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E_1948_Zeitung_Nr.053

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Nr. 53 — BERN, Mittwoch, 15. Dezember 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN EBSCIIEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE $7, BERN, TELEPHON (031) 2 82 22 - GESCHÄFTSSTELLE Zt/RICHi STAMPFENBACHSTR. 40, Zt/RICH 2S, TELEPHON 26 96 77/7t Die Versorgung der Schweiz mit Erdölprodukten von Italien her Die neuen Tankanlagen der SIAP in Vado Ligure und deren Bedeutung für unsere Wirtschaft Der schweizerische Automobilist macht sich im allgemeinen keine allzu grossen Gedanken darüber, was es braucht, bis der Treibstoff für seinen Wagen an Ort und Stelle ist; ihm genügt es, das Lebenselixir für seinen Motor immer und überall, an jeder Tanksäule fassen zu können. Heute, da das Problem der vorsorglichen Anlage vermehrter Treib- und Brennstoffvorräte Behörden und Oeffentlichkeit beschäftigt, mag es aber um so eher am Platze sein, dem Automobilisten einen Einblick in die Anstrengungen und die Leistungen der Importfirmen zu gewähren und ihm an Hand eines konkreten Beispiels einen Begriff davon zu vermitteln, was für eine Bedeutung deren Arbeit für die Wirtschaft unseres Binnenlandes beigemessen werden muss. Die Gelegenheit hiezu verschaffte uns am vergangenen Wochenende eine Einladung der Standard Mineralölprodukte AG. in Zürich zur Einweihung der neuen Tankanlagen ihrer italienischen Schwestergesellschaft, der Standard Italo-Americana Petroli (SIAP) in Vado Ligure, einem Industrieort einige Kilometer westlich der Hafenstadt Savona. Das Ereignis, das die schweizerischen Gäste, nämlich Minister Flückiger als Verwaltungsratspräsident der Carbura, die Herren Oberstlt. Tobler und Major Perret als Vertreter des Oberkriegskommissariates, bzw der Abteilung Heeresmotorisierung sowie einige Presseleute mit den Spitzen der italienischen und der hiesigen Standard- Gesellschaft zusammenführte und sich in einer Atmosphäre herzlich-warmer Gastfreundlichkeit abspielte, wuchs jedoch über den Rahmen einer Besichtigung hinaus, denn was ihm sein eigentliches Gepräge verlieh, das war der Geist italienisch-schweizerischer Zusammenarbeit, der sich darin offenbarte. Und es heisst nicht übertreiben, wenn man behauptet, die Inbetriebnahme der neuen Tankanlage in Vado trage mit dazu bei, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden benachbarten und befreundeten Ländern noch enger und fruchtbarer zu gestalten. Im Reisen der Ansprachen von • hüben und drüben • klang denn auch dieses Leitmotiv immer wieder durch, und wenn Direktor Duvoisin im Namen der schweizerischen Standard-Mineralöl- AG, und der Schweiz überhaupt dem vollzählig versammelten Personal des Unternehmens in Vado seinen aufrichtigen Dank für dessen aufopfernde Arbeit aussprach, die ja zum grossen Teil für unser Land vollbracht wird, dann machte er sich damit zum Interpreten der Gefühle und der Ueberzeugung aller, die um die Leistungen dieser braven und bescheidenen Leute wissen. Zwei von ihnen, das mag in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, stehen heute, ein leuchtendes Symbol von Arbeitstreue (aber auch ein Ausdruck des vorbildlichen Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer) über 50 Jahre im Dienste der Firma. Normalerweise importiert die Schweiz, wie man an einer zwanglosen Pressekonferenz mit dem Verwaltungsratspräsidenten der SIAP, Dr. Ringler, vernahm, etwa 60 % ihres Bedarfs an Erdölprodukten auf dem Rhein und ca. 40 % von Süden, d.h. von Vado aus. Im Winter jedoch erhöht sich mit der Erschwerung der Rheinschifffahrt, da die Dampfer infolge des niedrigen Wasserstandes nur noch einen Bruchteil ihrer normalen Ladung mitführen können und während der Nacht angehalten werden, die Bedeutung der Bahnzufuhren von Italien her. Das trifft gerade heute wieder mit handgreiflicher Deutlichkeit zu. Im übrigen wird die Standard-Gesellschaft in Genua, das ja in den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten''von jeher eine wichtige Rolle gespielt hat, neue grosse Tankanlagen errichten, wobei indessen auch dann die Verfrachtung von Benzin dem Betrieb in Vado vorbehalten bleiben soll. Skeptisch äusserten sich dagegen sowohl Dr. Ringler als auch Dir. Duvoisin über das Projekt einer Pipeline vom Süden nach der Schweiz, weil die Quantitäten, die sie zu befördern hätte, für eine wirtschaftliche Ausnützung nicht ausreichen und daher den Bau einer solchen Leitung nicht rechtfertigen würden. Umgekehrt ist der Plan für eine Seilbahn von der Küste nach Arquata hinauf, von wo aus die Ware mit Camionzisternen auf einer Autostrada an die Schweizer Grenze transportiert würde, als seriös anzusprechen. Auf dem 400 m. langen Betonsieg, an dessen Ende der Tankdampfer c ESSO Den Haag > angelegt hat. Im Steg verlaufen, auf dem Bilde nicht sichtbar, fünf Rohrleitungen, durch welche die Ladung des Schiffes in die Tankanlagen an Land gepumpt wird. Ein Teil der Tankanlagen der Standard- Ilalo-Americana-Petroli in Vado Ligure. Im Raffinerieprogramm Italiens, das bis 1952 eine Verdreifachung der gegenwärtigen Raffinationskapazität vorsieht, figuriert auch die Erstellung einer grossen derartigen Anlage zwischen Vercelli und Novara, womit dann allerdings die Frage einer Pipeline für die Lombardei aktuell würde. In der Schweiz hat man das Problem der Anlage von Pipelines ebenfalls studiert, doch stehen ihr sowohl die wirtschaftlichen wie auch die militärischen Instanzen ablehnend gegenüber. Ob die Einfuhr von Erdölr Produkten nach unserem Land von Norden oder Süden erfolgen soll, ist schliesslich eine reine Tariffrage, deren Beantwortung davon abhängt, welche Regionen beliefert werden sollen. Die neuen Tankanlagen von Vado... Unter den acht Küstenanlagen der SIAP nimmt heute jene von Vado mit ihren über 70 000 m? Kapazität den ersten Rang ein. 1925 erbaut, liegt der Betrieb etwa 400 m vom Bahnhof des Ortes entfernt, mit dem er durch einen doppelten Schienenstrang verbunden wird, worauf jährlich an die 13 000 Bahnzisternen ein- Das Deck des vor Vado liegenden Petroltankers « ESSO Den Haag >. und ausfahren. Die Verbindung mit dem Meer stellen fünf Rohrleitungen von je 1400 m Länge und einem zwischen 20 und 30 cm variierenden Durchmesser her. Zu ungefähr 1 km verlaufen sie auf festem Boden, währenddem das. letzte, 400 m lange Teilstück auf einem Betonsteg verlegt ist, der sich in die Bucht von Vado hinauszieht, um die zahlreichen, jeden Monat eintreffenden Tankschiffe das Löschen ihrei; Ladung zu ermöglichen. Ueblicherweise 'besorgen das die Schiffspumpen selbst, deren Wirkung indessen nötigenfalls noch durch eine zusätzliche Pumpanlage an der Basis des Stegs verstärkt werden kann. Auf diese Weise lassen sich pro Stunde rund 400 000 Liter an Land, d. h. in die beiden Gruppen von Tanks befördern, deren erste 26 Reservoirs für die Aufnahme von Petrol, Benzin, Diesel- und Heizöl umfasst, währenddem die zweite in 20 Behältern die Schmieröle birgt. Aus den Haupttanks gelangt die Ware, in Bewegung gehalten von 20 Pumpen, durch Eisenrohrleitungen und von dort zu den Abfüllrampen für Bahnzisternen, die riesigen Zisternen-Camions und für die Fässer. Dabei erfolgt das Abwägen unter der Kontrolle der Zollorgane, die hier einen eigenen Posten unterhalten. Bis zu je 100 Zisternenwagen der Bahn und Camions-Zisternen können in Vado täglich abgefertigt werden. Ausserdem sind die Anlagen auch für die Eigenfabrikation von Tanks und Behältern der verschiedensten Grossen eingerichtet, ebenso wie für den Unterhalt von Maschinen und Fahrzeugen (Zisternemvagen, Automobile usw.) und für die Herstellung von Abfüllvorrichtungen. Auch Tanksäulen, die direkt aus den USA kommen, werden hier geeicht, für die Ablieferung bereit gemacht und nötigenfalls repariert. ... ein Werk des Wiederaufbaus Trotz der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der Nachkriegsepoche hat die SIAP den Wiederaufbau und die Vergrösserung ihres Umschlags- und Lagerplatzes in Vado mit zäher Beharrlichkeit vorangetrieben und darf heute auf die Vollendung dieses Werkes zurückblicken. Unverkennbar liegt darin auch ein Ereignis von erheblicher Tragweite für die Versorgung der Schweiz, nicht minder aber auch eine Manifestation des überall zu Ts^e tretenden Aufbauwillens des italienischen Volkes. (Schlnss anf Seite 17) AUS DEM INHALT ein Gewirr von Rohren und Leitungen in der Lvft. in und auf dem Boden durchzieht dos ganze Areal der Tankanlage in Vado. Auf nächtlicher Polizeipatromlle in Zürich Eine wichtige bundesrätliche Erklärung Die NSK neuerdings am Werk Abschluss des Berner Grand Prix Tramfreies Biel Vernunft geht vor Gesetz in Basel Neuwagenbeschreibung: der Peugeot 203 Heeresmotorisierung: Ausbildung der Panierjäger Ein Autobus mit luftgekühltem Motor Neuer amerikanischer Industriekoloss Widerstand gegen die erhöhte Automobilbestcuerung in Italien