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E_1948_Zeitung_Nr.039

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10 AUTOMOBIL REVUE

10 AUTOMOBIL REVUE MITTWOCH, «. SEPTEMBE* 194« - Nr. 3* EIN ZETT-LXNGSfROFIL DER ALPENFAHRT. Die storlcs laansprachung zeigt sich anhand dieses Diagramms deutlich. Die Hotte bei der Uebergab« sind dvrdi bn» waofrvdit* Strich* eingetragen last von ca. 230 kg verglichen werden. Trotz der scharfen Fahrweise zeigte der den Fahrern vorher nicht vertraute Wagen beim Abschluss nicht die geringste äusserliche Beschädigung. Als kleines OBERSICHTSKARTE DER ALPENDAUERPRDFUNG. Nur die befahrenen Strecken sowie die Anzahl der Passüberquerungen sind eingezeichnet. Intermezzo sei noch erwähnt, dass während der Prüfung die Wagen der französischen Alpenfahrt gekreuzt wurden, deren Durchschnitt auf den Bergstrassen niedriger lagen, was die Vanguard- Fahrer mit Stolz vermerkten. Dieser Versuch vermittelt eine brauchbare Grundlage zur Beurteilung des Standard-Vanguard auch in bezug auf seine Dauerbewährung, da die scharfe Beanspruchung zusammen mit dem absichtlich mangelhaften Unterhalt während über 5000 km einer mehrfachen normalen Fahrdauer entspricht. Das Urteil über das Fahrzeug und, was vielleicht gerade so wichtig ist, die Richtigkeit der seiner Konstruktion zugrundeliegenden Ideen lautet schon rein an Hand des Prüfungsergebnisses günstig. Wahrend der Absolvierung des Programms hatten die Fahrer Gelegenheit, die Eigenschaften des Vanguard genau kennenzulernen; die zahlenmässigen Leistungen wurden mit dem gleichen Fahrzeug nach Ersatz der Ventilführungen festgestellt. Die nachstehende Beurteilung beruht auf den Erfahrungen aller Teilnehmer, Sie noch durch die Durchführung eines normalen « A.-R. »-Testes sowie durch Fahrten im Stadtverkehr, mit voller Zulast etc., ergänzt wurden. Die Fahreigenschaften des Standard Vanguard liegen weit über den Erwartungen. Angesichts des für einen Zweiliterwagen kurzen Radstandes mit voluminöser Karosserie sowie der in jeder Hinsicht dem amerikanischen Standardbau entsprechenden Radaufhängung schien eine gewisse Skepsis nicht unangebracht. In Tat und Wahrheit aber erwies sich der Vanguard als sehr strassensicherer Wagen. Auf guter Oberfläche lassen sich bei mittleren und hohen Geschwindigkeiten nur ganz schwache Schwingungen feststellen; die dauernden Bewegungen weichgefederter Famüienwagen sind nicht vorhanden. Ohne eigentlich hart zu sein, erinnert die Aufhängung doch eher an schnelle europäische Fahrzeuge mit grosser Fahrsicherheit. In den Kurven ist nur eine leichte Tendenz zum Neigen vorhanden, die durch die Torsionsstabilisatoren sofort aufgefangen wird. Der kurze Radstand machte sich nie irgendwie nachteilig bemerkbar; auch in engen, gepflasterten Kurven bleibt der Hinterwagen fest und rutscht nicht etwa, wie man erwarten könnte, leicht weg. Auf schlechter Strassenoberfläche sind besonders bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h leichte, kurze Stösse zu verspüren; weiter oben glättet sich die Federung. Auch die Lenkung ist frei von Fehlern. Bei etwas unter drei Umdrehungen arbeitet sie ziemlich direkt; die geradezu ideale Placierung des Lenkrades und die gute Absorption von Schlägen einerseits, der dauernd vorhandene Kontakt mit der Strasse und die angenehme Form des Rades anderseits sind für einen englischen, mittleren Familienwagen geradezu ein Novum. In engen Haarnadelkurven auf sehr schlechten Strassen zeigt sich beim « Drücken» ein gelegentliches Durchdrehen des äusseren Hinterrades. Voll bewährt haben sich auch die Bremsen, die während den Talfahrten auf den Pässen sehr oft übermässig beansprucht wurden, trotz starker Erwärmung aber dauernd wirksam blieben und nur ein einziges Mal nachgestellt werden xmissten. Die Belagabnützung während der Dauerprüfung war ganz unwesentlich, die Bremsarbeit nach Beendigung mindestens so gut wie beim neuen Wagen. Die hohe Verzögerung und die gleichmässige, starke Bremsung besonders der Vorderräder dürfte auf die Verwendung von zwei vorderen Primärbacken zurückzuführen sein. Die für die Versuchsteilnehmer überraschend Technische Ausführliche Beschreibung siehe MOTORi 10,(5 Steuer-PS, 4 Zylinder In Linie. 85x92 mm, Hubvolumen 2088 cm', 69 PS (68 HP) bei 4200 T/min, spez. Leistung 33,0 PS/Liter (7,9 PS pro Liter und 100 T/min), max. Drehmoment 15,4 mkg bei 2300 T/min, Verdichtung £,8:1. Hängende Ventile (Stoßstangen und Kipphebel), Solex-Fallstromvergaser 32 BIP C4-8, mech. AC-Benzinpumpe, Tecalemit-Oelfilter, Druckschmierung Zündkerzen Champion L 10, Batteriezündung 12 V 51 Ah, Kühlung mit Pumpe und Thermostat. KRAFTÜBERTRAGUNG: Einplatten-Troekenkupplung, Dreiganggetriebe, alle Gänge geräuscharm und synchronisiert, Uebersetzungsverhältnisse 16,35:1, 7,71:1, 4,625:1, rückwärts 18,99:1, Lenkradschaltung, Hypoidachsantrieb, halbschwebende Hinterachse. FAHRGESTELL! Kastenträgerrahmen, vorn Einzelradaufhängung mit Trapez-Dreiecklenker und Schraubenfedern, hinten Starrachse mit Halbelliptikfedern, Torsionsstabilisator vorn und hinten, vier hydr. Stossdämpfer Luvax-Girling oder Armstrong, hydr. Loek- GEWICHTSVERTEILUNG, LEISTUNGSGEWICHT Achsbelast'g Leist'gs- Gewicht vorn/hint. gewichl kg in % kg/PS Trocken 1198 53/47 17,4 Fahrbereit, volle Tanks 1266 51/49 18,4 Fahrbereit mit 2 Pers. (150 kg) 1416 51/49 204 Fahrbereit mit 6 Pers. (450 kg) 1716 47/53 24,9 EICHEN DES GESCHWINDIGKEITSMESSERS Zähler km/h 20 30 40 50 (0 80 100 120 13C Wirklich km/h 203040506080 99118 128 Kilometerzähler (neue Reifen): 1 lern Zähler — 0,998 km wirklich (Mehranzeige 07V.). Angaben für INHALT DER TANKSi Benzin 68 Liter, Aktionsradius ca. 550 bis 600 km, Motoröl 6,2 Liter, Getriebe 0,8 Liter, Hinterachse 0,8 Liter. Kühler 107 Liter. MOTOR: Ventilsptel warm oder kalt Einlöst 0,25 mm, Ausiass 0,30 mm, Zünd-Grundeinstellung OTP bei voller Nachzündung, Elektrodenabstand der Zündkerzen 0,6 bis 0,8 mm. Abstand der Unterbrecherkontakte 0,3 mm. Gange entsprechen den Werten, die man von amerikanischen Fahrzeugen mit etwa 17 bis 19 Steuer-PS her gewohnt ist; im direkten Gang ist trotz der niedrigen Uebersetzung (bei 4000 T/min und rund 12 m/sec Kolbengeschwindigkeit, was als Dauerdrehzahl zulässig ist, erreicht der Wagen etwa 105 km/h) die Kraftreserve so bemessen, dass beim Fahren in der Ebene ein Herunterschalten kaum notwendig wird; schon von 15 km/h zieht der angenehm gedämpfte, sehr weiche Vierzylindermotor, der in seinem ganzen Drehzahlbereich seine Zylinderzahl nie verrät, gut an. Der zweite Gang genügt bei einer Besetzung von vier Personen praktisch für alle Alpenpässe; die Tremola mit ihren das Tempo oft reduzierenden Kurven kann in diesem Gang gut bewältigt werden. Da er sehr weit (80 km/h) hinauf reicht, lässt sich an Steigungen oft bis auf 70 km/h beschleunigen, ein Umstand, der für die hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten wertvoll war. Der erste Gang genügt zum Anfahren mit Vollast an praktisch allen Steigungen, lässt aber nur knapp über 35 km/h zu. Die Meinungen über die Gangzahl sind geteilt; während es viele Fahrer schätzen, dass der Wagen nur selten geschaltet werden muss, würden andere ein Vierganggetriebe vorziehen, das für besondere Zwecke eine noch bessere Ausnützung der Motorleistung ermöglichen könnte. Notwendig sind vier Gänge allerdings nicht. Die erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen immerhin sehr hoch und lassen sich in der Schweiz nur von wenigen Fahrzeugen übertreffen; erst bei voller Belastung mit fünf oder sechs Personen wird ein leichtes Nachlassen der hohen Lebendigkeit des Fahrzeugs spürbar. Die Kraftreserve liegt weit über dem, was man, mit, Ausnahme von wenigen Wagen, in der übli- Zweiliterklasse der Gebrauchsfahrzeuge cherweise erwartet. Hauptkennzahlen 11 Steuer-PS, 69 Brems-PS, 5—6 Sitze, Verbrauch 11 bis 13 Liter, Gewicht fahrbereit 126\S kg, Leistungsgewicht fahrbereit 18,4 kg/PS, Preis der viertürigen Limousine Fr. 10520.— ohne WUST, Radio und Heizung. Daten «A.-R.» vom 25. Februar 1948 heed-Fussbremse, Lenkung mit Schnecke und Rolle, Reifen 5.75—16. DIMENSIONEN) Radstand 239 cm, Spurweite vorn 130 cm, hinten 137 cm, Länge 417 cm. Breite 175 cm, Höhe leer 162 cm Bodenfreiheit beladen 20 cm. GESCHWINDIGKEIT5-DREHZAHLYERHÄLTNIS (theoretisch) Messergebnisse (Messungen durch geeichte, teilweise registrierende Messinstrumente) FAHRZEUG, TREIBSTOFF, PRÜFUNG: Serienmässige BERGSTEIGFÄHIGKEIT Limousine, mit Heizung und Radio, gleicher Wagen füi Alpen-Dauerprüfung und nach kleiner Ueberholung Belastung 2 Personen für Normalprüfung verwendet, Treibstoff handelsübliches Bleibenzin ab Tankstelle. Alpendauerprüfung ca, 2. Gang 16 % bei 37 km/h, 13 % bei 60 km/h 1. Gang 28% bei 17 km/h 5200 km, übrige Prüfung ca. 700 km, Juli-August 1948. 3. Gang 9% bei 60 km/h, 6% bei 100 km/h BESCHLEUNIGUNG Belastung 2 Personen In den Gängen 2. Gang 20— 50 km/h 5,6 see 35— 65 km/h 67 sec 50— 80 km/h 8,9 sec 65— 95 km/h — 80—110 km/h — Beim Durchschalten 0— 50 km/h (1. und 2. Gang) 0— 80 km/h (J. und 2. Gang) 0-100 km/h (1.. 2. und 3. Gana) günstigen Fahreigenschaften sind nicht leicht erklärbar, da weder die Höhe des Schwerpunktes noch die Art der Federung dazu genügende Ursache bilden. Eine grosse Rolle dürfte hier die Gewichtsverteilung ausmachen, die beim fahrbereiten oder nur auf den Vordersitzen belasteten Fahrzeug hinten und vorn fast gleich gross ist; diesem Um- Etand entspricht auch die Charakteristik der Lenkung, die ein ganz geringes Untersteuern zeigt, das zusammen mit dem Rücklauf des Lenkrades die Kurvensicherheit erhöht. Den Erwartungen entsprechend ergeben die Fahrleistungen, so besonders die Beschleunigung, hohe Werte. Die Höchstgeschwindigkeit von knapp 130 km/h (übrigens bei bemerkenswert genau anzeigendem Geschwindigt keitsmesser) sowie die Beschleunigung durch die «A.-R.>-PRUFUNGSBERICHT STANDARD VANGUARD 3. Gang 104 sec 10.1 see 9,9 sec 11.2 sec 183 sec 14 see 14.8 sec 24.9 see den Drehzahl T/min 1000 7,6 2300 (max. Drehmom.) 17,5 4200 Höchstleistung) 31,9 5000 (kurzfr. Max.) 38,0 81.1 (134,0) 15,3 Drehzahl bei 100 km/h im 3. Gang: 3730 T/min. FAHRLEISTUNGSDATEN: Spez. Hubvolumen trocken, 1,75 Liter/Tonne, Luftdurchsatz im 3. Gang: 2340 Liter/ km. spez. Luftdurchsatz trocken 1980 Liter/Tonnen-km. HOCHSTGESCHWIND GKEIT Mittel aus mehreren Messungen 128 km/h Beste Messung 130 km/h ERREICHBARE GESCHWINDIGKEITEN IN DEN GÄNGEN I.Gang 2. Gang Normal 30 km/h 60 km/h Maximum 38 km/h 60 km/h TREIBSTOFFVERBRAUCH Belastung 2 bis 3 Personen Durchschnittsgeschwindigkeit 50 km/h, kurvenreiche, hügelige MitteTlandstrassen, yOlcm/h: 10,5 Liter/100 km. ausserorts ca. 85 bis Durchschnittsgeschwindigkeit 60 km/h, gleiche Strassen wie oben, ausserorts ca. 100 bis 110 km/h: 114 Liter/ 100 km, Alpen-Dauerprüfung, Bedingungen siehe Tabelle, volle Ausnützung der Motorleistung i 13,95 Liter/100 km. BREMSVERZOGERUNG Maximale Verzögerung nach Tapley Zwischen 50 und 30 km/h (nicht Stillsland). Messung unmittelbar nach Ende der Alpen-Dauerprüfung ohne vorherige Bremseinstellung: 94%. LENKUNG lenkradvmdr. von Anschlag zu Anschlag! 2%. Wendekr. links und rechts über Karosserie i 11.2 m. Unterhalt ^angl 16.2 263 3,1 37.3 61,8 7,1 67.0 111,2 12,9 RÄDER: Reifendruck vom 1,7 atü, hinten mit 4 Per- Jonen 1,85 atü, mit 6 Personen 1,95 atü, Vorspur 0*, Sturz 2*, Nachlauf 1°. SCHMIERUNG: Motoröl Sommer SAE 30 bis 40, Winter SAE 10 bis 20, Getriebe Sommer SAE 50, Winter SAE 30, Hinterachse SAE 90 EP, Chassis 28 Schmierstellen, Bremsöl Lockheed Orange Fluid, Stossdämpfer- 51 dünn. Entsprechend der Bestimmung des Wagens für alle möglichen Verwendungszwecke, hat der Konstrukteur eine leichte Bedienbarkeit angestrebt und erreicht. Die Lenkung wird auch von Damen im Stadtverkehr und auf offener Strasse als leichtgängig empfunden, und die Pedale verlangen keinen Kraftaufwand. Einige Angewöhnung verlangt das Gaspedal bis zu wirklich ganz weicher, ruckloser Betätigung. Neben dem Kupplungspedal ist genügend Platz für den ruhenden Fuss vorhanden. Alle drei Gänge, also ausnahmsweise auch der erste, sind synchronisiert; zwischen dem zweiten und dritten Gang arbeitet die Synchronisierung rasch und leicht. Die Lage der Gänge (erster Gang untere Ebene, gegen den Fahrer zu) bedarf kurzer Angewöhnung. In der Stadt und in dichtem Verkehr schätzt man die bescheidene Breite und die Kürze des Wagens; der Wendekreis ist mit Rücksicht auf den knappen Radstand gut, aber nicht besonders klein. Von allen Sitzen bietet sieh eine gute Sicht; kleinere Fahrer wünschten sich eine etwas bessere Uebersicht auf den rechten Kotflügel. Ausserordentlich reichlich muss der Innenraum bezeichnet werden; sowohl vorn wie hinten können, wenn auch nicht für längere Reisen, drei Personen Platz finden, wobei für die hinteren Passagiere unter dem Vordersitz genügend Fussraum geboten wird. Der Fahrkomfort auf allen Sitzen ist vortrefflich; die Hintersitzbank wurde während der Nachtfahrten des Dauerversuchs stundenlang von den Mitfahrern als Schlafstätte benutzt. Weder der Motor noch die Kraftübertragung arbeiten geräuschvoll; bei den normalen Reisegeschwindigkeiten zwischen 80 und 110 km/h, aber auch bei der Höchstgeschwindigkeit, können sich die Insassen gut unterhalten. Die Scheinwerfer genügen nachts auf geraden Strecken bis gegen 110 km/h; die Abblendung wird von entgegenkommenden Wagen nicht beanstandet. Die Beleuchtung der am Tage gut übersichtlichen Instrumente könnte etwas besser sein. An Ausrüstungsgegenständen findet man praktisch alles, was normalerweise erwünscht ist. Die aufklappbaren Taschen in den Türen nützen deren Tiefe gut aus; der Gepäckraum und das Ablegebrett hinter den Hecksitzen bieten auch für mehrere Koffer und Gegenstände Raum. Ein Spezialwagenheber mit Ansätzen erleichtert den Radwechsel. Alle Unterhaltstellen am Motor werden von der Alligatorhaube (Verschluss im Wagen) freigegeben. Die Bremsnachstellung verlangt nur Entfernen der Raddeckel und erfolgt über eine damit freigelegte Schraube innerhalb weniger Minuten. Am Berg zeigt sich eine sehr reichlich dimensionierte Kühlung; die Wassertemperatur steigt selten über 80° C, und der gesamte Wasserverbrauch während des Dauerversuches betrug nur 1,75 Liter, wobei das erste Nachfüllen nach Abschluss der Prüfung erfolgte. Trotz dieser guten Kühlung erwärmt die Heizung das Innere der Karosserie rasch und wirksam; die Flügel der Vorder- und Hinterfenster lassen eine Ventilation bei grosser Hitze zu. Im geprüften Wagen war ein His-Master's-Voice-Radio eingebaut, der auch auf den Paßstrassen oft einen recht guten Empfang vermittelte. Die äusseren Linien des Wagens sind das Ergebnis der Bestrebungen, bei knappen Aussenabmessungen recht viel Nutzraum zu gewähren; sie fanden teilweise grosse Anerkennung und vermeiden trotz modernen Charakters übermässigen Pomp. Die Qualität der Polsterung und der Inneneinrichtung entspricht durchaus der Preiskategorie; die Sitzverstellung dürfte etwas leichtgängiger sein. Ein Gesamturteil über den Vanguard muss dahin lauten, dass die Erwartungen auf Grund der Spezifikationen teilweise erfüllt, teilweise weit übertroffen sind. Unter Berücksichtigung der Teuerung der Automobilverkaufspreise, die durchschnittlich etwa 70 bis 80 % beträgt, ist der Standard Vanguard als sehr preiswert zu bezeichnen. Nach den Versuchsergebnissen bietet er eine hohe, mühelose und dauernde Leistung und grosse Fahrsicherheit bei bemerkenswertem Komfort und Innenraum, bleibt dabei in seinen Abmessungen und Betriebskosten in bescheidenem Rahmen. Für die schweizerischen Bedürfnisse bietet er eine ausgezeichnete, wohlausgewogene Synthese aller wünschbaren Eigenschaften eines lebendigen Familienwagens und wird sich bei uns einen dauernden Platz schaffen können. Ohne irgendwelche revolutionäre technische Neuheiten zu bringen, stellt er in bezug auf seinen praktischen Wert für den Besitzer einen Schritt nach vorwärts dar und ist somit ein fortschrittlicher Nachkriegswagen im besten Sinn des Wortes.

Nr. 39 - MITTTTOCH, 8. SEPTEMBER 1948 AUTOMOBIL REVUE 11 Abseits von Detroit Um die Zukunft des amerikanischen Kleinwagenbaus Der Erfolg des Jeep und Crosley mit zusammen über 50 000 verkauften Fahrzeugen im Jahre 1947 hat in den USA eine Reihe weiterer Konstrukteure von Kleinwagen auf den Plan gerufen, deren Schöpfungen bereits über die Grenzen der USA hinaus Beachtung gefunden haben. Da es sich dabei durchaus nicht immer nur um Aussenseiter, sondern auch um ernstzunehmende Automobilfachleute handelt und da man sich schon in diesem Jahre eine Produktionsziffer von 400 000 (davon allein 240 000 Jeeps) erhofft, die zu einem erheblichen Teil für den Export vorgesehen ist, scheint sich hier eine Entwicklung — abseits von den Grossen Detroits — anzubahnen, deren Ausstrahlungen zweifellos auch auf Europa übergreifen können. Schon aus diesem Grunde erscheint es gerechtfertigt, die wichtigsten technischen und Leistungsdaten zusammenzustellen und sie mit europäischen Fahrzeugen zu vergleichen. Darüber hinaus dürfte aber eine solche Zusammenstellung auch geeignet sein, die bisher noch recht lückenhaften Vorstellungen von diesem jüngsten Zweig der US-Automobilindustrie zu vervollständigen. Dabei sollen nur solche Fahrzeuge berücksichtigt werden, deren Serienfabrikation, teilweise unter Investierungen von mehreren Millionen Dollar, bereits angelaufen ist. ' In Tabelle 1 sind zunächst die Grössenverhältnisse der verschiedenen amerikanischen Kleinwagentypen mit einem normalen Modell, dem Chrysler Windsor, und einem gängigen europäischen Kleinwagen, dem Opel-Olympia, in Vergleich gesetzt. Wie aus dieser Gegenüberstellung ersichtlich, verdienen die meisten dieser amerikanischen Kleinwagentypen ihren ausseren Abmessungen nach auch nach europäischen Maßstäben gemessen diese Bezeichnung zu Recht. Ein gänzlich anderes Bild ergibt sich aber bei Betrachtung der Motorleistungen dieser Fahrzeuge, die aus Tabelle 2 zu entnehmen sind. Danach liegen die Motorleistungen mit wenigen Ausnahmen erheblich über denjenigen, die nach DREIECKIGE STANDFLÄCHE. Prinzipskiize des Davis-Dreiradwagens mit lenkbarem Vorderrad und Hinterradantrieb. Wer wagt es .. .? europaischen Begriffen für Kleinwagen zulässig sind, ohne deren Hauptvorteil, die Sparsamkeit im Betriebe, illusorisch zu machen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhange vor allem, dass beispielsweise beim Jeep Station Wagon die Motorleistung des bisher üblichen Vierzylindermotors durch den neuerlichen Einbau eines Sechszylindermotors erhöht werden wird. Wenn man den Fabrikangaben über den Kraftstoffverbrauch, die ebenfalls in Tabelle 2 enthalten NICHT FOR SCHONHEITSKONKURRENZEN. So stellt sich die PUP Motor Co. die Lösung des Kleinwagenproblems vor. Man höre die Spezifikation: Aulomatische Kupplung, Heckmotor von 7,5 (1 Zyl.j oder 10 (2 Zyl.) Brems-PS, Luftkühlung, Gewicht ca. 270 kg. Und jetzt sehe man sich das Bild nochmals an. sind, Glauben schenken darf, so liegen diese allerdings in normalen Grenzen, wobei der teilweise sehr niedrige Verbrauch auf starke Gewichtsreduktion und windschlüpfige Formgebung zurückzuführen wäre. Die Preise dieser Fahrzeuge bewegen sich mit 1500 $ für die mehr sportlichen Fahrzeuge bis herab zu 600 ? für die Kleinstwagen, durchschnittlich aber unter 1000 $, ebenfalls innerhalb jener Grenzen, die dieser Kategorie auf dem internationalen Markt zugesprochen werden. In Tabelle 3 sind weiterhin die Höchstgeschwindigkeiten der verschiedenen Fahrzeugtypen in Vergleich gestellt sowie deren Leistungsgewichte, das heisst die Zahl der pro Kilogramm Eigengewicht der Fahrzeuge zur Verfügung stehenden PS. Auch dieser Vergleich dürfte interessante Schlussfolgerungen zulassen. Im einzelnen weisen verschiedene dieser amerikanischen Kleinwagentypen bemerkenswerte technische Einzelheiten auf, auf die noch kurz eingegangen werden soll. So besitzen der « Rocket • und der « Towne Shopper » Heck- FOR KOMMISSIONEN. Der Towne Shopper, mit dem eine amerikanische Firma den Stadtverkehr sanieren will. An und für sich keine schlechte Idee zum - Beheben der Verkehrsverstopfungen durch allzu zahlreiche «Grossraum- Personenwagen». VIER SITZE IN EINER REIHE. Der.Davis-Dreiradwogen wurde von amerikanischen Fachleuten, die ihn prüften, erstaunlicherweise als sehr strassensicher beschrieben. Europa bleibt vorläufig noch kritisch eingestellt. 511 2 3 4- Tabelle 1 GROSSENVERGLEICH AMERIKANISCHER KLEINWAGENTYPEN mit normalen amerikanischen Wagen und europäischen Kleinwagen. 1 = Chrysler-Windsor, 2 = Opel-Olympia, 3 = Davis, 4 = Jeep (neue Ausführung), 5 = Rocket, 6 = Keller-Chief, 7 = Playboy, 8 = Crosley, 9 = Towne Shopper. Der Dieseltreibstoff für höchste Anforderungen i A Mit dem MICHELSN «zz» Reifen grosse Kilometerleistung und Fahrsicherheit bis zur vollständigen Abnützung Lieferbar in: 4,00/15 5,00/15 5,50/15 6,70/15 7,00/15 7,60/15 6,00/16 6.50'16 5.50/17