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E_1948_Zeitung_Nr.027

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18 AUTOMOBIL-REVUE

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in. Blatt BERN, 16. Juni 1948 AUTOMOBIL-REVUE III. Blatt BEFN, 16. Juni 1948 Österreich wirbt um den fremden Autotouristen Tirol bietet dem Autotouristen die schönsten Landschaften und Sehenswürdigkeiten. Im Inntal vor Brixlegg. In die verworrene bisherige Situation des österreichischen Fremdenverkehre haben die Bundesbehörden noch einmal eingegriffen, und mit einer völligen Neuordnung hoffen sie, die Missstände, die sich hier herausgebildet hatten, endgültig beseitigen zu können. Seit dem 1. Juni ist nämlich die unrühmlich bekanntgewordene Hotelbuchung im Ausland nicht mehr Grundbedingung für die bevorzugte und sofortige Einreiseerlaubnis, sondern nur noch der Erwerb von Reiseschecks. Diese in Schillingwährung ausgestellten Zahlungsmittel sind in jeder österreichischen Auslandsvertretung, aber auch in Oesterreich selbst für die Auslandstouristen erhältlich und weder an eine Mindestzahl von Tagen noch an die Verwendung in irgendwelchen bestimmten Hotels oder Orten gebunden. Lediglich für jeden Tag der beabsichtigten Aufenthalts-, bzw. Visumsdauer müssen Seh. 30.— in Reiseschecks — zum österreichischen Nationalbankkurs! — gelöst werden. Das entspricht derzeit bei 2,5 Seh. pro Schweizer Franken immerhin noch 12 Fr. Für weitere 10 Schillinge in Reiseschecks oder 4 Schweizer Franken pro Tag erhält der Tourist auf Wunsch « Ausländer Lebensmittelkarten » auf der Basis von 4500 Kalorien pro Tag, womit er überall essen kann. Nachdem bisher schon zumindest in den westlichen Bundesländern die Wirte für einen Aufpreis von einigen Schillingen und zusätzliche Marken ein auch für anspruchsvollere Gaumen mitunter ganz passables Essen zubereitet hatten, besteht eine gewisse Gewähr dafür, da6s die Ausländer wohl kaum so bald den Neid der « ausgehungerten » österreichischen Gäste erregen werden. U mdies auszuschliessen, will man nämlich die Zahl der Ausländerhotels und Restaurants noch erweitern und ebenso wie ' bisher in Zürs unter gewissen Bedingungen auch österreichische Gäste aufnehmen. Auf den ersten Blick sieht es nun so aus, als ob damit — ausser der Freizügigkeit der Wahl — nichts viel besser geworden wäre. Noch immer muss ja der ausländische Tourist 16 sFr. pro Tag vorausbezahlen.Und wenn er, was ziemlich sicher ist, mit seinen täglichen 30 Seh. in Schecks nicht auskommt und für den Rest noch einige gute Fränkli — immerhin auf dem freien Markt — umwechseln muss, erhöht sich das Tagesbudget nicht auf 20 und 25 sFr.? Nein. diese Befürchtung ist ganz unbegründet. Denn für den Autotouristen bietet die neue Regelung den Vorteil, dass er sich für die Reiseschecks eine beliebige Menge von Benzingutscheinen zum selben Preis wie in der Schweiz kaufen kann. Nach dem Verbrauch seiner Reiseschecks zum Einkaufswert steht er nun vor der angenehmeren und sein Gewissen beruhigenden Wahl, entweder lediglich einen Betrag von 4 sFr. für Ausländer Lebensmittelkarten zu riskieren und in den «Ausländer Restaurants» auf Marken zum billigen österreichischen Preis zu essen oder sich während seines ganzen Aufenthalts mit den Schillingen, die er zum freien Kurs «irgendwo» erwarb — vielleicht auch in denselben Restaurants — « frei » zu verpflegen. Auch diese Alternative dürfte ihm indessen bald erspart bleiben, denn bereits notiert die Ausländer Lebensmittelkarte, noch gar nicht geboren, auf dem österreichischen Schleichhandelsmarkt. Diese Möglichkeit, zu einem «billigen» Aufenthalt zu kommen, ist zwar nur eine von mehreren, die das neue System bietet und von denen auch die österreichischen Behörden wissen. Sie wollen sich aber lieber mit wenigem begnügen, bevor ihnen vieles durch den « Onkel Schleich» aus den Händen gleitet. Von,ähnlichen Erwägungen Hess sich in den letzten Monaten auch die österreichische Tabakregie leiten, als sie sich ent. schloss, ihre Erzeugnisse zum Teil frei um «in Drittel des früheren Preises — und unter dem Schleichhandelspreis — zu verkaufen, der dadurch kein « Schleich» mehr ist, weil er langsam aufhört zu existieren. Ebenfalls vom 1. Juni an werden — eine erfreuliche Kunde für die ausländischen Autotouristen — fast alle Tankstellen 0e6terreichs, voran jene von Shell und Standard-Esso, gegen die Ausländer Gutscheine Benzin abgeben. Eine Liste dieser Stellen erhält der fremde Autogast an sämtlichen Strassengrenzübergängen ausgehändigt. Die Benzingutscheine werden bei allen Büros der Automobil- Clubs, den Landesverkehrsämtern und den Verkehrsvereinen direkt gegen Devisen zu haben sein (1 Liter = 67 Rappen). Bei dieser Neuerung hat e6 jedoch sein Bewenden nicht. Ihr weitere angenehme Seiten abzugewinnen, die Oesterreich für Vorarlberg wirbt vor allen anderen Bundeslandern um den ausländischen Motortouristen. Im Klosterbul hinter dem Arlberg. sein« ausländischen Autotouristen bereithält, hängt, wie die Hinweise »weiter oben erkennen lassen, allerdings teilweise von der Initiative des Reisenden ab. Schon seit einem Jahr 6ind die Hotel« und auch kleinere Gasthöfe in den abgeschiedenen Alpentälern darangegangen, wieder aufzubauen oder ihren Betrieb den internationalen Ansprüchen gemäss etwas zu modernisieren. Nun, ich muss sagen, was ich selbst in dieser Hinsicht vergangenes Frühjahr sah, war, gemessen am Stand vor einem Jahr, vielfach überraschend, namentlich in den grösseren Städten. Wohl sind durch die Kriegsereignisse mehr als 1100 Betriebe mit insgesamt 31 000 Betten ausgefallen; wohl sind weitere 1200 Hotels und Gasthöfe mit 36 000 Betten noch immer von den Besetzungstruppen und « displaced persons » beansprucht, doch der Rest von ca. 50000 Zimmern befindet sich schon wieder soweit in Ordnung, um einen Teil des Vorkriegs-Fremdenstromes aufnehmen zu können. Um wahllos nur einige der jüngsten « Wiederaufbauten » herauszugreifen: Hier ist es der « Krebs» und der < Hahn » in der Festspielstadt Salzburg, die bisher am schlimmsten dran waren, dort in der Tiroler Hauptstadt der « Maria- Theresia-Hof » neben manch anderen, auf den Höhen des Arlberg haben die Zuerser Hotels ihren hohen Standard bewahrt, und in manchem abgeschiedenen Tal, in Obergurgl oder im Montafon, empfangen renovierte Hotels ihre Gäste. Auch die im Vorjahr improvisierten « Schiffhotels » von Linz haben sich mit « Flossgaragen » auf den Autotouristen besonders eingestellt. Allen anderen Bundesländern weit voran bemüht sich das Vorarlberg, um den internationalen Autotourismus. Es hat zuerst erkannt, dass dieser Verkehr nur dann zu gewinnen und zu halten ist, wenn man ihm ausreichende Tourenmöglichkeiten gibt. Aehnlich dem Tirol war es bis vor kurzem jenes Bundesland, das nur eine einzige Durchgangsstrasse besass, von der Zweitklassrouten in die Seitentäler führten. Hier hat nun zum grossen Teil private Initiativ« eingegriffen und im Bregenzer Wald Rundtouren geschaffen, von denen derzeit nur noch wenige Kilometer über schlechte Strassenstücke verlaufen. Aber auch sie sollen bald verschwinden. Handelt es sich bei der einen um die Rundfahrt Bregenz — Bezau — Damuels — Fontanella—Feldkirch—Bregenz, wovon nur noch die 2 km Fontanelle—Faschina des Ausbaues harren, so führt die zweite Tour etwas nördlich durch den Bregenzer Wald, und zwar über Bezau und Hittels- au. ' '•'Ihre Krönung werden diese kleinen Ausflugsrouten zwar erst in der Hochtannbergstrasse und der kleinen Walsertalstrasse finden, die im Rahmen des österreichischen Strassenbauprogramms bereits Erwähnung gefunden haben. Und sollte der ausländische Autotoürist in Oesterreich einmal den Wunsch hegen, nicht nur Pässe zu befahren, sondern auf Bergeshöhen zu gelangen, so braucht er keine Bergschuhe mitzunehmen. Mit jedem Wagen erreichbar sind die Talstationen der Drahtseilbahnen, die alle wieder in vollem Betrieb stehen (von Bregenz auf den Pfänder ebenso wie auf den Galzig am Arlberg, den Patscherkofel und das Hafelekar bei Innsbruck usw.). Zu ihnen gesellte sich noch in den letzten Jahren eine insbesondere wohl den Schweizer anheimelnde Einrichtung: der Bau etlicher Sessellifte, von denen gerade in diesem Sommer der jüngste, der Tschaggunser Lift, eine Erweiterung auf über 2000 m erfahren hat. In dieser Hinsicht tragen 6ich aber ebenso auch Karaten Szene im Grossen Walsertal. wie Salzburg und Oberösterreich mit neuen Plänen. Neben der Dachsteinseilbahn, die sich bereite im Bau befindet, ruht auch das Land der Festspielstadt Salzburg nicht: Bald wird man den Untersberg und den Gaisberg in der Schwebebahnkabine erreichen können. Wien allerdings wird den meisten Autotouristen noch verschlossen bleiben. Nicht weil es hier nicht auch schon Hotels und Ausländer Restaurants mit genügender Verpflegung gäbe, sondern weil für die Donaustadt noch ein Viermächtevisum notwendig ist, das im Ausland nicht sofort erteilt wird. Doch man wagt zu hoffen ... nicht heuer ... vielleicht nächstes Jahr. DEUTSCHLAND Steuererhöhung gefährdet Wirtschaft Die empfindliche Erhöhung der Motorfahrzeugsteuer, insbesondere bei den schweren Nutziwagenklassen, ist für die gesamte Automobiliwirt«chafc von schwerwiegender Bedeutung. Die derzeitige Produktion von Fahrzeugen, die ausserordentlich hohe Nachfrage 6owie der noch vorhandene « Geldüberhang » lassen zwar die Auswirkungen der überaus hohen Steuern im Augenblick noch nicht deutlich sichtbar in Erscheinung treten. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die derzeitige Steuerpolitik bei einer wachsenden Produktion und insbesondere nach der mit einer Währungsreform verbundenen Beseitigung des GeldübeAangs binnen kurzem zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des gewerbsmäßigen und des Werkverkehrs sowie der Automobilfabriken führen muss. Diese Erkenntnis hat jetzt den «Verband der Auto.mo'biJindustrie» veranlasst, in einer Eingabe an die Finanzverwaltung mit allem Nachdruck ihre Besorgnis über die Entwicklung der Steuerpolitik zum Ausdruck zu bringen und gegen die motorfahrzeugfeindlichen Steuermassnahmen Einspruch zu erheben. Der VDA ist sich bewusst, dass eine solche Eingabe keineswegs eine sofortige Revision der überaus holten Steuern zur Folge haben wird. Es muss jedoch mit allem Nachdruck auf die unausbleiblichem Folgen hingewiesen werden. Die deutsche Autoindustrie reduziert ihren Produktionsplan Schon in der « A.-R. » vom 21. April hatte eine Korrespondenz aus Deutschland darauf hingewiesen, dass die Automobilindustrie ihren Produktionsplan für 1948 vermutlich nicht werde einhalten können, und zwar in erster Linie wegen der Schwierigkeiten in der Stahl- und Eisenbeschaffung. « Wir gehen sogar so weit », schrieb jener Mitarbeiter damals, « za sagen, dass die deutsche Autoindustrie sehr gut abschneiden würde, wenn sie 1948 ihren Plan nur zu 50 % erfüllen könnte. » Tatsächlich haben sich die zuständigen Kreise nunmehr auch zu einer Herabsetzung der ursprünglichen Planziffern entschlieesen müssen, welche die befürchteten und vorausgesagten 50 % sogar noch übersteigt. Sah das Programm für 1948 den Bau von 44 706 Personenwagen sowie von 39 668 Lastwagen und Omnibussen vor, so sind nun kürzlich an einer Tagung der zuständigen Länder-Fachausschüsse auf Grund der vorhandenen und zugeteilten Rohstoffe die Produktionszahlen für die Bizone neu festgelegt, d. h. reduziert worden. Anstatt der anfänglich geplanten 44 706 Personenwagen rechnet man jetzt nur noch mit rund 22 500, nämlich 11850 Volkswagen, 6000 Opel-Olympia und 4700 Mercedes - Benz - 170-V. Noch stärker ist die Kürzung, die 6ich das Nutzfahrzeugprogramm gefallen lassen mus6: von fast 40 000 schmilzt es jetzt auf 16050 zusammen, nämlich 15 250 Lastwagen von %—5 Tonnen und 800 Omnibusse. Hinzu kommen noch 1000 Einachsanhänger für Personenwagen, 3600 Lastwagenanhänger von 3 — 8 Tonnen Tragfähigkeit sowie Motorräder usw. Hiezu gibt die Verwaltung für Wirtschaft bekannt, dass dieses Produktionsziel nach Ansicht der Sachverständigen eingehalten werden kann, wenn keine unvorhergesehenen Verschlechterungen in der Energiezuteilung und im gegenwärtigen Beschäftigungsgrad eintreten. Mit Ausnahme von 30 % der Personenwagen, welche zum Export gelangen, ist die ganze Fahrzeugproduktion für den Inlandbedarf bestimmt.