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E_1949_Zeitung_Nr.010

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Nr. 10 — BERN, Mittwoch, 9. März 1949 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN KRSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE »7, BERN, TELEPHON (#31) 2l2!t - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/7« Mehr Sicherheit im nächtlichen Strassenverkehr! Leuchtfolien zur besseren Kenntlichmachung von Radfahrern Als der Gesetzgeber in Art. 29 des MFG die Bestimmung aufstellte, dass Fahrräder mit einem « rückwärts wirkenden Leuchtzeichen > versehen sein müssen und als er in Art. 68 der MFV deren Anbringung und die Eigenschaften näher umschrieb, denen sie zu genügen haben (Sichtbarkeit auf 100 m beim Anstrahlen durch Motorfahrzeugscheinwerfer, 'Streuwinkel je 30 Grad nach beiden Seiten, ständige Sauberhaltung usw.), da liess er sich von der Erwägung leiten, dass solche Reflexlinsen geeignet seien, im nächtlichen Verkehr nicht nur dem Radfahrer einen Schutz zu bieten, sondern die Verkehrssicherheit überhaupt zu erhöhen. Die Praxis allerdings lehrte dann bald — und tut es auch heute immer wieder —, wie schwer es hält, diese gute Absicht durchzusetzen. Wer zählt die Katzenaugen, die zwar vorgeschrieben, aber entweder falsch, d. h. nicht genau senkrecht montiert, defekt oder verdeckt und daher unwirksam sind? Und wie mancher Unfall ist nicht schon durch die Geistesgegenwart und die schnelle Reaktion von Automobilisten verhütet worden, wenn sie im Dunkel der Nacht unversehens die Gestalt eines Radfahrers vor sich gewahrten, dessen Gegenwart keine Reflexlinse verriet, weil sie ... siehe oben. Inzwischen hat menschlicher Erfindergeist neue Erzeugnisse hervorgebracht, die im nächtlichen Strassenverkeht" erhöhte Sichtbarkeit und damit auch eine bessere Möglichkeit zur Unfallverhütung gewähren. Diese neuen Materialien in den,,- Dienst der Verkehrssicherheit zu stellen, daran besitzt nicht nur der Ritter vom Stahlross, sondern auch der Automobilist ein Interesse. Oder sollte es wenigstens. Und tatsächlich ist auch einer der ersten Anstösse zu breiter angelegten Versuchen hach dieser Richtung bei uns von einer Organisation der « Motorisierten » ausgegangen. Es war die TCS-Sektion Waadt, auf deren Veranlassung — und Rechnung! — im Verlauf des letzten Jahres über 500 Fahrräder der Arbeiter eines Industrieunternehmens in der Westschweiz mit Scotchlite-Bändern versehen wurden. Nur zwei unter ihnen wollten nichts davon wissen, besannen sich jedoch rasch eines andern, als ihnen vorgeschlagen wurde, die Leuchtstreifen anstatt auf dem hinteren Schutzblech an den Pedalen anzubringen, wo sie ihr « ästhetisches Empfinden » weniger verletzten, dafür jedoch um so besser wirkten, weil sie, fast immer in Bewegung, das Auge des Automobilisten noch stärker frappieren und seine Aufmerksamkeit erregen. Sechs Monate nach der Anbringung der Leuchtbänder, in einem Zeitpunkt also, da ausreichende Erfahrungen damit vorlagen, führte die Firma unter einem Teil ihrer Arbeiter eine Rundfrage durch, deren Ergebnisse sich wie folgt zusammenfassen lassen: Die Leüchtstreifen halten immer noch sehr gut, ja ihre Klebefähigkeit ist so gross, dass es seine Schwierigkeiten hätte, sie entfernen zu wollen. Was ihre Reinigung anbelangt, so gestaltet sie sich ebenso einfach wie jene der übrigen Teile des Velos. Eine normale Staubschicht vermindert die Reflexkraft in keiner Weise. In den meisten Fällen wurden die Leüchtstreifen auf die Schutzbleche geklebt, wobei es sich erwies, dass sie an dieser Stelle durch einen von hinten kommenden Lichtstrahl sehr gut getroffen werden. Ist hier die reflektierende Oberfläche grösser als bei der Befestigung der Leuchtbänder an den Pedalen, so fällt bei dieser Methode die Pedalbewegung besser auf. Alles in allem liess sich eine leichte Bevorzugung der Anbringung auf dem Schutzblech konstatieren. Ob die Leuchtstreifen den «Katzenaugen» überlegen seien, wollte eine der Fragen wissen, worauf die Antwort kam, die Reflexlinsen erweisen sich als zerbrechlich, sie verschieben sich bei einem Stoss oder Schlag leicht und nützen dann nichts mehr. Umgekehrt bleibe der Streifen immer an seinem richtigen Ort haften; seine Leuchtkraft sei auch auf grosse Distanz sehr stark, ja besser als jene der «Katzenaugen», und mit Kosten müsse man sozusagen nicht rechnen. Summa summarum bezeichneten die Antworten die Verwendung von Leuchtbändern als Verbesserung der Verkehrssicherheit sowohl für den Radfahrer wie auch für den Automobilisten und als einen unbestreitbaren Fortschritt zum Nutzen eines jeden. Dass diese einfachen und dabei nicht kostspieligen Möglichkeiten des Unfallschutzes im nächtlichen -Strassenverkehr nicht besser ausge- Steinenring anfuhr und dann, im Glauben, der Mann sei schwer verletzt, im Rhein den Tod suchte? Warum nicht auch, um Niveauübergänge sichtbarer zu machen? Im Bericht ihres « Unfallverhütungsdienstes » (vgl. « AR » Nr. 7) haben die SBB das Schlagwort von der «beängstigenden Zunahme der Verkehrsunfälle » übernommen, um den Strassenbenützern, insbesondere den Automobilisten, in einseitiger und unsachlicher Weise die Schuld an der überwiegenden Mehrzahl der « Zwischenfälle » an den Niveaukreuzungen in die Schuhe zu schieben. Als ob die Ursachen all dieser Vorkommnisse an Bahnübergängen, bewachten und unbewachten, allein in einer «Verrohung der Verkehrssitten» läge, als ob die Bahnen ihrer gesetzlichen Verpflichtung, für die Sicherheit an den Niveaukreuzungen zu sorgen, in jeder Hinsicht restlos genügt hätten! Mit einer derartigen Einstellung; die beispielsweise dem Umstand keine Rechnung trägt, dass namentlich die Chauffeure von Lastwagen wegen des Lärms ihres Motors das Herannahen eines Zuges nicht hören können, wird das Problem der Unfallverhütung an Bahnübergängen nicht gelöst. Solange die Bahnen nicht alle ihnen vernünftigerweise zumutbaren Vorkehren zur bestmöglichen Sicherung dieser Gefahrenstellen "getroffen haben — Markierung von Bahnbarrieren; links ohne, rechts mij Leuchrfolien. Die Aufnahme ist gnretouchiert. Kommentar Gberflütsiä. nützt worden sind, scheint verwunderlich. .Immerhin haben nach den günstigen Erfahrungen mit diesem ersten. grösseren Experiment nun noch weitere bedeutende Firmen der welschen Schweiz den Schritt getan, die Fahrräder ihres Personals in gleicher Weise auszurüsten, wobei man nur hoffen muss, dass diesen Beispielen weitere folgen werden. Gewisse Anzeichen hiefür künden sich darin, dass heute auch Bestrebungen im Gange sind, diesem Leuchtstoff in vermehrtem Masse auch bei der Landwirtschaft zur Markierung von Traktoren und Fuhrwerken Eingang zu verschaffen. ... von Strassenbahnarheitern Die vielseitige Verwendbarkeit dieses Reflexstoffes • machen sich neuerdings die Basler Verkehrsbetriebe dadurch zu Nutzen, dass sie ihre Streckenarbeiter zum Schutz vor dem Angefahrenwerden in der Nacht und in den frühen Morgenstünden versuchsweise mit Scotchlite- Gürteln, -Armbinden, -Stulpenärmeln und -Binden tun die Mützen ausrüsten (ähnlich wie die Verkehrspatrouillen der Berner Stadtpolizei auf den Ausfallstrassen der Stadt im Nachtdienst nrit derartigen Stulpenhandschuhen versehen sind). Eine bessere Kenntlichmachung dieser Leute drängt sich in erster Linie um deretwillen auf, doch schützt sie auch den Automobilisten vor den oft schweren Folgen von Unfällen, deren Ursache er wegen schlechter Sichtverhältnisse werden könnte. Umgibt nicht wahre Tragik den Fall jenes Taxichauffeurs, der vor nicht allzulanger Zeit einen dieser Tramarbeiter auf dem In eklatanter Weise gibt dieses Bild die Wirkung der Ausrüstung von Fahrrädern mit Reflexfolien aus Scotchlite wieder. Die Streifen zur besseren Kenntlichmachung der Radfahrer auf nächtlicher Strasse lassen sich in verschiedener Art, auf den Schutzblechen oder den Pedalen anbringen. wobei die gegenwärtig noch übliche Ausführung der Sigriale eben nicht mehr dem «Bestmöglichen » entspricht, weil die Technik heute mit neuen Errungenschaften und' vervollkommneten Einrichtungen aufwartet —, solange muss ihnen das Recht abgesprochen werden, über die «andern » zu Gericht zu sitzen. Abgesehen von den mitunter ungenügenden und schwere Gefahren in sich bergenden Sichtverhältnissen an Unbewachten Bahnübergängen, für deren Verbesserung zu wenig getan oder die erst vorgenommen wird, wenn etwas passiert ist, abgesehen auch von einer nicht selten unzulänglichen Signalisierung an solchen Stellen, deren Wert bei unsichtigem Wetter als höchst problematisch erscheint, lässt auch die Kenntlichmachung der Barrieren an geschlossenen Niveaukreuzungen viel zu wünschen übrig. Wenn Bahnschranken eingefahren werden, so geschieht es nicht selten wegen Glatteises, sehr oft aber zu nächtlicher Stunde, bei Nebel und Regen, also bei schlechten Sichtverhältnissen. In den Scotchlite-Ueberzügen steht aber ein wirksames Mittel zur Verfügung, die Erkennbarkeit der Uebergänge wesentlich zu erhöhen. Bei der Demonstration der verschiedenen Reflexmaterialien für die Strassensignalisierung, die letzten Herbst bei Liestal vor der Konferenz der kantonalen Baudirektoren stattfand, erweckte gerade der mit Sotchlite markierte Bahnübergang, wobei Vorsignal, Distanzpfähle und die Barriere selbst mit diesem Stoff versehen waren, dank seiner Leuchtkraft einen der stärksten Eindrücke. Einzelne Privatbahnen haben auf ihrer ganzen Länge diese Art der Markierung eingeführt, und versuchsweise hat Scotchlite auch für die Streckensignalisierung bei Bahnfen Eingang gefunden. Warum aber zögern die Bundesbahnen, wenn ihr Endziel, nämlich die Beseitigung der Niveaukreuzungen aus finanziellen Gründen nur sehr schrittweise erreichbar ist, inzwischen wenigstens diese einfache, effektive und dabei keineswegs teure Methode der Signalisierung bewachter wie unbewachter Uebergänge auf breitester Grundlage anzuwenden? Es handelt sich doch wohl in erster Linie um eine Frage des guten Willens, wobei sich die SBB der Verantwortung bewusst bleiben müssen,, die sie damit angesichts ihrer Pflicht zur Sorge für die Sicherheit an Bahnübergängen auf sich nehmen. Was bei den Privatbahnen technisch und rechtlich möglich, sollte auch bei den Bundesbahnen durchführbar sein. Und wenn deren « Unfallverhütungsdienst» in seinem Bericht kundtut, es werde «inzwischen nichts unterlasset!, um die nach der Erfahrung nötigen und nach dem Stand der Technik möglichen Vorkehren zur Milderung der Gefahren zu treffen •, dann muss sich besagter Dienst gefallen lassen, dass man ihm bass erstaunt und DENKE Glückskette Es müsste einer entweder gegen sich selbst wenig aufrichtig sein oder nicht gerade besonders aufmerksam, wenn er sich nicht schon hin und wieder dabei ertappt hätte, als er am Steuer seines Automobils eine mehr oder weniger kleinere Unkorrektheit beging. Auch dem routiniertesten, auch dem vorsichtigsten Fahrer kann ein Versehen unterlaufen, auch der beste Fahrer ist ja nur ein Mensch. Glücklicherweise führen lange nicht alle Fehler, die man beim Lenken eines Motorfahrzeuges begeht, zu einem Unglück. Aber es mag doch nichts schaden, sich nachher, wenn man des Versehens inne geworden ist, darüber Rechenschaft zu gefcen, was hätte passieren können. Und es mag noch weniger schaden, wenn man sich zur Stütze „seines Gedächtnisses selbst eine kleine Busse auferlegt, auf dass man in Zukunft besser aufpasse! Ich wage mich deshalb mit einem Vorschlag an alle anständigen und gewissenhaften Automobilisten: Wir wollen, wenn wir uns irgendwie gegen die geschriebenen oder die ungeschriebenen Gesetze der Strasse vergangen haben, mit einem kleinen Betrag der Glückskette von Radio Basel gedenken (Postcheckkonto V 453). Mögen die Scherflein, die auf diese Weise zusammengetragen werden, jeden einzelnen von uns vor weiterem Schaden bewahren und gleichzeitig mithelfen, Not zu lindern. Monitor. kopfschüttelnd die Frage stellt, ob ihm seit Oktober 1946, da die neuen Reflexstoffe in der Schweiz erstmals von sich reden machten, davon noch nichts zu Gehör gekommen sei. Damit, dass die SBB bisher darauf verzichteten, die neuen Reflexstoffe in den Dienst besserer Markierung ihrer Niveauübergänge zu stellen, haben sie es seit mehr als zwei Jahren «unterlassen, die nach der Erfahrung nötigen und nach dem Stand der Technik möglichen Vorkehren zur Milderung der Gefahren zu treffen. » AUS DEM INHALT Die Alkoholwirkungen beim Automobilisten Nochmals: Fahren mit Markierlichtern Sportnachrichten Für unverzügliche Einführung von Stop- Strassen in der ganzen Schweiz Autobus-Zentrum Nizza «AR »-Prüfungsbericht: Jowett Javelin Ein neuer Stossdämpfer Drum und Dran Lenkradsplitter Aüto-Magazin