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E_1948_Zeitung_Nr.046

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Nr. 46 — BERN, Mittwoch, 27. Oktober 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BUEITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 82 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/71 Zürcher Parkierungsfragen Neue Wagen in Earls Court (Siehe auch den Bericht über englische Modelle 1949 auf Seite 9J Spr. Vor bald einem halben Jahr hat die Redaktion der « AR » mit einer Artikelserie begonnen, die sich mit den Parkierungsnöten in den grösseren Schweizer Städten befasst. Dass sich auch in Zürich das Parkierungsproblem stellt, wurde durch Zeitungsnotizen aller Art verschiedentlich festgehalten. Wenn wir erst heute auf die Verhältnisse in der Limmatstadt näher eintreten, geschieht es deshalb, weil sich der Zürcher Gemeinderat in seinen letzten Sitzungen mit dem « Mangel an Garagen und Parkplätzen » befasst hat und es kaum zweckmässig gewesen wäre, diesen Verhandlungen in irgendeiner Form vorzugreifen. Die gegenwärtigen Verhältnisse. Es wäre verfehlt, schlechthin von einem Zürcher Verkehrsproblem zu reden, beschränken sich doch die Schwierigkeiten fast ausnahmslos auf den Kreis 1, die City. In den übrigen Quartieren der Stadt mag es wohl an gewissen Verkehrspunkten hin und wieder kleinere Störungen in der Verkehrsabwicklung geben; dringendster Sanierung bedarf jedoch der Verkehr im Stadtkern. Und hier sind es vor allem die Bahnhofstrasse, die Löwenstrasse und der Limmatquai mit ihren Querstrassen, die den Anforderungen des Nachkriegsverkehrs nicht mehr gewachsen zu sein scheinen. Es bieten sich in diesen Verkehrsadern oft Bilder, die einer Großstadt unwürdig sind. Derartige groteske Situationen lassen sich in fast allen Fällen auf dieselbe Ursache zurückführen: Ungeschickt oder vorschriftswidrig aufgestellte Fahrzeuge aller Art hemmen den Verkehr. Wie oft geschieht es, dass Lieferanten ihre Wagen mitten auf der Strasse stehen lassen müssen, weil die Strassenränder durch parkierende oder stationierende Fahrzeuge versperrt sind. Im Nu sammelt sich in solchen Fällen hinter dem Liefer- oder Lastwagen eine Autokolonne, deren Führer ihre Ungeduld nur selten zu zügeln vermögen. Oft werden beide Strassenseiten zum Parkieren benützt, so dass ein Kreuzen zweier Fahrzeuge auf längere Strecken nicht mehr möglich wird. Zu wenig Parkierungsflächen sind also die Ursachen, möchte man deshalb meinen. Aber diese Annahme ist nur teilweise richtig. Man folge uns nur auf der kurzen Stadtrundfahrt, wozu der Chef der Zürcher Sicherheitspolizei den Berichterstatter eingeladen hatte: Seitdem der Automobilmarkt aus der Gessnerallee verschwunden ist und das Bauamt die nötigen Auffahrrampen zu den Trottoirs erstellt hat, befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes und vor allem der Löwenstrasse ein idealer Parkplatz, der leider nur zu wenig benützt wird; die Gessnerallee bietet Parkierungsmöglichkeit für einige hundert Autos. Während dieser Parkplatz anlässlich unserer Besichtigung (zehn Uhr morgens) kaum zu einem Zehntel benützt war, wiesen die zum Teil neu erstellten Parkierungsflächen rund um den Claridenhof eine viel stärkere Frequenz auf. Auf dem über 100 Wagen Platz bietenden Park vor dem Obergerichtsgebäude befand sich kaum ein Dutzend Fahrzeuge, und am Hirschengraben gar, auf dem auch eine ansehnliche Zahl von Fahrzeugen aufgestellt werden konnte, stund einsam und verlassen ein einziges Vehikel. Dagegen waren sämtliche kleineren Parkplätze (Münsterhof, Hechtplatz, Uraniastrasse) und vor allem die Seitenstrassen zu Bahnhof- und Löwenstrasse mit Fahrzeugen aller Art vollgestopft. Eine Ueberschlagsrechnung ergibt, dass die aufgezählten freien Parkplätze fast alle der auf den Strassen stehenden Fahrzeuge aufnehmen könnten. Und die leeren Parkflächen liegen durchwegs an der Peripherie des Kreises 1! Die Redensart vom bequemen Automobilisten, der mit seinem Wagen am liebsten bis zum Schreibtischsessel fahren möchte, scheint einer gewissen Berechtigung nicht zu entbehren. Dem Ortsfremden freilich mag zugutegehalten werden, dass ihm die, genannten Parkplätze nicht bekannt sind; der Zürcher aber kennt sie ... Wenn die parkierenden und stationierenden Fahrzeuge aus den Strassen der City verschwinden sollen, und das wird jedermann billigen, dem etwas an flüssiger Verkehrsabwicklung liegt, so müssen freilich zusätzliche Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Gegenwärtig reichen vielleicht die vorhandenen Plätze aus; für den sicher zu erwartenden dichteren Verkehr aber werden sie keineswegs genügen. Und an zuständiger Stelle, beschäftigt man sich denn auch seit längerer Zeit schon mit den zu treffenden neuen Massnahmen. Es wäre an sich kein allzu schwieriges Unterfangen, genügend Parkplätze an geeigneter Stelle zu schaffen, wenn man über unbeschränkte Finanzen verfügte und auch sonst frei nach Herzenslust planen könnte. Grosszügige Projekte zu entwerfen ist oft nur halb so schwer, wie sie zu verwirklichen. Allein es wäre falsch, nur nach kostspieligen Verbesserungen zu suchen, sind doch einfache Pläne manchmal ebenso wertvoll wie verschwenderische Projekte. Noch aus einem andern Grunde erscheint ein derartiges Vorgehen als unrichtig: Gesunde Strassenbauten sind nämlich nicht die einzige Voraussetzung für eine vernünftige Verkehrsordnung. Ebenso wesentlich, wenn nicht wichtiger, ist das Pflichtbewusstsein der Fahrer. Wir denken dabei nicht speziell an den Motorfahrzeugführer, sondern an den Benutzer eines Fahrzeuges ganz allgemein; ein Schubkarren, an ungünstiger Stelle stehen gelassen, kann ebensoviel Unheil stiften wie ein falsch parkiertes Automobil, und ein am Trottoirrand angestelltes Fahrrad beansprucht •wenigstens einen Meter! einen kostbaren Meter Fahrbahn. Um einem Menschen durchschnittlichen Charakters etwas beizubringen, was ihm nicht überaus angenehm oder gerade das Gegenteil von dem ist, was er sich seit Jahren angewöhnt hat, gibt es zwei Möglichkeiten: Man ersucht ihn höflich, sein Fahrzeug nicht mehr auf den Strassen aufzustellen, weil er dadurch den Verkehr behindere, oder aber man erlässt ein Verbot und droht mit Sanktionen. Man — in diesem Falle die Polizei — wird sich wenn immer möglich zur erstgenannten Lösung entschliessen, obgleich die Erfolgsaussichten erfahrungsgemäss nicht über- Ein völlig neuer Jaguar-Supersport-Zweisitzer Die eiste englische Nachkriegs-Autoausstellung, die heute um 10 Uhr in den grossen Earls-Court-Hallen ihre Tore öffnet, wird einige völlig neue Nachkriegsmodelle der englischen Autoindustrie zeigen. Unter anderem stellt Jaguar einen ausgezeichnet gelungenen Zweisitzersportwagen aus, der vom neuen Tourenwagen, der in Paris zum erstenmal gezeigt wurde, die Einzelradfederung mit Torsionsstäben übernommen hat. Der neue Zweisitzer wird mit zwei verschiedenen Motortypen mit 2 obenliegenden Nockenwellen ausgerüstet. Ein Vierzylinder-Zweiliter leistet 105-Brems-PS und entspricht der Maschine, die in Goldie Gardners Rekordrennwagen kürzlich über 280 km/h erreichte. Der grössere Dreieinhalblitermotor, der eine Neuentwicklung aus dem bekannten Sechszylinder darstellt, kommt auf 160 PS. Der Wagen wiegt komplett rund 1050 bis 1100 kg, so dass er ein ausgezeichnetes Leistungsgewicht aufweist. Die Karosserie besitzt dabei, wie dieses erste veröffentlichte Bild zeigt, eine sehr elegante Linienführung. Der Preis des Jaguar Sport wird in England unter 1000 Pfund liegen; 80% der diesjährigen Produktion sind bereits nach den USA verkauft. aus gross sind. Reelle Chancen hat em derartiges Vorgehen überdies nur dann, wenn genügend Leute für die Aktion eingesetzt werden können. In Zürich ist dies unmöglich; der relativ und absolut ungenügende Bestand an Polizisten erlaubt leider ein derart larges Procedere nicht. Immerhin hat man sich bemüht, die zu treffenden Massnahmen, die übrigens mit allen interessierten Verbänden beraten werden, möglichst schonend zu gestalten. Auf jeden Fall werden die in nächster Zeit neu herauskommenden Verkehrsvorschriften für die Stadt Zürich auch in bezug auf Parkieren und Stationieren einige wesentliche neuartige Bestimmungen enthalten. Unbilliges werden sie zwar nicht verlangen, auch wenn dann nicht mehr jedermann seinen Wagen vor der Ladentüre oder unter dem Bürofenster wird stehen lassen können. Die geplanten baulichen Veränderungen gliedern sich in kurzfristige Massnahmen und in Pläne, die erst im Laufe der kommenden Jahre verwirklicht werden können. Diesen wie jenen liegt jedoch eine gemeinsame Idee zugrunde: Stehende Fahrzeuge sollen aus den Strassen des Stadtkerns verschwinden und an peripher gelegenen Parkplätzen aufgestellt werden. Ueberdies sollen vor allem auswärtige Grossfahrzeuge nach speziellen Parkplätzen geleitet werden, wo Service-Stationen für den Betriebsstoff und für kleinere Reparaturen vorhanden sein werden. Als hierfür geeignete Parkflächen fallen in Betracht: die Escherwiese (beim Kongressgebäude), der Platz rechts der Limmat vom Hause Orell- Füssli bis zum « Select» (Hechtplatz + Schiffländeplatz + der heute noch überbaute Raum dazwischen), die geplante Ueberdeckung der Sihl zwischen Post- und Gessnerbrücke und man erschrecke nicht, der alte Tonhalle-Platz beim Bellevue. Ferner bestünde die Möglichkeit, den Luftschutzkeller beim Central zu einem geräumigen Parkplatz auszubauen. Die Verwirklichung aller dieser Projekte (mit Ausnahme der Escherwiese) stösst jedoch auf grosse Schwierigkeiten. So kann die Ueberdeckung der Sihl nicht vorgenommen werden, bevor die zukünftige Gestaltung des Hauptbahnhofs sichersteht; mit dem Ausbau des Luftschutzkellers am Hirschengraben wiederum heisst es sich gedulden, bis die endgültigen Pläne für die Gestaltung des Raumes rund um das Central vorliegen; der Parkplatz am Limmatquai bedingt den Abbruch einiger Gebäude, was nicht ganz schmerzlos geschehen kann; und der alte Tonhalle-Platz, der « Sechseläutenplatz » schliesslich liegt allen Zürchern so sehr am Herzen, dass sie ihn kaum hergeben werden. Man mag vielleicht einwenden, es böten sich bestimmt auch andere Möglichkeiten, wenigstens kleinere Parkplätze zu schaffen. Doch was nützt eine Parkfläche, die nur zehn oder zwanzig Wagen aufzunehmen vermag? Abgesehen davon, dass die Kosten für derartige Bauten unverhältnismässig hoch sind, würden kleine Plätze das Verkehrsgewimmel keineswegs ver- AUS DEM INHALT Tramwagen an der Haltestelle (Ans dem Bundesgericht) « Kolonnenwanzen » Sportnachrichten Das Basler Experiment Vorschau auf Earls Court Die Rauchentwicklung bei Dieselmotoren Die Packard-Reihe Die australische Auto-Industrie Autohandel in Westdeutschland nach der Währungsreform Zum Umbau des Berner Bahnhofplatzes DER PARKPLATZ AUS DER VOGELSCHAU. Die Autoparks am Münsterhof in Zürich bieten vom Turm des Fraumünsters aus gesehen ein Bild, das neben verkehrstechnischem Interesse auch einer gewissen Schönheit nicht entbehrt. Dass viele der parkierenden Wagen mit dem ihnen innerhalb der umrandeten Rechtecke zustehenden Raum nicht auskommen, liegt entweder an der etwas knapp bemessenen Parkfläche oder den etwas lang geratenen Wagen. Um Abhilfe wird gebetenl (Photo« Ernst Wuüskl)