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E_1949_Zeitung_Nr.014

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Nr. 14 — BERN, Mittwoch, 23. März 1949 Vierte Salon-Nummer 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENBAINSTRASSE »7, BERN, TELEPHON (031) 2 »2 M - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/7« Glückszahl 13 Gedanken zu den am Salon ausgestellten 13 Sportwagentypen Von « Grand Prix ». Sportleute und Rennfahrer sind bekanntlich abergläubisch und oft etwas eigenartig. Viele von ihnen werden deshalb die Zahl 13 in Verbindung mit der Anzahl am Salon vertretener Sportwagen für einen ausgesprochenen Glücksfall ansehen, von dem sie in der kommenden Sportsaison regen Gebrauch machen werden. * * % Wir möchten keinen Prozess riskieren, weder mit den Fabrikanten von Sportwagen noch der NSK. Deshalb beschränken wir uns in den nachstehenden Betrachtungen auf diejenigen der so verlockenden zweisitzigen Wagen, die nach dem Buchstaben des Gesetzes, mit andern Worten nach dem Sportreglement des ACS, in diesem Jahre als Sportwagen zu betrachten sind. Dabei nehmen wir den Fabrikanten des Frazer-Nash beim Wort, der uns die am ausgestellten Wagen fehlenden Türen sowie eine nicht reglementswidrige Windschutzscheibe für alle an Sportfahrer abgelieferten Wagen versprach. Jedes Reglement ist ein menschliches Werk mit seinen guten und schlechten Seiten, und so sind auch die Wagen, deren gemeinsame und unterschiedliche -Grundsätze wir näher ansehen wollen, von recht verschiedenem Kaliber. Was nun ein Sportwagen ist und was er nicht ist, darüber wird man auch nach der Lektüre der folgenden Zeilen nicht klüger sein, dass aber die Sportwagen 1949 den Blutdruck wie auch den Puls erhöhen, das hat sogar manches alte Veteranenherz verspürt, wenn es « Bodenschleicher » wie den Cisitalia, die vollendete Stromlinie der Porsche, das Armaturenbrett des Frazer- Nash oder den Rohrrahmen des Nardi-Danese auf sich wirken Hess. Wie schnell läuft « er »? Das hängt ganz davon ab, wie gross die Stirnfläche, wie gut die Stromform, wie hoch die Motorleistung und wie niedrig das Gewicht geworden ist. Dass ein orthodox karossierter, offener Zweisitzer mit eckiger Kühlerverschalung wie der MG Midget nicht an die Spitzengeschwindigkeit der kleinen, anziehenden « Badewanne » von Ferrari, von der man sich nur schwer trennt, kommt, liegt in der Natur der technischen Gesetze. Dass aber auch der trockene Kaufmann in einem so abenteuerlichen Gebiet wie demjenigen des Sportwagenbaues mitreden kann und muss, zeigt sich nur allzudeutlich, wenn man sich darüber Rechenschaft gibt, dass man für 1 Ferrari 3 Porsche, für 1 Alfa-Romeo 5 MG oder für 1 Talbot 2 Allard kaufen kann. Geschwindigkeit ist eben teuer, und zwar sind es die obersten Kilometer, die am meisten kosten. Ein rennbereiter Zweisitzer wie der Frazer-Nash oder der Ferrari, die beide nur sehr wohl assortierte Renndiät verdauen, fangen erst recht an zu beschleunigen, wenn manchem weniger anspruchsvollen Zweisitzer schon fast der Schnauf ausgeht. Zylinderzahl. Graf Bobby tat bekanntlich den Ausspruch, das Leben sei wie eine Lawine, es gehe nämlich immer auf und ab, Und die Zylinderzahl tut es nicht anders. Technische Gründe hin oder her — jedes Jähr findet man grosse Töpfe, kleine Töpfe, kurze Hübe und lange Hübe, knappe Bohrung und weite Bohrung; und immer wieder kann, man an Hand der Zahlen beweisen, dass alle recht und alle unrecht haben. So geben sich denn die meisten Sportwagen mit Vier- oder Sechszylindermotoren zufrieden, wobei der neue Boxermotor von Universal die Zweizylinderklasse und der Ferrari den Zwölfzylindermotor vertritt. Der Achtzylinder-in-V des Allard ist eigentlich^ das ä sportliche Element in diesen O gen; so dass er auch nichts beweist. Vom ersten 500er bis zum 4 K-Liter. Und auch punkto Hubvolumen findet man alle Richtungen und alle Zahlen. Dass die Allard-Zweisitzer-Sportwagen mit dem englischen Ford V-8 von 18 PS. Grenzen von 1100 cm und 2 Liter von jeher in der Schweiz besonderen Anklang fanden,, findet man auch dieses Jahr wieder bestätigt. Ein Zylinderinhalt von 1,1 Liter ist fast gleichbedeutend mit einem Sprössling des Fiat-1100-Motors, handle es sich nun um den Fiat selbst, den Simca oder den Cisitalia. Fast immer stand irgendwo dieser oft imitierte und kaum erreichte Motor zu Gevatter. Beim Zweiliter ist die Situation etwas komplizierter. Die leichte Ausführung des noch aus der Vorkriegszeit stammenden BMW 328 wird durch den geradezu klassisch geformten Ffazer-Nash dargestellt. Schade, dass keine andern Varianten zu sehen sind. Echtes, hoch- DE» SCHNELLSTE: Von den Sportfreunden besonders beachtet wurde der Alfetta, den man einmal in aller Ruhe aus der Nähe betrachten konnte. gezüchtetes Vollblut italienischer Abstammung findet man im herrlichen Zwölfzylinder von Ferrari, dessen hoher Preis nicht nur auf den Steinbock zurückzuführen ist, den man selbst in den Schraubenköpfen eingeprägt antrifft. Welch ein Motor, dieser Ferrari! Von den drei Fallstromvergasern über die beiden Zündmagneten bis zum Leichtmetallblock könnte man stundenlang andern gezeigten Block * Hochleistung» studieren. ••• * * * \V Hart oder weich? Den Stein der Weisen würde derjenige Sportwagenkonstrukteur gefunden haben, dessen Geisteskind, sowohl auf dem Kopfsteinpflaster der Junkerngasse in Bern der DER UNVERWÜSTLICHE. Der hellblaue, zweisitzige MG-Midget-TC, immer noch der beliebte und lebendige Zweisitzer- Sportwagen. mitgeführten Grosstante bei 12 km/h keine Erschütterung im Gebiss verursachen würde und von dem auch Nuvolari nach einer Runde auf der Bremgartenstrecke mit 150 Durchschnitt sagen dürfte: « Tiene bene la strada >. Dieses Ziel suchen die Ingenieure mit allen Künsten zu erreichen. Sie bauen einen Rahmen aus grossen, steifen Rohren (Frazer- Nash) oder schweissen zahlreiche dünne Röhrchen als selbsttragendes Fächwerk zusammen ( Cisitalia). Sie verstärken ein normales Chassis mit einem Plattformboden (Fiat 1100 S) oder verwenden Rohrelemente als hohe Stege (Nardi Danese). Sie bauen unzahlige Querträger ein (Talbot Lago Grand Sport) oder verwenden einen hinten als Stimmgabel endenden Zentralrohrrahmen (Porsche); und selbst im Jahre 1949 bekennt sich MG zu harten, kurzen Halbelliptikfedern und einem weichen, normalen Chassis. Literleistung und Leistungsgewicht; . . - t Wenn man die Diskussionen bei den Sportlern anhört, so findet man diese beiden Grossen sehr oft als Ursache heftigster Argumente. Dass sie nicht immer über Üi^rWffi.- sterschaftschancen oder selbst den Klaslensieg entscheiden,- hat dieser oder jener bereits feststellen können. Dass man sich mit diesen Grossen beschäftigte, geschah mehr, um die Neugierde zu stillen, als um ein Urteil über diesen oder jenen Wagen abzugeben. Wenn man sowohl das Leistungsgewicht wie die Literleistung in der nebenstehenden Tabelle aufgeführt findet, dass ein Wagen mit 7 kg/PS schneller zieht als sein Gegenpart mit der doppelten Zahl, ist allerdings auch dann noch richtig, wenn die beiden. Koeffizienten vielleicht nicht ganz hundertprozentig genau stimmen. AUS DEM INHALT Die französischen Personenwagen Bückblick auf die Int. Schneesternfahrt nach Genf Konstruktionskritik 1949: IIL Schalten und Walten IV. Fahrgestellbau bis 1949 Bilderseiten: Französische Personenwagen Sportfahrzeuge am Salon Rund um den Salon (Schluss auf Seite 61 ZWEI SCHNELLE 1)00 links das neue zweisitzige Simca- Cabriolet, dessen Motor mit einem Italmeccanica-Gebläse aufgeladen ist. cechts der Cisitalia-Mille-Miglia als * blutroter, offener Zweisitzer. (Photos Wassermann, Genevel