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NF_Nov_2017

▲ TEXT: NICOLE

▲ TEXT: NICOLE QUEITZSCH | FOTO: DIRK HEINZE Eine Woche auf das Smartphone verzichten … Klar, das ist kein Problem! Sind ja nur 7 Tage, also 168 Stunden, abzüglich meines Schlafes nur noch 105 Stunden. Jetzt klingt es irgendwie doch ganz schön lang. Ich bin zwar kein Nomophobiker, trotzdem habe ich mein Smartphone immer dabei. Nomophobie klingt nach einer furchtbar ansteckenden Krankheit, ist aber letztlich nur die Angst, etwas zu verpassen. Nervosität, zittrige Hände bis hin zu Angstzuständen, und das alles nur, weil man nicht mobil erreichbar ist. „Nein, soweit bin ich noch lange nicht“, dachte ich mir. VON NOMOPHOBIE BIS DIGITAL DETOX Unsere NACHTFALTER-Redakteurin Nicole hat keine schwere Krankheit, sie wird nur eine Woche lang auf ihr Smartphone verzichten. Ein kleines Tagebuch über ihre Erlebnisse, sowie ihre Höhen und Tiefen lest Ihr hier. Kleine Tipps für ein stressfreieres Leben gibt’s oben drauf! 38 NACHTFALTER

EXPERIMENT Also los: Ich verzichte 10 Tage auf mein geliebtes Smartphone. Schnell wird mir klar, dass das mehr mit sich zieht als ich dachte. Was ist, wenn ich einen Unfall habe? Was ist, wenn meine Eltern oder meine Freunde in Not sind? Was ist, wenn ich mich verfahre und dann ohne Navi dastehe?! Ich überlege, ob es auch als Verzicht gilt, wenn ich mein Handy dabei habe aber nicht benutze, mir somit die Option offenhalte, im aller aller größten NOTFALL doch darauf zugreifen zu können. Der erste Tag. Es ist Samstag. Ich dachte an einem Wochenende wird es leichter sein damit zu beginnen. Ich liege noch im Bett, das Handy habe ich am Abend zuvor absichtlich nicht neben mich gelegt. Ich habe keine Ahnung wie spät es ist, weil ich nur mein Smartphone zur Zeiterfassung benutze. Das fängt ja gut an. Die Küchenuhr verrät mir zum Glück die Uhrzeit. Beim Frühstück würde ich gern mal das aktuelle Weltgeschehen checken. Dann muss ich wohl den TV anmachen. Ich weiß nicht was ich heute machen will, meine Freunde kann ich auch nicht fragen, ich kann ja nicht mit ihnen kommunizieren. Im Laufe des Tages greife ich immer wieder in die Tasche und will schauen ob mir jemand geschrieben hat. Pauschal kann man sagen, ich schaue 1x pro Stunde um dann festzustellen, dass mein Handy ausgeschalten ist. Ich hätte nicht gedacht, dass es so oft ist. So richtig weiß ich auch nichts mit mir anzufangen. Ich langweile mich. Ich überlege schon nach 4 Stunden, ob ich es vielleicht mal gaaaanz kurz einschalte. Ich entscheide mich dafür, meinen Laptop anzuschalten, schließlich verzichte ich ja nur auf mein Smartphone und nicht allgemein auf die moderne Technik. Der Sonntag läuft so ziemlich gleich ab, ich habe mich jetzt allerdings damit abgefunden dass mein Handy ausgeschalten ist und schaue nicht mehr regelmäßig nach, ob es nicht doch eventuell von Zauberhand wieder an ist. Schwieriger wird es schon beim Wochenstart. Mir fällt auf, dass ich keinen Wecker besitze und auch sonst keine Möglichkeit habe, mich morgens wecken zu lassen. Um meinen Job nicht zu riskieren schalte ich das Handy an und stelle mir den Wecker, ignoriere erfolgreich die unzähligen Benachrichtigungen. Jetzt muss ich mich entscheiden, ob ich mein Smartphone komplett zu Hause lasse, oder es für super duper Notfälle doch mitnehme. Ich will es komplett durchziehen, also bleibt es zu Hause. Auffällig ist auch, dass ich es seit Freitag nicht geladen habe und es Montagmorgen erst bei 83% liegt. Auf der Arbeit angekommen, würde ich jetzt gern meinem Freund sagen, dass ich angekommen bin. Das wird leider nichts. Da ECHT TORGAU mein Rechner sehr langsam hochfährt, starre ich aus dem Fenster, statt nochmal ein bisschen durch Facebook zu scrollen. In meinen kleinen Schaffenspausen habe ich immer wieder das Verlangen nach meinem Handy. Ein bisschen Ablenkung zwischendurch wäre schön. Heute fällt mir der Verlust schon deutlich schwerer und ich frage mich, warum ich diesen Sch*** eigentlich mache. Ich konnte es kaum glauben, aber ein wenig nervös war ich schon. In den folgenden Tagen wurde ich immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Ich konnte nicht auf meine Notizen zugreifen, also habe ich beim Einkaufen die Milch und Streukäse vergessen. Beim Sport konnte ich keine Musik hören, musste den Gesprächen der anderen lauschen und war sehr viel unmotivierter als sonst. Insgesamt fühle ich mich irgendwie einsam. Ich verabrede mich zwar trotzdem mit Freunden, aber auch die glotzen ständig auf ihr Smartphone, was mich mittlerweile tierisch nervt. Allgemein nerven mich alle Personen die permanent mit dem Handy in der Hand rumlaufen. Am liebsten würde ich rumpöbeln, die sollen gefälligst mal auf ihre Umwelt achten. Ich achte nämlich jetzt tatsächlich mehr auf meine Umgebung, schaue auch mal Fremden ins Gesicht, wenn ich an ihnen vorbeilaufe und nehme alles irgendwie intensiver wahr. Aber ich will mich ja nicht selbst belügen, ein bisschen neidisch bin ich schon auf die anderen mit ihren Smartphones in der Hand und Kontakt zur Außenwelt. Denn ich fühle mich isoliert und irgendwie fremd. Abschließend kann ich sagen, dass ich mich allgemein nicht wohler gefühlt habe ohne mein Smartphone. Irgendwie erleichtert es mir schon das Leben und es ist ein schöner Zeitvertreib. Die Freude war enorm, als ich es am Samstag wieder eingeschalten habe und endlich meine ganzen Nachrichten, E-Mails und Neuigkeiten checken konnte. Dennoch bemerkte ich, dass ich allgemein ruhiger war, als ich wusste, dass mich nichts erwartet, wenn ich auf den Homebutton meines Smartphones drücke. Zudem konnte ich nach der Arbeit leichter abschalten und herunterkommen, als zuvor. Daher habe ich mich dafür entschieden, es ab sofort am Nachmittag komplett wegzulegen und mich auf mein Privatleben zu konzentrieren, ohne immer wieder nachzugucken, ob es in den sozialen Netzwerken irgendetwas vermeintlich Wichtigeres gibt. Eine gute Möglichkeit ohne drastischen Verzicht auf die Außenwelt ist ‚Digital Detox’. Dabei verringert man die Benutzung von technischen Geräten wie Smartphones, Tablets und Computern, um besser abschalten zu können und wieder produktiver zu sein. NACHTFALTER HAT EIN PAAR ABSCHLIESSENDE TIPPS FÜR EUCH ZUSAMMENGEFASST: 1. : HANDY AM MORGEN NUR ALS WECKER BENUTZEN UND NICHT SOFORT IM BETT DIE NEUIGKEITEN CHECKEN. ÜBRIGENS: ES GIBT FÜR EIN PAAR EURO NOCH WECKER, DIE NICHTS ANDERES TUN ALS DICH ZU WECKEN. 2. : SMARTPHONE BEI FREUNDEN IST TABU: SCHENKE IHNEN DIE AUFMERKSAMKEIT, DIE SIE AUCH VERDIENEN. WENN IHR EUER TELEFON MAL STUMM IN DER TASCHE LASST, KÖNNT IHR DIE ZEIT INTENSIVER NUTZEN UND GENIESSEN. 3. : IN RUHE ESSEN: VOR ALLEM WENN MAN ALLEINE ISST, SUCHT MAN SICH ABLENKUNG IM SMARTPHONE. ABER WA- RUM? GENIESST EINFACH DIE FREIE ZEIT UND SEID EBEN MAL NICHT ERREICH- BAR. SEHT ES ALS PAUSE VOM ALLTAGSSTRESS. 4. : MAL ABSICHTLICH VERGESSEN: LASST EUER HANDY BEIM NÄCHSTEN SPAZIERGANG EINFACH MAL ZU HAUSE UM DIE UMGEBUNG INTENSIVER WAHRZUNEHMEN UND ABZUSPANNEN. 5. : PUSH-NACHRICHTEN ABSTELLEN: ENTSCHEIDE SELBST WANN DU NEUIG- KEITEN CHECKEN MÖCH- TEST. WENN DEIN TELEFON KLINGELT, IST DER DRANG VIEL GRÖSSER ES AUCH IN DIE HAND ZU NEHMEN. 6. : NACHTRUHE EINHALTEN: DAS SMARTPHONE GEHÖRT NICHT MIT INS BETT! DEINE SCHLAF- QUALITÄT WIRD SICH UM EINIGES VERBESSERN, WENN DAS HANDY AN EINEM ENTFERNTEN ORT SCHLUMMERT UND NICHT DIREKT NEBEN DIR. NACHTFALTER 39

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