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E_1948_Zeitung_Nr.044

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Nr. 44 _ BERN, Mittwoch, 13. Oktober 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 12 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/71 Aus dem Reich des flüssigen Goldes Die Welterdölgewinnung und -Verarbeitung im Jahre 1947 Nachfrage und Angebot auf dem Welterdolmarkt Trotz einer Steigerung der Welterdolproduktion von 1946 auf 1947 um 9,7 % kann die tägliche Förderung von 1,4 Mill. Tonnen der Nachfrage nicht mehr genügen, hat doch der Bedarf um volle 12,4 % zugenommen. Mehr als die Hälfte der Zunahme dieses Bedarfs entfällt auf die Vereinigten Staaten, doch ist die Steigerung des Oelbedarfs in den übrigen Ländern prozentual (14 %) etwas grösser als in diesem Hauptproduktionsland der Erde. Im Jahre 1947 lieferten zwei grosse Gebiete mehr Erdöl als sie verbrauchten; es sind dies die Karibische Region von Südamerika und die Länder des Mittleren Ostens. In diesen Gebieten steht einem Bedarf von 4 % der Weltproduktion eine Förderung von fast 25 % der Gesamtproduktion gegenüber. Im Hauptproduktionsland der Karibischen Region in Venezuela erreichte die tägliche Erdölförderung im Jahre 1947 210 000 Tonnen, wovon 180 000 Tonnen exportiert wurden. In den Ländern des Mittleren Ostens stieg die tägliche Produktion auf 130 000 Tonnen. Davon blieben 105 000 Tonnen für den Export verfügbar. Der Bau neuer Pipe-lines wird den Export dieser Länder in den nächsten Jahren steil ansteigen lassen, sofern nicht politische Hindernisse dazwischen traten. ' In den Vereinigten Staaten hielten sich Oel- Import und -Export im Jahre 1947 erstmals die Waage. Beide betrugen täglich ca. 70 000 Tonnen. Europa, mit Ausnahme Russlands, erwies sich im vergangenen Jahre als das grösste Mangelgebiet für Erdöl. Einer geringeren Förderung stand eine Steigerung der Nachfrage gegenüber. Die tägliche Förderung machte 25 000 Tonnen aus; der Bedarf belief sich jedoch auf 160 000 Tnnnpn. Afrika und der Ferne Osten konnten ihren Bedarf an Erdöl nur zu etwa einem Sechstel aus der einheimischen Produktion decken und waren deshalb auf tägliche Importe von 80 000 Tonnen, angewiesen. Die Welterdölproduktion. Nach einer Aufstellung des World Oil Atlas, auf die sich die meisten der nachfolgenden Angaben stützen, betrug die Oelproduktion im Jahre 1947 480 Millionen Tonnen. Sie war damit 9,2 % höher als 1946. Seit Beginn der kommerziellen Erdölproduktion in den Vereinigten Staaten vor 90 Jahren hat die Gesamterdölproduktion das ungeheure Ausmass von 8,7 Milliarden Tonnen erreicht, wovon Vs allein auf die Vereinigten Staaten entfallen. Bei der Zunahme der Erdölproduktion von 1946 auf 1947 konnten indessen die Vereinigten Staaten mit der übrigen Welt prozentual nicht Schritt halten. Besonders eindrucksvoll erscheint die Produktionssteigerung der Oelfelder des Mittleren Ostens, die 18 % ausmacht und für das Jahr 1947 4,5 Mill. Tonnen erreicht, das Dreifache der Vorkriegsproduktion. Allein die Produktion von Saudi Arabien stieg innert Jahresfrist von 950 000 Tonnen auf 1,4 Mill. Tonnen. Sie wurde indessen prozentual noch übertroffen von derjenigen von Kuweit, welche von 94 000 Tonnen auf 257 000 Tonnen aufstieg. Die Produktion von Irak aus dem Kirkuk-Feld, welche von 1946 auf 1947 hätte verdoppelt werden sollen, ging indessen leicht zurück, da der Konflikt in Palästina die Vollendung der Pipe-line verunmöglichte. Die Produktion Russlands wird für 1947 auf 27 Mill. Tonnen geschätzt. Die tägliche Oelproduktion Venezuelas betrug Ende 1947 über 200 000 Tonnen, so dass für 1948 eine Produktion von über 70 Mill. Tonnen zu erwarten ist. Infolge der teilweisen Wiederherstellung der Oelfelder hat die Oelproduktion im Fernen Osten eine aussergewöhnliche Steigerung erfahren. In Niederländisch-Indien stieg sie auf das Vierfache, in Ost- Borneo sogar um das Sechsfache der Produktion von 1946 Trotzdem bleibt sie hinter der Vorkriegsproduktion noch um ca. % zurück. Bei den europäischen Ländern zeigen Oesterreich, die Tschechoslowakei, Italien und Polen eine leichte Produktionssteigerung, währenddem die Ausbeute in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Ungarn zurückgeht. Als neues Erdölland tritt 1947 Holland auf den Plan mit^ einer Produktion von 230 000 Tonnen pro Jahr, * Auch Jugoslawien weist eine plötzliche Steigerung der Produktion auf 60 000 Tonnen auf. Die Weiteraolreserven. Die welterdolreserven werden auf Ende-194 1 ! auf ca. 1 Milliarde Tonnen geschätzt, also aul etwas über das Zwanzigfache der Förderung im Jahre 1947. Währenddem die Oelförderung üfnert Jahresfrist um 40 Mill. Tonnen zugenommen hat, haben die Welterdölreserven eine Ver; mehrung von ca. 80 Millionen Tonnen erfahren; nicht eingerechnet die sehr beträchtlichen Reserven an Naturgas. 35% der Oelreserven entfallen auf die Vereinigten Staaten; sie machen das ll,6fache der Oelproduktion des Jahres 1947 aus. In den übrigen Erdölländern werden die Reserven auf das 26fache der Produktion von \Qi1 geschätzt. Die Reserven der Oelländer des Mittleren Ostens dürften ebenso gross sein wie diejenigen der Vereinigten Staaten. Die grössten Reserven werden in Iran vermutet, dann folgen in absteigender Reihe Irak, Kuweit und Saudi Arabien. Die südamerikanischen Reserven werden auf 13 % der Weltreserven geschätzt. Gleich hoch sollen die europäischen Reserven sein, wovon der Grossteil auf Russland entfällt. Die Reserven Deutschlands, Ungarns und Oesterreichs dürften etwa 12 Mill. Tonnen ausmachen. Indessen ist bei der Schätzung der Oelreserven Europas zu berücksichtigen, dass manche Länder wie Frankreich, Grossbritannien, Holland, Jugoslawien, Italien und die Schweiz p bezug^auf Oellagerstätten noch "sehr wenig erforscht sind^ so dass die Reserven mit der Intensivierung der Forschung eine beträchtliche Steigerung erfahren dürften. Da man von grossen Teilen der Erde, wie z.B. von China, in bezug auf Oelvorkommen noch sehr wenig weiss, ist kaum zu befürchten, dass die Oelfelder in 20 Jahren erschöpft sein werden. Im Gegenteil, es besteht Grund zur Annahme, dass bei Fortsetzung der gegenwärtigen Bohrtätigkeit auch in den nächsten Jahrzehnten die Erdölreserven stärker als die Oelförderung zunehmen werden. Die Welterdnlraffinaiinn. Ende 1947 standen 762 Erdölraffinerien in Betrieb, deren Kapazität 107 % der Welterdölproduktion ausmachte. In Anbetracht der zeitweisen Betriebseinstellungen für Unterhalt und Reparaturarbeiten genügt diese Kapazität nicht mehr, so dass Neubauten erforderlich sind. % der Raffinerien entfallen auf Nordamerika mit einer Kapazität von fast % der Welterdölproduktion. Die südamerikanischen Raffinerien vermögen nur % der dortigen Produktion zu verarbeiten, so dass grosse Oelmengen nach den amerikanischen und europäischen Raffinerien verschifft werden müssen. Die 161 europäischen Raffinerien hingegen vermögen das Fünffache der Produktion unseres Kontinents zu verarbeiten. Neue Raffinerien sind in Grossbritannien, Italien, Holland und Schweden geplant. Die Raffinerien in Ostindien genügen vorläufig noch für die anfallende Produktion, währenddem der Mittlere Osten Oel zur Raffination muss. ausführen Die Welterdölbohrungen. Der Oelmangel hat zu einer beträchtlichen Steigerung der Oelbohrungen geführt. Total wurden 1947 36 500 Bohrungen unternommen, wovon 33 600 in den Vereinigten Staaten, was äie Risikofreudigkeit der dortigen Oelindustrie treffend illustriert. Die Zahl der Bohrungen nahm von 1946 auf 1947 um 10,5 % zu; die Bohrleistungen hingegen erhöhten sich um 12,5 %, ivas auf die Zunahme der Tiefbohrungen zurückzuführen ist. Insgesamt wurden 40 Milliolen Meter gebohrt, wofür 5500 Bohrtürme zur Verfügung standen. Von den Bohrungen ausserhalb der Vereinigten Staaten entfallen die 3älfte auf Kanada und Venezuela. Im Mittleren Dsten genügten wenige Bohrungen, um die morme Produktion zu erzielen. Die Iraq Petroeum Co. hat Forschungsbohrungen im Libanon, Syrien und Palästina eingeleitet. Im Fernen Dsten wurden 134 Bohrungen durchgeführt. An den 458 000 bis Ende 1947 vorgenommelen Erdölbohrungen waren die Vereinigten Staaten mit 428 000 beteiligt. Von den Bohrun- *en in diesem Lande fliessen nur 11 % natürlich, 580 000 werden gepumpt oder mit Luft- oder Gasdruck betrieben. Die mittlere Oelförderung Dro Bohrung beträgt 2 Tonnen pro Tag. Schlass Seite 2 SALON DE PARIS.. Diese Teilansicht zeigt folgende interessante Wagen: Vordergrund links: ABC-Spezial- Cabriolet auf dem Citroen 11 legere. Mitte vorn: Saoutchick-Luxuscoupe auf dem Lage Grand Sport, ferner weiter hinten der Ford Vedette sowie die Menge um den kleinen Citroen 50 Jahre Pariser Auto-Salon Neues im Westen! — Der Citroen-Volkswagen, ein Beitrag zur Massenmotorisierung Europas — Die «Indcpcndents» Unauffällig verkündet ein Aufdruck über | die Salonplakate in Paris, dass die Ausstellung 1948, die am letzten Donnerstag eröffnet worden ist, genau fünfzig Jahre nach der ersten gleichartigen Veranstaltung stattfindet. Inmitten schwerer Sorgen um die Zukunft, sozialer Spannungen, ernster Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung und allgemeiner Unsicherheit und Mangels an Vertrauen hat die französische Industrie trotz allen .anderslautenden Meldungen eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die viel Neues, ja Ueberraschendes enthält. Der neue kleine Citroen ist da. Der wirkliche Volkswagen, von dem man seit zehn Jahren verschiedenes vernommen hatte, wird gezeigt und, was man bei Citroen nicht anzweifeln kann, im Lauf der nächsten Serien in Massen geliefert werden. Nur in Frankreich mit seiner technischen Tradition, nur im Bannkreis von Michelin mit seiner spartanischen Grundhaltung und Verachtung der öffentlichen Meinung konnte dieser Volkswagen entstehen. Er stellt einen gelungenen Versuch dar, unter Aufbietung allef heute bekannten technischen Mittel einen Kleinwagen zu bauen, der ein absolutes Minimum an Anschaffungs- und Betriebskosten verlangt, eine Normalfamilie von vier Köpfen mit Gepäck befördert, ihr für Beruf und Vergnügen gleich gut dient und gerade das unerlässliche Minimum an Geschwindigkeit und Fahrleistungen zulässt. Wenn je ein Fahrzeug die Masse zu motorisieren imstande sein wird, so ist es der Citroen «deux :hevaux», dieser hässliche, unansehnliche Wagen, dessen Schöpfer die Entwicklung äines Volksfahrzeugs am weitesten getrieben laben. Ebenso bedeutend für Frankreich ist die Tendenz nach Lockerung der Vorschriften :ür die Belieferung des einheimischen Markos. Wenn sie auch noch nicht ganz die gewünschte gesetzliche Formulierung gefunden lat, so wissen die Besuchermengen, dass sie nicht nur mehr die Luxuscabriolets der Nabobs bestaunen, sondern sich ihren Wagen aussuchen können, der in nicht allzu ferner Zeit geliefert werden könnte. Unter diesen Auspizien kann der neue Peugeot 203, von dem an dieser Stelle schon letztes Jahr die Rede war, bei allen Interessenten eines mittleren Wagens einen verdienten grossen Erfolg verzeichnen, weil er tatsächlich eine Nachkriegskonstruktion darstellt, die bedeutende Fortschritte aufweist. Eine weitere wichtige Neuerscheinung ist der Ford c Vedette »; über seine französische Fabrik dürfte Ford in Europa auch in der Mittelklasse bald festen Fuss fassen und zahlreiche Bedürfnisse glänzend befriedigen können. Neben diesen drei Neuerscheinungen, die als die bedeutendsten anzusehen sind, stösst man in Paris auf viele weitere neue Modelle, und vor allem auf eine ganze Anzahl von Prototypen bekannter und unbekannter Männer, die davon Zeugnis ablegen, dass man in Frankreich mit Ausdauer, Ideenreichtum, Idealismus und oft sogar etwas Genie nach neuen Wagen strebt. Br. (Siehe unseren Salonbericht auf Seite 15 und folgende.) AUS DEM INHALT Vom 15. Oktober an wieder «Emser Wasser» Der Internationale Sportkalender 1949 Bilder vom Wiederaufbau von Monza Moderne Verkehrsregelung in Prag Oesterreichs Motorfahrzeugbestand Pariser Salon 1948 (mit Bildreportage) Der provisorische Umbau des Berner Bahn- < hofplatzes Die umstrittenen Sealed-Beam-Scheinwerfer