Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1948_Zeitung_Nr.050

E_1948_Zeitung_Nr.050

TTr.SÖ — BERN, Mittwochr24. November 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTHASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 82 2J - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/7S Unfallverhütung beim Fahrunterricht Spr. Im Kunstgewerbemuseum der Stad Zürich führte letzte Woche die Sektion Züricr des Autofahrlehrer-Zentralverbandes den erster öffentlichen Unfallverhütungskurs durch. Diese Veranstaltung, wozu zahlreiche Behörde- unc Verbandsvertreter, Presseleute und Autofahrschüler erschienen waren, verfolgte nach der Worten des Sektionspräsidenten E. Frei das Ziel der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben von der Bestrebungen des Verbandes, dessen Zürchei Sektion schon seit einiger Zeit Unfallverhütungskurse organisiert, aus der Erkenntnis heraus dass nur gründlichste Schulung zum richtiger Führen eines Motorfahrzeugs gut genug ist. Darüber und über die Beherrschung der Verkehrsvorschriften hinaus verlangt der Strassenverkehi vom Fahrer vor allem ein ausgesprochenes Verantwortungsbewusstsein. Und gerade in diesei Hinsicht betrachtet der Fahrlehrerverband di« Unfallverhütungskurse als sinnvolle Ergänzung des Fahrschulunterrichtes. Weil sie aber nach seiner Auffassung ihren Zweck nur dann voll zu erfüllen vermögen, wenn eines Tages all« Fahrzeuglenker erfasst werden könnten, ersuehl er die Behörden, ihm bei der Verwirklichung dieses 7.ie1ps hp i 711 steh pn_ Haupteebot beim Fahren: verantwortunsrssrefuni. Nach diesen Begrussungsworten ergriff der Versicherungsfachmann Karl S a x das Wort; an Hand von Beispielen und Zahlen wies er aul die Folgen hin, die aus verantwortungsloser Fahrerei entstehen können: eine grosse Anzahl von Todesopfern und viele Millionen von Franken Sachschaden gehen jedes Jahr zu Lasten des Strassenverkehrs. Das könnte weitgehend vermieden werden, wenn jeder Fahrer sich seiner Verantwortung, seiner Verpflichtungen dem Mitmenschen gegenüber voll bewusst wäre. Verheerend sind vor allem die Wirkungen des Alkohols auf den Strassenverkehr; für den Lenker eines Motorfahrzeugs sollte als erste Regel strenge Abstinenz gelten. Sehr unheilvoll für den Automobilisten kann aber auch die Müdigkeit werden; wer Gefahr läuft, dass ihn der Schlaf übermannt, der halte seinen Wagen an und ruhe aus. Sicher fährt man erst dann, wenn man zum voraus auch mit den möglichen Fehlern und Irrtümern des andern rechnet; so ist es stets angebracht, vor allem über Land an unübersichtlichen Stellen das Warnsignal zu gebrauchen. Wenn der Referent im weitern darauf hinwies, dass Kindern auf der Strasse besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, dass man gegebenenfalls auch auf sein «Recht » zu verzichten habe und sich vor allem vor jenem Machtgefühl in acht nehmen möge, das viele Menschen hinter dem Steuerrad befalle und das so oft Anstand und Rücksichtnahme verdränge, dann sprach er damit Dinge aus, die zwar für jeden Fahrer selbstverständlich sein sollten, es leider aber noch nicht sind. In einer Lichtbilderserie wurden anschliessend die häufigsten Verstösse gegen die Verkehrsregeln und ihre oft entsetzlichen Folgen demonstriert (worauf am Schluss dieses Berichts noch zurückzukommen sein wird). In einem kurzen Referat behandelte sodann Staatsanwalt Dr. Früh die strafrechtlichen Folgen des Verkehrsunfalles. Von dem ominösen Wort ausgehend, der Motorfahrzeuglenker stehe mit einem Bein im Spital und mit dem andern im Zuchthaus, legte er Zweck und Sinn der für den Strassenverkehr in Betracht fallenden Strafvorschriften dar: dort ergänzend einzugreifen, wo organisatorische und technische Massnahmen die Sicherheit des Strassenverkehrs nicht mehr zu gewährleisten vermögen. Durch die in Aussicht stehende Strafe soll der Fahrzeuglenker von mutwilliger oder fahrlässiger Gefährdung anderer abgehalten werden. Seinem Wesen nach ist der «Verkehrsunfall » kein eigentlicher Rechtsbegriff, sondern ein tatsächlicher Begriff, der verschiedene rechtliche Tatbestände enthalten kann. In seinen weiteren Darlegungen führte der Referent dann aus, dass nicht der Erfolg, sondern das Mass der Schuld für die Bestrafung massgebend sei. Wie gross und welcher Art diese Schuld ist, soll genau erforscht werden; dabei gibt es im Strafrecht keine Schuldkompensation (etwa nach dem Beispiel: aber der andere ist doch auch nicht korrekt gefahren!). Besondere Wichtigkeit, gerade im Gebiete des Verkehrsunfalles, kommt dem Begriff der Fahrlässigkeit zu. Währenddem bei bewusster Fahrlässigkeit 4gr Täter das Risiko genau kennt, aber hofft, dass gerade diesmal nichts passieren werde, ist er sich bei der andern Möglichkeit des Erfolges nicht bewusst, hätte ihn jedoch bei genügender Vorsicht voraussehen sollen. Je nach der Art der Fahrlässigkeit fällt auch die Strafzumessung aus. Nach der Ansicht des Vortragenden wird die Zeit bald kommen, da die bewusst fahrlässig erfolgte Tötung (Eventualvorsatz) als vorsätzliche Tötung bestraft werden wird. Als Schulbeispiel für diese bewusste Fahrlässigkeit nannte er das Ueberholen in der Kurve. Ueber Bedeutung- und Sinn des Straf antrages gab Staatsanwalt Dr. Früh folgende Erläuterungen: Berechtigt zum Strafantrag, der bei leichter Körperverletzung erst das Strafverfahren auslösen kann, ist der Verletzte oder, bei Jugendlichen unter 18 Jahren sowie bei Urteilsunfähigen, die Eltern oder der Vormund. Dabei gibt es drei Möglichkeiten: 1. Man stellt sofort den Strafantrag, wobei eine Rückzugsmöglichkeit besteht, bis das Urteil in letzter Instanz verkündet ist. 2. Man verzichtet endgültig auf den Strafantrag (dabei ist es für den Betroffenen sehr wichtig, diesen Verzicht schriftlich zu erhalten). 3. Der Berechtigte kann sich während dreier Monate überlegen, ob er Strafantrag stellen will oder nicht. Das führt sehr oft zu Missständen, indem der Berechtigte entweder sein Recht zu Erpressungen missbraucht oder aber dazu bestochen wird, auf einen Strafantrag zu Und ein paar Glossen. Als Abschluss der Veranstaltung wurden dann noch die beiden Filme gezeigt, die bei verschiedenen Gelegenheiten schon dem Publikum vorgeführt wurden: « Das Gesetz der Strasse » und «Drunken Driver». Da die beiden Filmstreifen in der « AR • schon bei anderer Gelegenheit besprochen worden sind, mag hier lediglich der Versuch unternommen sein, sie auf ihre Eignung für derartige Kurse zu prüfen. In seinen einleitenden Worten hatte Herr Frei darauf hingewiesen, dass grössere Disziplin, mehr Rücksichtsnahme, schnelleres Erfassen der Gefahren und ein ausgeprägteres Verantwortungsbewusstsein notwendig seien, um als Motorfahrzeugführer den heutigen Anforderungen zu genügen. Das setze aber voraus, dass den angehenden Automobilisten und Motorradfahrern die Folgen verantwortungsloser Fahrweise k r a s s vor Augen geführt werden. Nun, an Krassheit Hessen weder die Lichtbilder noch die beiden Filme viel zu wünschen übrig, und dass sie die anwesenden Fahrschüler stark beeindruckt hatten, Hess sich aus den spontanen Aeusserungen unschwer entnehmen. Ob jedoch diese Wirkung dem erwünschten Erfolg tatsächlich entspricht? UnVskurve (analog Rechtskurve) Plötzliches starkes Gefälle Obligatorischer Rodweg (weisses Symbol auf blauem Grund) Doppelkurve nach links [analog Doppelkurve nach rechts) Verengung der Fahr, bahn Houptstrosse mit Vorlrillsreeht: links Anfang, rechts Ende (Farben: gelb-orange mit dunklem Hand). Ob nicht vielleicht die schrecklichen Bilder tief in den Herzen der künftigen Automobilisten eine Unsicherheit zurücklassen, die sich verheerend auswirken kann? Mir scheint, man müsste nach Möglichkeiten suchen, die Folgen des blödsinnigen Fahrens darzustellen, ohne gleich furchterregende und abschreckend « drastische > Bilder zu demonstrieren. Es ist bestimmt ein lobenswertes Unterfangen der Sektion Zürich des Autofahrlehrer-Zentralverbandes, sich der Förderung der Verkehrssicherheit annehmen zu wollen. Ob es jedoch zweckmässig wäre, die Unfallverhütungskurse Wohl niemand wird ernstlich behauptei wollen, dass unser schweizerisches System dei Strassen-Signalisierung schlecht sei. Im allgemeinen wird dies auch von den zahlreichen ausländischen Autotouristen durchaus anerkannt Tatsächlich ist es ja auch so, dass die Schwei; immer bestrebt war, sich möglichst streng an di< internationale Konvention über die Strassensignalisierung aus dem Jahre 1931 zu halten. Anfangs November versammelte sich di« Arbeitsgruppe «Strassenverkehr> des Europäischen TransportkomiteesderUNO inGenf zu einer zweiwöchigen Session, um das gesamte Problem der Strassensignalisierung durchzubesprechen und der entsprechenden Anhang zum Entwurf zu einer neuen Strassenverkehrskonvention auszuarbeiten. Vertreten waren 8 Länder, desgleichen ir beratender Funktion das Generalkomitee AIT, FIA. Den Vorsitz führte der holländische Delegierte von Hemert. Teilweise neue Signale auch in der Schweiz. Es ist klar, dass in allen Fällen internationaler Zusammenarbeit immer wieder Kompromisse gesucht werden müssen. So wird auch die Schweiz in verschiedener Hinsicht gewisse bisher übliche Signale oder deren Ausführung neuen internationalen Vereinbarungen anpassen müssen. Beispielsweise dürfte es kaum in Frage kommen, dass die blauen Wegweiser selbst die Strassennummern weiterhin aufweisen können. Allgemein wurde diese schweizerische Gepflogenheit kritisiert und vielleicht nicht mit Unrecht gesagt, man verwechsle die Strassennummern auf diese Weise viel zu leicht mit der Distanzangabe bis zu einer bestimmten Ortschaft. Desgleichen fand auch das spezifisch schweizerische System der indirekten Signalisierung der Hauptstrassen mit Vortrittsrecht (blauer Wegweiser), sowie des Beginns und des Endes dieses Vortrittsrechtes (blaue Ortstafel und Rückseite, welche das Ende der Ortschaft mit dem nächsten Dorf oben und dem grösseren Entwürfe für neue Strassensignale im Rahmen der Internationalen Signalordnung Zwei Varianten für das Signaft Kreuzung einer vortrittsberechtigten Hauptstrasse mit einer Nebenslrasse. Das Signal rechts zeigt das Symbol im weissen Dreieck auf blauem Grund. Signal für die Slopstrasse Ueberholungsverbol Verbot des Linksabbiegens (analog Verbot d. Rechtsabbiegens) für alle Strassenbenützer obligatorisch zu erklären, wage ich zu bezweifeln. Zu viel Zwang erträgt der Schweizer im allgemeinen nicht; viel besser ist es, durch interessante Veranstaltungen, die von sich aus genügenden Zuspruch gewährleisten, die Aufmerksamkeit möglichst vieler Leute auf die Notwendigkeit zu lenken, durch gemeinsame Anstrengungen von Verbänden, Behörden und vereinzelten Verkehrsteilnehmern für die Sicherheit im Strassenverkehr zu kämpfen. Und dies nicht in erster Linie mit abschreckenden Mitteln, sondern auf psychologisch fundierte, zweckmässige Weise! Internationale Signalordnung Vorbereitung einer internationalen Vereinheitlichung der Strassensignalisierung nächsten Zentrum mit Kilometrierung) angibt, keinen allgemeinen Anklang. Vielmehr war man mehrheitlich der Ansicht, dass eine direkte Signalisierung des Anfanges und Endes des Vortrittsrechtes unerlässlich sei. Zu diesem Zwecke wurde eine viereckige Tafel mit dunklem Rand mit gelb-orange Grund in Aussicht genommen. Sie steht auf einer Spitze und enthält einen dunklen Querstrich, wenn sie das Ende des Vortrittsrechtes angibt. Aehnliche Signale sind bereits in Holland, Deutschland, Tschechoslowakei usw. seit Jahren im Gebrauch. Unzweifelhaft würde dadurch eine bei uns nicht für jedermann unbedingt klare Situation verdeutlicht und damit die Verkehrssicherheit erhöht. Wenn man jedoch unsere voraussichtlich notwendig werdenden Aenderungen und Ergänzungen etwa mit den geradezu umwälzenden Abänderungen des gesamten Signalsystems in England vergleicht, was dort ernstlich ins Auge gefasst wird, dann ersieht man daraus das für uns verhälnismässig bescheidene Ausmass. Allgemein ist übrigens zu bemerken, dass es sich bei diesen Genfer Verhandlungen vorläufig nur um die Vorbereitungsarbeiten von Experten handelt, die noch der Genehmigung vorgesetzter Organe bedürfen und dann erst noch in sogenannten politischen Konferenzen zur Behandlung gelangen werden. Jedem Lande wird es schliesslich freigestellt bleiben, ob es die neue Regelung annehmen will oder nicht. Allerdings dürfte es kaum denkbar sein, dass sich die Schweiz von einer derartigen internationalen Zusammenarbeit fernhält. Schliesslich haben wir ja wie kaum ein anderes Land mit einem sehr grossen Verkehr ausländischer Automobile auf unseren Strassen zu rechnen, weshalb wir vom Sicherheitsstandpunkt aus jedes Interesse an einer möglichst weitgehenden internationalen Vereinheitlichung besitzen. Bei den eigentlichen Gefahr- Signalen, die allgemein bekannt sind, wird man kaum mit grösseren Aenderungen rechnen müssen. Allerdings dürfte das generelle Signal (Dreieck mit Ausrufzeichen) wegfallen und für die jeweils damit bezeichneten Gefahren sollen neue Symbole zur Anwendung gelangen. Für uns werden die neuen Symbole (d.h. die schwarze Zeichnung, die im Dreieck mit rotem Rand und weissem Grund angebracht wird), besonders für « Strassenarbeiten •, « Schleudergefahr » und « Verengerung der Fahrbahn » in Frage kommen. Obgleich es nicht einfach ist, möglichst allgemein verständliche Symbole zu finden, dürften doch die vorgeschlagenen Zeichen wirklich unmissverständlich sein. In nur ganz wenigen Fällen werden wir das weitere Signal c Bewegliche Brücke » aufzustellen haben. Mehrheitlich erachtete es die Genfer Konferenz auch als notwendig, dass ein besonderes Symbol für ein plötzlich auftauchendes, starkes Gefälle in Aussicht genommen wird. Es kann sich bei uns kaum darum handeln, ein solches Signal in grösserer AUS DEM INHALT Beseitigung von Gefahrenstellen im Strassennetz Langstreckenrennen Buenos Aires—Caracas Verkehrserziehung durch Lautsprecher Der Citroen-Sechszylinder (Langstreckenprüfung) Querschnitt durch den englischen Autobusbau Neues vom Porsche-Sportwagen England will Autobahnen bauen Erforschung der Kundenwünsche in der US- Autoindustrie Jungmotorfahrerkurse und Rekrutierung