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E_1949_Zeitung_Nr.013

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AUTOMOBIL REVUE MONTAG,

AUTOMOBIL REVUE MONTAG, 21. MÄRZ 1949 - Nr. 13 Auf glitschigem \ Boden Bei raschem-Anfahren Bei plötzlichem Stoppen INTERNATIONALERAUTOMOBIL-SALON GENF, 17.—27. März 1949 SÄURER, Stand 221 MICHELIN "ZZ" krallt sich an, dank der scharfen Kanten seines ZICK-ZACK-Profils Wir zeigen Ihnen einige Beispiel« aus unserem reichhaltigen Fabrikationsprogramm Lastwagen 1-101 Nutzlast Kipper, Spezialfahrzeuge Car Alpins, Omnibusse Trolleybusse Dieselmotoren 45—700 PS AKTIENGESELLSCHAFT ADOLPH SAURER, ARBON Lieferbar in folgenden Dimensionen: 4,00/15 4.75/16 5,00/15 5,00/16 5,50/15 5,25/16 6.50/15 5,50/16 6,70/15 5,75/16 7,00/15 6.00/6.25/16 7,60/15 6,50/16 7,00/1« •' . ';• _ ' 7.58/16 ./;;;;'•; ,.4,75/18 , dank ir Vorzügliche Sicht Rassiger Motor VEVEY-Industrietraktor mit oder ohne Seilwinde, für Strasse, Bauplatz, Forstwirtschaft Er zeichnet sich ans durch Zugkraft, Bodenhaftung, Handlichkeit Wirtschaftlichkeit Präzise Steuerung Wirksame Bremsen Frisch und munter nach der längsten Fahrt 11 Legere, Fr. 8750.- • WÜST 11 Large, Fr. 9750.- + WUST 15-six, Fr. 12 900.- • WUST S.A. pour la Vente en Simse des Automobiles ANDRE CITROEN GENEVE Automobil-Salon Genf, Stand 227

Nr. 13 — H. BLATT AUTOMOBIL REVUE BERN, 21. Marse 1949 Momentbild vom Start auf der schneefreien Strasse ausserhalb St. Moritz, bei der Abzweigung nach dem Suvrettahaus. Die Neuenburger Equipe Patthey-Baumgartner auf einem Volkswagen am Start. (Photos Pedrett, St. MoriM Genfer-Salon-Sternfahrt mit viel Schnee Gauthier/de Muller auf Citroen siegen im Gesamtklassement - Lt.Theiler Georg/Theiler Marc auf Austin bei den Militärfahrern in Front Ein Fahrtbericht I.Etappe: St.Moritz—Schwyz (261,6km) Wie am F r e i t a g früh die Sonne ihre ersten Strahlen auf die ins blaue Firmament hineinragenden, weissgezuckerten Bergriesen der Corvatsch- und Margnagruppe herübersendet, da kündet sich ein wahrhaft goldiger Tag an, ein Tag, gemacht « zu süsserm Tun als sich zu schlagen ». Wohl entgeht es uns nicht, dass der Föhn bereits sein Unwesen treibt und mählich da ein Wölkchen, doH ein Wölkchen in behendem Flug das Hochtal qüert. Das grandiose Panorama jedoch, das sich uns darbietet, lässt nicht einen Augenblick lang den Gedanken an einen Wetterumschlag aufkommen, wie er uns schon wenige Stunden später überraschen wird. Ab 8 Uhr morgens findet auf dem Schulhausplatz in St. Moritz die Abnahme der 57 Fahrzeuge statt, nämlich von 44 Tourenwagen, 10 Sportwagen und 3 Armeejeeps, die mit insgesamt 51 Schweizern und sechs Ausländern am Steuer zur Sternfahrt nach Genf antreten. Gruppenweise erreichen sie nach der neunten Vormittagsstünde den Start an der Strasse nach Maloja, am Südwestausgang des Dorfes, wo ab 9.31 Uhr die Befehlsausgabe erfolgt und der « AR »-Berichterstatter als Passagier und Beobachter an Bord eines Austin A-40 Platz nimmt, der vom Zürcher Kurt Klaus gelenkt wird, dem als Beimann Rolf Gschwend, Instr. Öf. der Mot.Tfsp.Trp. zur Verfügung steht. Der übersichtlich redigierte Marschbefehl mit seinen zwei Fahrplänen für Gut- und Schlechtwetterverhältnisse enthält nicht nur alle Orte, an denen theoretisch eine Zeit- oder Dufchfahrtskontrolle zu erwarten steht, sondern auch die partiellen und Totaldistanzen sowie die auf den einzelnen Abschnitten zu beobachtenden Stundenmittel und die Solldurchfahrtszeit für jene Punkte, an denen die Durchschnittsgeschwindigkeit wechselt Dem Beifahrer bleibt bis zum Start reichlich Zeit, wenigstens einen Teil der auf dem Fahrplan noch nicht ausgesetzten Solldurchfahrtszeiten auf Minuten und Sekunden genau zu ermitteln und . sich Gestalt und Charakter des Wettbewerbs einzuprägen. Im übrigen ist der schriftlichen Instruktion Rechnung zu tragen, wonach an den Kontrollen, die sich stets eingangs einer Ortschaft befinden sollen, unter «Androhung» einer gehörigen Portion von Strafpunkten (50) nicht angehalten werden darf. Unter Startnummer 5 um 10.05 Uhr auf die Fahrt ins Blaue entlassen, wird es für uns schon ,in Silvaplana offenkundig, dass bei einem zwei Minuten vor uns gestarteten Peugeot etwas nicht « klar » ist, indem dieser kurz nach Inangriffnahme des Julier hinter uns bleibt, weil er, wie wir später erfahren, seinen Berechnungen irrtümlicherweise die Schlechtwetter - Durchschnittsgeschwindigkeiten zugrundegelegt hat, statt den auf dem Umschlag ausdrücklich vorgeschriebenen Gutwetterfahrplan. Die Passstrasse präsentiert sich bis weit hinauf in fast völlig aperem Zustande, und erst in der obersten Partie kriegen wir eine feste Schneedecke unter die Räder. Der 32er-Durchschnitt, den es hier für Fahrzeuge der 1,5-Liter-Gruppe innezuhalten gilt, erweist sich in Anbetracht dieser Situation für die meisten von ihnen als sehr bescheiden. Da es einigermassen schwer fällt, bei der weissen Pracht ringsum die Konturen der Passhöhe zu definieren, sind wir nicht die einzigen, welche — ehe sie sich's versehen — in die Höhle des Löwen plumpsen, die in, Form des Kontrollpostens mit der in den Genfer Farben gehaltenen Fahne unvermittelt hier oben auftaucht, und für zu frühe Durchfahrt zehn Strafpunkte (pro an- Ein erster Kommentar Ganz wider Erwarten ist die-im Rahmen des Automobilsalons von der Genfer ACS-Sektion organisierte und am vergangenen Freitag und Samstag als automobilistische Tour de Suisse über eine Gesamtdistanz von rund 675 km ausgetragene Schneesternfahrt nach Genf zu dem geworden, was sie ihrer Bezeichnung nach auch sein wollte, indem der Winter, der sich heuer; zwar über Gebühr lange hinzieht, aber doch immer wieder von frühlingshaft milden Perioden unterbrochen wird, just an diesen beiden Tagen nochmals wahre Triumphe feierte. Freilich hat diese Feststellung nur bedingt ihre Richtigkeit, fanden doch die Konkurrenten beispielsweise am Julier, d.h. dem einzigen im Winter fahrbaren Hochalpenpass, den man in der Absicht in den Parcours einbezogen hatte, dem Rallye wenigstens auf e i n e m Abschnitt mit Sicherheit den Stempel einer winterlichen Prüfungsfahrt; aufzudrücken, eine grösstenteils schneefreie Strasse vor. Für diese Enttäuschung, eine jener typischen Wetterlaunen, wie wir sie seit einigen Wochen naehgerade gewohnt sind, schuf allerdings der am Freitagmittag überraschend eingetretene Witterungsumsturz, in dessen Verlauf das obere Toggenburg, der Ricken, def«Sattel, zum Teil sogar das Mittelland, und vor ailem natürlich der Jura ganz oder teilweise in eine Winterlandschaft verwandelt wurde, vollgültigen Ersatz. Hatte diese organisatorische Glanzleistung der Wetterregie auf der einen Seite das Gute, dass die Sternfahrt nicht, wie man bereits am Julier allgemein befürchtete, zu einer Veranstaltung herabsank, bei der die Hauptlast auf dem Beifahrer ruhte, sondern wobei angesichts der verschneiten Strassen auch dem Mann am Lenkrad bedeutende Aufgaben erwuchsen, so war es anderseits aus technischen Gründen natürlich unmöglich, den am Vormittag beim Start in St Moritz ausgegebenen Schönwetter-Fahrbefehl in den ersten Nachmittagsstunden beim Passieren des verschneiten Toggenburgs etwa in dem Sinne abzuändern, dass man auf das Schlechtwetter-Programm umschaltete. Die für den Schönwetter-Fall vorgesehenen Durchschnitte erwiesen sich deshalb im Schneesturm im Toggenburg, auf dem Ricken und am Sattel in der Regel als zu hoch und damit gefährlich. Dagegen sind wir der Auffassung, dass die kurze Nachtetappe von Schwyz nach Luzern einen etwas höheren Schwierigkeitsgrad ohne weiteres ertragen hätte, während das anstrengende Tagespensum vom Samstag, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durchaus jene Anforderungen an Fahrer,und Beifahrer stellte, die an einer international aufgezogenen Veranstaltung ,gestellt werden müssen. Einem ausführlichen Kommentar in der vierten Salon-Ausgabe der «A. R.» vom nächsten Mittwoch wird es vorbehalten bleiben, den unbestrittenen sportlichen Erfolg des Wettbewerbs, auf den Konkufrenten und Organisatoren in gleicher Weise stolz sein dürfen, einlässlich zu beleuchten. Für heute müssen wir uns unter Hinweis auf die Resultate damit begnügen, im Eiltempo die Sieger des Tages Revue passieren zu lassen. An der Spitze des Gesamt klassements erscheint die hervorragende Leistung zweier Zürcher, der Equipe Gauthier/de Muller auf Citroen, die sich im Verlauf der zweitägigen Zuverlässigkeitsfahrt lediglich ein gutes halbes Hundert Strafpunkte holten, dieweil in der Militär kategorie die Mannschaft Lt. Theiler Georg/Theiler Marc (Zürich) auf Austin mit nur 127,2 Punkten ebenfalls mit einer ausgezeichneten Leistung aufwartete. In der Sektionskonkurrenz ist es das Zürcher Hebokla-Team (mit Helbling, Bosshard und Klaus), das vor Bern zu Ehren kam, während in der Markenkonkurrenz Citroen mit den drei Bestklassierten: Gauthier, Bosshard und Urben, vor Peugeot das Feld behauptete. Im Schnee-Bergrennen am Passwang endlich, von dem wir die vollständigen Resultate am Mittwoch veröffentlichen werden, fuhr der Rapperswiler Helbling auf Ford mit bedeutendem Vorsprung in glänzender Manier die Tagesbestzeit « Herr* » rieht seinen MG-TC trete des Neuschnees sieher durch die Kurven der Passwangstrasse, wo eine Bergprüfungsfahrt eingeschaltet war. (Photo Rusch, Baisthal] gebrochene halbe Minute) kassieren. Da die Schneeverhältnisse auch auf der Nördseite des Passes nicht die geringsten Schwierigkeiten bieten, verliert die Fahrt in sportlicher Hinsicht nicht wenig von ihrem Reiz. Vom rein autotouristischen Standpunkt aus betrachtet freilich wird sie zu einem unvergesslichen, traumhaft schönen Erlebnis. Die Kontrolle im Dörfchen Märmorera, das in einigen Jahren im projektierten Stausee untergehen und weiter oben neu erstehen wird, passieren wir innerhalb der Toleranzfrist. Da die Stundenmittel bis Chur 38 km nie übersteigen, kann man sich leicht ausmalen, wie gemütlich wir das Oberhalbstein hinabschleichen und über die Lenzerheide bummeln, wo Schnee auf der Strasse bereits Seltenheitswert besitzt. Unser « Chauffeur » jedenfalls fühlt sich in eine Zwangsjacke '^ersetzt, aus der es ihm erst oberhalb von Chur auszubrechen gelingt Man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Es ist uns nach dem sonnigen Morgen nicht entgangen, wie sich seit unserer Abfahrt vom Julier der Horizont im Norden mehr und mehr verdüstert hat: Jetzt, wo wir mit einem leckeren 54er auf dem Zähler rheintalabwärts streben und die Kontrolle in Zizers o. K. hinter uns lassen, schiebt sich eine Wolkenwand heran, die nichts Gutes verheisst Nach abwechslungsreicher Zickzackfahrt durch die Mäienfeider Rebberge,statten wir der Luziensteig einen Besuch ab und dotieren unser Konto in Vaduz, wo sich die Kontrolle alles andere als «eingangs» des Städtchens befindet, ein weiteres Mal mit Strafpunkten. Wie der Bahnübergang in Schaan aus" der Ferne schon als geschlossen erkannt wird, da ist's ein ohrenbetäubendes Konzert, das der hinter der Barriere sich besammelnde Verein fahrender Klaksonspieler anstimmt, obzwar es durchaus nicht dazu beiträgt, den in ausgesprochen « müdem » Tempo sich nähernden internationalen Schlafwageriexpress zu - schnellerer Vorbeifahrt zu bewegen. Wenn unser jetzt in Buchs, Grabs oder Garns eine -Kontrolle harrt, sind alle etwaigen Chancen hoffnungslos dahin. Wir atmen- hörbar auf, wie sich 1 nnsere 1 Sorge als unbegründet erweist Aber auch das Unwetter, das nun beim Aufstieg nach Wildhaus mit aller Macht über uns hereinbricht hat es «in sich». War es eben noch feiner Regen, der an die Windschutzscheibe klatschte, so sind es nun plötzlich grosse Schneeflocken, die vorerst munter herniedertanzen, um schliesslich, je höher hinauf wir gelangen, von einem furchterregenden Sturmwind gepeitscht, durch den Aether zu wirbeln. Wie wir durchs Toggenburg hihabeilen, da ist ein Schneetreiben im Gange, als stünden wir zutiefst im Winter und nicht zwei Tage vor dem kalendermässigen Frühlingsbeginn. Die ersten Konkurrenten der Gruppe 1500 cm* kommen dabei noch verhältnismässig glimpflich davon. Die Wagen mit über 1,5 Liter Hubvolumen jedoch sowie die drei Militärjeeps finden bei ihrer Durchfahrt schon tief verschneite Strassen vor, die das Innehalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 50 km/h von Wildhaus bis auf den Ricken zu einem ausserordentlich schwierigen Unterfangen machen, wenn nicht gar glatt verunmöglichen. Dieser Stürm im Obeftoggenburg hat denn auch verschiedene Karambolagen auf dem Gewissen, die mit mehr oder weniger beträchtlichem Sachschaden endeten. Leider geraten wir etwas zu früh in die unvermutet auftauchende Kontrolle von Stein, so dass unser Strafpunktkonto nunmehr einen Saldo Von ca. 30 P aufweisen dürfte. Auch auf dem Ricken tobt ein Schneesturm von unvorstellbarer Stärke. Dann — je mehr wir uns der Rosenstadt nähern —hebt sich die Nebeldecke, um uns aber jenseits des Sees, bei der Fahrt über den Sattel, erneut einzuhüllen. Die Kontrolle in Rothenturm verursacht.; uns weiter