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E_1949_Zeitung_Nr.004

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Nr. 4 — BERN, Mittwoch, 26. Januar 1949 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 97, WERN, TELEPHON (031) 2 82 J2 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 2», TELEPHON 26 9« 77/7« ... Fahrlehrer sein dagegen sehr! Arüässlich eines Empfanges im Zürcher Kongresshaus wurden zahlreiche Vertreter von Behörde und Presse über die Bestrebungen des Autofahrlehrer-Zentralverbandes orientiert. Eine Reihe von Referaten gab in glücklicher Weise Aufschluss darüber, welcher Art die Anforderungen sind, die man im Interesse möglichst grosser Verkehrssicherheit an den Fahrlehrer unbedingt stellen muss und wie der Verband die nicht eben niedrig gesteckten Ziele erreichen will. Dass die Fahrlehrer nicht nur mit schönen Worten an die Oeffentlichkeit treten wollen, haben sie nicht zuletzt auch damit bewiesen, dass sie ein neues Lehrbuch geschaffen haben (eine Besprechung erscheint an anderer Stelle dieser Nummer. Red.). Weiterbildung des Fahrlehrers tut not. In seiner Eröffnungsrede wies der Zentralpräsident, Emil Frei (Zürich) vor allem darauf hin, dass sich Fahrer und Fahrlehrer notgedrungen den veränderten Verhältnissen des motorisierten Strassenverkehrs anzupassen haben. So werden die Anforderungen, denen ein Fahrlehrer gewachsen sein muss, mit der Zeit stets grösser werden; gründliche jahrelange technische und praktische Ausbildung am Automobil und einwandfreie Fahrpraxis genügen nicht, um einen Menschen als geeigneten Fahrlehrer zu qualifizieren. Es bedarf darüber hinaus noch psychologischen Einfühlungsvermögens und einer nicht geringen. Dosis pädagogischen Könnens, wenn der Fahrlehrer seinen Schüler zu einem anständigen, verantwortungsbewussten und verkehrssicheren Motorfahrzeugführer ausbilden will. Und es genügt nicht, wenn nur einzelne Fahrlehrer diesen Anforderungen entsprechen; im Interesse der Verkehrssicherheit sollten nur noch Leute das Gewerbe eines Fahrlehrers ausüben, welche die Vorbedingungen für ihren Beruf in jeder Beziehung voll und ganz erfüllen. Heute sind wir von diesem Ziel noch weit entfernt, nicht zuletzt deshalb, weil die Fahrlehrerprüfungen in den meisten Kantonen absolut ungenügend sind. Um hier Abhilfe zu schaffen, soll ein Leitfaden für den Fahrlehrer selber herausgegeben und ausserdem in eigentlichen Seminarien die Möglichkeit geboten werden, die für einen seriösen Fahrlehrer erforderlichen Kenntnisse zu erwerben oder zu festigen. Als Abschluss dieser freiwilligen Weiterausbildung erachtet der Referent die Ablegung einer Schlussprüfung zur Erlangung eines eidgenössischen Fähigkeitsausweises als das geeignete Mittel, um nicht qualifizierte Elemente aus dem Fahrlehrerberuf auszuscheiden. Der Präsident wandte sich sodann den durch den Verband veranstalteten Unfallverhütungskursen zu, wobei er dem Initianten dieser Institution, dem Versicherungs- und Verkehrsfachmann Karl Sax, mit Recht ein warmes Lob spendete. Der Andrang zu diesen Veranstaltungen wird immer grösser; offenbar beginnt sich doch im Publikum allmählich die Einsicht durchzusetzen, dass auch der langjährige Fahrer nie ausgelernt hat. Sicherheit des Verkehrs nicht gefährden. Er ist moralisch verpflichtet, der Prüfungsbehörde eventuelle ungünstige Eigenschaften des Kandidaten mitzuteilen, damit allenfalls eine ärztliche oder psychotechnische Untersuchung angeordnet werden könnte. Ein solches Vorgehen ist jedoch für den Fahrlehrer nur dann möglich, wenn es allgemein zur Anwendung gelangt. Andernfalls könnte der korrekte Fahrlehrer grosse finanzielle Einbussen erleiden. Diesen Worten fügte Herr Gamper noch einige Ausführungen über das neue Lehrmittel bei. Seinen Zweck wird es jedoch nur in der Hand eines geschickten Fahrlehrers voll erreichen können. Deshalb gilt es unbedingt, der Ausbildung dieser Leute vermehrtes Gewicht beizumessen. Nur so darf man hoffen, dass möglichst bald ein tüchtiger Motorfahrernachwuchs vorhanden ist, der als Elitetruppe im Kampf gegen die Verkehrsunfälle und -Unsitten wirken wird. Fahrlehrer und Armee. Ueber die Leistungen der Fahrlehrer in der Armee und über die Revision von MFG und MFV sprach sodann der in Automobilistenkreisen bekannte Fritz Streun. Er betonte insbesondere die Arbeit, die von den Fahrlehrern während des letzten Krieges vollbracht wurde, als es galt, für die Armee in kurzer Zeit zahlreiche Motorfahrer auszubilden. Auch heute noch nehmen sich die Fahrlehrer in entgegenkommender Weise des Nachwuchses der motorisierten Truppen an, indem sie zu stark reduzierten Preisen den Jungmotorfahrern die Ausbildung am Motorfahrzeug ermöglichen. Zu die* sem Entgegenkommen fühlte sich der Verband vor allem infolge der immer zahlreicher werdenden Unfälle im Militärdienst verpflichtet. Immerhin dürfte es für die Fahrlehrer auf die Dauer nicht mehr möglich sein, die angehenden Rekruten zu denselben Bedingungen vorzubereiten. Aus den Vorschlägen des Verbandes für die Revision des Motorfahrzeuggesetzes griff der Referent nur einige Punkte heraus; danach wird verlangt, dass Fahrunterricht gegen Entgelt nur der Berufsfahrlehrer erteilen dürfe, wobei es jedoch nicht die Meinung hat, man wolle Verwandten und Bekannten die Erteilung unentgeltlichen Fahrunterrichtes verbieten. Ferner wird die Einführung von Berufsseminarien für Autofahrlehrer gewünscht. Wenn schon nur der Berufsfahrlehrer Unterricht gegen Entgelt erteilen dürfe, dann müsse das Publikum auch volle Gewähr haben, dass dieser in den Händen wirklich qualifizierter Kräfte liege. Diese Ausführungen wurden noch ergänzt durch den Wunsch an die Adresse der Tagespresse, sich vermehrt in den Dienst der Verkehrssicherheit zu stellen. Widmete der Ehrenpräsident der Sektion Zürich des Fahrlehrerverbandes, Herr Meier, vorwiegend dem neuen Lehrmittel einige Betrachtungen, so gab Herr Joho, der Leiter der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung in Bern, der Hoffnung Ausdruck, dass den Bemühungen des Verbandes der erstrebte Erfolg zuteil werde: Ein möglichst hohes Mass von Verkehrssicherheit im Schweizerischen Stra'ssenverkehr. Heute bietet es keine Schwierigkeiten, Fahrlehrer zu werden; Fahrlehrer zu sein dagegen ist nicht einfach, vorausgesetzt, dass man den Beruf mit dem nötigen Ernst betreiben will. Deshalb verdient der Verband Anerkennung, wenn er sich entschlossen hat, mit aller Energie dafür einzutreten, dass nur mehr gut qualifizierte "Leifcie, jäieses Metier ergreifen. Auch der Fahrlehrer ist ein Erzieher, und davon, wie sich seine Tätigkeit auswirken kann, vermitteln uns die Zustände auf unSern Strassen ein nicht überaus günstiges Bild. R. Sp. Schwyz erhöht die Motorfahrzeugsteuern In seiner letzten Session hat der Schwyzer Kantonsrat einen Antrag der Regierung auf Erhöhung der Motorfahrzeugsteuern, die sich für Motorwagen bis 5 PS auf 4,35 %, für solche über 5 PS auf 7,25 % beziffert, mit starker Mehrheit gutgeheissen. Gegenüber der Front der Befürworter hatte in der Eintretensdebatte die Opposition der Gewerbegruppe, die sich dafür einsetzte, dass weiteren Besteuerungen des Gewerbestandes nun einmal grundsätzlich Einhalt geboten werden müsse, einen schweren Stand, obwohl sie auch noch von anderer Seite Sukkurs erhielt. Allerdings konnte sich die Regierung bei der Verteidigung der Vorlage auf die Zustimmung der Strassenverkehrsverbände berufen, die bei einer vorhergehenden Konferenz mit Regierungsrat-Dr. Sidler eine Steuererhöhung im erwähnten Ausmass und unter der Bedingung akzeptiert hatten, dass die daraus resultierenden Mittel ausschliesslich dem Strassenbau zugutekommen. Obwohl die Verbände bei dieser Aussprache die Behörden insofern zu einer Konzession zu bewegen vermochten, als sich diese bereitfanden, die ursprünglich ins Auge gefasste Erhöhung der Steueransätze um 10—16 % auf durchschnittlich 8 % zu reduzieren, kann man sich doch fragen, ob es nicht am Platz gewesen wäre, jede weitere Heraufsetzung der Verkehrssteuern grundsätzlich abzulehnen, und zwar vor allem unter Hinweis auf die gewaltigen Leistungen des Motorfahrzeugs an den Bund, der von seinen Automobil- und Benzinzollmillionen — DENKEN , «Langsam fahren kommt für mich nicht in Frage» erklarte wenige Tage vor dem Unfall der Lenker des abgebildeten Personenwagens seinen Freunden, und ich kann mir recht gut vorstellen, dass er diese Worte mit stolz geschwellter Brust geäussert hat. Sie sind nicht gar so selten, die Leute, die glauben, nicht langsam fahren zu können; es ist eigentlich auch wohl verständlich, dass dem so ist, braucht es doch mehr Charakterstärke und Vernunft, seine Maschine zu beherrschen als sich von ihr beherrschen zu lassen. Auf das Gaspedal drücken bis der Geschwindigkeitsmesser hundert Stundenkilometer anzeigt, ist wahrhaftig kein Kunststück; nie schneller fahren, als es die Strassen- und Verkehrsverhältnisse zulassen, ist dagegen eine Kunst, die den wahrhaft guten Fahrer auszeichnet! Wie hoch die Geschwindigkeit des photographierten Wagens ungefähr gewesen sein dürfte, kann man sich an Hand der Abbildung unschwer vorstellen. Berücksichtigt man ferner, dass der Lenker bei Nebel und auf leicht vereister Strasse sein Fahrzeug frontal in einen korrekt auf-der rechten Strassenseite fahrenden Lastwagen hineingesteuert hat, so kann man sich den nötigen Kommentar zum Unfall leicht zusammenreimen! Monitor. Wie soll man charakterlich ungeeignete Fahrer erkennen können? Anschliessend ergriff Herr A. Gamper, Abteilungsleiter am Institut für angewandte Psychologie und Psychotechnik das Wort: Die Zeit ist vorbei, da das Autofahren noch vorwiegend eine fahrtechnische Angelegenheit war. Immer mehr wird das korrekte Lenken eines Motorfahrzeuges durch die Charaktereigenschaften des Fahx - ers bestimmt. Deshalb darf ja auch nach MFG, Art. 9, der Führerausweis nur an Personen abgegeben werden^ die nicht aus irgendwelchen Gründen als zum vornherein für das Lenken eines Motorfahrzeuges ungeeignet erscheinen. Doch wie soll die Bewilligungsbehörde diese Gründe feststellen können? Nur in seltenen Fällen wird es möglich sein, anlässlich der Prüfung oder auf Grund anderer Möglichkeiten die ungeeigneten Fahrzeugführer zu erkennen. Hier könnte eine engere Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Fahrlehrern Abhilfe schaffen. Der Fahrlehrer hat die Möglichkeit, den Schüler während längerer Zeit zu beobachten; er wird, wenn er die nötigen Fähigkeiten besitzt, beurteilen können, ob er es mit einem zum Lenken eines Motorfahrzeugs geeigneten Menschen zu tun hat. Der verantwortungsbewusste Fahrlehrer darf denn auch nur solche Leute zur Prüfung anmelden, von denen er in guten Treuen annehmen darf, dass sie die DER BROSSELER AUTOMOBIL-SALON. Am letzten Samstag öffnete der Brüsseler Automobil-Salon im Palais du Centenoire wiederum seine Pforten. Unur Bild vermittelt eine Gesamtübersieht über die Ausstellung, die allerdings nur mit wenigen wirklichen Neuheiten aufwartet. (Vgl. dazu den ersten Teil unseres Spezialberkhtes auf S. B dieser Nummer.) sie erreichten letztes Jahr eine neue Rekordhöhe von schätzungsweise 125—130 Millionen — nur einen ungenügenden Teil an die Kantone fHessen lässt und sie dadurch zwingt, sich die Mittel für die Strassenkosten dadurch zu verschaffen, dass sie die Motorfahrzeugsteuern nach oben revidieren. Höhepunkt unserer Antomobilimporte Sportnachrichten Astronomische Autopreise auf dem tschechoslowakischen Binnenmarkt Der erste Supertanker läuft von Stapel Die Bewährung der Nachkriegswagen (Ergebnisse der Bundfrage) Bilder vom Brüsseler Salon Neue Nutzfahrzeuge Drum und Dran AUS DEM INHALT