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E_1949_Zeitung_Nr.020

E_1949_Zeitung_Nr.020

Nr. 20 — BERN, Mittwoch, 27. April 1949 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN HITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTltASSE 97, BEWt, TELEPHON (03t) J «2 » ; - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 2« 9« TifTt Die Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz im Jahre 1947 x 1. Allgremeine Bemerkungen. Die heutige Statistik der Strassenverkehrsunfälle stützt sich auf das MFG sowie auf eine Instruktion zur Durchführung der Erhebung, die im Einvernehmen mit den kantonalen Polizeidirektionen im Jahre 1933 vom Eidgenössischen Statistischen Amt herausgegeben wurde und auf den 1. Januar 1934 in Kraft trat. , Danach unterliegen alle Unfälle der Meldepflicht, die sich auf den dem Verkehr geöffneten Strassen, Plätzen, Wegen usw. ereignen, sofern dabei mindestens ein Verkehrsmittel beteiligt ist und Personen- oder Sachschaden entsteht. Als Verkehrsmittel gelten nicht nur Motorfahrzeuge, sondern auch Fahrräder, Fuhrwerke, Strassenbahnen, Handwagen, Schlitten, handgeführte Tiere usw. Wenn diese Statistik auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, weil namentlich auf dem Lande der Polizei Unfälle entgehen können, so lassen sich aus den Ergebnissen doch wertvolle verkehrspolitische Schlüsse ziehen. Vorsicht dürfte besonders geboten sein bei interkantonalen Vergleichen, weil, angenommen werden muss, dass die Erfassung der Unfälle schon aus administrativen und' personellen Gründen — die Polizeiorganisation ist in-den Landkantonen oft weniger ausgebaut als in den Städtekantonen — nicht in allen Kantonen gleich vollständig sein kann. Strassenverkehrsunfälle nach Kantonen 1947 Kantone Zürich Bern Luzern Uri Schwyz Obwalden Nidwaiden Glarus Zug Freiburg Solothurn Basel-Stadt Basel-Land Schaffhausen Appenzell A.-Rh Appenzell I.-Rh St. Gailen Graubunden Aargau Thurgau Fessin Waadt Wallis Neuenburz Genf Schweiz UniMle 5760 3651 1060. 140 344 26 33 S6 172 204 630 1365 240 276 118 30 1146 390 920 533 845 2338 663 670 2532 2317 2077 543 62 163 17 24 30 87 96 439 709 145 163 74 20 601 172 570 326 «5 1162 308 353 Verunfallte Personen Fahrieue- Mit- Fnss- Fersonen lenker lahrer länger 2630 2581 650 35 47 106 119 27 65 556 19 344 880 25 494 196 15 116 191 7 118 100 9 45 30 1 20 760 35 410 249 8 106 707 45 427 423 36 254 606 24 342 1578 70 836 417 22 211 463 24 268 1239 30 833 6 138 2 38 1 12 3 21 — 6 20 142 3 77 33 105 14 75 13 158 34 422 11 109 12 103 21 156 Z. Zahl und Häufigkeit der Strassenverkehrsunfälle. Vor dem zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl der Strassenverkehrsunfälle im Jahre 1938 mit 21589 ihren Höchststand. Im Jahre 1944 standen noch 42 600 Motorfahrzeuge im Verkehr, gegenüber 127 000 im letzten Vorkriegsjahr, und auch die Zahl der Strassenverkehrsunfälle ging um zwei Drittel auf 6868 zurück. Nach der Aufhebung der Treibstoffrationierung im März 1946 und einer starken Senkung des Eenzinpreises belebte sich die Strasse wieder rasch mit Motorfahrzeugen. Der schweizerische Motorfahrzeugbestand zählte Ende .September 1947 über 153 000 Fahrzeuge, fast ein Viertel mehr als 1938, und von den kantonalen Polizeiorganen wurden im Berichtsjahr 24147 Strassenverkehrsunfälle gemeldet, was gegenüber 1938 eine Zunahme um 12 °/o bedeutet. Diese Verkehrsunfälle forderten 647 Menschenleben. Der gesamte Sachschaden wurde von den Polizeiorganen, die die Unfälle meldeten, auf fast 14 Mill. Fr. geschätzt. Um Berechnungen und Vergleiche über die Gefährlichkeit des Strassenverkehrs anstellen zu können, müssten die Verkehrsleistungen aller Strassenbenützer bekannt sein. Dies ist aber nicht der Fall. Wenn Häufigkeitsziffern, die lediglich auf die Zahl der Unfälle und die der Fahrzeuge abstellen, zeitlich miteinander verglichen werden, so geschieht dies unter der nicht zutreffenden Voraussetzung gleicher Verkehrsleistungen der gleichen Fahrzeugarten in verschiedenen Jahren. Mit diesem Vorbehalt sind die Zahlen in Tabelle 2 zu werten. 1 Mit provisorischen Zahlen für 194S, die am Schloss des Artikels atjgegeben sind. Vom Eidgenössischen Statistischen Amt 77 1505 38 329 102 1552 54 438 31 393 19 86 218 6 40 2 26 13 110 8 52 - 14 1 10 2 14 15 10 21 S 3 S £ 5 fi 8 796 31. 20 591 28 5 171 7 2 22 2 56 5 3 — 3 3 8 1 22 2 2 1 2 5 33 12 3 132 8 5 248 14 5 42 8 — 61 6 — 34 6 4 3 208 12 1 66 47 5 175 3 94 19 7 106 4 15 320 21 3 97 8 6 92 6 2 250 7 1089 24147 11982 14902 647 8621 319 2647 105 3634 223 Usfallhäufis'keit der Motorfahrzeuge nnd Fahrräder 1938 und 1947 Art der Fahrzeuse Personenwatei Autobusse und Lastwagen* Motorwagen im ganzen Motorräder Motorfahrzeuge im ganzen Fahrräder V*rltehrsberecbti(te Fahrzeuge 74 923 22 472 97 395 26 800 124 195 212 433 Zahl = 82 187 110 15 861 115 066 118 20 997 38 293 143 2 551 153 359 123 23 548 1638 688 135 10 336 1 Inkl. gewerbliche Traktoren. ! Inkl. landwirtschaftliche Traktoren. An Verkehrsunfällen —— beteiligte Fahrzeuge So »47 |T 2g Zahl = a2 17 236 1» 99 24 347 116 98 3 912 153 107 28 259 120 97 9 168 89 66 Nach diesen Zahlen wäre die Unfallhäufigkeit seit dem Kriege, wenigstens für die Motorwagen, etwas zurückgegangen, während die Motorräder eine häufigere Unfallbeteiligung aufweisen würden. Auffallend ist die Entwicklung bei den Fahrrädern. Einem um 35 Prozent höheren Fahrradbestand steht eine um ll«/o niedrigere Zahl von an Verkehrsunfällen beteiligten Velos gegenüber. Darf aus diesen Zahlen auf eine diszipliniertere Fahrweise und eine bessere Beachtung der Verkehrsvorschriften geschlossen werden? Sind sie das Resultat jahrelanger Bemühungen der Behörden zur Hebung der Verkehrssicherheit auf der Strasse? Sind die durchschnittlichen Verkehrsleistungen der fVelofalirer zurückgegangen oder gelangten relativ weniger Fahrradunfälle zur Anzeige als früher? Mit einer • eindeutigen Antwort auf diese Fragen muss noch zugewartet werden, bis weitere Ergebnisse der Statistik vorliegen. 3. Unfallursachen Wer Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der Strasse zu treffen hat, muss die Unfallursachen kennen. Die Statistik der Unfallursachen, die ^yon den Polizeiorganen ermittelt werden, gibt ein Bild über die Häufigkeit der einzelnen Ursachen, dagegen kann sie, was ausdrücklich betont sei, keine Auskünfte erteilen über das Unfallverschulden. Zur Hauptsache verursacht menschliches Versagen die Strassenkehrsunfälle, sind doch die Ursachen bedingt durch: Fahrzeuglenker 25 958 Fussgänger •• 2120 Fahrzeuge 443 Strassen- und Witterungsverhältnisse 2 295 Andere Umstände 1 294 Im ganzen 1938 1947 »38 32 879 146 5136* 7 111' 138 95 32110 An der Spitze der « Verkehrssünden » steht das zu schnelle Fahren; direkt aufgeschlossen folgen das « Nicht-Vortrittlassen » und mit einigem Abstand das unvorsichtige Ueberholen. Bei den Unfällen, an denen Velofahrer beteiligt sind, gehören ferner das unvorsichtige Einbiegen und die ungenügende Signalgebung zu den verbreitetsten Ursachen. Ueber 2000 Unfälle wurden von Fussgängern verursacht, und fast die Hälfte der dabei verunfallten Personen waren Kinder. Unfallursachen beim Fahrzeutlenker 1947 1 tMaOirrsackea II I S •• 9 » Zu schnelles Fahre« 2467 Nicht-Vortrittlassen 2321 Unvorsichtiges Ueberholen 1877 Falsche Strassenseite 808 Unvorsichtiges Einbiegen 964 Mangelnde Fahrpraxis 588 Zu nahes Aufschliessen 376 Ungenügende Signale 218 Unvorsichtiges Kreuzen 240 Unvorsichtiges Rückwärtsfahren 323 Angetrunkenheit 294 Nichtbeachten von Zeichen 177 Fehlerhafte Bremsen 112 Vorschriftswidrige Ladung 19 Nichbeleuchten d. Fahrzeuges 26 Ueberfahren von Fussgängern auf Fussgängerstreifen 38 Fahrt in verbotener Richtung 29 Nichtabblenden 46 Fahrrad in Trararille — Uebermüdung i- 62 Gebrechen 9 Unvorsichtiges Oeffnen der Autotttre 75 Abgenützte Reifen 55 Vorfahren an haltender Strassehbahn 19 Andere Ursachen 14 l 598 637 634 236 332 155 194 118 428 84 59 92 105 19 8 13 17 19 18 5 du o a a es 75 69 6 S4 4 60 18 19 — — 34 28 Scheuwerden von Zug- oder Reittieren 151 Versagen der Bremsen - 59 Platzen eines Luftreifens 51 Versagen der Steuerung 33 Gabelbruch (Fahrrad) 20 Defekt am Motor 19 Rad-oder Achsbrach 18 Versagen der Beleuchtung 10 !i Y4 ."^.Andere Ursachen 82 ytuJ"- " Total 443 4971 4866 3950 2167 2589 1237 885 1062 614 783 674 398 295 251 267 147 125 77 84 94 81 93 65 61 1» Wesentlich häufiger sind die,Unfälle, die auf schlechte Witterungs- und Strassenverhältnisse zurückzuführen sind. Vor allem werden die nassen und vereisten Strassen dem Auto- und Velofahrer oft zum Verhängnis. Durch Strassen- nnd Witterangsverhältnisse bedingte Unfallursachen 1947 Auf Grund der Polizeirapporte lassen sich auch die für die Verkehrsunfälle verantwortlichen Strassenbenützer feststellen, wobei allerdings beizufügen ist, dass in vielen Fällen das Unfallverschulden erst von den Gerichten endgültig abgeklärt wird. Für das Jahr 1947 sind folgende für die Verkehrsbenützer ermittelt worden: KENNEN SIE IHN? An der Motorschau in Reutlingen (worüber die iM) in der letzten Nummer berichtete) erweckte dieser Wagen stärkste Beachtung. Es ist ein c amerikanisierter » Mercedes-Benz 170 V mit einer Spezialkarosserie von Wendler. 762 562 493 305 208 365 95 216 145 97 80 188 25 78 7 4 1058 1252 816 698 997 125 86 94 130 120 88 188 32 484 26 93 48 — 32 187 12 59 23 54 19 99 20 126 52 1 — — Total 11157 3914 3468 6587 832 25958 1 Die Zahl der Unfallursachen ist grösser als die Zahl der Unfälle, weil ein Unfall verschiedene Ursachen haben kann. Unfallursachen beim Fahrzeug 1947 Nasse, schlüpfrige, verschneite oder vereiste Strasse 1457 Schlechte Uebersicht 360 Starker Regen U7 Schneetreiben 75 Mangelhaft geballte und unterhaltene Strasse 73 Nebel 69 Starker Wind 40 Sonnenblendung 40 Nicht signalisierte oder schlecht beleuchtete Baustelle 26 Andere Ursachen 38 Total 2295 Lenker von ' Personenwagen 9450 Lastwagen 3410 Motorräder« 2328 Fahrrädern 5130 andern Fahrzeugen 654 unbekannten Fahrzeugen 285 Mitfahrer ' 79 Fnssgänger 2081 . Total 23417 Fortsetzung Seite 6 DENKE Routine ist gefährlich Unzähligemal war der Bauer schon mit seinem Jeep auf dem Strässchen seinem Heimwesen zugefahren, und unzähligemal hatte er dabei den unbewachten Bahnübergang passiert Er kannte wohl die nicht besonders gefährliche Strecke so gut wie sein Land ringsumher. Eines Tages aber geschah dann der tragische Unfall, nur wenige hundert Meter von seinem Gehöft entfernt. Ob der Bauer, der auf dem Fahrzeug noch seine Frau mitführte, mit seinen Gedanken den Weg vorausgeeilt war und den vielgestaltigen Verrichtungen nachgesonnen hat, ob er mit seiner Frau ernsthafte Probleme zu diskutieren hatte, ist heute nicht mehr festzustellen; nach dem Zusammenstoss mit dem Zug waren beide tot. Verrichtungen, die wir so häufig erledigen, dass es keiner besonderen Sorgfalt mehr dazu bedarf, lassen uns zu Automaten werden. Und selbst beim Lenken eines Motorfahrzeugs ertappen wir uns wieder bei der Unsitte, dass wir die technischen Handgriffe wohl mechanisch richtig und zweckmässig, aber ohne jede Ueberlegung ausführen; and besonders oft geschieht dies an Oertlkhkeiten, die uns so vertraut sind, dass ein spezielles Konzentrieren auf die Strasse sich nicht aufdrängt. Daraus entstehen jedoch immer sehr gefährliche Situationen, weil die Konzentration ganz allgemein nachlässt und wir nur zu gerne bereit sind, unsere Gedanken für allerlei andere Probleme freizugeben. • Monitor. AUS DEM INHALT Spitalbesuch als Grundlage für die Strafzumessung? Sportnachrichten > Ratschläge für Frankreichfahrer Das Auto an der Mailänder Musternies Frankreichs Autoproduktion 1948 HD-Schmieröle im Betrieb Lenkradsplitter Betriebskosten des Tatra 57 b Ultrakurzwellen im Dienst der Verkehrspolizei ;