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E_1948_Zeitung_Nr.055

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Nr. 55 — BERN, Mittwoch, 29> Dezember 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH _ REDAKTION BND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 »2 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77(79 Von Höchstgeschwindigkeiten, Betonund Umfahrungsstrassen Streiflichter auf Debatten in kantonalen Parlamenten Im thurgauischen Grossen Rat sah sich die Regierung bei der Behandlung des Geschäftsberichtes über das Polizeiwesen vor die Frage eines Ratsmitgliedes gestellt, was gegen rücksichtslose Automobilisten unternommen werden könne. Dabei wurde auf den Entschluss der zürcherischen Polizeidirektion hingewiesen, inskünftig in Fällen des Fahrbewilligungsentzugs wegen schwerer Verstösse gegen die Verkehrsvorschriften die Namen der Fehlbaren an die Oeffentlichkeit zu bringen. Der gleiche Votant befürwortete auch die Wiedereinführung von Höchstgeschwindigkeiten in Ortschaften. Als Chef des Polizeidepartements entgegnete Regierungsrat Dr. J. Müller darauf, es bliebe zu prüfen, ob die Veröffentlichung der Namen von Verkehrssündern gesetzlich zulässig sei (eine Frage, welche die Zürcher Polizeidirektion offenbar bejaht); doch erachte er es für richtiger, zunächst einmal abzuwarten, ob diese Massnahme eine Wirkung zeitige. Wesentlich sei eine Verstärkung der Verkehrskontrollen, die zu verwirklichen der Kanton im Begriff stehe, zumal das Parlament die hiefür erforderlichen Kredite bereits bewilligt habe. Zur Frage der Einführung von Höchstgeschwindigkeiten innerorts habe sich die Regierung in ihrer Vernehmlassung zur Revision des MFG in positivem Sinne geäussert, indessen müsse sich eine solche Einschränkung in vernünftigem Rahmen halten, weil sie sonst doch wieder missachtet werde. Ein erster Versuch mit diesem Verfahren sei jetzt bei der Promenade in Frauenfeld im Gange, wo alle Motorfahrzeuge bei der Einfahrt in die Hauptstrasse angehalten würden (wobei man sich erinnert, dass der Bundesrat in seinem Kreisschreiben vom 13. August 1935 an die Kantonsregierungen die zahlenmässige Begrenzung der Geschwindigkeiten mit triftigen, mit überzeugenden Argumenten abgelehnt hatte. «Wir glauben nicht daran, dass durch die Wiedereinführung von Höchstgeschwindigkeiten die Zahl der Unfälle erheblich herabgesetzt werden kann », schrieb er damals. Freilich, in seinem weiteren Kreisschreiben vom 19. August 1946 tönte es etwas anders: € Falls sich mit zunehmendem Verkehr trotz strengerer Kontrolle im Sinne der bestehenden Weisungen schwere Missfitände ergeben sollten, müssten wir uns vorbehalten, die Frage der Regelung der Geschwindigkeiten neu zu prüfen. Bei einer Revision der eidg. Gesetzgebung über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr wird diesem Problem, unter Berücksichtigung der Erfahrungen, volle Aufmerksamkeit geschenkt werden müssen. • Dass indessen eine Verschärfung der Vorschriften, •wie z. B. gerade jener über Höchstgeschwindigkeiten die Revision gefährden könnte, gab Bundesrat von Steiger einige Monate später bei der Beantwortung der Motion Schmid im Nationalrat unumwunden zu. Man macht sich also im Bundeshaus nichts darüber vor, dass die Wiedereinführung allgemeiner Geschwindigkeitsmaxima im MFG bei den Automobilisten auf entschlossensten Widerstand stossen würde). In andere, den Automobilisten indessen gleichfalls interessierende Gefilde führte die Debatte, die sich im Zuger Kantonsrat an eine Interpellation über den Bau von Betonstrassen anknüpfte. Vom schriftlichen Bericht der Regierung konnte sich der Interpellant nicht befriedigt erklären, zumal es sich doch nur mehr oder weniger um einen Hofbescheid handle. In der Diskussion wies er, gestützt auf Beispiele aus andern Kantonen, nach, dass Betonstrassen dank ihrer Dauerhaftigkeit nicht teurer seien als andere, weniger haltbare Hartbeläge. Finanziell gesehen sei es besser, wenn die Strassen nur einmal, dafür aber richtig instandgestellt würden. « Anschliessend • kamen Anhänger und Gegner der Betonstrassen ausgiebig und in lebhafter Rede und Gegenrede zum Wort, wobei sich jedoch allgemein das Verlangen herausschälte, dass die kantonalen Bauorgane dieser Frage alle Aufmerksamkeit schenken. Was der kantonale Baudirektor denn auch zusagte. Noch ein anderer, höchst zeitgemässer Wunsch wurde in dieser Parlamentssitzung vorgebracht: die Erstellung von Umfahrungsstrassen. Wenn sich dabei Ständerat Iten als Gegner solcher EnUastungsstrassen zu erkennen gab, weil der Verkehr nach Möglichkeit durch die Ortschaften hindurch gelenkt werden sollte, dann muss er sich darauf sagen lassen, dass das öffentliche Interesse an der Unfallverhütung und Verkehrssicherheit, der ja der Bau von Entlastungs- Die Zürcher kantonale Polizeidirektion und der Schwyzer Regierungsrat bleiben mit ihren Beschlüssen, inskünftig in allen Fällen, da der Fahrausweis wegen schwerer Verstösse gegen die Verkehrsvorschriften (namentlich wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung) entzogen werden muss, keineswegs allein auf weiter Flur. Ueberraschend schnell haben sie entweder Nachahmung gefunden oder hat ihr Beispiel in kantonalen Parlamenten zu gleichgerichteten Vorstössen geführt Von ungefähr kommen diese Echos nicht; vielmehr lassen sie erkennen, was es bei den Behörden geschlagen hat: man scheut dort angesichts der wachsenden Bedrohung der strassen ebenfalls dient, den wirtschaftlichen Interessen einzelner unbedingt voranzugehen hat. Im übrigen aber schneidet eine Umfahrungsstrasse eine Ortschaft vom Verkehr keineswegs ab, denn selbstverständlich wird für den Automobilisten immer und überall die Möglichkeit bestehen, durch eine Ortschaft hindurchzufahren und dort anzuhalten — wenn er will —, weil sie in jedem Falle mit der Entlastungsstrasse verbunden und an sie angeschlossen sein muss. Beispiele dafür gibt es schon jetzt in Mengen. Es heisst daher in die falsche Kerbe hauen, wenn man bei der Erörterung des Themas «Umleitungsstrassen » mit Befürchtungen und Bedenken wegen des « Abgefahrenwerdens » glaubt operieren zu müssen. Anprangerung schwerer Verkehrssünder auch in Genf Verkehrssicherheit durch die unverantwortlichen Exzesse einer zahlenmässig zwar geringen, aber gefährlichen Sorte von « Automobilisten » nicht länger mehr vor der Anwendung auch der schärfsten Mittel (wie es die Namensveröffentlichung darstellt) zurück, um dem Treiben dieser Elemente Einhalt zu gebieten zu versuchen. Dass es soweit kam und kommen musste, haben sie ausschliesslich sich selbst zuzuschreiben. Und wenn sich die Behörden vom Griff nach dieser Waffe gleichzeitig auch eine gewisse präventive Wirkung versprechen, so befinden sie sich damit, nach unseren eigenen Erfahrungen zu schliessen, wohl kaum auf dem Holzweg. Dieweil der thurgauische Polizeidirektor, wie an anderer Stelle ausgeführt, mit einem solchen Schritt noch zuwarten und sich erst einmal überzeugen möchte, ob er etwas nützt, hat der Genfer Staatsrat in der Erkenntnis, dass eine Verschärfung der Mittel zur Bekämpfung not tut, die bisher im Interesse der Sicherheit der Strasse erlassenen Vorschriften durch folgenden Beschluss ergänzt: « Das Justizdepartement kann als Strafmassnahme den Führerausweis entziehen. Es entscheidet, ob diese Massnahme veröffentlicht werden soll. Die Veröffentlichung ist in allen Fällen obligatorisch, namentlich in Fällen der Betrunkenheit oder wenn es sich um wiederholte Vergehen handelt, die eine unzulässige Missachtung der Sicherheit Dritter durch den Fahrer erkennen lassen.» Mag auch die Formulierung dieses Beschlusses in blühendstem Amtsstil abgefasst sein, so gibt es dennoch nichts daran zu tippen, dass ins- GLÜCKLICHE UND PANNENFREIE FAHRT INS JAHR 1949 wünschen allen ihren Lesern und Abonnenten Photo Thierstein Redaktion und Verlag der «Automobil Revue» Ein neues Signal für Fussgängerstreifen in Luzern Die Stadtpolizei Luzern hat versuchsweise neue Signaltafehl zur Markierung der Fussgängerstreifen aufgestellt. Das Signalbild — weisse Figur auf blauem Grund — erinnert stark OB das im Entwurf für eine neue internationale Signalordm/nf vorgesehene Schild. künftig auch in Genf die Strassenrowdies damit rechnen müssen, eines Tages ihren Namen in der Presse veröffentlicht zu sehen, sofern ihnen die Fahrbewilligung entzogen wird. Auch über ihnen schwebt jetzt dieses Damoklesschwert ... und ein Anlauf im Kanton Aargau. Aehnliche Tendenzen zeichnen sich übrigens im Kanton Aargau ab, wo eine Interpellation eines Grossratsmitgliedes, die 19 weitere Unterschriften trägt, die Regierung anfragt, ob es nicht angebracht wäre, inskünftig allen Motorfahrzeuglenkern, denen der Fahrausweis wegen Verursachung eines Unfalls in angetrunkenem Zustand entzogen werden musste, mit vollem Namen im kantonalen Amtsblatt bekanntzugeben. Warum aber sollte für die öffentliche Anprangerung eines Alkoholsünders am Lenkrad nicht schon der Fahrbewilligungsentzug wegen blossen Fahrens in angetrunkenem Zustand genügen? Muss wirklich zuerst « etwas passiert » sein? Liegt nicht schon in einer schweren Gefährdung anderer durch Herumkutschieren unter Alkoholeinwirkung ein Verhalten, dem der Kampf angesagt werden muss und das deshalb die Veröffentlichung der Verfügung rechtfertigt, womit der Fahrbewilligungsentzug ausgesprochen wird? Will man das Uebel an der Wurzel packen, dann dürfen auch jene Fälle keine «Vorzugsbehandlung» gemessen, in denen es nur zufällig und mit einer tüchtigen Dosis Glück nicht zu einem Unfall kam. Das hat man in Zürich, in Schwyz und in Genf erkannt und auch danach gehandelt. Wo hapert s am meisten? Querschnitt durch die Erdölwirtschaft Sport-Totentafel 1948 Briefe der Leser an die « AR » Blockierter Automobilverkehr in Berlin Londoner Brief Belgische Automobilisten in der Schweiz « AR »-Langstreckentest: Nash Ambassador 1948 AUS DEM INHALT Neue General-Motors-Modelle Verchromte Zylinderbüchsen Neue Wagen für den Schweiz. Rundspruch Thermokonzentrische Motoren « Auto-Magazin •