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E_1948_Zeitung_Nr.041

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AUTOMOBIL REVUE

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AUTOMOBIL REVUE Nr. 41 —III. BLATT BERN, 22. SEPTEMBER 1948 SAFETY FIRST London, Sommer 1948. In dieser Riesenstadt ohne Grenzen ist, wie überall im Vereinigten Königreich, alles auf Verkehrssicherheit abgestimmt, vom weissen Aermelbesatz des Autobuschauffeurs — wodurch die Wahrnehmbarkeit der Zeichengebung verbessert werden soll — bis zum neuen, grobkörnigen und griffigen Strassenbelag, der das glitschige Holzpflaster verdrängt. Trotz der vorbildlichen Verkehrssignale, trotz zahlloser, mannigfaltiger Warnzeichen, dazu der sprichwörtlichen Disziplin und Fügsamkeit des Engländers Vorschriften gegenüber, bewegen sich die Verkehrs-Unfallziffern in einer Höhe, welche den verantwortlichen Stellen die gebieterische Pflicht auferlegt, ihre Anstrengungen zu deren Verminderung noch weiter zu steigern. Wenn auch der vergangene Mai — für ganz England — einen Rückgang der tödlich verlaufenen Unfälle auf 301 verzeichnete, wovon mehr als ein Drittel Kinder waren, so verschlimmerte sich das Bild im Juni wieder etwas, obgleich auch er mit einer der niedrigsten Unfallziffern für diesen Monat zu Buche steht. Anfangs Juni wurde die Benzin- Grundration wieder in Kraft gesetzt, wodurch 250 000 bisher stillgelegte Fahrzeuge und viele des Fahrens seit langem entwöhnte Lenker wieder auf die Strasse kamen. So schnellte die Zahl der Todesopfer auf 375 empor. Behörden und Verbände wetteifern unter Führung des Transport-Ministeriums miteinander, die Verkehrssicherheit zu verbessern. Vor dem Kriege war die Unfallbekämpfung zumeist privater Initiative überlassen, seither aber hat sie das Oberhaus des Parlaments zu einer Angelegenheit der Regierung Not cars. Not cycl« er motor* eyelet. Not buset or tramt. Not even trollcy-busei ... Ein Beispiel aus der vom Transportministerium durchgeführten Inseratenkampagne. « Weisst du, welche Verkehrsart die grösste Beschleunigung hat? > so wendet sich äie'se Darstellung an den Fussgänger. > Nicht die Personenwagen, auch nicht die Velos oder Motorräder. Ebensowenig Bus oder Tram, nicht einmal der Trolleybus... Vielmehr besitzen die Fussgenger so seltsam es scheinen mag, die grösste Anfangsbe.- schleunigung, sie bewegen sich, wenigstens in den ersten 30—40 cm oder so, schneller als alles andere auf der Strasse. Und sie können die bei weitem raschesten Richtungswechsel vornehmen. % gestempelt. Ein von ihm 1939 eingesetztes Studienkomitee entwarf einen Arbeitsplan, dessen Ausführung, durch den Krieg unterbrochen, erst in jüngster Zeit in die Tat umgesetzt werden konnte. Die Vorschläge gipfelten in dem Leitsatz, dass drastische Massnahmen im Kampf gegen den Unfall erforderlich seien. ""* Die Unfallhäufung hatte zur Folge, dass noch während des Krieges im Jahre 1943 ein Ausschuss aus Regierungsvertretern und der Gesellschaft für Unfallverhütung (Royal Society for the Prevention of Accidents) gebildet wurde, mit der Aufgabe, die Oberhausvorschläge zu prüfen und raschestens der Verwirklichung entgegenzuführen. Der umfangreiche, Ende des Vorjahres veröffentlichte Bericht bildet nun die Grundlage der neuesten Massnahmen. Unfallbekämpfung in England Leichtsinnige sind die vor kurzem an den Stadthäusern angebrachten grossen Tafeln gedacht, auf denen jeden Monat die Zahlen der im Stadtgebiet Verunglückten unter Hervorhebung der Kinderunfälle aufgeführt sind. Grelle Farben untermalen dies Memento. Die statistischen Angaben für alle Stellen besorgen das neuerrichtete Forschungsinstitut für Verkehrssicherheit, sowie Scotland- Yard und die anderen Polizeiverwaltungen, die auch die aufschlussreichen Unfallkarten bearbeiten. Die nach aussen in Erscheinung tretenden Massnahmen des Ministeriums bestehen im wesentlichen aus Ankündigungen Dos ist der < Jimp », die symbolische Figur eines unheilstiftenden Verkehrskobolds, der die Fahrer zu unüberlegtem und unverantwortlichem Tun verfuhrt. und Plakaten, sowie aufklarenden Zeitungsinseraten. Dabei wird der vom Oberhauskomitee empfohlene Weg befolgt, die Methoden in gewissen Zeitabständen zu wechseln; um die der Angewöhnung folgende Abstumpfung zu verhindern. So brachte das Ministry of Transport letzthin den «Jimp » auf die Szene: einen Unheil stiftenden Verkehrskobold, der die leichtsinnige, verantwortungslose Seite der menschlichen Natur symbolisiert. Die Inserate zeigen den «Jimp» am Werk, wie er zu Unbesonnenheit zu verführen sucht. HE WfiHTEÖ A FREE RIDE Was umfasst das Unfallverhütungsprogramm ? Die Königliche Unfallverhütungsgesellschaft folgt ihrerseits einem nach den Gesichtspunkten der Verkehrserziehung und Fahrerbeeinflussung gegliederten Arbeitsprogramm. Allmonatlich werden Plakate herausgegeben, die Fussgängern, Radfahrern und Motorfahrzeuglenkern bestimmte Punkte aus dem neuredigierten Strassenkodex in Erinnerung rufen. Das Radio erhält kurze Mitteilungen für seinen Nachrichtendienst, zeitweise auch Vorträge zur Uebertragung. In den Kinos finden Nachmittagsvorstellungen für Kinder statt, wobei Filme zur Vorführung gelangen, die im Bezirk selbst, also an den Kindern vertrauten Oertlichkeiten aufgenommen worden sind. Die Presse wird mit Notizen, Artikeln, Statistiken usw. beliefert. Von der Gesellschaft ausgearbeitete Vorträge werden Clubs, Instituten usw. zur Verfügung gestellt oder Referenten besorgt. Eine mobile Verkehrs-Ausstellung der Gesellschaft macht bei den Schulen des Landes die Runde. Spezielle Kurse für die bei der Unfallverhütung Tätigen spornen zur Einführung immer besserer Methoden an. Dazu kommen Flugblätter, welche den einzelnen Kategorien von Strassenbenützern angepasst sind. Die Abteilung für Schulaufklärung hält für die Unterrichtsanstalten Filme, Auf- 60 000 klärungsschriften für Lehrer, Eltern, Kinder bereit; Uebungsstunden für Lehrer und Polizeibeamte sind häufig. Zahlreiche FrauenvfeKßine bemühen sich, Eltern zur Verkehrserziehung der Kinder schon im vorschulpflichtigen Alter anzuhalten, und Jugendvereinigungen sind erfolgreiche Mitarbeiter der Gesellschaft geworden. Nachahmung verdient die von ihr praktizierte Prämiierung unfallfreier Berufschauffeure. Lautloser Verkehr Es sei hier eingeschaltet, wie sehr es den fremden Besucher überrascht, in dieser Metropole den Verkehr lautlos abrollen zu sehen. Kein Hupenton der Fahrzeuge, kein Klingelzeichen der dicht aufeinander folgenden Strassenbahnen! Das vorerwähnte Komitee der Lords ist nämlich von den akustischen Signalen abgerückt, wenn es feststellte: «Die Zeiten, sind vorüber, da ein Richter den Fahrer freispricht, weil dieser den Unfall durch Hupen verhindern wollte. Zu häufige Signale sind sogar gefährlich, weil sie Radfahrer und Fussgänger, die im Unterbewusstsein das Warnsignal voraussetzen, zu Unachtsamkeit verleiten.» Danach ist der lautlose Verkehr gleichsam als Erziehungsmittel zur Vorsicht zu werten, wie alle Abwehrmassnahmen gegen die Verkehrsunfälle hauptsächlich auf erzieherische Wirkung zielen. Freilich stützen sie sich auf vorzügliche Einrichtungen. Nirgends wohl findet man eine solche Fülle der rot-orangegrünen Verkehrsampeln, die an jeder einigermassen wichtigen Strassenkreuzung oder Einmündung automatisch gesteuert werden. Bei sternförmigen Plätzen besorgt ein Polizist diese Steuerung nach der jeweiligen Belastung des Verkehrsstranges. Dabei ist es bemerkenswert, mit welcher Disziplin jedermann hier das rote Haltezeichen beachtet und auf die Freigabe wartet, selbst bei vollkommen leeren Querstrassen. Besondere Sorgfalt wird den Fussgängerstreifen gewidmet; sie sind an gelben, auf Pfählen sitzenden Kugeln neben den in die Fahrbahn eingelassenen Metallknöpfen leicht erkennbar. Eine Neuerung bildet die helle Tönung oder Pflasterung der Streifen. In einem der südlichen Stadtbezirke sah ich Fussgängerstreifen mit origineller, gelbblauer Bemalung in Schachbrettform, denen die Kinder sichtlich den Vorzug gaben. Ein wesentlicher Teil aller Propaganda bemüht sich, dem Publikum einzuprägen, dass das Ueberqueren der Strasse ausschliesslich auf den Fussgängerstreifen zu erfolgen hat. «Eltern, gebt Euren Kindern das Beispiel!» ruft ein Plakat, und an das Portemonnaie des Steuerzahlers wendet sich ein anderes: «Du hast für die Errichtung des sicheren Ueberganges bezahlt, warum bedienst du dich seiner nicht?» Wie sag ich s den Kindern? Immer wieder aber ergeht vor allem an die Kinder die Mahnung, die Fahrbahn korrekt zu überqueren. Für die Acht- bis Zwölfjährigen hat übrigens die Royal Society eine buntillustrierte Verkehrsfibel verfasst und die Drei- bis Achtjährigen mit einem Bilderbuch bedacht, in dem der Teddybär die Rolle des Verkehrssünders spielt und von dem gehorsamen Kind auf den richtigen Weg geleitet wird. Ein anderes Beispiel psychologisch gut gewählter Erfassung der Jugend und ihrer Mentalität wohl angepasst, verdient in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden. Hierzulande erfreuen sich die Grossen des Fussballs, des Crickets und anderer Sportarten aussergewöhnlicher Beliebtheit. Also lässt das Ministry of Transport, das « sein Publikum zweifellos zu packen versteht», dem Fussballkönig Billy das Wort: «Ja, beim Fussballspiel macht ihr Sprünge, nehmt Risiken auf euch, um zu gewinnen, aber der Verkehr ist kein Spiel, also keine Sprünge, keine Risiken, sondern wie ich es halte: Augen rechts! usw. » Aehnliche Stimmen vernimmt man von anderen Idolen der Jugend, und deren Ermahnungen —darüber kann man sich nicht täuschen — haben meist mehr Gewicht als Vaters oder Mutters Worte... Diese in den Zeitungen erscheinenden Aufrufe an die Jugend enden mit dem einprägsamen, auch von riesigen Anschlägen in den Strassen und von Plakaten in der Untergrundbahn und anderen Verkehrsmitteln wiederholten Wunsch: «Get Home Safe and Verkehrserziehungsplakate der Königlichen Gesellschaft für Unfallverhütung Wie ist die Kampagne organisiert? Zwei Zentralstellen arbeiten miteinander, das Verkehrsministerium, das die Leitung innehat, und die Royal Society. Ansehnliche öffentliche Mittel fliessen für diesen Zweck; im Vorjahre waren es 360 000 Pfund, davon 245 000 für Zeitungsinserate und Plakatverbreitung. Wohlangelegtes Geld, hat doch der Prof. Harry Jones geschätzt, dass die Unfälle dem englischen Volk jährlich Verluste von rund 100 Millionen £, also gegen 1 % Prozent seines Nationaleinkommens, kosten. Das Ministerium hat in Grossbritannien 1100 von ihm mit Propagandamaterial belieferte Zweigstellen eingerichtet. Zudem wurden von den Grafschaften (in London in den einzelnen Wahlbezirken) Unfallbekämpfungsdienste organisiert, die nicht nur das offizielle Material verwenden, sondern oft eigene recht originelle Wege gehen. Als eindringliches Memento für Unvorsichtige und HEGOTOHE! LOOKiCHIl < Er wollte eine Gratisfahrt — jetzt hat er sie > c Warum rennen Sie sich den Kopf ein? Sie brauchen ihnl » € Fahrer, achtet auf Kinder, bevor Ihr wegfahrt »