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E_1948_Zeitung_Nr.039

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Nr. 39 — BERN, Mittwoch, 8. September 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION! BREITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 82 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: LÖWENSTRASSE 51, ZÜRICH 23, TELEPHON 23 97 43/44 Es scheint daher angebracht, sich eingehender mit der Sicherheitslinie und deren Zweckmässigkeit zu befassen. Die Absicht des Gesetzgebers liegt auf der Hand: er wollte den Fahrer zwingen, vor unübersichtlichen Kurven, Kreuzungen und Strassengabelungen unmissverständlich rechts zu fahren. Dieses unbedingte Rechtsfahren ist aber im Interesse der Verkehrssicherheit und namentlich einer reibungslosen 'Verkehrsabwicklung nur solange notwendig, als die Uebersicht fehlt. punkt, bzw. bis zur Stelle, von der aus die für eine Unsicherheit hervorgerufen hat, die gefährliche Formen anzunehmen beginnt. Sicher- ein Ueberholungsmanöver erforderliche Strecke übersichtlich ist, den Fahrer zur unbedingten heits- und Trennungslinien, in der Gestalt von Respektierung zwingen, es sei denn, ein festes Nägeln, ausgezogenen und unterbrochenen Linien in verschiedenen Farben und Längen ha- Hindernis gestatte dies nicht. Im gleichen Sinn gilt die Sicherheitslinie für den entgegenkommenden Fahrer. Nur in ihrer Form und Gestalt ben es mit sich gebracht, einheitliche und fahrtechnisch richtig geführte dass heute kein Mensch mehr weiss, wann Sicherheitslinien gewährleisten die Beseitigung es sich um eine Trennungslinie und wann der heute herrschenden Unsicherheit und verhelfen dieser Art von Markierung wieder zu um eine Sicherheitslinie handelt, wo strikte der folgende Empfehlung formuliert: «Da jedoch vielerorts Linien bestehen, die nur als Orientierungslinien für den Fahrer gedacht sind, soll wegen Ueberfahrens solcher Linien allein keine Strafanzeige erfolgen. Der Fahrer hat somit nur dann eine Bestrafung zu gewärtigen, wenn das Ueberfahren der Sicherheitslinie zu einem Unfall führt. Damit wird allerdings die Unsicherheit nicht behoben. schenraum ohne Linie. Bei Uebertretungen von Art. 45, Abs. 2, hängt es daher von der Geistesgegenwart und Fahrweise Die Höchstgeschwindigkeit in einer Kurve des entgegenkommenden Fahrers ab, ob derbestimmt sich nach dem Kurvenradius. Ueberxehlbare Fahrzeuglenker bestraft wird oder nicht. Ein geringfügiges Ueberfahren der Linie kann, wenn der Entgegenkommende ein stark übersetztes Tempo hat, eine Bestrafung als Folge einer Kollision nach sich ziehen, währenddem ihn eine unverantwortliche Fahrweise straflos durchschlüpfen lässt, wenn es dank der Vorsicht des entgegenkommenden Fahrers und dessen Geistesgegenwart keinen Unfall absetzt. Die Sicherheitslinie Nach Art. 26 des MFG sind Strassenbiegungen nach rechts kurz, solche nach links weit zu nehmen. Bei Unübersichtlichkeit und dichtem Verkehr darf die linke Strassenseite nicht benützt werden. Die Vorschrift des Rechtsfahrens ist im Interesse der Verkehrssicherheit auf unübersichtlichen Strassen und bei schlechter Sicht strikte zu beachten. Auf freien, übersichtlichen Strassen besteht dagegen kein praktisches Bedürfnis, den Grundsatz des Rechtsfahrens wörtlich genau und streng anzuwenden. Der Gesetzgeber verfolgte nicht die Absicht, durch die Aufstellung von Verkehrsvorschriften den Verkehr zu hemmen und in ein Schema hineinzuzwängen. Vielmehr will er im Interesse der Verkehrssicherheit durch die Verkehrsregeln den Verkehr flüssig gestalten, um Unfälle, soweit dies die menschliche Unvollkommenheit zulässt, zu vermeiden. Trotz der enormen Zunahme der Verkehrsdichte seit der Inkraftsetzung des MFG und der MFV haben sich die Bestimmungen der letzteren im grossen ganzen als zweckmässig erwiesen. Wenn auch in der Auslegung oft Meinungsverschiedenheiten auftraten, so wurden diese durch die bundesgerichtlichen Entscheide weitgehend beseitigt. Bei der Steigerung der Verkehrsdichte tauchen jedoch immer neue Probleme auf. Eines davon beschlägt zweifellos die « Sicherheitslinie », deren oft nicht gerade zweckmässige Anbringung und direkt unzweckmässige Länge rechts gefahren werden muss und wo ein Ueberfahren der Linien, Nägel oder Striche gestattet ist. Art. 45, Abs. 2, der Vollziehungsverordnung lautet: « In Strassen mit Sicherheitslinien haben die Fahrzeuge rechts dieser Linie zu fahren.» Dabei handelt es sich um eine absolute Bestimmung, die ein Ueberfahren, sei es auch nur mit einem Rad und um wenige Zentimeter, verbietet. Ueber die Zweckmässigkeit dieser Vorschrift kann man allerdings geteilter Meinung sein. Das geht auch deutlich aus dem bundesgerichtlichen Entscheid vom 19. Dezember 1938 hervor, der Mauer- Sicherheitslinie die Linkskurve 'icherheifslinie für die Rechtskurve Abb. 1 Sicherheitslinie für die Rechtskurve ihr zugedachten und im Interesse der Verkehrssicherheit notwendigen Bedeutung und Beachtung. Bei der Anlage von Sicherheitslinien sollten unbedingt folgende Momente Berücksichtigung finden. 1. Sicherheitslinien dürfen, wenn ihre absolute Beachtung gefördert werden soll — und nur so erfüllen sie ihren Zweck —, lediglich an unübersichtlichen Kurven, Kreuzungen und Einmündungen angebracht werden. 2. Die Länge der Sicherheitslinie hängt, ausser der fahrtechnisch richtigen Lage, von der an der betreffenden Stelle zulässigen Höchstgeschwindigkeit ab. 3. Sicherheitslinien sollten immer zweifarbig als ausgezogene Linien ausgeführt werden. Von beiden Seiten wird die entsprechende Farbe so weit geführt, bis die Uebersicht ein gefahrloses Ueberholen gestattet. Je nach der Gestaltung der Kurve mü*sten die beiden Farben auf einer gewissen Strecke nebeneinander verlaufen, oder es entsteht ein Zwi-' für Sichtlinien Abb. 2 Eine Sicherheitslinie wird auf Zweibahnstrassen angebracht. Sie muss bis zum Scheitelweichmanöver benötigten Zeit zurückgelegt wird, da sich beide Fahrzeuge im Kreuzungsmoment auf ihrer rechten Strassenseite bewegen müssen. Bild 1 veranschaulicht eine Kurve, die mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h gefahren werden kann. Am Punkt A sieht der Fahrer ein Fahrzeug bei B auftauchen. Die noch zur Verfügung stehende Strecke gestattet ihm gerade noch, auf die rechte Strassenseite hinüberzusteuern. Beim Anfang der Sicherheitslinie beginnen beide Fahrzeuge sich zu kreuzen. Der Fahrer C muss nun rechts der Sicherheitslinie bleiben, bis ihm die Uebersicht bei E gestattet, den Handkarren durch Ueberfahren der Sicherheitslinie zu überholen, sofern kein Fahrzeug entgegenkommt. Auf einer gewissen Strekkenlänge werden die Sicherheitslinien entsprechend den Sichtverhältnissen doppelt geführt (zweifarbig). Bild 2 veranschaulicht eine Kurve ausserorts, die eine Geschwindigkeit von maximal 60 Sicherheitslime für die Linkskurve steigt die Zentrifugalkraft die Bodenreibung, so wird das Fahrzeug aus der Kurve geschleudert. Anderseits ist, um auf ein entgegenkommendes Fahrzeug zu reagieren und das eigene von der linken auf die rechte Strassenseite zu bringen, eine gewisse minimale Zeit erforderlich. Daraus ergibt sich, dass die Sicherheitslinie mindestens so lang sein muss wie die Strecke, die mit der maximalen Geschwindigkeit in der für das Auskm/h zulasst. Der Automobilist hat so lange hinter dem Fuhrwerk zu bleiben, bis ihm die Sicht ein gefahrloses Ueberholen erlaubt. Die Sicherheitslinien sind in der Mitte unterbrochen. Wollte, man genau nach dem Wortlaut des Gesetzes verlangen, dass der Autofahrer in Ja oder Nein? Zürich vor dem 12. September Nachdem wir in der letzten «A.-K.» zum Umbau von Bahnhofquai und leonhardsplatz in Zürich einen Beitrag wiedergegeben haben, der sich für das Projekt einsetzte, über dessen Annahme oder Verwerfung dia Stimmbürger der Stadt Zürich am nächsten Wochenende entscheiden müssen, gewähren wir heute — wie angekündigt — einer Stimme Raum, die sich in abl ehnendem Sinne äussert. Red. Das der Abstimmungsvorlage zugrundeliegende Projekt des Städtischen Tiefbauamtes ist vom städtischen Parlament nach langwierigen und wechselvollen Verhandlungen am 9. Juni genehmigt worden und wird nunmehr von Stadtrat und Gemeinderat "dem Souverän zur Annahme empfohlen. Wer den Gang der Verhandlungen im Gemeinderat aufmerksam verfolgt hat, weiss, dass der betreffende Beschluss nur nach Ueberwindung gewichtiger Bedenken zustandekam. Die Annahme des Projektes war vielmehr zu einem grossen Teile bloss dem Bestreben zu verdanken, endlich mit den schier uferlosen Diskussionen langer Jahre Schluss zu machen und lieber eine noch immer mit Mängeln behaftete Vorlage zu verwirklichen, als sich um einer wirklich befriedigenden Lösung willen noch eine Weile mit den sicherlich unerfreulichen Verkehrsverhältnissen in der Umgebung des Hauptbahnhofs abzufinden. Abb. 3 Sichtlinie Bild 3 hinter dem Fuhrwerk bleibe, bis die Sicherheitslinie aufhört, so müsste er ca. 25 Sekunden in dessen « Kielwasser » einherschleichen. Dass eine solche Fahrweise verkehrshemmend wirken müsste und heute auch nicht üblich ist, weiss jeder Motorfahrzeugführer. Im dichten Stadtverkehr würden dadurch täglich unzählige Stauungen entstehen. Um die gegenwärtige Unsicherheit zu beheben, müssen: 1. die Sicherheitslinien ausgezogen, zweifarbig und fahrtechnisch richtig angelegt werden, so dass für keinen Fahrer ein Zweifel entstehen kann, ob es sich um eine Sicherheits- oder um eine Trennungslinie handelt; 2. die Trennungslinien — auch an übersichtlichen Stellen —, gestückelt oder durch Verwendung von Nägeln sich von der Sicherheitslinie unzweideutig unterscheidend angebracht werden; 3. die «cats-eyes» als Trennungslinie oder eingesetzt in die ausgezogene Sicherheitslinie verwendet werden. Fritz Streun, Auto-Experte. Eine umstrittene Unterführung. Dass die neue Vorlage bezüglich der künftigen Gestaltung des Leonhardsplatzes am rechten Limmatufer praktisch alle Wünsche erfüllt, war in den Verhandlungen des Gemeinderates so gut wie unbestritten. Es muss daher als sehr bedauerlich bezeichnet werden, dass sich das städtische Parlament nicht zu der eine Weile ventilierten Teilung der Abstimmungsvorlage in zwei getrennte Hälften für die beiden Flussufer verstehen konnte. Eine solche hätte es ermöglicht, den dringendsten Teil der geplanten Verkehrssanierung im Bahnhofgebiet, nämlich den Ausbau von Leonhardsplatz und Limmatquai, in die Wege zu leiten, ohne die gleichzeitige Ausführung der fragwürdigeren Vorschläge für die Arbeiten am linken Ufer der Limmat in Kauf nehmen zu müssen. Das noch heute umstrittene Kernstück der Vorlage für das linke Flussufer aber ist die Unterführung im Zuge des Bahnhofquais. Sie hat nach der Projektidee den Zweck, den längs der Limmat verlaufenden Verkehr kreuzungsfrei unter dem sehr starken Verkehr der Bahnhofbrücke hindurchzuführen. Es ist jedoch zu beachten, dass die heutigen Verkehrsschwierigkeiten an dieser Stelle zu einem sehr erheblichen Teil darauf zurückzuführen sind, dass der Fahrverkehr daher unter zweimaliger Ueberschneidung der Tramgeleise auf der Bahnhofseite durchgeleitet werden muss. Schon die neue Anlage der Strassenbahnhaltestelle mit ihren beidseitigen Perroninseln und geleisefreien Fahrstreifen für beide Richtungen würde diesen Uebelstand restlos beheben, und auch ohne Unterführung ergäbe sich daraus an der fraglichen Kreuzung eine weitgehende Verkehrserleichterung, womit das Bedürfnis nach einer Unterführung weniger dringlich würde als heute. Was aber die von den Projektverfassern erwarteten Vorteile dieser Unterführung besonders in Frage stellt, das ist der Umstand, dass an der betreffenden Kreuzung auch weiterhin alle Verkehrseinrichtungen vorkämen, die heute dort zu verzeichnen sind. Sogar in der Richtung der Unterführung selbst verbliebe ein gewisser Oberflächenverkehr, der den Fahrzeugstrom der Bahnhofbrücke schneiden würde; denn praktisch könnte es niemandem verwehrt werden, unter Vermeidung der Unterführung den Brückenkopf ä niveau zu überqueren. Noch stärker fällt aber die Tatsache ins Gewicht, dass sict. der heutige Abbiegeverkehr aller Richtungen, namentlich der Linksabbiegeverkehr, auch weiterhin auf der Kreuzungsfläche abspielen müsste. Auch nach Erstellung der Unterführung müsste daher die polizeiliche Verkehrsregelung am linken Brükkenkopf der Bahnhofbrücke beibehalten werden. Eine gefährliche Passage. Zeigt sich schon in diesen Ueberlegungen, dass die projektierte Unterführung nur eine ver- AUS DEM INHALT Ein halbes Jahrhundert ACS Grosser Preis von Italien in Wort und Bild Nachklänge zum Gstaader Meeting: Offizielle Resultate und Stand der Automobilmeisterschaft 5000 km mit dem Standard Vanguard Abseits von Detroit Ein Tunnel unter dem Aermelkanal Gründung der «International Road Fedcration »