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E_1949_Zeitung_Nr.022

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Nr. 22 — BERN, Mittwoch, 11. Mai 1949 Gelbe Liste 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH _ REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 92, BERN.,TELEPHON (0S1) 2 82 S2 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 2S. TELEPHON 2* 9* T7/78 Eine neue Signalanlage in Zürich Wenn auch nach der Verbreiterung der Bahnhofstrasse die Verkehrsverhältnisse in der Zürcher City wesentlich besser wurden, so blieben doch namentlich die beiden wichtigsten Verkehrsbrennpunkte der Bahnhofstrasse, nämlich der Paradeplatz und die Kreuzung Urania-/ Bahnhofstrasse mit den Mängeln eines zu wenig sicheren und flüssigen Verkehrs behaftet. Ganz besonders die letztgenannte Kreuzung hat oft zu Aerger Anlass gegeben, weil sie mit ihrer einfachen Lichtsignalanlage nach der Methode « Go and Stop > den heute herrschenden Verhältnissen in keiner Weise gerecht zu werden vermochte. Die Nähe des Bahnhofs, die grossen und viel besuchten Geschäftshäuser aller Art in der Umgebung, die vielen Tramlinien und die zahlreichen Verkehrswege, die gegen die erwähnte Kreuzung hin zusammenfliessen, verleihen diesem Platz das Gepräge besonders grosser Wichtigkeit und Begangenheit. Ausserdem liegt er zwischen Bahnhof und Paradeplatz so «günstig», dass sich Stockungen nach beiden Richtungen hin, vor allem in den Stosszeiten, für jedermann unangenehm und empfindlich auswirken. Mit der neuerstellten Signalanlage und den damit verbundenen baulichen Veränderungen dürfte dieses Problem für längere Zeit gelöst sein; wenn die Lösung auf den ersten Blick auch reichlich kompliziert und nicht zuletzt recht kostspielig scheint, so wird sie doch ein Optimum dessen darstellen, was erreicht werden kann, solange die Strassenbahnen in Zürich mit so vielen Vorrechten versehen sind wie heute. Eine neuartige Regelung: Verbot des Abbiegens. Schon bevor man auf die eigentliche Kreuzung gelangt, wird es sichtbar, dass sich hier offenbar etwas Ungewohntes tut: «Linksabbieger umfahren den nächsten Häuserblock» oder «Nächste Kreuzung Rechtsabbiegen verboten» oder auch « Nächste Kreuzung Linksabbiegen verboten » ist unter leuchtenden Hinweistafeln (weisses Dreieck im blauen Grund) oder einmal sogar unter einer neuartigen Signaltafel zu lesen. Und auf der Kreuzung selbst prangt uns aus rotem Feld die weisse Schrift entgegen: «Linksabbiegen (oder: Rechtsabbiegen) verboten ». • Nun, die Herren haben sich die Sache ja einfach gemacht », möchte man vielleicht meinen; « wenn es keine Linksabbieger mehr gibt, lässt sich der Verkehr auf einer Kreuzung leicht regeln ». Und diese Feststellung trifft nicht ganz daneben, wobei man allerdings die Einschränkung anbringen muss, dass die Geschichte auch so noch reichlich kompliziert ist. Jedenfalls wollen wir als erfreuliche Tatsache werten, dass das verkehrsbehindernde Linksabbiegen so weit unterbunden wird, wie es ohne unbillige Folgen geschehen konnte. Aus dieser neuartigen Regelung ziehen Automobilisten und Fussgänger grossen Nutzen; jene werden in ihrer Fahrt nicht mehr durch die Linksabbieger behindert, wenn sie endlich ihr grünes Licht erhalten, und diesen wird wesentlich mehr Sicherheit und Zeit für das Ueberqueren der Strasse eingeräumt. Nicht zuletzt aber profitieren auch die Strassenbahnen vom Verbot des Linksabbiegens, können sie doch ihre Grünphase noch bedenkenloser ausnützen als bisher. Für manche mag freilich das Linksabbiege-Verbot nicht gerade angenehm erscheinen, weil es vielleicht eine kleine Aenderung in der täglichen Route, ja möglicherweise einen kleinen Umweg mit sich bringt. Da dies jedoch nur Fahrzeugführer betrifft, denen gewiss dreihundert Meter mehr oder weniger nicht viel ausmachen, wird sich kein vernünftiger Mensch dagegen auflehnen. Uebrigens ist das Verbot des Linksabbiegens — auf Zusehen hin wenigstens — in einem einzigen Fall durchbrochen, weil es hier zu grösseren Unzukömmlichkeiten führen müsste: für die Fahrer nämlich, die aus der Uraniastrasse (von der Limmat her) in die Bahnhofstrasse Richtung See einbiegen möchten. Zu keinerlei Beanstandungen dürfte das Verbot des Rechtsabbiegens Von der Uraniastrasse in die Bahnhofstrasse gegen den Bahnhof hin Anlass geben, weil ja das unterste Teilstück der Bahnhofstrasse ohnehin gesperrt ist und sonst genügend Möglichkeiten bestehen, zum Bahnhof oder auf die andere Seite der Sihl zu gelangen. Aber das< Tram stört Dank der erwähnten Abbiegeyerbbte war es möglich, eine sehr flüssige und für "alle Teile, voll befriedigende Regelung zu erzielen, wobei immerhin störend wirkt, dass Tram Nr. 15 Rechtsabbiegeverbot nicht befolgt. Besonders störend wirkt dies deshalb, weil ja durchaus keine Notwendigkeit besteht, diese Linie über die Uraniabrücke zu führen. Und nun wird der 15er alle sechs Minuten eine Fahrzeugkolonne stoppen oder gar in Verwirrung bringen, bestimmt nicht zur Freude der Automobilisten und aller übrigen Passanten. Eine völlig fahrverkehrsfreie Phase für die Fussgänger Für die Fussgänger wurde erstmals eine Phase geschaffen, in der sie in aller Sicherheit die Strassen überqueren können, eine Phase, in der jeglicher Fahrverkehr gestoppt ist. Und da besonders breite Fussgängerstreifen vorhanden sind, werden auch grössere Fussgängeransammlungen mühelos den Weg über die Strassen finden können, wobei immerhin zu hoffen ist, dass sie sich jeweils auf der rechten Seite der Streifen halten, um keinen Wirrwarr mitten auf der Strasse zu verursachen. Ebenfalls muss erwartet werden, dass die Fussgänger die Strassen so schnell wie möglich passieren. Damit jedermann weiss, wann die Zeit für die Fussgänger gekommen ist, sind spezielle Fussgängerampeln aufgestellt, die entweder die Weisung vermitteln «Fussgänger warten» oder «Fussgänger gehen». Ampeln und Leuchtschrift sind nicht zu übersehen, so dass die Geschichte bestimmt klappen wird, wenn die Fussgänger nur wollen! Fahrverkehrs-Phasen je nach Frequenz variabel Zwei andere Phasen bleiben vorwiegend dem Fafcgrverkehr reserviert; die dafür zur Verfügung .stehende Zeit kann je nach den Bedürfnissen ausgedehnt. oder verkürzt werden, besteht doch Sämtlicher Fahrverkehr gestoppt. Die Fussgänger können die Fahrbahn sicher überqueren, Sie sollen sie aber möglichst schnell auf ihren Streifen passieren und dabei rechts gehen. das eigentliche Raffinement der Anlage in einer Kombination von voraus bestimmbaren und momentan steuerbaren Phasen. Mit andern Worten: Die einzelnen Phasen sind wohl zum voraus eingeteilt, sie können jedoch je nach der Frequenz auf den verschiedenen Zufahrtsstrassen verlängert oder verkürzt werden. Durch spezielle Fahrbahn- und Leitungskontakte melden sich die verschiedenen Fahrzeuge im Gehirn der Signalanlage ab, und je nach den Umständen wird von dort aus automatisch eine Aenderung der einzelnen Phasen angeordnet. Ist eine Richtung freigegeben, ohne dass sich ein Fahrzeug nähert, so wird umgeschaltet, sobald ein Fahrzeug in der gesperrten Richtung der Kreuzung naht. Ausserdem dient diese raffinierte Einrichtung auch dazu, den Tramverkehr flüssig zu gestalten. Nehmen wir als Beispiel die Phase, bei der die Bahnhofstrasse in ihrer Längsrichtung zur Fahrt freigegeben ist: Auf der Haltestelle steht kurz vor dem Phasenwechsel ein Tramzug zur Abfahrt bereit; damit er nicht unmittelbar nach der Anfahrt wieder abstoppen muss und unnötigerweise den Platz auf der Haltestelle versperrt, zeigt er durch den Fahrdrahtkontakt sein Kommen an, wodurch die für ihn nötige «Grünzeit» über das eigentliche Mass hinaus zugegeben wird. Aber noch eine andere Aufgabe erfüllt das Gehirn der Anlage: Wenn der Verkehr auf der Uraniastrasse in deren Längsrichtung (inklusive Linksabbiegen nach dem Paradeplatz hin) offen ist und sich von beiden Seiten die Kolonnen der Kreuzung nähern, so erhalten die Linksabbieger verzögerten Start, damit sie die Gegenkolonne nicht stören können. Sollten sich jedoch keine Fahrzeuge (in gerader Fahrt) nach der Uraniabrücke bewegen wollen, so erhalten die Linksabbieger von allem Anfang an grünes Licht. Und noch einen dritten Spezialfall regelt die Anlage selbständig: Wenn für die schienenfreien Fahrzeuge die Uraniastrasse offen ist und gleichzeitig der so ungeschickte Tramzug 15 die Kolonnen durchschneidet, so blinkt das grüne Licht nur in kurzen Unterbrüchen auf, wobei gleichzeitig noch die Warnung «Tram» in Leuchtschrift erscheint Schiuss Seite 25 AUS DEM INHALT Automobil und Hochschule Entwurf zu einem Rahmenreglement für geländesportliche Wettbewerbe Graf Trossi f Das Motorfahrzeug an der Basler Mustermesse Neue Rekorde im Weltautomobilbestand Auftrieb im deutschen Autobau Das neue Prüfgelände der britischen Auteindustrie Occasionswagenhandel und Preiskontrollstelle in der Längsrichtung geöffnet (aus Richtung Uraniabrücke gesehen). Linksabbiegen für alle Fahrzeuge verboten. Fussgängerverkehr auf allen vier Uebergängen gesperrt. Uraniastrasse in der Längsrichtung offen. Linksabbiegen gegen den Paradeplatz hin erlaubt, rechtsabbiegen in Richtung Bahnhof verboten (Ausnahme: Tram Nr. 15). Die Fussgänger dürfen nur auf dem Streifen, der gegen den Bahnturf zu gelegen M. die Fohrbahn überschreiten, wobei sie auf das Tram Nr. 15 zu achten habe«.