 6ich als unbedingt notwendig erwiesen hatte. Die Notwendigkeit der Motorisierung ist so sehr von der Allgemeinheit erkannt worden und das Motorisierungsbedürfnis der Truppe nimmt dauernd zu, dass die Motorisierungswünsche die Motorisierungsmöglichkeiten oft übersteigen. Wie ungeheuer stark die Verwendung von Motorfahrzeugen innerhalb des letzten Dezenniums gestiegen ist, beweist die Tatsache, dass sich die Zahl der bestandesmässig vorgesehenen Motorfahrzeuge während des Aktivdienstes verdoppelte, nurmehr gegenüber der Truppenordnung, die zu Beginn des Jahres 1938 ausser Kraft gesetzt wurde, aber verachtfacht hat. * Die heute von der Abteilung Heeresmotorisierung zu lösenden Aufgaben lassen sich etwa wie folgt umschreiben: 1. Ausrüstung der Armee mit geeigneten bundeseigenen und requirierten Motorfahrzeugen: ins- besondere Erfassung und Nutzbarmachung des zivilen Motorfahrzeugparks für militärische Zwecke. Bei6tellung der in den Schulen und Kursen und in der Militärverwaltung notwendigen Motorfahrzeuge. v 2. Zentrale Leitung des Unterhalts- und Rep'straturwesens der in der Armee und in der Militärverwaltung verwendeten Motorfahrzeuge nach Anordnungen des Eidig. Militärdepartementes. 3. Ausbildung und Kontrollführung der Motorfahrer-Offiziere und des Motorwagendienst' Fachpersonals für die ganze Armee. Leitung der vor- und außerdienstlichen Fachausbildung. 4. Organisation und Leitung des Motortransport-' Wesens. 5. Organisation des Nachschubes an Betriebsstoffen, Reifen, Fahrdienstmaterial und Ersatzteile. 6. Behandlung der Verkehrsunfälle, bei denen Militärmotorfahrzeuge beteiligt sind. Eine der wichtigsten grundlegenden Aufgaben der Abteilung Heeresmotorisierung besteht darin, innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Grenzen die Entwicklung des Motorfahrzeugparks nach militärischen Gesichtspunkten zu fördern» .Dazu gehören >T ScS"' ; spielsweise Massnahmen wie die Üeberwachung der Fahrzeugprüfungen durch die amtlichen Stellen sowie die Führung einer ausführlichen Karto-' thek über den gesamten Fahrzeugbesland. 1 ' Die Beschaffung armeegeeignetei'Fährzeuge ist eine Aufgabe, die nach wie Vor die Kriegstechnische Abteilung behandelt, wobei sie selbstverständlich eng mit der Abteilung für Heeresmotorisierung zusammenarbeitet und sich auf deren Anträge stützt. Obwohl die korpseigenen Motorfahrzeuge zahlenmässig immer in der Minderheit 'bleiben, so haben sich die Bestände doch ausserordentlich vergrössert. Für den Unterhalt und die Verwaltung der beschafften Fahrzeuge genügt deshalb der Armeemotorfahrzeugpark in Thun nicht mehr; es müssen deshalb in verschiedenen Teilen des Landes weitere Parks gebildet werden, die umfangmässig die heutige Thuner Anlage noch übertreffen werden. In der Ausbildung der Motorfahrzeugführer; des Fachpersonals und der Kader hat eich in der letzten Zeit eine Entwicklung durchgesetzt, die vom eigentlichen Schöpfer der Motortransporttruppe, Oberst Ernst Ruf, schon zum voraus erkannt worden ist. *) Während in den zwanziger und dreissiger Jahren alle Fahrzeugführer der Armee auf dem Waffenplatz Thun ausgebildet worden sind und neben der Stammtruppe, der Motortransporttruppe, nur die Abteilung für Leichte Truppen ihre eigenen Führer ausbildete, hat heute der Bedarf an Fahrzeugführern derart zugenommen und anderseits der Motorisierungsgedanke in so starkem Masse Boden gefasst, da&s nun auch die Artillerie, die Flieger und Flab sowie die Genietruppen zur Selbstausbildung geschritten sind und die Infanterie, bei der Flab, Train und ein Teil der Stäbe motorisiert wird, in Bälde folgt. Damit ist nun das dringende Bedürfnis nach einer Stelle fühlbar geworden, die die Motorfahrerausbildung der gesamten Armee koordiniert. Ferner ist der Bedarf an Offizieren, Fachpersonal und Mechanikern derart gestiegen und es haben sich die Anforderungen an deren technisches Können vergrössert, dass die fachliche Ausbildung vermehrte Beachtung finden musste. Diese Belange werden nun von der neuen Abteilung Heeresmotorisierung für die ganze Armee behandelt. * Durch die vorliegenden Ausführungen ist nun die Organisationsform der Abteilung bereits vorgezeichnet. Neben einem administrativen Adjunkten für die personellen und Verwaltungsangelegenheiten behandelt eine Sektion die Beschaffung der Requisitionsfahrzeuge sowie in Zusammenarbeit mit der KTA die Ausrüstung mit armeeigenen Fahrzeugen, ferner von Material (Treibstoffe, Reifen etc.): eine andere Sektion befasst 6ich *) Siehe u, a. « Die Zukunft der Motortransporttruppe » von Oberst E. Ruf in « A.-R, » Nr. 40 vom 2. Oktober 1946. — Mitte: Oberst Ernst RUF, Chef der Sektion Ausbildung der liehe Schöpfer der Motortransporttruppen und war in den tralisation der Ausbildung sowie die Unterstreichung fachtech unter seiner Leitung zur Abteilung Heeresmotorisierung tritt. — Vorgängig der Tätigkeit in der Sektion Heeresmotorisierung porttruppe, später bei den motorisierten mit der eigentlichen Motorisierung der Truppen, also der Neuaufstellung und Neuzuteilung, während die dritte Sektion die Ausbildung der Motorfahreroffiziere lind Motormechaniker leitet und daneben -die Koordination der Fahrausbild&ng in/ dey ganzen Armee 6owie die vor- und außerdienstliche Ausbildung an Motorfahrzeugen •Heüorgt. Ffir .die "entere Aufgabe steht ihr das Ausbildimgszentruin Thun zur Verfügung, das mehr und mehr für die eigentliche technische Ausbildung ausgebaut wird. Schliesslich steht die Oberleitung aller Motorfahrzeugparks ebenfalls direkt unter der Abteilung Heeresmotorisierung. Das Unfallwesen wird von einem fachtechnischen Mitarbeiter, der Am 29. und 30. Mai fand in Zürich die ordentliche Generalversammlung der schweizerischen Gesellschaft der Offiziere der motorisierten Truppen statt, die dieses Jahr von der Sektion Ostschweiz organisiert worden war. Sie stand diesmal unter einem besonderen Zeichen, ist doch, wie im Leitartikel dieser Nummer behandelt, kürzlich die neue Abteilung für Heeresmotorisierung im EMD gegründet worden. Die Schaffung dieser neuen Organisationsform ist weitgehend ein Verdienst der Gesellschaft, vorab ihres bisherigen Präsidenten, Oberetlt. E. Rupr e cht (Egnach) v d«r ,;in, wiederholten Eingaben an das EMD darauf hingewiesen hatte, dass die Erfahrungen des Aktivdienstes eine organisatorische Konzentrierung der Kräfte in der Motorisierung verlangten. Der Vorstand hat ferner an das EMD eine Eingabe gerichtet, in der er die Bestellung einer aus massgebenden zivilen Fachleuten bestehenden Kommission für Heeresmotorisierung postuliert, die dem Abteilüngschef, der sich dazu positiv ausgesprochen hat, zur Seite stehen soll. Von den statutarischen Geschäften sei hier eine teilweise Neuwahl erwähnt, wobei an Stelle des unter Verdankung seiner grossen Verdienste zurücktretenden bisherigen Präsidenten neu Hptm. W e g e 1 i n (St. Gallen) das Präsidium übernimmt, während Hptm. Fey (St. Margrethen) aU Zentralaktuar gewählt wurde. Als Vizepräsident beliebte an Stelle des zurücktretenden Oberstlt. Michaud Hptm. Berger (Lausanne). Dem Zentralvorstand gehören ferner an Hptm. Honegger (Zürich) als Zentralkassier sowie die Präsidenten der Sektionen, nämlich Hptm. Kleiner (Ostschweiz), Major Scherrer (Basel), Oberstlt. Burkhardt (Zentralschweiz) und Hptm. Moser (Section romande). Die Gesellschaft hat positiv abgeschlossene Verhandlungen mit der Schweizerischen Offiziersgesellschaft zur Aufnahme als Waffensektion geführt, während sie durch einen Delegierten zum ACS, Major Scherrer (Basel) die Teilnahme von Wehrmännern in der Militärkategorie der motorsportlichen Veranstaltungen fördern will. Weitere Probleme aus der Tätigkeit der Gesellschaft sind die Haltung armeetauglicher Motorfahrzeuge, die Entwicklung der Auto-Transportordnung im Rahmen des Wettbewerbes Schiene und Strasse, die Förderung des Motorwehrsportes (Ausscheidungskämpfe 1949 und 1950, gesamtschweizerische Konkurrenz 1950), die Junigmotorfahrerkunse und ausserdienstliche Ausbildung der Offiziere. Linkt! Oberstbrigadier Robert ACKERMANN, Chef der Abteilung für Heeresmotorisierung. Nach ziviler Tätigkeit in führenden Stejlen im Automobilwesen und in der Maschinen Industrie begann Ackermann seine militärische Laufbahn als Instruktionsoffizier der Fliegertruppe, wo «r vor Kriegsaus bruch Sektionschef wurde. Nach kurzer Tätigkeit als General- Stabsoffizier im Gotthard übernahm er als Nachfolger von Oberst H. Mäder im November 1940 die Abteilung Heeresdes Aktivdienstes im Rang eines Seklionschefs weiterausübt«. motorisierung im Armeestab, welche Funktion er nach Ende Abteilung für Heeresmotorisierung. Oberst Ruf ist der eigentletzten Jahren der weitblickende Vorkämpfer für die Dezennischer Belange im Ausbildungszentrum Thun, das nunmehr Rechts: Oberstlt. i. Gst. Max DOERKS, Chef der 2. Sektion, war Doerks als Instruktionsoffizier zuerst bei der Motortrans- Leichten Truppen tätig. (Photos Photopress, ATP und Privat) Jurist und Offizier der Mot. Trp. ist, bearbeitet. Durch diese Organisation hat nun erstmals die Verwendung des Motorfahrzeugs in der Armee diejenige Untermauerung gefunden, die allein einen militärisch zweckmässigen und volkswirtschaftlich tragbaren Einsatz sichert. Ohne Zweifel wird die neue Abteilung nicht nur im rein militärischen Gebiet einen starken Einfluss ausüben, sondern dank des ihr zur Verfügung stehenden fachtechnischen Apparates das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Armee auf dem Gebiet der Motorisierung sichern und vor allem die für diesen Sektor der Landesverteidigung notwendigen Aufwendungen lukrativer gestalten. Br. Die ausserdienstliche Tätigkeit der «motorisierten» Offiziere Die Sektion Ostschweiz, der die Durchführung der Tagung zugefallen war, hatte die Mitglieder der Gesellschaft zur Teilnahme an einer «Jeepkonkurrenz» aufgerufen, zu der sich 37 Equipen, aus Vertretern verschiedener motorisierter Waffengattungen zusammengesetzt, meldeten und wobei sich alle militärischen Grade, vom Leutnant bis zum Oberstleutnant, auf gleichen Fahrzeugen im sportlichen Wettkampfe gemessen haben. Als Fahrstrecke wurden Waldwege im Räume Wallisellen—Bassersdorf—Kloten gewählt. Es war eine typische Strecke für Jeeps. Wenn auch weite Strecken des Parcours mit jedem kleinern Normalfahrzeug hätten bewältigt werden können — sofern man zum voraus für tiefe Schwingachsen, Hochglanz-Kotflügel und Chromverzierungen jede Verantwortung abgelehnt hätte —, so stand man doch plötzlich vor einer Rutschbahn, die in eine Kiesgrube hinunter und ebenso steil wieder hinaufführte, und oft waren die Waldwege derart wellig, von Wurzeln durchzogen oder mit Sumpfgräben verlegt, dass man mit einem Normalfahrzeug nicht zum Ziel gekommen wäre. Bei der Veranstaltung wurde auch das militärische Moment betont, indem für Fahrer und Hilfsfahrer, ausser der blossen Führung des Fahrzeuges unter genauer Einhaltung von Durchschnittsgeschwindigkeiten über sehr kleine Strecken, die zwischen 12 und 30 km/h lagen, auch noch Beobachtungsaufgaben und ein Pistolenschiessen zu erledigen waren. (Schluss auf Seite 2) 50000 Wagen seit Anfang 1946 importiert Die Kantone erhalten 15 Mill. 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