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BIBER 03_18 Ansicht

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Österreichische Post AG; PZ 18Z041372 P; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

DIE NEUE

BALKANROUTE

SEXUALISIERTER

MACHTMISSBRAUCH

AN GRAZER OPER

MIT SCHARF

MÄRZ

2018

MIKL-LEITNER

IN ZAHLEN

FEMALE

FORCE

UNSERE ZEIT IST DA


© Halfpoint – Fotolia

Die Messe für ArbeitnehmerInnen

in Elternkarenz

5. & 6. April 2018, 9.00 – 15.00 Uhr

AK Wien Bildungszentrum

Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

wien.arbeiterkammer.at/berufundfamilie


3

minuten

mit

Suzana

Todić

Cover-Star auf Streife

Vor vier Jahren war sie mit ihrem

Verein Kolo EM-Siegerin, heute

trägt sie Uniform und bewacht

die österreichisch-ungarische

Grenze. Suzana Todić über

Ottakring, das Jus-Studium und

ihren Traum, Menschenhändlern

das Handwerk zu legen.

Von Amar Rajković und Christoph Liebentritt (Foto)

BIBER: Die meisten Polizisten sind noch immer

männlich. Wirst du als junge Frau ernst genommen?

SUZANA TODIĆ: Ich weiß nicht, wer dieses Märchen

erzählt, dass Polizistinnen nicht ernst genommen

werden. Das ist absoluter Blödsinn! Es gibt

sehr viele Kolleginnen, die im Dienst bessere Arbeit

als ihre männlichen Kollegen verrichten.

Wo siehst du deine Stärken?

Ich bin direkt, kommunikativ und rede laut. Meine

männlichen Kollegen schicken mich oft vor, wenn es

darum geht, Konflikte zu bereinigen. Wer schüchtern

ist, der hat in diesem Beruf nichts verloren.

Welche Rolle spielt deine Herkunft als bosnische

Serbin?

Bei meinem derzeitigen Einsatz an der Grenze überprüfen

wir oft Papiere von Migranten, die einreisen

wollen. Weil viele von ihnen davor Zeit in Serbien

verbrachten, sind viele Dokumente in Kyrillisch verfasst.

Die zu entziffern ist ein Kinderspiel für mich.

(lacht)

Möchtest du an der Grenze bleiben?

Nein, das war ein Ausnahmefall bedingt durch

die Fluchtbewegungen 2015. Zu dieser Zeit habe

ich mit meiner Ausbildung angefangen und wurde

schon nach einem halben Jahr an die Grenze

geschickt. Mein Traum ist es, in Wien zu arbeiten.

Warum Wien?

In Wien kann ich meine Muttersprache am besten

einsetzen. Im Unterschied zum Burgenland ist Wien

groß, wild, laut. Und genau das wünsche ich mir,

um möglichst viel als junge Polizistin zu lernen. In

Favoriten oder Ottakring kenne ich mich privat auch

aus, weil ich oft meine Freunde in Wien besuche

und wir manchmal auch dort weggehen. Ottakring

ist also meine Hood.

Und wo siehst du dich in 20 Jahren?

Bei der Kriminalpolizei. Und zwar in der Abteilung

für Menschenhandel, Schlepperei und Prostitution.

Name: Suzana Todić

Alter: 22

Geburtsort: Mödling, NÖ

Lieblingsserie: „CSI-Miami“

Besonderes: War als Kolo -

EM-Siegerin vor vier Jahren

am biber-Cover

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

www.dasbiber.at

MIGRANTEN

FÜR DEN

KNAST

DUDU IM

PARLAMENT

NACHTLEBEN

REEPERBAHN

mit scharf

KOLO

KULT

Magazin für

neue Österreicher

WIR SIND

EUROPA-

MEISTER

NOVEMBER

2014

kost soviel

du wi lst

/ 3 MINUTEN / 3


3 3 MINUTEN MIT

SUZANA TODIĆ

7 NEWCOMER CROWDFUNDING

Wir helfen dort, wo das System versagt: In

Schulen mit hohem Migrationsanteil. Hilf auch

du mit!

10 WAS FRAU BEWEGT

Saudi Arabiens Frauen bekommen ihren ersten

Autosalon, während Österreichs Männer

in WCs vergeblich nach Wickeltischen suchen.

14 IVANAS WELT

Eine Ode an die Balkan-Mama.

POLITIKA

18 KURZ KÜRZT

KINDERBEIHILFE

Kurz kürzt Kinderbeihilfe und der kleine Raul ist

davon betroffen. Wir haben ihn in Rumänien

besucht.

23 SCHARFE POST

Guter Journalismus, scharfe Insights aus der

Community und Insider-Infos.

24 ALLE WEGE NACH EUROPA

Syrische Flüchtlinge nutzen neue Routen, um

nach Europa zu kommen.

30 MIKL-LEITNER IN ZAHLEN

„Frau Landeshauptfrau, wie oft haben Sie sich

über Sebastian Kurz geärgert?“

32 DOJCKLASEN?

Stv. Chefredakteur Amar Rajkovic über das

Vorhaben des Bildungsministers, eigene

„Deutschklassen“ einzuführen. Gerechtigkeit

oder Segregation?

18

AKTION MINUS

50 PROZENT

Wir haben ein

Kind in Rumänien

besucht, dessen

Mutter als 24-Stunden

Pflegerin in

Österreich arbeitet

– jetzt werden

ihnen 50 % der

Familienbeihilfe

gekürzt.

IN

RAMBAZAMBA

38 I LOVE YOUR LEGS

Darstellerinnen an der Grazer Oper wurden

Opfer sexuellen Machtmissbrauchs.

44 LIEBE DICH!

Drei Frauen erzählen abseits von Instagram &

Co, wieso sie sich selbst lieben.

24

NEUE SCHLEPPERROUTEN

Seit die Balkanroute geschlossen wurde, bieten

Schlepper Flüchtlingen neue Routen, um nach

Europa zu gelangen: Die besten Schleuser-

Wege werden in Facebook-Gruppen bewertet.


KARRIERE

48 IMMER NOCH KEINEN PLAN

Andrea steckt in einer Quarterlife Crisis. Gut,

dass sie immerhin noch fünf Jahre bis zum

ersten Kind hat.

50 KARRIEREWECHSEL

Wir haben mit vier beruflichen Neustartern

geredet und dabei gelernt, auf unser

Bauchgefühl zu hören.

62

HALT MÄRZ

2018

38

SPORTY

HIJABI

Nike hat einen

Sport-Hijab

rausgebracht,

Redakteurin Mona

macht den Test.

„DAS IST AM

THEATER SO

ÜBLICH“

Ein Regisseur an der

Grazer Oper schickt

seinen Darstellerinnen

anzügliche

Nachrichten: Er

beharrt darauf, dass

der „Flirt“ zu seinem

Beruf gehöre – Eine

Expertin stuft sein

Verhalten als sexualisierten

Machtmissbrauch

ein.

Inhalt: Marko Mestrović, Mariella Lehner, Stanislav Belicka / imageBROKER / picturedesk.com; Coverfoto: Alexandra Stanić

58 SELBERMACHERIN

Ana Barros verdient Geld, in dem sie die

Online-Identität ihrer Kunden stärkt.

TECHNIK

60 TOTAL TAKEOVER

Adam warnt vor der Apokalypse der smarten

Lautsprecher.

LIFE & STYLE

62 MACH (K)EIN AUGE

Aleks freut sich, dass sie ihre Freitagabende

nicht mehr mit 2€-Drinks verbringen muss.

63 LEGALER HANF

Artur hat einen Fitness-Tipp der anderen Art:

CBD-Öl wirkt angstlösend, antiepileptisch und

entkrampfend. Und: Das Hanfprodukt ist legal.

64 HIGH PERFORMANCE

IM HIJAB

Nike hat einen Sport-Hijab herausgebracht und

wir damit gleich einmal eine Fashion-Strecke.

66 KOPFTUCHVERBOT AN

SCHULEN?

Ein Pro und Contra

KULTUR

68 KULTURNEWS

Was darf sich Kunst in Zeiten von #metoo

eigentlich noch erlauben?

62 DIE LEIDEN DES JUNGEN TODOR

Warum Todor darauf steht, von Frauen

geschlagen zu werden.


CROWD

FUNDING

WIR MACHEN DIR EIN ANGEBOT,

DAS DU NICHT ABLEHNEN KANNST!

Unterstütze unser

biber-Schulprojekt


Biber-Newcomer –

made by SchülerInnen aus

den Brennpunktschulen

Weißt du, dass es biber-RedakteurInnen gibt, die viele Wochen im Jahr mehr

Zeit in einer Brennpunktschule verbringen als in der Redaktion? Wir tun es,

weil wir nicht nur über die Welt schreiben, sondern diese auch verbessern

wollen. Wir zeigen 300 SchülerInnen in rund 50 Projekttagen pro Jahr:

Wenn wir es geschafft haben, könnt ihr das auch.

Und was hat das mit dir zu tun? Es ist ganz einfach. Wir machen dir ein Angebot,

das du nicht ablehnen kannst. Du unterstützt uns mit einem finanziellen

Beitrag für unsere aufwendige Arbeit in den Schulen.

Ab sofort helfen wir GEMEINSAM dort, wo das System versagt –

in Schulen mit besonders vielen Schülern aus bildungsfernen Schichten.

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Verwendungszweck: Newcomer-Schulprojekt

Du hast Fragen?

Dann schreib uns unter grman@dasbiber.at oder ruf uns an: 01 95 77 528

www.dasbiber.at


Liebe Leserinnen und Leser,

Die letzten Monate waren ein Aufschrei der Frauen. Die #MeToo-Debatte

rüttelte die Welt wach. Doch leider haben es noch immer nicht alle

ganz verstanden: Männer fragen sich, ob man nach #MeToo überhaupt

noch flirten darf. Andere glauben, dass Feminismus bedeutet, ein H&M

Shirt mit einem GRLPWR-Aufdruck zu tragen. So hieß übrigens auch

unsere letztjährige März-Ausgabe – mittlerweile gehen auch wir einen

Schritt weiter, aus Mädchen werden Frauen, aus GRLPWR wird Female

Force: Egal, wie man es nennt: Dieses Heft zeigt, wieso wir 2018 Frauen-

Empowerment brauchen:

Opern-Regisseur Philip Kochheim schrieb vier seiner Darstellerinnen

anzügliche Nachrichten, in denen er sie zu sich einlädt und ihnen

Komplimente zu ihrem Körper macht. Kochheim sieht nicht ein, was er

damit falsch gemacht haben soll. Weil „Flirt zu seinem Job gehört“, wie er

selbst sagt. Eine biber-Reportage über sexualisierten Machtmissbrauch ab

Seite 38. Übrigens: Kochheim darf seit den biber-Recherchen nicht mehr

an der Grazer Oper inszenieren.

Female Empowerment wird auch gebraucht, wenn es auf Instagram & Co

von Hashtags wie #Selflove und #BodyPositivity wimmelt – aber auch

abseits der schönen Scheinwelt von Social Media gibt es Frauen, die aus

der Reihe tanzen und sich gerade deswegen selbst lieben. Ganz viel Ich-

Liebe ab Seite 44.

Aber auch jenseits des Frauen-Fokus führt man auf der Welt Kämpfe

für Gerechtigkeit: Wir sind nach Rumänien gereist, um dort ein Kind

zu besuchen, dessen Mutter als 24-h-Pflegerin in Österreich arbeitet:

Nun wird dem kleinen Raul und seiner Mama von der österreichischen

Regierung die Familienbeihilfe halbiert. Wie sie damit umgehen, lest ihr ab

Seite 18.

Doch auch außerhalb unseres Kontinents passiert so einiges: Syrische

Flüchtlinge nutzen neue Routen, um nach Europa zu kommen. Sie

tauschen sich mit den Schleppern auf Facebook-Gruppen aus, die mehr

TripAdvisor-Seiten als Schlepper-Angeboten ähneln. Wie man sich das so

vorstellen kann, lest ihr ab Seite 24.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Musuemsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR/IN:

Amar Rajković

Delna Antia (karenziert)

CHEFIN VOM DIENST:

Melisa Erkurt

Alexandra Stanić

Jelena Pantic (karenziert)

CHEFREPORTERIN:

Melisa Erkurt

AKADEMIELEITUNG:

Alexandra Stanić

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Bilal Albeirouti, Lea Bacher, Adam

Bezeczky, Alex Dietrich, Emir

Dizdarević, Susanne Einzenberger,

Nada El-Azar, Martina Gregorova,

Andrea Grman, Mamo Issa, Nour Khelifi,

Sophie Kirchner, Nikolina Knezević,

Christoph Liebentritt, Zoe Opratko,

Julia Peternell, Adis Serifović,

Salme Taha Ali Mohamed, Aleksandra

Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LEKTORAT: Christina Gaal

CORPORATE SOCIAL INNOVATION:

Andrea Grman

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Simon Kravagna

Wilfried Wiesinger

REDAKTIONSHUND:

Tito

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

WEBSITE: www.dasbiber.at

Ganz schön viel Neues, was? Da geht noch mehr. Wenn ihr Bock auf guten

Journalismus, scharfe Insights aus der Community und Insider-Infos aus

der Redaktion habt, abonniert doch unsere: „scharfe Post von Biber“. Wie

das geht, erklären wir auf S. 29.

Scharfe Bussis,

ÖAK GEPRÜFT 1. HJ 2017:

Druckauflage 85.000 Stück

verbreitete Auflage 80.601 Stück

DRUCK: Mediaprint

die Redaktion

8 / MIT SCHARF /


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Wasserkraft 45,83 %

Windenergie 9,09 %

feste oder flüssige Biomasse 3,42 %

Sonnenenergie 1,03 %

Erdgas 39,62 %

sonstige Ökoenergie 1,01 %

CO2-Emissionen

131,55 g/kWh

radioaktiver Abfall

0,00000 mg/kWh

Wien Energie Vertrieb, ein Unternehmen der EnergieAllianz Austria.

Stromkennzeichnung des Lieferanten: Gemäß § 78 Abs. 1 und 2 ElWOG 2010 und

Stromkennzeichnungsverordnung hat die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG

im Zeitraum 1.1.2016–31.12.2016 auf Basis der in der nebenstehenden Tabelle

angeführten Primärenergieträger Strom an Endverbraucher verkauft. Die Herkunftsnachweise

stammen aus Österreich (86,65 %) und Norwegen (13,35 %). Das

Erdgas wird mit höchster Effizienz in modernen KWK-Kraftwerken zur gleich zeitigen

Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Gemäß § 78 Abs. 2 ElWOG

2010 und Stromkennzeichnungsverordnung entstanden bei der Stromerzeugung

in diesem Zeitraum nebenstehende Umweltauswirkungen. Unsere Lieferungen

sind frei von Atomstrom. Bei der Erzeugung entstehen keine radioaktiven Abfälle.


AS UNS

LIEBE MÄNNER,

#YOUTOO!

Liebe

„Bravo Girl“,

Elfjährige brauchen

keine Flirttipps!

Kaum ein Thema dominierte

die Welt in den

letzten Wochen so sehr

wie die #MeToo-Debatte.

Frauen aus allen Ecken der

Erde wehren sich gegen

Sexismus, sexuelle Belästigung

und Diskriminierung.

Einige Männer (und

Frauen) reagierten empört,

fragten sich, ob Flirten

dann überhaupt noch

erlaubt sei und schoben

Panik vor dem Aussterben

der Menschheit. Damit das

nicht passiert, brauchen wir

eure Hilfe, liebe Männer:

Behandelt uns so, wie ihr

selbst behandelt werden

wollt. Lasst uns bitte selbst

entscheiden, was wir wie

empfinden – Jahrzehnte

lang haben wir uns das

von euch diktieren lassen.

Wenn „Womansplaining“ zu

einem Begriff wird, können

wir weiterreden. Liebe

Männer, es sind nicht nur

wir, sondern auch ihr, die

sich mit #MeToo auseinandersetzen

müssen. Wir

müssen es gemeinsam

schaffen, dass dieser

Hashtag überflüssig wird.

Dann stirbt die Menschheit

auch bestimmt nicht aus.

Versprochen.

„Sexy Summerbody. So wirkst du sexy auf Jungs.

Schüchtern ist sexy. Ein sexy Hüftschwung macht

es möglich.“ Das sind Flirttipps für Mädchen ab elf

Jahren aus der Teenie-Zeitschrift „Bravo Girl.“ Vorpubertäre

Mädchen bekommen hier reichlich Tipps

und Tricks, mit denen sie, wie es im Bravo-Girl-Jargon

heißt, ihren Schwarm für sich gewinnen können. Allerdings

ist hier keine Rede davon, wie sie ihr Selbstbewusstsein

stärken oder etwas erreichen können. Nein,

es wird nur vorgeschlagen, mit welchen Mitteln sie

aufreizend auf Jungs wirken. Mit elf. Es wächst gerade

eine neue Generation von Frauen heran, die freier

ist als je zuvor. Fazit: Dafür braucht es eine Revolution

in Mädchenzeitschriften – und keine Flirttipps für

Elfjährige.

pixabay, unsplash.com

10 / MIT SCHARF /


BEWEGT

Wo bleiben die

Wickeltische

am Männerklo?

5 FALSCHE

MYTHEN ÜBER

FEMINISMUS

Feministinnen sind frustrierte Männerhasserinnen

mit haarigen Achseln? Wenn das immer

noch euer Bild ist, müssen wir euch helfen.

Wir räumen für euch mit den gängigsten

Mythen rund um den Feminismus auf. Damit

sich jeder auskennt.

Feminismus = Männerhass

Blödsinn. Feminismus setzt sich für eine gerechte

Gesellschaft für alle Geschlechter ein. Da wäre es doch

nicht von Vorteil, ein Geschlecht auszugrenzen, oder?

Ist euch aufgefallen, dass neben den zwei internationalen

Klo-Zeichen, also einem Maxerl mit

Hose (Mann) und einem mit Rock (Frau) es so

gut wie immer das Maxerl mit Rock ist, das beim

Baby-Wickeln abgebildet ist? Weil der Wickeltisch

meistens am Frauen-WC steht. In New York

müssen innerhalb der nächsten sechs Monate

alle Herrentoiletten in öffentlichen Gebäuden

mit Wickeltischen ausgestattet werden. „Überraschung:

Wir schreiben das 21. Jahrhundert

– Väter wickeln heutzutage. Doch für sie ist es

nicht immer einfach, geeignete Wickeltische zu

finden“ , twitterte der New Yorker Bürgermeister

Bill de Blasio zu der Causa. Und was ist mit

Österreich? Die meisten Männerklos im Lande

haben immer noch keine Wickeltische. - Was

wird es brauchen, um ein Schild mit Maxerl mit

Hose und Wickeltisch durchzusetzen?

Wir brauchen heutzutage

Feminismus nicht mehr

Es hat Jahrhunderte gebraucht, bis Frauen in Europa

annähernd dieselben Rechte wie Männer bekommen

haben. Aber es wird noch ein langer Kampf sein, bis

man von allen Ecken der Welt dasselbe behaupten kann.

Jedes Land, jede Kultur, jeder Kontinent, jede Gesellschaft

hat ihre eigenen Herausforderungen in Sachen

Feminismus – alle davon sind wichtig.

Nur Frauen können

Feministinnen sein

Nein, Männer können genauso Feministen sein. Und

sollten sogar. Siehe Punkt eins.

Alle Feministinnen haben

dieselbe Meinung

Es gibt keine Auswahlkriterien und keinen Aufnahme-

Fragebogen, um sich als Feminist oder Feministin

zu bezeichnen – Es müssen auch nicht alle in allen

Punkten miteinander übereinstimmen, um Feministen

zu sein.

Feministinnen sind alle Lesben.

Feministinnen und Feministen sind hetero, homo, bi,

trans – So wie alle Menschen auf der Welt. Es gibt keine

sexuelle Orientierung, der alle Feministen angehören.

Wäre ja auch super fad, oder?

/ MIT SCHARF / 11


AS UNS BEWEGT

WELT

DER

ZAHLEN

Erst 2058 soll

sich laut Prognosen die

Einkommensschere in

Österreich schließen.

Jährlich werden weltweit

15.000.000

Mädchen vor ihrem 18.

Geburtstag verheiratet.

2 %

der österreichischen

Berufssoldaten sind Frauen.

Am 27. Mai findet

dieses Jahr der Österreichische

Frauenlauf statt.

In der Spezialeinheit COBRA

sind heute unter den

670 Mitgliedern auch 2

Frauen im Einsatz.

Seit 1979 gilt im Iran

Kopftuchpflicht für Frauen

„RESCUE“

Anti-Rape-App

von Frauen für

Frauen in Kairo

Die 21-jährige Unternehmerin Shadw Helal

aus Ägypten hat eine App entwickelt, die

Frauen in Kairo vor sexuellen Übergriffen

schützen soll. Die App nennt sich „Rescue.“

(Engl. „Rettung“) Das Prinzip ist sehr einfach:

Wenn eine Frau in einer bedrohlichen Situation

laut das Wort „Rescue“ sagt, wird dies von

der App erkannt, der Standort weitergeleitet

und Hilfe geholt. Die App ist für Android-

Handys bereits erhältlich, bald kann man sie

auch auf dem iPhone verwenden. „Ich will,

dass sich die Frauen in meinem Land wieder

sicher fühlen.“ – das ist das größte Ziel der

Unternehmerin.

Erster

Autosalon

für Frauen

in Saudi-

Arabien

Es ist soweit: Ab Juni 2018

dürfen Frauen in Saudi-Arabien

offiziell ans Steuer. Das erzkonservative

Königreich hat nun

als letztes Land der Welt das

Fahrverbot für Frauen aufgehoben

– unter anderem auf Initiative

der Kampagne Women2Drive.

Jetzt passt man die Bedürfnisse

an die Gesetzesänderung an:

Kürzlich hat im saudi-arabischen

Jeddah der erste Autosalon nur

für Frauen geöffnet. Ein komplett

weibliches Verkäuferteam berät

die Kundinnen, die sich hier das

passende Auto für sich aussuchen

können, bis sie im Juni

dann offiziell ans Steuer dürfen.

– Egal ob PKW, Motorrad oder

Lastwagen. Let’s roll, Ladies!

pixabay, unsplash.com, Latuff, Frauenvolksbegehren 2.0

12 / MIT SCHARF /


Formel 1 fährt ab diesem

Jahr ohne Grid Girls

Das Frauen*volksbegehren enthält Forderungen, die

das Leben von Frauen in Österreich verbessern sollen.

Dazu gehören zum Beispiel Frauenquoten von 50

Prozent, mehr Lohntransparenz und die Verkleinerung

von Einkommensunterschieden, die Einführung einer

30-Stunden-Woche zur gerechteren Aufteilung der

unbezahlten Arbeit, bessere Kinderbetreuungsangebote

und der Ausbau von Frauen- und Mädchenberatungsstellen

für Opfer von Gewalt. Bis 12. März kann man

das Frauenvolksbegehren noch unterscheiben!

Junge Frauen, die knapp

bekleidet Schilder hochhalten

und dabei nett lächeln:

Die „Grid Girls“ waren

seit Jahrzehnten vom

Motorsport nicht wegzudenken.

Doch das wird es

in Zukunft in der Formel 1

nicht mehr geben. Am 25.

März startet in Australien die Formel 1-WM erstmalig

ohne Grid Girls - „Wir finden, dass diese

Praxis irrelevant und nicht mehr zeitgerecht ist“,

so der Formel 1- Marketing Chef. Die Grid Girls

werden auch bei den anderen Motorsport-Serien

an Grand-Prix-Wochenenden nicht mehr zum

Einsatz kommen. Stattdessen werden ab jetzt

Grid Kids, also kleine Kinder, bei den Rennen die

Fahnen schwenken.

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Offenes Rathaus

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8. MÄRZ 2018

15:00 bis 19:30 Uhr

WIENER RATHAUS

Lichtenfelsgasse 2 | 1010 Wien

Öffentliche Verkehrsanbindung: Linien U2, 1 und 2, Station Rathaus

/ MIT SCHARF / 13


In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

DEINE MUTTA!

Sie ist der heimliche Kopf der Familie. Ihr Wort ist Gesetz. Ihre

Selbstlosigkeit und Großzügigkeit suchen ihresgleichen. Ebenso ihre

Ignoranz für die Privatsphäre ihrer Kinder. Eine Ode an die Balkan-Mutti.

„Jedna je majka“ (nur eine ist die Mutter) hört man

am Balkan oft. Also keine ist wie Mutti. Unersetzbar.

Einzigartig. Heilig. Sie haben ihr ein Denkmal gebaut.

Jemandes Mutter zu beschimpfen gleicht einer Gotteslästerung.

Gleichzeitig wird niemand anderes so

oft als Schimpfobjekt strapaziert wie sie. Oder deren

Vagina. Und nur Balkankids finden es nicht weird,

wenn die eigene Mutter ein „Picka ti materina, na sta

ti lici soba!“ (Bei der Vagina deiner Mutter, wie schaut

dein Zimmer wieder aus!) rausgrölt.

Balkanmutti würde einfach alles für dich tun. Sie ist

wie sie kocht: Von allem viel-zu-viel!

GENERELL MISSTRAUISCH: Mit einem „fort“

auf die Frage „Wohin gehst du?“ gibt sie sich nicht

zufrieden. Um ein „Schon wieder?“, „Wohin?“,

„Mit wem?“, „Wie lange?“, „Wer fährt?“, „Trinkt

er?“, „Wann kommst Du nachhause?“, „Hast Du

etwa keine Strumpfhose an? Du erkältest dir deine

Eierstöcke!!!“ kommst du nicht drum rum.

KONSTANT ÜBERGRIFFIG: Die Bitte, sich während

des Urlaubs um deine Blumen zu kümmern, ist für

sie ein Freibrief, deine komplette Inneneinrichtung

umzugestalten und die Klomuschel zu polieren.

ZU FÜRSORGLICH: Ihre größten Sorgen, ob

ihr Nachwuchs Hunger hat, warm angezogen ist

oder Drogen nimmt, lassen ihr keine Ruhe, selbst

wenn dieser längst in seinen Dreißigern ist. - Bei

männlichen Kindern potenziert sich diese Fürsorge

signifikant, was deren Entwicklung zu einem

selbstständigen Erwachsenen nur suboptimal

fördert.

ZU NEUGIERIG: „Privatsphäre willst du? Ich

geb’ Dir gleich Privatsphäre!“ Das unbemerkbare

Auskundschaften von Schubladen, Notizen und

Schultaschen ist dem Talent eines Geheimagenten

würdig.

GENERELL MISSTRAUISCH: Sie verbietet dir

grundsätzlich bei Schulfreunden zu übernachten,

weil der Vater ja höchstwahrscheinlich ein

Kinderschänder ist.

VIEL ZU GERISSEN: Sie wird zwar alles für dich

tun. Den Streit gewinnt aber sie. Ihr Repertoire an

Killerphrasen, die jede Diskussion im Keim ersticken,

ist wie ein gut sortiertes Waffenarsenal:

„Weil ich das so sage.“

„Du wirst mich erst verstehen, wenn du selbst Kinder

hast.“

„Nein und fertig.“

„Ehhh, ich in deinem Alter war schon...“

„ABER ICH BIN DEINE MUTER!“ ... sind nur einige verbale

KO-Schläge.

Das Leben mit ihr ist ein Boot Camp der Selbstbestimmung.

Niemand wird dich je so sehr zur Weißglut

bringen können wie sie. Niemand wird sich sofort in

dieselbe für dich stürzen wie sie. Denn ‚jedna je majka’.

Ich hab da ein ganz tolles Exemplar erwischt. In

diesem Sinne:

MAMA, SRECAN 8. MART!

cucujkic@dasbiber.at

14 / MIT SCHARF /


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täglich 100.000 „gefüllte“ Sackerl mit

Hundekot im Mistkübel – statt unter

der Schuhsohle – landen. Der Großteil

der Bewohnerinnen und Bewohner hält

sich an die „Spielregeln“. Doch auch

gegen Müllsünder wird vorgegangen.

Alleine im Jahr 2017 gab es 7.400

Organstrafen.

Berlin muss Wien werden

Die österreichweite Einführung von

Sanktionsmöglichkeiten durch Waste-

Watcher vor 10 Jahren war einer der

drei Grundpfeiler der Aktion „Saubere

Stadt“. Sechs Mistplätze wurden

modernisiert. Die Stadt Wien hat einen

effektiven Beitrag zur Bekämpfung

von Littering geleistet und ist eine der

saubersten der Welt geworden. Auf

nationaler Ebene wurden in anderen

Gemeinden bereits ähnliche Sauberkeitsmaßnahmen

gesetzt. Auch

international ist man von dem Waste-

Watcher-Modell überzeugt – so möchte

es auch Berlin in Kürze einführen.

DAS SIEHT

SAUBER AUS!

● 25.000 öffentliche Papierkörbe

wurden von der MA 42 und der

MA 48 in den Parks und auf den

Gehsteigen aufgestellt, davon

19.900 mit Aschenbechern.

● Zusätzlich gibt es ca. 2.100 freistehende

Aschenrohre in Parks

und bei anderen hochfrequentierten

Plätzen wie U-Bahnen

oder vor Theatern.

● 2017 führten die WasteWatcher

64.000 Amsthandlungen durch.

● Das gesamte Angebot der MA 48

ist im Onlinestadtplan der Stadt

Wien (www.wien.gv.at/stadtplan)

abrufbar.

● Mit der „Sag’s Wien“-App kann

jede Bewohnerin und jeder

Bewohner Verunreinigungen

melden.

© MA 48


POLITIKA

Sparen für den Schlepper.

Foto von Marko Mestrović


KÜRZUNG

-50%

Diesem Bub halbiert die ÖVP-FPÖ-Regierung

die Familienbeihilfe. Raul lebt in Rumänien,

seine Mama arbeitet als 24-Stunden-Pflegerin in

Österreich. biber hat die Familie daheim in in Pitesti

besucht, 110 Kilometer nördlich von Bukarest. In

Zukunft wird sich die Familie im Supermarkt um

70 Euro pro Monat weniger leisten können.

Von Simon Kravagna, Fotos: Marko Mestrović.

18 / POLITIKA /


Der elfjährige Raul mit seiner Mama:

Hier mit einem Wocheneinkauf für 70 Euro …


Am Donnerstag werden

zuerst einmal die Rechnungen

bezahlt. Cristiana

geht früh Morgens zur Bank

und begleicht die Kosten für Strom und

Gas, für die Schule von Raul sowie die

sonstigen Ausgaben, die in ihrer Abwesenheit

angefallen sind. Das Geld hat

die Rumänin bar aus Österreich mitgebracht.

Im Zugabteil. Versteckt irgendwo

in ihrem Gepäck. Bereits am Dienstag

ist die 45-Jährige am frühen Abend vom

Hauptbahnhof in Wien weggefahren.

Nach 18 Stunden war sie am Mittwoch in

Bukarest. Von dort sind es noch einmal

gut eine Stunde mit dem Bus nach

Piteşti, eine 165.000 Einwohnerstadt

rund 110 Kilometer nördlich von der

rumänischen Metropole. Viel schneller

würde es nur mit Flugzeug gehen: „Das

kann ich mir aber nicht leisten“.

HERR KARL IST

91 JAHRE ALT

Seit mehr als vier Jahren arbeitet die

Mutter zweier Kinder als 24-Stunden-

Pflegerin in Österreich. Ihr Job ist hart,

macht ihr aber Freude. Sie betreut Frau

Helene (89) und Herrn Karl (91). Das

österreichische Ehepaar aus dem 16.

Bezirk hat keine Kinder, braucht aber

24-Stunden-Pflege. Von ihrem Einkommen

zahlt die Rumänin in Österreich

Sozialversicherung. So wie rund 132.000

andere Kinder im Ausland hat daher auch

ihr Sohn Raul Anspruch auf Familienbeihilfe.

Für einen 11-Jährigen gibt es aktuell

141,50 Euro pro Monat vom Staat.

Egal ob das Kind in Österreich lebt oder

nicht. So sieht es das EU-Recht vor. Das

soll auch grundsätzlich so bleiben. Mit

einem Unterschied. Die ÖVP/FPÖ-Regierung

will ab 2019 die Höhe der Familienbeihilfe

im Ausland an das Preisniveau

vor Ort anpassen.

Anspruchsberechtigte Kinder in der

Schweiz sollen demnach um die Hälfte

Anpassung

ans

Preisniveau

mehr Geld bekommen, weil das Leben

dort laut EU-Statistik um 50 Prozent

teurer ist. Kinder in Rumänien müssen

hingegen mit einer Halbierung ihrer

Familienbeihilfe rechnen, weil dort die

Lebenshaltungskosten um 50 Prozent

günstiger als in Österreich sind. In Summe

spart sich die Regierung mit dieser

Idee rund 114 Millionen Euro pro Jahr

ein.

RHEUMA UND

KAISERSCHMARRN

Für Kanzler Sebastian Kurz ist die „Indexierung“

der Familienbeihilfe, ein „Schritt

für mehr Gerechtigkeit“. Für den ÖVP-

Chef handelt sich um eine Verzerrung

im System, wenn für Kinder in Ländern

mit deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten

gleich viel Familienbeihilfe

gezahlt werde wie für jene in Österreich:

„Das war mir schon immer ein Dorn im

Auge“, so Kurz gegenüber Medien. Was

für Kanzler Kurz mehr Gerechtigkeit

bringen soll, kostet die 24-Stunden-

Pflegerin Cristiana ab 2019 rund 840

Euro pro Jahr. Sie muss ab kommenden

Jahr mit 70 Euro pro Monat weniger an

Familienbeihilfe rechnen: „Das ist für uns

schlimm“. Sie würde doch alles geben in

ihrem Job in Österreich.

Tatsächlich macht Cristiana alles für

Helene und Karl: Vom Waschen und Pflegen

bis hin zum Einkaufen und Kochen.

Frau Helene hat starkes Rheuma. „In der

Früh massiere ich ihr zuerst einmal die

Hände, weil sie Schmerzen hat“, erzählt

Cristiana. Und dann wird gekocht. Alles

was das rot-weiß-rote Herz begehrt:

Kohlsuppe oder Faschierte Laibchen

mit Kartoffelsalat. Danach gibt es oft

Kaiserschmarrn oder Apfelstrudel. Kein

Wunder, dass Helene und Karl ihre rumänische

Pflegekraft sehr schätzen.

SECHS MONATE

NICHT ZU HAUSE

Aber auch Cristiana mag das Austro-

Pärchen: „Sie sind so süß“. Cristiana teilt

sich ihre „zweite Familie“, wie sie das

alte Wiener Ehepaar liebevoll nennt, mit

einer slowakischen Pflegekraft. 14 Tage

schupft die Rumänin den Laden, dann

übernimmt die Slowakin. Dann ist wieder

die Rumänin an der Reihe. Weil Cristiana

114 Millionen

Euro

Ersparnis

mehr als 18 Stunden für die rund 950

Kilometer nach Piteşti braucht, bleiben

für ihre eigene Familie nicht einmal

mehr zwei Wochen zu Hause. Mehr als

sechs Monate im Jahr ist Cristiana damit

fern ihrer Kinder. Ihre Tochter hat damit

kein Problem. Sie ist 24 Jahre alt und

studiert in Bukarest Chemie. Doch Raul

leidet darunter, ihr 11-jähriger Sohn.

Bereits Tage vor der nächsten Abreise

herzt er seine Mama immer wieder und

fragt: „Warum musst du so bald wieder

fahren?“.

Zwar kümmert sich Vater Viorel, der

seit einem Unfall Invalide ist, gut um

Raul und den Haushalt, erzählt Cristiana,

aber wenn sie sechs Monate im Jahr

nicht daheim sein kann, will sie ihrem

Sohn wenigstens die beste Betreuung

ermöglichen. So wie in Österreich ist in

Rumänien die Schule vormittags gratis.

Bezahlt werden muss die Nachmittagsbetreuung.

Die „after school“ für Raul

kostet inklusive Basketball-Kurs 140 Euro

pro Monat. „Ich verstehe nicht, warum

die Regierung mir jetzt die Familienbeihilfe

kürzt“, sagt Cristiana und schaut

hilfesuchend in die Runde. „Wenn ich

nicht da bin, muss das Kind doch betreut

werden.“

SKYPEN AUS DEM

INTERSPAR

Ohnehin plagt Cristiana permanent das

schlechte Gewissen, nicht genug für

ihren Sohn da zu sein. In ihren zwei

Stunden Freizeit pro Tag in Wien rennt

sie daher schnell aus der Wohnung ihrer

Pflegefamilie zum nächsten Interspar –

der hat gratis WLAN – und skypet dort

mit ihren Liebsten: Wie war die Schule?

Was gibt es zu essen? Und hat Raul die

Hausübungen gemacht? Und da wäre

noch ein Problem. Cristiana scheint zwar

diese Art von Frau zu sein, die nie müde

wird, trotzdem bleibt selbst ihr keine Zeit

mehr für ihren eigenen, kranken Vater.

20 / POLITIKA /


… ab 2019 kostet die Kürzung der Familienbeihilfe

dann einen vollen Einkaufswagen pro Monat.

/ MIT SCHARF / 21


18 Stunden braucht der Zug von Wien nach Rumänien

Seit ihre Mama gestorben ist, lebt der

alte Mann alleine in einem rumänischen

Dorf. „Er ist leider depressiv. Ich habe

aber keine Zeit ihm zu helfen, ich muss

Geld verdienen“, erzählt Cristiana traurig.

Wie das später einmal gehen wird, wenn

ihr Vater selbst Pflege braucht? „Keine

Ahnung“, sagt sie.

ALBTRAUM

DEMENZ

Auch wenn Cristiana mit ihrer Familie

in der Strada Libertății („Straße der

Freiheit“) lebt, hat sie keine echte Wahl.

Ihre Heimatstadt weist für rumänische

Verhältnisse ein gutes Busnetz und einen

modernen Bahnhof auf. Im Zentrum

gibt es eine kleine Fußgängerzone mit

McDonald’s, Kentucky Fried Chicken und

ein paar netten Restaurants. Was es aber

nicht gibt, sind gut bezahlte Jobs für

Menschen wie Cristiana. Vor ihrer Zeit

als Pflegerin hatte die studierte Chemikerin

es noch als Verkäuferin probiert.

Bei einem Durchschnittseinkommen

zwischen 400 und 500 Euro in Rumänien

war aber bereits zu Mitte des Monats

Ebbe in der Haushaltskasse. Also absolvierte

Cristiana eine Pflegeausbildung

und lernte Deutsch. Über eine Agentur

bekam sie ihren ersten Job in Wien.

Der Anfang war ein Albtraum. Ihre

erste „Kundin“ war dement. In der Nacht

musste Cristiana die verwirrte Frau,

eine frühere Ärztin, immer wieder davon

abhalten, in die alte Ordination zu gehen.

„Ihre Kinder haben mir gesagt, sie

haben keine Zeit, um auf ihre Mama zu

schauen.“ Nach 21 „furchtbaren“ Tagen

schmiss Cristiana die Nerven weg und

kündigte. Ihr Plan, jeweils einen Monat in

Wien zu arbeiten und dann wieder einen

Monat bei ihrer Familie in Rumänien zu

sein, wurde begraben: „Das habe ich

nicht ausgehalten“.

KANINCHEN &

KRONE

Mit Helene und Karl, die laut Cristiana

„den ganzen Tag Kronenzeitung lesen“,

hält sie es hingegen gut aus. Anders als

ihre slowakische Kollegin ärgert sich die

Rumänin auch nicht über ihr enges Zimmer

in der Wohnung des Ehepaars. Kein

Wunder: Daheim in Pitești lebt sie mit

ihrer Familie auf engen 45 Quadratmeter.

Der kleine Balkon des Plattenbaus wird

als Speisekammer genutzt. In einer Truhe

lagern kiloweise Fleisch von Kaninchen

und Hasen, die ihr Mann auf dem Land

selbst züchtet. Daneben werden eingelegte

Paprika gehortet. Die Küche ist so

klein, dass kein Geschirrspüler Platz hat.

„Mein Geschirrspüler ist hier“, lacht Cristiana

und hält beide Hände schüttelnd in

die Höhe.

35 STUNDEN SIND

GENUG

Wer so wie Cristiana lebt, der ist auch

mit den 954 Euro netto zufrieden, die

sie für ihre 14 Tage mal 24 Stunden raus

bekommt: Den Betrag bekommt Cristiana

12 mal im Jahr – da sie offiziell selbstständige

Pflegerin ist. Die Zugtickets

nach Wien und retour kosten pro Monat

rund 160 Euro. Bleiben ihr unterm Strich

800 Euro netto. Ein österreichischer Pfleger

würde für dieses Geld nicht arbeiten.

Im Gegenteil: Gerade proben Österreichs

angestellte Pflegekräfte, die ebenfalls

schlecht bezahlt werden, mit Warnstreiks

den Aufstand. Ihre Forderung neben

mehr Gehalt: „35 Stunden Arbeit pro

Woche sind genug“. Von 35 Stunden pro

Woche und 14 Monatsgehältern kann

jemand wie Cristiana nur träumen. Mit

ihrem Job und Leben ist sie im Prinzip

trotzdem zufrieden. Nur, dass die Regierung

in Österreich ihr die Kinderbeihilfe

um 70 Euro kürzen will, das will ihr nicht

in den Kopf: „Wir haben europäische

Rechte. Das kann doch nicht ok sein.

Warum will das der Herr Kurz?“ ●

Mitarbeit und Dolmetsch: Volina Șerban

Die Familie von Cristiana und Raul leben auf 45 Quadratmeter

22 / POLITIKA /


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150 Jahre für Ihre Gesundheit

150 Jahre für Ihre Gesundheit

/ MIT SCHARF / 23


5,0

„Euer Bruder ist sicher in Amsterdam angekommen.“

Flüchtlinge posten nach ihrer Ankunft in

ihrem Zielland Fotos in die Facebook-Gruppen

– eine Art Referenz für den Schlepper.

Das Foto wurde nachgestellt

24 / POLITIKA /


FÜNF STERNE

FÜR SCHLEPPER

ABO SAID

Damaskus – Ostasien – Amsterdam: Seit die Balkanroute

offiziell geschlossen wurde, finden Schmuggler immer neue

Wege, um Flüchtlinge nach Europa zu bringen. biber begleitet

einen Syrer auf seiner Suche nach der „besten“ Route in die EU.

Ein exklusiver Einblick in die Welt der Facebook-Schlepper.

Von Melisa Erkurt, Mitarbeit: Bilal Albeirouti

Werner Dieterich / Westend61 / picturedesk.com, Jens Wolf / dpa / picturedesk.com, Susanne Einzenberger, bereitgestellt

Sie kommen immer noch. Über

Umwege und unter Lebensgefahr.

Ein paar schaffen es,

doch viele werden auf dem

Weg aufgegriffen und zurückgeschickt

– einige sterben dabei. Die Balkanroute

mag offiziell geschlossen sein, aber

in ihren Heimatländern herrscht noch

immer Krieg und die Schlepper finden

immer neue Wege und Versprechen,

Flüchtlinge nach Europa zu bringen.

Mahir * ist im November 2015 mit

einem Boot von der Türkei in die griechische

Hafenstadt Mytilini gekommen.

Dafür hat er dem Schlepper 1200 Dollar

gezahlt. Heute zahlt man für denselben

Weg nur noch 450 Dollar – denn

mittlerweile bietet eine Vielzahl von

Schleppern „attraktivere“ Angebote,

um Flüchtlinge in die EU zu bringen. Die

Fahrt über das Mittelmeer ist vielen zu

gefährlich. Mahir wäre bei seiner Flucht

beinahe ertrunken. „Aber damals gab es

nur diese Möglichkeit, nach Europa zu

kommen“, so der Syrer. Mahir hat sich

mittlerweile in Wien eingelebt, hat einen

Job und spricht schon ganz gut Deutsch.

Doch auch er hat noch Familie in Syrien

und überlegt, wie es wäre, sie nachzuholen.

Mahir möchte wissen, welche

neuen Wege die Schlepper zwei Jahre

nach seiner eigenen Flucht anbieten.

Um seine Identität zu wahren, gibt er an,

seinen fiktiven Bruder aus Syrien nach

Wien holen zu wollen. Er durchforstet

Facebook-Gruppen, chattet und telefoniert

wochenlang mit Schleppern. Biber

begleitet ihn auf jedem Schritt seiner

Suche und taucht ein in die Welt der

Schlepper.

Der erste Schritt führt den 36-Jährigen

auf Facebook – wie sich zeigt,

das wichtigste Kommunikationsmittel

zwischen Schleuser und Flüchtling.

Mahir tippt auf Arabisch den Begriff

„Schlepper“ in die Suchfunktion – sofort

erscheinen ihm einige Facebook-Gruppen.

Die meisten sind jedoch unbrauchbar,

die letzten Posts von 2015. Mahir

tritt schließlich drei Gruppen bei, die

viele Mitglieder haben und täglich neue

Angebote posten.

5 STERNE FÜR

ABO SAID

Eine der größten Gruppen fasst über

30.000 Mitglieder. Das Titelbild der

Gruppe ist ein schwarzer Van mit getönten

Scheiben, ein Schlepperfahrzeug.

In der Gruppe finden sich zahlreiche

Stock-Fotos von Schweden, Norwegen

und den Niederlanden: Eine junge Frau

blickt auf die Innenstadt von Amsterdam,

ein Foto von einem gemütlichen, hellen

Zimmer, das laut Bildunterschrift eine

Gefängnis-Zelle in Schweden darstellen

soll. Unter den Fotos stehen Informationen

darüber, an wen man sich wenden

/ POLITIKA / 25


soll, wenn man hierhin möchte, oft gleich

mit den Telefonnummern der Schlepper.

Neben den gestellten Fotos findet sich

auch authentisches Bildmaterial: Selfies

von jungen syrischen Männern in Malmö

und Amsterdam, als Beweis, dass sie

mithilfe der Schlepper gut angekommen

sind. Dazu ein paar nette Worte an die

Schlepper: „Danke, Abo Said * ! Alles hat

geklappt, ich bin gut angekommen.“

Die Flüchtlinge kennen nicht die echten

Namen der Schlepper. Die nennen sich

auf Facebook nämlich nur Abo, was

„Vater von“ bedeutet und fügen einen

beliebigen arabischen Vornamen hinzu,

in dem Fall „Vater von Said“. Das Ganze

liest sich wie eine Airbnb oder TripAdvisor-Bewertung.

Scrollt man durch die

Facebook-Gruppe, hat man generell den

Eindruck, sich Angebote von Europa-

Reisen anzusehen und nicht Schlepper-

Routen. Fotos vor dem Stephansdom

sind keine dabei. Die meisten Flüchtlinge

wollen mittlerweile in den Norden. „Die

meisten Flüchtlinge wollen jetzt in den

Norden. Es hat sich herumgesprochen,

dass in Österreich Flüchtlingen gegenüber

kein gutes Klima mehr herrscht“,

erklärt Mahir. Außerdem besteht in

Schweden die Möglichkeit schon nach

fünf Jahren die Staatsbürgerschaft zu

beantragen. In Österreich muss man

sich – mit Ausnahmen – in der Regel

zehn Jahre ununterbrochen aufhalten,

um die Staatsbürgerschaft beantragen

zu dürfen. 2015 nahm Schweden mehr

syrische Flüchtlinge pro Kopf auf als

jedes andere europäische Land. Von

den 163.000 Flüchtlingen, die 2015

dort ankamen, erhielten 32.000 Asyl.

Viele von ihnen zog es nach Malmö, wo

bereits viele Migranten aus dem Nahen

Osten leben.

Neben Fotos und Bewertungen

finden sich auch Live-Videos vom Boot

aus im Mittelmeer in der Gruppe. Ein

junger Mann in Rettungsweste filmt sich,

im Hintergrund zu sehen sind andere

Männer, Frauen und Kinder. Man sieht

wie sie hin und her wanken, das Boot

ist schnell, die Wellen laut. Dann ein

Video von einem Boot, das gerade an

einer griechischen Insel andockt, der

Filmende kommentiert, dass die Flüchtlinge

soeben sicher angekommen sind.

Das letzte Video vom Mittelmeer wurde

am 21. November 2017 gepostet. Der

„Der gesicherte Weg nach Europa“

steht auf Arabisch unter dem

Schlepperfahrzeug - das Titelbild einer

Facebook-Gruppe.

nächste Post vom Mittelmeer erscheint

erst am 19. Februar. Diesmal Fotos

von jungen Männern in Schwimmwesten:

„Danke Gott. Eure Brüder sind in

Griechenland angekommen. Wichtiger

Hinweis: Auszahlung erfolgt erst nach

der Ankunft und in einem Office deiner

Wahl in Izmir.“, steht unter den Fotos.

Die Flüchtlinge geben das Geld unter

ihrem Namen in einem von vielen solcher

„Offices“ ab. Sie erhalten daraufhin einen

Code. Sobald sie sicher in dem vereinbarten

europäischen Land angekommen

sind, geben sie dem Schlepper den Code

durch und der holt sich dann das Geld

in dem „Office“ ab. „Für den Code gibt

es allerdings eine Frist, wird die überschritten,

weil die Flüchtlinge beispielsweise

im Mittelmeer ertrunken sind,

kann der Schlepper das Geld auch ohne

Code abholen, indem er einfach nur den

Namen des Flüchtlings nennt“, erzählt

Mahir. Die Frist hängt von der Dauer der

Route ab. Die Flüchtlinge geben im Office

an, wie lange sie laut ihrem Schlepper

unterwegs sein werden. Taucht der

Schlepper nicht auf oder geht etwas

Diesen spanischen Pass verkauft der

Schlepper für 5500 Euro. Ein Original,

wie er sagt. Woher er den Pass hat?

Darüber redet er nicht.

anderes schief, können sich die Flüchtlinge

ihr Geld mit dem Code innerhalb

der Frist zurückholen. Das Office nimmt

in der Regel fünf Prozent Provision.

AUS AHMED WIRD

ALEJANDRO

Was auffällt, wenn man durch die Gruppe

scrollt: Die Mittelmeer-Posts werden

immer weniger. Andere Angebote, wie

die Flucht über Südostasien, sind dafür

deutlich präsenter. Mahir schreibt einen

der Schlepper, der in der Gruppe seine

Südostasien-Route bewirbt, über Facebook

Messenger an. „Ich will meinen

Bruder zu mir nach Wien holen.“ „Kein

Problem“, sagt der Schlepper und erklärt

ihm ausführlich, wie das Ganze ablaufen

wird: Für gewisse Länder in Südostasien

brauchen Syrer kein Visum, also kauft

er sich einfach ein Flugticket und fliegt

zum Schlepper. Dort wartet schon ein

originaler spanischer Pass auf ihn. Der

Schlepper versichert, er hätte einen

Kontakt am Flughafen, der den Pass

noch mit Stempeln, die die Authentizi-

26 / POLITIKA /


Werner Dieterich / Westend61 / picturedesk.com, Jens Wolf / dpa / picturedesk.com, Susanne Einzenberger, bereitgestellt

Diese junge Frau blickt auf Amsterdams

Innenstadt. Die niederländische

Asylpolitik gilt als eine der strengsten

in Europa. Doch das bekommen die

wenigsten Flüchtlinge über die Medien

mit. Deshalb zählen die Niederlande,

neben Schweden und Norwegen, zu den

neuen Zielländern vieler Syrer.

tät gewährleisten sollen, versieht. Als

Beweis schickt er Mahir ein Foto von

einem solchen Pass, den er unter einen

Scanner hält, um zu zeigen, dass es sich

um ein Original handelt. Als weiteren

Beweis seiner Zuverlässigkeit verweist er

Mahir auf die positiven Bewertungen in

der Facebook-Gruppe. Tatsächlich findet

Mahir dort Fotos von ein paar anderen,

die angeben, mit demselben Schlepper

erfolgreich über Südostasien ihr europäisches

Zielland erreicht zu haben. Sogar

ein Video vom Flughafen hat der Schlepper

gepostet, das ihn und einen seiner

syrischen Kunden mit seinem neuen

spanischen Pass am Flughafen zeigt.

Mahir hat einen Bekannten, der sich

seine Haare dunkler färben und ein

Nasenpiercing stechen lassen musste,

um wie der Spanier auf seinem Pass

auszusehen. Er ist trotzdem ohne Probleme

mit diesem Pass von Südostasien

ins schwedische Malmö geflogen. 5500

Dollar verlangt der Schlepper für diesen

Pass, Flugtickets sind nicht inbegriffen.

Zählt man die noch dazu, kostet diese

Flucht bis zu 8000 Dollar. Geld, das

Flüchtlinge wie Mahir, der schon seit

zwei Jahren in Österreich lebt und mittlerweile

arbeitet, angespart haben, um

ihre Angehörigen nachzuholen. Als Mahir

„Danke Gott. Eure Brüder sind in

Griechenland angekommen. Wichtiger

Hinweis: Auszahlung erfolgt erst nach der

Ankunft und in einem Office deiner Wahl

in Izmir.“ Beweisfotos als Gütesiegel:

Diesem Schlepper kann man vertrauen.

nachfragt, woher der Schlepper den Pass

hat, blockiert dieser Mahir auf Facebook.

„MIT GELD ÖFFNEN

WIR ALLES.“

Für die, denen ein gefälschter Pass

nicht sicher genug ist, bieten andere

Schlepper in den Facebook-Gruppen

Alternativen: Darunter die Flucht über

den Iran und die „neue“ Balkanroute.

Obwohl Flüchtlinge, die über die syrischtürkische

Grenze kommen, auch ohne

Visum einreisen dürfen, fangen nach

Angaben der Menschenrechtsorganisation

Human Rights Watch türkische

Grenzsoldaten Flüchtlinge oftmals an der

Grenze ab und schicken sie zurück nach

Syrien. Deswegen bieten Schlepper nun

die Route Damaskus – Teheran – Istanbul/Izmir

an. Mahir telefoniert mit einem

der Schlepper, der mit dieser Route

wirbt. Der Schlepper erklärt ihm den

Ablauf: In Teheran gelandet, wartet der

Schlepper mit einem offiziellen Visum für

die Türkei. Danach geht es von Istanbul

mit dem Flugzeug in die europäische

Stadt der Wahl. Der Schlepper versichert

Mahir, er hätte Kontaktmänner am

Flughafen, die die Flüchtlinge durchwinken

würden. Das Ganze kostet 1300

Dollar für Erwachsene, für Kinder ab zwei

Jahren 1050 Dollar. Als Mahir sagt, dass

er sich nicht vorstellen kann, dass das

Durchwinken klappt, bietet der Schlepper

den „klassischen“ Weg an: von der

Türkei mit dem Boot nach Griechenland

und dann über die Balkanroute nach

Wien. Mahir ist verwirrt: „Wie geht das,

die Balkanroute ist doch geschlossen?“

„Mit dem Geld öffnen wir alles“, antwortet

der Schlepper und erklärt Mahir

über WhatsApp das Prozedere: Für die

Route verlangt er 7500 Dollar. Treffpunkt

ist die griechische Stadt Thessaloniki,

in der Nähe von Mazedonien. Dort holt

ein Wagen die maximal sechs Flüchtlinge

ab. Dann gibt es zwei Optionen:

Entweder sie fahren über Mazedonien

nach Serbien und von dort über Ungarn

bis nach Österreich oder über Kroatien

und Slowenien – je nachdem, wann die

Kontaktmänner des Schleppers an der

jeweiligen Grenze arbeiten. Die Flucht

dauert 15 Tage. „Wir müssen manchmal

warten, bis der Grenzbeamte arbeitet,

den man bestechen kann. Außerdem

übernachten wir in jedem Land und

Fahrzeug und Fahrer wechseln auch,

sodass ihr immer einen Fahrer habt, der

die jeweilige Landessprache spricht.“ Der

Schlepper betont, dass er in jedem Land

Kontaktmänner hat, die ihm sagen, wenn

es gerade verstärkte Grenzkontrollen

gibt. In solchen Fällen nimmt der Fahrer

die andere Route.

„VERTRAU

MIR EINFACH,

BRUDER.“

Genau so ist Mohammad * vor drei

Wochen nach Wien gekommen. Der

24-jährige Syrer ist von Damaskus nach

Teheran geflogen, wo der Schlepper

ihm ein Visum besorgt hat, mit dem er

nach Izmir fliegen konnte. In Izmir hat

Mohammad ein Boot nach Griechenland

genommen, mit dem Bus ist er dann

weiter nach Thessaloniki, wo ein Fahrer

ihn und vier andere Flüchtlinge über

Mazedonien nach Serbien bis nach Wien

/ POLITIKA / 27


2015 nahm Schweden mehr syrische Flüchtlinge pro Kopf auf als jedes andere europäische Land. Von den 163.000 Flüchtlingen,

die 2015 dort ankamen, erhielten 32.000 Asyl. Viele von ihnen zog es nach Malmö, wo bereits viele Migranten aus dem Nahen

Osten leben. Das Foto wurde nachgestellt

gefahren hat. Mohammad war 12 Tage

unterwegs und hat 7500 Euro gezahlt.

Die anderen vier Flüchtlinge sind weiter

bis nach Schweden gefahren, erzählt

Mohammad. Er wollte nach Wien, weil

sein Bruder hier arbeitet. Über die offizielle

Familienzusammenführung hat es

nicht geklappt, also hat ihm sein Bruder,

der als Frisör arbeitet, Geld geschickt,

damit er so nach Österreich kommt.

Doch nicht für alle geht die Flucht so

gut aus wie für Mohammad. Oft bieten

Schlepper dubiose Dienstleistungen an,

an die sie sich nicht halten können. Mahir

telefoniert mit einem solchen Schlepper,

der anbietet, seinen Bruder mit einem

gefälschten syrischen Studentenvisum

von Syrien nach Kiew zu bringen. „Von

Kiew kann dein Bruder dann fliegen,

wohin er möchte“, verspricht der Schlepper.

Als sich Mahir skeptisch gibt und

nachfragt, seit wann syrische Studenten

so leicht nach Europa einreisen dürften,

wird der Schlepper ungeduldig: „Vertrau

mir einfach, Bruder.“

Aber Mahir kennt viel zu viele

Geschichten, die schlecht ausgegangen

sind, wo Schlepper Flüchtlinge mitten

im Wald ausgesetzt haben und sie 30

Kilometer zu Fuß über die Grenze gehen

mussten, wo sie von Polizisten aufgegriffen

und wieder zurück geschickt

wurden. Wie im Fall der kleinen Madina

kann das auch tödlich enden. Sie wurde

beim Versuch, mit ihrer Mutter und fünf

Geschwistern in die EU zu gelangen,

von einem Zug erfasst, nachdem sie

an der kroatischen Außengrenze von

Polizisten aufgegriffen worden waren.

Die Polizisten hatten der Familie befohlen,

mitten in der Nacht zu Fuß auf einer

Eisenbahnstrecke zurück nach Serbien

zu gehen (Profil berichtete). Und obwohl

die Flüchtlinge die Risiken kennen, werden

sie immer weiter versuchen, nach

Europa zu gelangen. „Alles ist besser als

der Krieg in unserer Heimat“, sagt Mahir.

Die Angst vor dem Krieg überschattet

die Angst vor der Flucht. „Natürlich ist

es gefährlich, aber in Syrien könntest

du jede Sekunde sterben, da erscheint

alles andere harmlos dagegen“, erzählt

Mahir. Und tatsächlich, die Nachfrage

lässt nicht nach. Die Mitgliedszahlen in

den Facebook-Gruppen der Schlepper

steigen kontinuierlich. „Mein 16-jähriger

Junge ist gerade in Athen. Er will in die

Niederlande – sagen Sie uns wie“, postet

ein neuer User in die Facebook-Gruppe.

Ein paar Minuten später antwortet auch

gleich ein Schlepper: „Es gibt da eine

Möglichkeit. Es würde 5000 Euro kosten.

Schick mir deine Nummer und wir

besprechen alles Weitere.“ In den nächsten

Stunden reihen sich 54 Kommentare

unter diesem Beitrag. Alle sind an

dieser Route interessiert. Wie viele von

ihnen den Weg nach Europa tatsächlich

schaffen, bleibt fraglich. Mahir schüttelt

den Kopf: „Die Flüchtlings-Euphorie von

2015 ist weg. Erst wenn jemand auf der

Flucht stirbt, interessieren sich die Leute

wieder ein bisschen für uns – aber dann

ist es sowieso schon zu spät.“ ●

* Namen von der Redaktion geändert

Werner Dieterich / Westend61 / picturedesk.com, Jens Wolf / dpa / picturedesk.com, Susanne Einzenberger, bereitgestellt

28 / POLITIKA /


Bessere Aussichten!

besser. schneller. schöner.

Die neue Website!

www.vhs.at


Wie oft haben Sie

sich bereits über

Sebastian Kurz

geärgert?

Wie oft sind

Sie in der Woche

telefonisch

in Kontakt

mit Sebastian

Kurz?

Wie oft haben

Sie sich bereits

über Sebastian

Kurz geärgert?

Welche Schulnote

geben

Sie Bundespräsident

Van

der Bellen für

die bisherige

Amtsführung?

Interview in Zahlen:

In der Politik wird schon genug

geredet. biber fragt in Worten,

Niederösterreichs Landeshauptfrau

Hanna Mikl-Leitner (ÖVP)

antwortet in Zahlen.

1

1

2

Von Simon Kravagna, Fotos: Christoph Liebentritt

Mit Bundespräsident Van der Bellen ist Nieder österreichs

neu gewählte Landeschefin zufrieden: Schulnote Gut!

Zumindest einmal die Woche wird Zwillingsschwester

Cornelia mit der neuen Landeshauptfrau verwechselt.

Wie oft im

Monat gehen

Sie in die

Kirche?

Wie viele

Stunden

schlafen Sie

pro Nacht?

Wie viel

Prozent der

Hausarbeit

übernehmen

Sie?

Wie viel

Prozent der

Hausarbeit

übernimmt Ihr

Mann Andreas?

Wie viele

Stunden

haben Sie eine

Haushaltshilfe

pro Woche

beschäftigt?

2

5

20

80

20

30 / POLITIKA /


Wie viele

österreichische

Spitzenpolitiker

können Sie gar

nicht leiden?

Wie oft in der

Woche wird

Ihre Zwillingsschwester

Cornelia

mit Ihnen

verwechselt?

Wie viele

Euro haben

Sie gerade

eingesteckt?

Wie viel Euro

Taschengeld

pro Woche

bekommt Ihre

ältere Tochter

(16)?

Wie oft beten

Sie in der

Woche?

1

1

0

10

7

Männer aufgepasst: Zumindest drei Monate sollte jeder von

euch in Karenz gehen.

Mit fünf Stunden Schlaf kommt die Politikerin aus. Wie das

geht? Man muss es nur jahrelang trainieren, sagt Mikl-Leitner.

Wie oft kochen

Sie in der

Woche?

Wie viel Euro

verdient eine

Landeshauptfrau

netto im

Monat?

Wie viele

Monate sollte

ein Mann

mindestens in

Karenz gehen?

Wie viele Meter

rechts von der

Mitte stehen

Sie politisch?

Bis wann

wird die

SPÖ in Wien

mindestens

noch den

Bürgermeister

stellen?

1

8.000

3

0

2025

/ POLITIKA / 31


DIE MAMA KANN ES

NICHT IMMER RICHTEN

Ab Herbst soll es eigene „Deutsch-Klassen“ für Kinder

mit Sprachdefiziten geben. Der Plan der Regierung ist

noch zu kurz gedacht, sagt einer, der es wissen muss:

biber-Redakteur Amar Rajković landete mit 12 Jahren

selbst in einer Brennpunktschule.

Von Amar Rajković

32 / POLITIKA /


MIT SCHARF / 1

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

www.dasbiber.at

APRIL

2016

Auf Deutsch konnte ich eigentlich nur „Danke“

sagen. Damals, mit zwölf Jahren, bei meiner

Einschulung in der Hauptschule Alsegger

Straße in Wien Währing. Ehrlich gesagt war das aber

auch egal. In meiner Klasse, der 3a, sprach ohnehin

fast jeder „Jugo“ – ein umgangssprachlicher Sammelbegriff

für die sehr ähnlichen Sprachen Bosnisch,

Kroatisch, Serbisch.

NIX VERSTEHEN, NIX LERNEN

Ich hatte eine herrliche Zeit in der Hauptschule. Während

des Unterrichts plauderte ich die meiste Zeit mit

den anderen Jungs vom Balkan. Wenn die Lehrerin

dazwischenrief, ignorierte ich sie einfach – notgedrungen,

ich sprach ja kein Deutsch. In den Fächern, in

denen ich Deutsch nicht brauchte, war ich dafür der

King. Mathematik oder Englisch – nur her damit. Der

Grund: Was man von mir in der dritten Hauptschulklasse

in Österreich verlangte, war der Stoff eines

bosnischen Volksschülers.

Nach zwei verlorenen Jahren an der Hauptschule

verfrachtete mich meine Mutter in eine HAK. Gegen

meinen Willen. Denn die ersten Wochen in der Vienna

Business School Schönborngasse waren hart. Ich war

der einzige Ausländer in der Klasse. Ich sprach als einziger

kein Deutsch. Aber so lernte ich es eben umso

schneller. Daher an dieser Stelle: Danke Mama! Ohne

dich wäre ich heute beim AMS!

So war es vor über 20 Jahren. Egal wie intelligent,

klug oder wissbegierig ein Schüler war - ohne

ausreichende Deutschkenntnisse kamen die meisten

Die Rolle der Hauptschule damals

und der NMS heute ist leider

oft die des vorprogrammierten

Abstellgleises – auch wenn die

LehrerInnen dort wirklich ihr

Bestes geben.

+

HÄUPL TEILT AUS

+

GRISS IN ZAHLEN

+

TRANSFRAU

AUS SYRIEN

nicht weiter als in die Hauptschule. Und so ist es auch

heute, 20 Jahre später. Entschuldigung, heute heißt

das ja Neue Mittelschule (NMS). Die Rolle der Hauptschule

damals und der NMS heute ist leider oft die

des vorprogrammierten Abstellgleises – auch wenn

die LehrerInnen dort wirklich ihr Bestes geben.

Vor 22 Jahren saß ich in der Hauptschule, heute

sitzt dort Habiba. Die 15-Jährige geht in eine NMS im

12. Bezirk. Ihr einziger Makel: Sie kommt aus Syrien

und kann nicht Deutsch. Anders als ich hat sie nur

keine Mama, die sie an die Hand nimmt und in die

AHS bringt. Obwohl, selbst das stimmt nicht: Habibas

Mutter ging mit ihrer Tochter zum Direktor einer AHS.

Das Ergebnis: Ernüchterung. „Wenn Habiba besser in

Deutsch wird, könne sie ja wieder vorbeischauen“, so

der Direktor.

CHANCE FÜR HABIBA

Viele Gymnasien in Wien wehren sich mit Händen und

Füßen gegen Schüler mit Deutsch-Defiziten. Damit

ist die Situation heute genauso, wenn nicht sogar

schlimmer als damals. Habiba wird es nicht an eine

AHS schaffen. Sie wird in ihrem „Ausländer“-Umfeld

bleiben, mit ihren Klassenkolleginnen auf Arabisch

plaudern und weiter nur von einem Medizin-Studium

träumen. Für Mädchen wie Habiba wird die Regierung

ab Herbst die sogenannten „Deutsch-Klassen“ einführen,

offiziell „Deutschförderklassen“ genannt.

Habiba wird also nicht mehr in ihre Regelklasse

gehen, sondern in einer eigenen Klasse 20 Stunden

pro Woche Deutsch lernen. Anders als viele in

meinem Umfeld lehne ich diese Deutschklassen nicht

kategorisch ab. Ich schätze auch Bildungsminister

Heinz Faßmann, den ich noch aus seiner Zeit als

Integrationsexperten kenne. Ich verstehe nur zwei

wesentliche Dinge nicht:

/ POLITIKA / 33


Wenn sich die ÖVP/FPÖ-Regierung

ein „differenziertes“ Schulsystem

wünschen, warum werden dann

ALLE Kinder mit Deutsch-Defiziten

völlig undifferenziert in die

NMS abgeschoben?

WER HAT IN DER NMS KEIN

DEUTSCH-DEFIZIT?

Erstens frage ich mich, wer in einer Schule wie jener

von Habiba dann eigentlich noch in die Regelklasse

gehen wird? Nach Einschätzung von allen NMS-

Lehrern, mit denen ich zu diesem Thema gesprochen

habe, haben 90 Prozent der regulären SchülerInnen

echte Deutsch-Defizite. Werden wir dann ab Herbst

2018 nur mehr „Deutsch-Klassen“ haben und die

restlichen 10 Prozent der Sprachbegabten bekommt

praktisch Privatstunden mit ihrem Klassenvorstand?

Mag sein, dass die Pläne der Regierung auf Bruck an

der Mur anwendbar sind, aber wie soll dieses Konzept

bitte in Wien-Meidling funktionieren?

Die zweite und viel wichtigere Frage: Die AHS gilt

noch immer als der Schultyp, von dem viele Kinder

aus bildungsfernen Familien, nur von Erzählungen

gehört haben. Die Anzahl der außerordentlichen Schüler

lässt vermuten (siehe Grafik), dass die Deutschförderklassen

einen großen Bogen um die AHS machen

werden. Tatsächlch? Wenn sich die ÖVP/FPÖ-Regierung

ein „differenziertes“ Schulsystem wünschen,

warum werden dann ALLE Kinder mit Deutsch-Defiziten

völlig undifferenziert in die NMS abgeschoben?

PROGRAMMIERTE

UNGERECHTIGKEIT

Warum sollte Habiba, eine in Syrien außerordentlich

gute Schülerin mit fließendem Englisch, nicht auf

eine AHS gehen und dort eben eine Deutschklasse

besuchen dürfen? Gab es unter dem ganz jungen

Sebastian Kurz nicht mal die Devise: Integration durch

Leistung? Würde es nicht die gesamte Situation

extrem entschärfen, wenn die Politik dafür sorgen

würde, dass mehr Gymnasien als bisher Kinder wie

Habiba aufnehmen würden?

Herr Faßmann, ist das nicht alles noch zu kurz

Was ist ein AO?

Als „AO’s“ (Außerordentliche SchülerInnen)

werden SchülerInnen bezeichnet, deren

Deutschkenntnisse nicht genügen, um am

regulären Unterricht teilzunehmen. Die AO’s

werden nur in Fächern benotet, in denen

sie eine positive Leistung erbringen können

(Bildnerische Erziehung, Turnen, Werken).

Der Status des „außerordentlichen Schülers“

kann nur maximal zwei Jahre aufrechterhalten

werden. Die Entscheidung über die

Zuerkennung des außerordentlichen Status

liegt bei der Schulleitung.

gedacht? Ich habe jedenfalls einen Vorschlag: Für

Schülerinnen wie Habiba sollte es auch an jedem

Gymnasium eine Deutschklasse geben. Jedes Gymnasium

sollte verpflichtet werden, Kinder mit Deutschdefiziten

anzunehmen. Engagierte SchülerInnen wie

Habiba würden diese Chance ergreifen. So wie ich

meine Chance ergriffen habe. Wenn „Deutsch-Klassen“,

dann in allen Schultypen. Von der Volksschule

bis ins Gymnasium! Sonst treibt diese Regierung

die Segregation nur weiter voran. Und dabei gibt es

sowieso nur Verlierer. ●

34 / POLITIKA /


Antwort des

Bildungsministers Faßmann

Bildungsminister Heinz Faßmann reagiert auf den Kommentar von

Amar Rajković. Erfreulich: Schülerinnen wie Habiba sollen künftig

die Chance bekommen, das Gymnasium zu besuchen.

Amar Rajkovic findet klare Worte für das neue

Modell der Deutschförderklassen. Fälle, wie der

von ihm beschriebene, sind uns bekannt und

werden sehr ernst genommen. In der Tat sind

im Rahmen der Flüchtlingsbewegung der letzten

Jahre, wie er bereits richtig festgestellt hat, viele

Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern nach

Österreich geflüchtet. Diese anfällige Personengruppe

gilt es besonders zu unterstützen und im

Schulsystem bestmöglich zu

fördern.

Deutschförderklassen

sollen als „geschützter

Lernraum“ fungieren, in

dem vor allem auch Kinder

und Jugendliche, die nach

Österreich kommen und

denen dieses neue Land

und sein System fremd

sind, auf dem schnellsten

Weg die deutsche Sprache

erlernen. Die Grundlage

für den Besuch von

Sprachförderklassen sollen

standardisierte Testungen

sein, die einen eindeutigen

Aufschluss über das erforderliche Maß der Förderung

geben soll. Die Förderung soll insgesamt

jedoch allen Kindern, die Deutsch nicht ausreichend

beherrschen, die Chance zu geben, ihre

sprachlichen Kenntnisse zu verbessern.

Zur Anwendung soll das Modell der Deutschförderklassen

sowohl in allgemein bildenden

Pflichtschulen - das heißt sowohl in der NMS

als auch in der AHS wie auch in mittleren und

höheren Schulen kommen. Damit wird Schülerinnen

und Schülern, wie Habiba die Möglichkeit

gegeben, eine AHS besuchen zu können und

auch hier als außerordentliche Schülerin die

deutsche Sprache rasch zu erlernen, um sodann

dem Regelunterricht folgen zu können.

Konkret umfasst die Sprachförderung in

der Deutschförderklasse in der Grundschule 15

Stunden und 20 Stunden in der Sekundarstufe

I, in den restlichen Stunden nimmt das Kind

je nach individuellen Lernvoraussetzungen und

organisatorischen Möglichkeiten am Unterricht in

der Regelklasse teil. Ein Umstieg in die Regelklasse

ist grundsätzlich

nach einem Semester

möglich, maximal kann

die Deutschförderklasse

für vier Semester besucht

werden. Damit schaffen

wir die Grundlage, dass

Schülerinnen und Schüler

treffsicherer Deutschfördermaßnahmen

absolvieren.

Das Erlernen der

deutschen Sprache ist

nicht zuletzt für Kinder und

Jugendliche ein wichtiger

Grundpfeiler für eine gelingende

Integration. Durch

die Erweiterung der Kommunikation wächst

nicht nur das soziale Umfeld, sondern auch die

Möglichkeit für unterschiedliche Bildungs- und

Berufskarrieren.

Dass es in Österreich Schulen gibt, die - wie

jene von Amar Rajkovic angesprochene - eine

Vielzahl an Herausforderungen zu meistern

haben, ist uns bewusst. Hier wird man durch

eine stärkere Fokussierung zukünftig mehr

machen müssen, um die Schülerinnen und Schülern

bestmöglich zu unterstützen.

Bildungsminister Heinz Faßmann

Dragan Tatić

/ POLITIKA / 35


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RAMBAZAMBA

Allein ist‘s manchmal eh ok.

Foto von Alex Dietrich


„I love your legs“

38 / RAMBAZAMBA /


Er gibt ihnen Kosenamen wie „Schöne“, nennt sie „süß“ und

schreibt auf Facebook über seine „sehnsüchtigen Blicke“

während der Proben. Vier Frauen aus dem Grazer Musical

Ragtime erzählen BIBER über „sexualisierten Machtmissbrauch“

von Starregisseur Philipp Kochheim. Der Chef der dänischen

Nationaloper empfindet sein Verhalten nicht als falsch: „Die

Geschichte meiner Profession ist die Geschichte des Flirts“.

Von Alexandra Stanić, Illustrationen: Mariella Lehner

Margarete * denkt sich

nichts weiter dabei, als

sie die erste Nachricht

von Philipp Kochheim

erhält. Geburtstagswünsche

auf Facebook sind nichts Ungewöhnliches.

Deswegen reagiert sie auch,

bedankt sich. „Das war total süß (und

superprofessionell) von Dir, dass du an

deinem Geburtstag zur Probe gekommen

bist“, so Kochheim.

Er wird ihr von nun an regelmäßig

schreiben. Margarete wird antworten,

eine Zeit lang mitspielen. „Ich wollte höflich

bleiben, er ist immerhin mein Chef“,

erklärt Margarete. „Ich hatte Angst, dass

es negative Auswirkungen auf mich

haben könnte, wenn ich nicht auf seine

Nachrichten reagiere.“

Aber ihre Karriere ist Margarete sehr

wichtig. Von klein auf ist es Margaretes

größter Wunsch, auf der Bühne zu stehen.

Für diesen Traum nimmt sie viel in

Kauf: Seit sie vier Jahre alt ist, arbeitet

sie hart dafür. Sie übt täglich mehrere

Stunden, legt ein Studium ab und nimmt

kleine, oft schlecht bezahlte Jobs in

diesem Bereich an.

Alles, um erfolgreich zu sein und um

von ihrer Leidenschaft leben zu können.

Margarete möchte Künstlerin sein, auf

den ganz großen Bühnen stehen. Diesem

Traum kommt sie ein Stückchen näher,

als sie die Grazer Oper für ein Musical

anfragt. Dieser Job könnte ein Meilenstein

für sie sein, davon ist Margarete

überzeugt. Immerhin ist es die Grazer

Oper, das Stück „Ragtime“ spannend und

der Regisseur ist preisgekrönt, vor allem

deutschland- aber auch europaweit kein

Unbekannter.

„SEXUALISIERTER

MACHTMISSBRAUCH“

Philipp Kochheim ist sein Name. Der

47-Jährige ist ein in Hamburg geborener

Regisseur und Operndirektor. Seit 2017

ist er Intendant an der dänischen Nationaloper

„Den Jyske Opera“ in Aarhus.

Auf der Seite der dänischen Oper ist

er als „General Manager“ und „Artistic

Director“ vermerkt. Kochheim hat etliche

Aufführungen in Deutschland inszeniert

und drei Preise für seine Regiearbeit

erhalten. Vor seinem Wechsel an die

„Den Jyske Oper“ war er Direktor des

Staatstheaters in Braunschweig in

Deutschland.

Kochheim ist Gastregisseur an der

Grazer Oper. Formal und rein arbeitsrechtlich

gesehen ist er nicht Margaretes

Vorgesetzter. Auf künstlerischer Ebene

aber schon. Er bewertet die Leistung der

Künstler*innen, ist verantwortlich für

alles, was auf der Bühne passiert und

steht in direktem Kontakt zur Theaterleitung,

die ihm übergeordnet ist. „Ich kann

niemanden aus einer Produktion werfen,

aber wenn ich unzufrieden mit jemandem

bin, kann ich das mit der Intendantin

besprechen“, so Kochheim. Angestellt

ist Margarete bei der Grazer Oper.

Ob sie Musicaldarstellerin, Tänzerin,

Choristin oder Statistin ist, soll an

dieser Stelle nicht genannt werden. Auch

Margaretes Name wurde zu ihrem Schutz

geändert. Nur unter dieser Bedingung ist

die junge Frau bereit, offen zu sprechen.

biber hat ihre und drei weitere Facebook-

Unterhaltungen zwischen Kochheim und

jungen, ihm untergeordneten Frauen,

vorliegen. Darin gibt er den Frauen

Komplimente zu ihrem Körper, nennt sie

„süß“ oder „besonders“, schreibt ihnen

teilweise um zwei Uhr nachts.

Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin

Christine Bauer-Jelinek schätzt

Kochheims Nachrichten eindeutig als

„sexualisierten Machtmissbrauch“ ein.

Bauer-Jelinek berät das Parlament bei

der Implementierung einer Clearingstelle

bei sexueller Belästigung und Machtmissbrauch.

„Es ist immer dann ein Macht-

/ RAMBAZAMBA / 39


missbrauch, wenn ein hierarchisches

Arbeitsverhältnis vorliegt“, so Bauer-

Jelinek, „also wenn eine höher gestellte

Person zu einer abhängigen Person den

Kontakt sucht und das auf eine hartnäckige

Art und Weise.“

Logischerweise habe die abhängige

Person dann Angst, den Vorgesetzten

zurückzuweisen, weil sie

einen Nachteil fürchtet. „Es

passiert auch oft, dass die

Betroffenen dann schlechter

behandelt, nicht mehr

gegrüßt oder angesehen

werden“, so die Machtexpertin.

Kochheim selbst sieht

in diesen Nachrichten kein

Problem. „Facebook ist ein

anerkanntes Kommunikationsmittel“,

so der Regisseur.

Außerdem betont er: „Als

Privatperson ist es mir wohl erlaubt

mit so vielen Leuten zu flirten wie ich

möchte.“

Auch wenn Kochheim das Gegenteil

behauptet: Er vermischt in diesem Chat

Berufliches mit Privatem. Zuerst verschickt

er eine Nachricht, in der steht,

dass Margarete wunderschön ist. Direkt

darauf schreibt er ihr, dass er sie für

eine weitere Szene eingeteilt hat. Als sie

ihm ein anderes Mal antwortet, sie würde

gerne mehr proben, meint er: „Wirst du

bald. Alleine schon, damit ich dich wiedersehe“,

und hängt ein Emoji mit zwei

Herzen statt Augen dran.

„ICH WUSSTE NICHT,

WAS ICH TUN SOLL“

Als sich herumspricht, was für Dinge

Kochheim den Darsteller*innen schreibt,

beschließen manche von ihnen, hochgeschlossenere

Kleidung bei den Proben

zu tragen. Zu unangenehm sei ihnen die

Vorstellung, der Regisseur könnte sie

nicht mit professionellem Blick sondern

mit den Augen eines Mannes beobachten,

der Interesse an ihnen hat, erklären

zwei von ihnen. „Wenn ich auf die Bühne

gucke und versuche, eine Liebesszene

darzustellen, muss ich die Frau für die

schönste der Welt halten und den Mann

für den tollsten der Welt, sonst kann ich

keine Kunst machen“, so Kochheims

Erklärung.

Dass er bei den Proben Gefühle

auslösen soll, ist irgendwo schlüssig.

Aber wieso die Facebook-Chats?

Margarete ist irritiert und verunsichert

von seinen Worten. Kochheim nennt sie

„Schöne“, lädt sie zu sich nach Berlin ein

und schreibt ihr, dass er „mehr Interesse

an ihr hätte als an seiner Ex“. Diese

Nachricht erhält sie, während beide an

„Findest du es

eigentlich nett, auf

einmal nicht mehr

zu antworten?“

einer Feier an der Grazer Oper teilnehmen.

Sie flüchtet daraufhin ins Klo, bricht

in Tränen aus. „Mir ist das alles zu viel

geworden, ich wusste nicht, was ich tun

soll“, so Margarete. Sie reagiert nicht. Es

folgt eine weitere Nachricht von ihm, sie

brauche keine Angst vor ihm zu haben,

er sei sehr nett. Keine Reaktion. „Bist

du böse auf mich?“, folgt am nächsten

Tag. Margarete reagiert wieder nicht.

„Dann hat er angefangen, mich auf den

Proben zu ignorieren“, erinnert sie sich.

„Er hat mich wie Luft behandelt, als ich

ihn gegrüßt habe, hat er nicht einmal

reagiert.“

Ein paar Tage später meldet sich

Kochheim wieder bei Margarete, dieses

Mal vorwurfsvoll. „Findest du es

eigentlich nett, auf einmal nicht mehr

zu antworten?“ Nach dieser Message

entscheidet sie sich, ihn möglichst

freundlich in seine Schranken zu weisen.

Sie schreibt, sie dachte es sei besser

nicht zu antworten, ihr sei es in allererster

Linie wichtig, ein normales Arbeitsverhältnis

zu haben. Sie respektiere ihn

und seine Arbeit sehr, wolle ihn normal

grüßen können und Spaß an den Proben

haben. Das empfindet Kochheim als

„langweilig“, als Künstler sei man getrieben

von Neugier auf das Andere, das

Unbekannte. „Du weißt ja nicht einmal,

wer ich bin.“ Sie antwortet daraufhin,

dass sie ihn nur aus den Proben, als

Regisseur, kennt. „Schade, dass du

nicht mehr wissen willst“, antwortet er.

Machtexpertin Christine Bauer-Jelinek

stuft diese Nachricht als sehr manipulativ

formuliert ein: „Solche Dinge schreibt

man, um jemanden zu irritieren und zu

verunsichern.“

Auf die Frage, ob er sein Verhalten

nicht als höchst unangebracht empfindet,

reagiert der Regisseur

empört. Er ist der Meinung,

dass er nichts Unrechtmäßiges

getan habe, allenfalls

hat er sich ungeschickt verhalten.

Er betont, dass er in

den Chats eine Privatperson

war und dass seine durchaus

hartnäckigen Flirtversuche

mit diesen Frauen nicht

unangebracht waren. „Die

Geschichte meiner Profession

ist die Geschichte des

Flirts“, so Kochheim. „Und ja,

vielleicht war ich auch lästig. Wenn ich

eine Karriere gemacht habe, dann, weil

ich resistent war.“

Margarete ist wütend. Auch auf sich,

weil sie auf seine Flirts eingestiegen

ist - aus Angst vor Konsequenzen. „Es

braucht wirklich viel Mut, darüber zu

sprechen“, fasst sie zusammen. „Aber

ich möchte von meiner Stimme Gebrauch

machen und erzählen, was passiert

ist. Vielleicht bleiben so andere Frauen

verschont von sexueller Belästigung und

er versteht, dass es nicht richtig ist, was

er da macht.“

DER BELEIDIGTE

REGISSEUR

Margarete ist nicht die einzige aus dem

Musical, der Kochheim schreibt. Auch

Julia* möchte anonym bleiben, aus

Angst, sonst keine Jobs mehr zu bekommen.

„Außerdem will ich der Grazer Oper

keine Schwierigkeiten bereiten, weil

ich sehr gerne hier arbeite“, erklärt sie.

„Aber es ist mir wichtig, darüber zu sprechen,

dass Kochheim seine Position als

Regisseur missbrauchen wollte.“ Sowohl

sie als auch Margarete betonen, dass

sie das Arbeitsklima an der Oper sehr

mögen. Margarete nickt und fügt hinzu:

„Gerade weil ich so gerne hier arbeite,

möchte ich über diese Nachrichten sprechen.“

Mitte Dezember warnt Margarete

Julia vor, dass Kochheim ihr geschrieben

hat und womöglich auch sie kontaktie-

40 / RAMBAZAMBA /


en könnte. „Am gleichen Tag hat er mir

dann auch wirklich geschrieben“, so

Julia. Sie entscheidet sich dafür, nicht zu

reagieren. Nach zwei weiteren Nachrichten

innerhalb weniger Tage meldet

er sich erneut. Er hätte Produktionen, zu

denen Julia gut passen würde, aber da

sie keinen Kontakt mit ihm wolle, schätze

sie ihn und seine Arbeit anscheinend

nicht.

Ob er beleidigt war, dass Julia nicht

geantwortet hat? „Ja, aber hallo“,

bejaht Kochheim. „Ich bin ein emotionaler

Mensch. Wenn man Theater

macht, muss man 50 Menschen über

die Bühne lenken und in denen Energie

erzeugen. Dass man sich da vergaloppiert,

da würde ich Ihnen sofort zustimmen.“

Aber, betont er, Julia hätte keine

Sanktionen davon getragen. „Ganz im

Gegenteil, ich habe mit ihr gesprochen

und ihr gesagt, dass es um einen Job

geht“, erklärt Kochheim. Auf die Frage,

warum diese Unterhaltung erst so spät

passiert ist, erklärt er zuerst: „Weil ich zu

dem Zeitpunkt gehört hatte, dass es da

eine Missstimmung gab und mir wichtig

war, dass sie nicht dachte, ich wollte

sie anflirten und es da wirklich um eine

berufliche Anfrage ging.“ Später wird

er während des einstündigen Telefonats

sagen, dass er erst nachdem er ihr

den Job angeboten hatte, Wind davon

bekommen hätte, dass es da eine Diskussion

rund um ihn gab.

„I LOVE YOUR LEGS“

Auch Sophie* ist zuerst ängstlich.

Anfangs wollte sie ihre Chatverläufe

nicht verschicken. Die 19-Jährige hatte

eigentlich nicht viel mit Kochheim zu tun,

wie sie erklärt - bis er ihr auf Facebook

schreibt. Er spricht da von „sehnsüchtigen“

Blicken, gibt auch ihr Kosenamen

und macht ihr Komplimente zu

ihrem Körper. Auf die Frage, ob es nicht

unpassend wäre, Mitarbeiter*innen, die

ihm untergeordnet sind, Kosenamen zu

geben, erklärt Kochheim in aller Selbstverständlichkeit:

„Das mache ich mit

jeder Frau.“ Ein anderes Mal schreibt

er Sophie, er würde versuchen, „sie

heimlich irgendwo abzupassen“, weil es

schöner sei, alleine mit ihr zu sprechen

und damit der Cast nicht zuhört. „Seine

Nachrichten waren mir sehr unangenehm“,

so Sophie. „Aber ich habe nichts

/ RAMBAZAMBA / 41


gesagt, weil ich keine Probleme bereiten

wollte und weil ich Angst hatte, ihn würde

dann mehr an meiner Arbeit stören.“

Beschäftigt habe sie die Situation sehr,

vor allem die Message mit dem „heimlich

abpassen“, die habe sie erschrocken.

„Ich habe mit meinen Eltern und mit

meinem Freund darüber geredet und

alle waren schockiert.“ Ein anderes Mal

schreibt er ihr: „I love your legs.“

Sophie versucht, ein persönliches

Gespräch mit ihm zu arrangieren,

das dann aber doch

nicht zustande gekommen

ist. „Ich wollte ihm ins

Gesicht sagen, dass ich sein

Verhalten unpassend empfinde

und dachte, das wäre

persönlich besser, weil er es

dann vielleicht nicht falsch

auffasst.“

Auf Anfrage erklärt die

Grazer Oper: „Wo Menschen

auf engem Raum intensiv

miteinander arbeiten, kann

es naturgemäß zu Überschreitungen

persönlicher Grenzen kommen.

Im Theaterbetrieb entstehen durch

die inszenierte Darstellung von extremen

Lebenssituationen in manchmal

überzeichneten Kostümen und unter oft

hoher emotionaler Beteiligung der Künstler

immer wieder Situationen, die Möglichkeiten

zu sexueller Belästigung bieten

können.“ Es gäbe die Möglichkeiten,

mit Vorgesetzten, Betriebsrät*innen,

dem Betriebsarzt, der Beauftragten für

betriebliche Gesundheitsförderung oder

externen Psycholog*innen zu sprechen.

Intendantin Nora Schmid selbst betont,

sie hätte die Protokolle nicht vorliegen

und: „Facebook ist ein privater Kanal.“

Zudem erklärt sie, sie hätten erst von der

Situation erfahren, als Kochheim schon

weg war. Laut Margarete war der Ablauf

anders: „Mit der Regie-Assistentin habe

ich am 4.1. persönlich gesprochen und

ihr von den Nachrichten erzählt. Meinem

Abteilungsleiter habe ich am 7.1. eine

E-Mail mit allen Schilderungen geschrieben.

Bei der Premierenfeier am 13.1.

habe ich mich mit einem der Betriebsräte

darüber unterhalten, am 15.1. habe ich

dem Betriebsrat noch einmal alles per

Mail verschickt.“ Kochheim ist am 15.1.

aus Graz abgereist.

Die Intendantin gibt gegenüber

biber bekannt, es sei schwer, über die

nächsten Schritte zu sprechen. „Ist es

ein Festangestellter, dann muss ich

sofort handeln, weil der oder die jeden

Tag im Haus ist. Herr Kochheim ist ja

in Dänemark. Der ist ja gar nicht mehr

hier“, so Nora Schmid. „Sollten sich die

Schilderungen meiner Einschätzung nach

bewahrheiten, so werde ich sicherlich

noch einmal das Gespräch suchen und

meinen Standpunkt klarmachen.“

„Die Geschichte

meiner Profession

ist die Geschichte

des Flirts“

Am 15.1. erklärt einer der Betriebsräte

Margarete in einer Mail, die der

Redaktion vorliegt: „Er (Anm. der Red.:

Kochheim) hat vieles zweideutig gedeutet,

doch im Ganzen gelesen, wird klar,

wohin es hinauslaufen sollte.“ Weiters:

„Du hast richtig reagiert. Wenn die

anderen Kolleginnen auch so einen

schriftlichen SMS-Verkehr haben, wird es

schwer für ihn, hier wieder eine Produktion

zu machen.“ Die Juristin bei der

Gleichbehandlungsanwaltschaft, Sandra

Konstatzky, erklärt die rechtliche Lage:

„Im Arbeitsverhältnis ist der Arbeitgeber

gemäß der Fürsorgepflicht zu Abhilfemaßnahmen

gegen sexuelle Belästigungen

angehalten, auch bei verbalen

sexuellen Belästigungen. Das kann auch

bei arbeitnehmerInnenähnlichen Arbeitsverhältnissen

eingefordert werden.“

Nach der Online-Veröffentlichung

dieses Artikels am 23. Jänner 2018 gibt

Nora Schmid gegenüber der „Kleinen

Zeitung“ bekannt, Kochheim werde nicht

mehr an der Grazer Oper inszenieren:

„Es wird kein Folge-Engagement für

Kochheim an unserem Haus geben.“

Auch der ORF Steiermark berichtet über

den Fall, die Grazer Frauenstadträtin Tina

Wirnsberger kontaktiert biber und bietet

den jungen Frauen Unterstützung an.

Ursprünglich suchte auch eine vierte

Frau den Kontakt, schickte alle Protokolle

und wollte über Kochheim sprechen. In

letzter Sekunde sagte sie das Treffen ab,

wollte nicht, dass die von ihr geteilten

Gespräche veröffentlicht werden. Sie

sei froh, dass er sie und die anderen

Frauen nicht mehr belästigt. Aus ihren

Nachrichten geht hervor, dass sie Angst

vor der Reaktion der Öffentlichkeit hat.

Sie möchte die ganze Sache einfach

hinter sich lassen, schreibt

sie zuletzt. „Leider besteht

immer noch die berechtigte

Sorge von Frauen, dass eine

Täter/Opfer-Umkehr stattfindet“,

weiß auch Juristin

Konstatzky. „Frauen sind

oft mit Belästigungen von

‚mächtigen‘ Männern konfrontiert

und fürchten, dass

sie in der Branche nicht mehr

Fuß fassen können.“

Philipp Kochheim selbst

empfindet sein Verhalten

auch am Ende des

Gesprächs nicht als unangebracht und

unprofessionell. „Unprofessionell hieße,

dass es außerhalb dessen ist, was in

jeder Produktion passiert. Ich garantiere

Ihnen - und ich bin jetzt 20 Jahre beim

Theater - das passiert in jeder Produktion“,

so Kochheim. „Es wird überall geflirtet

und noch viel mehr und viel weniger

harmlos als diese Komplimente, die ich

da gegeben habe.“ ●

Dieser Artikel ist am 23. Jänner 2018 auf

www.dasbiber.at erschienen

42 / RAMBAZAMBA /


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44 / RAMBAZAMBA /


Selbstliebe ist nicht

nur ein Internet-

Trend. Das zeigen

drei Frauen, die

unterschiedlicher

nicht sein könnten

und doch eines

gemeinsam haben:

Sie lieben sich

selbst – gerade weil

sie nicht der Norm

entsprechen.

Text und Fotos: Alexandra Stanić

Uns Frauen wird von klein

auf viel beigebracht,

unter anderem, dass wir

bloß nicht aus der Reihe

tanzen, bloß nicht auffallen sollen.

Wer anders ist, muss mit komischen

Blicken rechnen. Gut genug ist frau

nur dann, wenn sie der gesellschaftlichen

Norm entspricht und aussieht,

wie die Frauen in der Werbung oder

die Bloggerin von nebenan. Wenn es

ihr wichtig ist, was andere, oft Männer,

von ihr halten. Wenn sie sich

selbst über ihr Aussehen definiert.

Wenn sie Dinge macht, die man von

ihr erwartet und jene sein lässt, die

man ihr ohnehin nicht zutraut. Biber

hat sich mit drei Frauen unterhalten,

die sich selbst nehmen, wie sie sind.

Ganz unabhängig davon, was ihnen

die Gesellschaft suggeriert.

BIANCA SCHÖNHOFER (24)


In der Welt der

Gehörlosen fühle ich

mich mehr wie ich

selbst.


„Mich selbst zu lieben ist wie ein Protest

gegenüber der Gesellschaft, die

mir oft etwas anderes vermitteln wollte.

Dadurch, dass ich Vitiligo habe, ist

auf den ersten Blick ersichtlich, dass

ich anders bin. In der Schule habe ich

nicht wirklich Anschluss gefunden,

man hat mich ‚Milkakuh’ genannt und

mich wegen meiner Hauterkrankung

komisch angesehen. Ich hatte in dieser

Phase viel Zeit, mich selbst lieben

zu lernen und mich so zu akzeptieren,

wie ich bin. Was man - anders als meine

Haut - nicht sofort erkennt: Ich bin

hörbehindert. Auf meinem linken Ohr

höre ich gar nichts mehr, auf der rechten

Seite langsam, aber sicher auch

immer weniger. Die Ärzte meinen, die

Chancen stehen hoch, dass ich mein

Gehör vollständig verliere. Wenn du

mit so etwas konfrontiert wirst, setzt

du dich noch intensiver mit deinem

Leben auseinander. Ich habe die

Umstände akzeptiert und bin über sie

hinausgewachsen. Und um ehrlich zu

sein: In der Welt der Gehörlosen fühle

ich mich mehr wie ich selbst. Dort

werde ich nicht ausgeschlossen und

meine Anwesenheit ist niemandem

unangenehm. Wirklich repräsentiert

fühle ich mich von der Mehrheitsgesellschaft

nicht, deswegen habe ich

vor ein paar Jahren angefangen, mich

selbst zu fotografieren. Diese Selbstportraits

waren eine Art Therapie für

mich. Mit jedem Foto bin ich selbstbewusster

geworden. Ich poste diese

Fotos auch auf Instagram, um anderen

zu zeigen, dass sie sich selbst lieben

sollen und dass sie gut genug sind–

ganz egal wie sie aussehen oder ob

jemand etwas anderes behauptet.

Mittlerweile sind mir die Menschen

egal, die meinen, ich müsse irgendetwas

an mir verändern. Wieso sollte

ich das tun? Ich finde mich ehrlich

gesagt sehr cool, so wie ich bin.“

/ RAMBAZAMBA / 45


DARMINA JAŠAREVIĆ (29)


Ich möchte kein Teil der

Leistungsgesellschaft sein.


Vor zwei Jahren habe ich mir meinen

größten Wunsch erfüllt: Ich bin auf

eine tropische Insel gezogen. Seither

schlürfe ich auf den Seychellen

Kokosnüsse, genieße die schönsten

Strände der Welt und führe ein minimalistisches

Leben. Wien hat mich

nur alle paar Monate, wenn ich meine

Familie und vor allem meine kleine

Schwester besuche. Nach ein paar

Wochen reicht mir das Wetter und der

schnelllebige Alltag hier aber auch

schon. Natürlich war das Auswandern

ein großer Schritt und es gab viele,

die meine Entscheidung nicht nachvollziehen

konnten. Immerhin habe

ich meine Wohnung aufgegeben, auf

einen sicheren Job und damit auch

auf ein regelmäßiges Einkommen

verzichtet und bin ans andere Ende

der Welt gezogen. Aber ich habe mich

für mich selbst und für ein Leben

entschieden, das meinen Ansprüchen

gerecht wird. Ich liebe mich

selbst so sehr, dass ich das tue, was

mich glücklich macht. Dass ich mein

Dasein nicht für Jahrzehnte der Arbeit

widme, nur um dann müde in Pension

zu gehen: Das irritiert manche. Und

natürlich bin ich von Zeit zu Zeit auch

mit Vorurteilen konfrontiert, wie etwa,

dass ich nur auf der faulen Haut liege.

Aber ich habe vor meiner Auswanderung

all mein Geld angespart und

arbeite hier ein paar Stunden pro

Woche als Aushilfe in einem Bed &

Breakfast. Ich brauche nicht viel und

schon gar nicht viel Geld oder Materielles.

Ich entspreche nicht der Norm,

falle mit meinem Lebensstil aus dem

Muster. Dafür habe ich mich ganz

bewusst entschieden. Ich möchte kein

Teil der Leistungsgesellschaft sein.

Ich möchte die Welt bereisen, viele

Orte mein Zuhause nennen dürfen und

vor allem eins: Jeden Tag in vollen

Zügen genießen.

46 / RAMBAZAMBA /


MAGDALENA BERGER (22)


Ich will Witze schreiben.


Im ersten Moment klingt das für viele

wohl wie ein absurder Berufswunsch.

Vor ein paar Jahren hätte ich wohl

auch komisch geguckt, hätte das

jemand als Traumjob genannt. Aber

ich möchte das wirklich gerne machen

und ich traue es mir auch zu. Das war

aber nicht immer so. Dass Frauen

grundsätzlich mal nicht so als lustig

wie Männer empfunden werden,

ist ja nichts Neues. Studien haben

gezeigt, dass sich sowohl Männer als

auch Frauen einen Partner mit Humor

wünschen. Männer, weil sie jemanden

möchten, der über ihre Witze lacht.

Frauen, weil sie jemanden möchten,

der sie zum Lachen bringt. Auch in

Freundeskreisen habe ich beobachtet,

dass viel mehr über die Pointen von

Männern gelacht wird. Ich habe mich

wirklich intensiv damit beschäftigt

und verstanden, dass Lacher oft nicht

nur etwas mit dem Scherz an sich zu

tun haben, sondern damit, ob eine

Frau oder ein Mann diesen Scherz

reißt. Ich kann also gut nachvollziehen,

warum die meisten Frauen gar

nicht erst auf die Idee kommen, in

diese Branche einzusteigen, aber ich

finde es wirklich schade. Für mich

bedeutet Selbstliebe also, sich Dinge

zuzutrauen, die dir die Gesellschaft

nicht zutraut. Aber unter Selbstliebe

verstehe ich auch zu akzeptieren,

dass ich mich nicht die ganze Zeit lieben

kann und muss. Diese neoliberale

Einstellung, alles würde nur an einem

selbst liegen und alles passiert im

Kopf, geht mir ehrlich gesagt ziemlich

auf die Nerven. Man muss ja auch gar

nicht alles an sich mögen, das bedeutet

nicht, dass ich mich alles in Allem

nicht ziemlich ok finde.“

/ RAMBAZAMBA / 47


KARRIERE & KOHLE

Studieren statt Saunieren

Von Andrea Grman

MEINUNG

Immer noch

keinen Plan

Kennst du dieses Gefühl? Du sitzt in einer

Prüfung, starrst auf dein Blatt und weißt

einfach nichts. Du verstehst nicht mal die

Fragen. Als hättest du die letzten zwei

Wochen umsonst gelernt. Zehn Minuten

vor Ende kommt die Ansage „Bitte tragen

Sie Ihre Antworten in den Antwortbogen

ein.“ Du überdenkst nochmal alles, was

du bisher angekreuzt hast, streichst die

Hälfte durch, zweifelst an deiner Existenz

und vergisst deinen Vornamen. Am Ende

gehst du raus und kommst drauf, du bist

in der falschen Prüfung gesessen.

Mindestens genauso planlos fühlt sich

mein Leben gerade an. Jetzt bin ich also

25 und mitten im Berufsleben. Aber so

ganz weiß ich immer noch nicht, was

ich mit mir anfangen soll. Studentenrabatt

bekomme ich auch keinen mehr.

Das Beste aus beiden Welten. Hier ist

sie: meine Quarter Life Crisis. Hin- und

hergerissen zwischen sozialer Verantwortung,

persönlicher Weiterentwicklung

und gesellschaftlichem Druck ändere

ich meine Zukunftspläne öfter als meine

Unterwäsche. Und dann kommt auch

noch Opa daher mit „Fünf Jahre hast du

ja noch bis zum ersten Kind.“ Danke Opa!

Dann weiß ich immerhin schon, was ich

in fünf Jahren mache.

grman@dasbiber.at

Du hast ab April einen

Kommunikationskurs

speziell für Frauen.

Gibt es einen Unterschied

zwischen

weiblicher und

männlicher Kommunikation?

So allgemein kann

ich das nicht sagen,

das ist von Person zu

Person unterschiedlich.

Doch besonders

auf beruflicher Ebene

konnte ich feststellen,

dass Männer eher

direkt kommunizieren.

Viele Frauen benutzen

Füllwörter. Das wirkt

bittstellerisch und

lässt sie weniger kompetent

wirken.

Was kann ich tun,

wenn ich das Gefühl habe, von

meinem Vorgesetzten nicht ernst

genommen oder ungerecht behandelt

zu werden?

Mentoring

für starke

Frauen

Der VWFI startet heuer

wieder mit dem MiA-

Mentoringprogramm – für

alle Frauen mit Migrationshintergrund

zwischen

20 und 25 Jahren. Dabei

wirst du ein Jahr lang von

einer Patin aus dem MiA-

Netzwerk begleitet. Infos

unter vwfi.at. Fragen an

Adriana Davidovic –

a.davidovic@vwfi.at

3

FRAGEN AN:

Saskia Höfer

Geschäftsführerin von LeitSatz

Mehr als reden

Zunächst hilft es,

mich selbst aus der

Situation rauszunehmen

und mich

in mein Gegenüber

hineinzuversetzen.

Wie hätte ich in seiner

Situation reagiert? Hat

er womöglich Recht?

Dann kann ich das

Problem viel konkreter

und sachlicher

ansprechen.

Bin ich erfolgreicher,

wenn ich gut kommunizieren

kann?

Für mich bedeutet

„gut kommunizieren“,

eine Nachricht

effizient zu vermitteln,

sodass sie relevant für

mein Gegenüber wird.

Wenn ich meine Message

gut rüberbringe, dann bin ich in

der Regel auch erfolgreich.

Das ganze Interview findest du auf

dasbiber.at

Motivations-Tipp

WORK-FLOW

Routine ist langweilig? Ganz

und gar nicht. Die richtigen

Gewohnheiten helfen dir,

produktiver zu sein. Sie funktionieren

unabhängig von deiner

Motivation und brauchen nicht

deine Willenskraft auf – wenn

sie erstmal etabliert sind.

FOMO (fear of missing out)?!

Nicht mit uns! Diesen VHS-Kurs solltest

du im April auf keinen Fall verpassen: im

„Wordpress Grundkurs" lernst du, wie du

deine eigene Website erstellst und so zum

Beispiel als professionelle/r Blogger/in

richtig durchstartest. Wir finden: die perfekte

Chance, um dein Hobby zum Beruf zu

machen.

Marko Mestrović, Adrian Almasan

48 / KARRIERE /


Bist Du

unser nächster

„top selling bread

consultant“ ?

Dann bewirb Dich direkt in einer unserER Filialen

oder unter www.felberbrot.at/bewerbung

Du hast Spaß am Backen, bist kommunikativ und kundenfreundlich, stehst

gerne früh auf und meisterst schwierigere Situationen mit einem Lächeln

im Gesicht? Dann bist Du bei uns richtig!

Wir bieten Dir einen verantwortungsvollen, spannenden und abwechslungsreichen

Job im Verkauf in einem wachsenden und dynamischen

Familien-Unternehmen.

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DIE

NEUSTARTERINNEN

Studium abbrechen, Branche wechseln. Was wie der Alptraum für viele Eltern

klingt, war für diese Neustarter die beste Entscheidung ihres Lebens.

Von Nada El-Azar, Nikolina Knezević, Lea Bacher, Fotos: Julia Peternell

Über den

Schatten

springen

Name: Noa Gluttig

Alter: 22

Wechsel: Slawistik (Uni

Wien) ↔ Soziale Arbeit

(FH Campus)

BIBER: Was hast du früher studiert?

NOA GLUTTIG: Ich habe Russisch im

Bachelorstudium Slawistik studiert.

Warum hast du aufgehört?

Ich merkte während des Studiums, dass

mich immer weniger Lehrinhalte interessierten,

wollte aber „durchbeißen“ und

mich und meine Eltern nicht durch einen

Studienabbruch enttäuschen. Im Laufe

des vierten Semesters verfiel ich in eine

Krise. Diese Zeit half mir, meine Prioritäten

neu zu ordnen.

Was machst du jetzt?

Heute studiere ich Soziale Arbeit auf der

FH Campus Wien. Nebenbei arbeite ich

bei der Caritas in einer Organisation für

Kinder mit Behinderungen.

Was gefällt dir daran besser?

Mit dem neuen Studium habe ich eindeutig

das gefunden, was mich begeistert.

Das Studium verbindet Praxis, Theorie

und Reflexion miteinander – eine gute

Vorbereitung auf das spätere Arbeitsleben.

An der Arbeit bei und mit dem

Menschen finde ich Freude und Bereicherung.

Es ist die beste Entscheidung,

die ich bis jetzt getroffen habe.

Was hast du aus deiner Entscheidung

gelernt?

Der Studienwechsel gehört gut überlegt,

aber man soll sich nicht den Kopf

zerbrechen. Jedenfalls lohnt es sich am

Ende, dorthin zu wechseln, wo man sich

wohler fühlt. Der Studienwechsel ist für

niemanden leicht. Ich habe gelernt, dass

es sich lohnt, auch mal über den eigenen

Schatten zu springen!

50 / KARRIERE /


Weltreise

als Karrieresprung

BIBER: Was hast du früher gemacht?

CHRISTINA STRASSER: Ich war Assistentin

der Geschäftsführung und Office

Managerin.

Warum hast du das nicht weiterverfolgt?

Nach meiner Weltreise habe ich mir

einen „9-to-5-Job“ nicht mehr vorstellen

können. Er war mir zu eintönig. Oftmals

ist es so, dass man in einer großen Firma

seine Ideen und Kreativität nicht einbringen

kann. Man ist einfach eine Zahl in

einem riesigen Unternehmen und wird

oft auch so behandelt.

Was machst du jetzt?

Jetzt bin ich Reiseautorin, Speakerin und

Veränderungstrainerin. Ich habe mich im

August 2017 selbstständig gemacht und

bin auf Vortragstour. Da geht es um meine

einjährige Weltreise, über diese habe

ich jetzt auch mein erstes Buch „Ein

Jahr Weltreise. Das mutigste Abenteuer

meines Lebens“ veröffentlicht.

Was gefällt dir daran besser?

Ich habe sozusagen „mein Ding“ kreiert.

Ich habe keine Position zugeschrieben

bekommen, sondern habe das daraus

gemacht, was ich wollte. Ich kann kreativ

sein und durch die Selbstständigkeit

merkt man, dass viele Ideen entstehen

und sich neue Sachen ergeben.

Was hast du aus deiner Entscheidung

gelernt?

Den Mut zu haben, es zu versuchen!

Mein Tipp: Immer positive Gedanken

haben und sich von Energiesaugern

lösen.

Name: Christina Strasser

Alter: 30

Wechsel: Bürojob ↔

Selbstständig (Reiseautorin,

Speakerin,

Veränderungstrainerin)

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• AHS-Matura

• Berufsreifeprüfung

• Studienberechtigungsprüfung

• Sprachkurse, Latinum

• Fernunterricht

(Beginn jederzeit)

Beginn: Frühjahr & Herbst

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Der Menschenaufschneider

BIBER: Was hast du früher studiert?

KARIM EL-AZAR: Ich habe Pharmazie

studiert.

Warum hast du aufgehört?

Nach fünf Semestern Pharmazie habe ich

gemerkt, dass sich der ganze Aufwand

im Studium für den späteren Job nicht

lohnt. Daher habe ich an die FH Technikum

ins Fach „Wirtschaftsinformatik“

gewechselt. Von Freunden und Familie

habe ich immer gehört, wie gut ich doch

mit Computern sei. Das hat sich im Studium

anders erwiesen. Trotzdem habe

ich „durchgebissen“ und meinen BSc

(Bachelor of Science) erhalten.

Was machst du jetzt?

Jetzt studiere ich Humanmedizin an der

MedUni Innsbruck. Ich schneide lieber

einen Menschen auf und sehe wie er

funktioniert, als vor einem Computer

zu sitzen. Dafür bin ich sogar von Wien

weggezogen.

Was gefällt dir daran besser?

Ich werde auf jeden Fall Arzt! (lacht)

Für ein bestimmtes Fach habe ich mich

noch nicht entschieden, fünf Jahre habe

ich noch Zeit. Zum Lernen ist die Stadt

optimal, weil man nicht so viel Ablenkung

hat.

Was hast du aus deiner Entscheidung

gelernt?

Niemals von anderen sagen lassen,

wo deine Talente liegen und was man

studieren soll! Je früher man im Leben

draufkommt, was man will, desto besser.

Aber auch wenn es länger dauert und

man erst mehrere Anläufe braucht, ist es

in Ordnung.

Name: Karim El-Azar

Alter: 29

Wechsel: Pharmazie →

Wirtschaftsinformatik

(FH Technikum) →

Humanmedizin

Gesunder

Wechsel

BIBER: Was hast du früher

studiert?

ISABELLA CERNY: Nach

meiner Matura hab ich

einen Weg eingeschlagen,

den viele damals gegangen

sind - ab auf die Uni!

Ich musste bald feststellen,

dass das Studium der Sprachwissenschaften

nichts für mich war.

Warum hast du das nicht weiter verfolgt?

Ich habe andauernd nach einem Schnittpunkt

zwischen meinem Studium und

meinem Leben gesucht. Als ich gemerkt

hab, dass ich den nicht finden werde,

habe ich mich entschieden, etwas zu

machen, das näher an der Praxis liegt.

Was machst du jetzt?

Ich habe mich für die Ausbildung zur

diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin

entschieden, welche ich

bald abschließen werde, um dann als

52 / KARRIERE /


diplomierte Pflegeperson – in Spitälern

oder wo auch immer es mich hin verschlägt

– zu arbeiten. Für Menschen und

Krankheiten habe ich mich schon immer

interessiert, aber dass die Pflege wirklich

etwas für mich ist, hat sich im Laufe der

Ausbildung gezeigt.

Was gefällt dir daran besser?

Einerseits gefällt mir, dass ich etwas tue,

was einen Mehrwert für die Gesellschaft

hat. Ich arbeite ganz nah am Menschen,

bin ständig in Bewegung, und am Ende

des Tages habe ich bestenfalls etwas

zum Positiven bewegt. Auf der anderen

Seite ist da der Austausch mit anderen

Berufsgruppen im Gesundheitswesen:

Medizinerinnen und Medizinern, Therapeutinnen

und Therapeuten, dem

Medizinisch-Technischen Dienst, um nur

ein paar zu nennen. Man kann so viel lernen,

trifft auf immer wieder spannende

Fälle und Persönlichkeiten und erweitert

laufend seinen Horizont.

Was hast du aus deiner Entscheidung

gelernt?

Höre auf dein Bauchgefühl!

Name: Isabella Cerny

Alter: 21

Wechsel: Sprachwissenschaft

(Uni Wien) → Wiener Krankenanstaltenverbund

w w w . b e s t i n f o . a t

2018

1. bis 4. März

Wiener Stadthalle

9 bis 18 Uhr, 4. März bis 17 Uhr

Eintritt frei

D i e g r o ß e B i l d u n g s m e s s e

www.facebook.com/bestinfo.at

www.twitter.com/bestinfo_at

BMBWF

/ MIT SCHARF / 53


Der Biber-BeSt³-K

Auf der größten Berufsmesse

Österreichs – BeSt³ – dreht sich

alles um Studium, Jobs und

Weiterbildung. Biber hilft dir, deinen

Traumjob zu finden. Folgende

Veranstaltungen darfst du dir auf

keinen Fall entgehen lassen!

DONNERSTAG,

01. MÄRZ 2018

10:00

Lehre nach der Matura –

Möglichkeiten und Chancen

Für alle, die eine Lehre beginnen

möchten, ist hier ein interessanter

Vortrag mit allen Basics. Lehre kann

nämlich viel mehr sein als eine Alternative

zum Studieren!

Vortragssaal 3

12:40

AMS Bewerbungsshow

Wer wissen will, wie man sich richtig

bewirbt und gleichzeitig ein bisschen

lachen will, sollte die AMS Bewerbungsshow

sehen. SchauspielerInnen

zeigen dir, was alles schief laufen

kann.

Vortragssaal 1

FREITAG,

02. MÄRZ 2018

10:00

Was macht ein/e Journalist/in?

Biber-Onlinechefin und Akademieleiterin

Alexandra Stanić über den Arbeitsalltag

in den Medien. Besuche uns!

Vortragssaal 3

14:00

„Matura, was jetzt?“

Wie man nach der Matura erfolgreich

ins Berufsleben eintritt, erfährt man bei

diesem Vortrag.

Vortragssaal 1

SAMSTAG,

03. MÄRZ 2018

Halbzeit bei der BeSt³! Wer

noch nicht vorbeigeschaut

hat, sollte das jetzt machen!

Hier weitere Vorschläge:

10:40

Die Ersten in ihrer Familie,

die an die Uni gehen

Nicht selten gibt es im

migrantischen Milieu Menschen,

die als erste aus

ihrer Familie eine Universität

besuchen. Bei diesem Vortrag

erzählen First Generation

Students von ihren

Erfahrungen.

Vortragssaal 2

Dürfen wir vorstellen →

Master of Arts Nikolina Knežević. Die

27-Jährige gehört zur First-Student-

Generation, also jene Menschen, die

im Gegensatz zu ihren Eltern, eine

akademische Laufbahn eingeschlagen

haben. Nikolina kam 93 zusammen mit

ihrer Mutter und Schwester aus Banja

Luka nach Österreich. „Ich werde niemals

die Tränen in den Augen meiner

Mutter bei der Sponsion vergessen“,

erinnert sie sich.

11:20

Technik-Studium ohne HTL – kann

ich das schaffen?

MINT-Studien (Mathematik, Informatik,

Naturwissenschaften und Technik)

sind in aller Munde. Hier bekommst du

Tipps, wie du ein technisches Studium

meisterst, wenn du an einer AHS oder

nicht technischen BHS maturiert hast.

Vortragssaal 3

Best, Julia Peternell

54 / KARRIERE /


ompass

Neuer

Gesundheits-

Bachelor-

Studiengang:

& Krankenpfl ege

Bezahlte Anzeige

Bewirb dich jetzt!

Neues Studium mit Zukunft – der neue Bachelor-Studiengang Gesundheits-

und Krankenpfl ege befasst sich mit der professionellen Pfl ege

von Menschen aller Altersstufen. Angehende Gesundheitsprofi s

tragen wesentlich zur Gesundherhaltung bei. Bewirb dich jetzt und

werde Gesundheitsprofi !

Bewerbungszeit:

1. Jänner – 31. März 2018

www.fh-gesundheitsberufe.at

SONNTAG,

04. MÄRZ 2018

Letzter Tag der größten Berufs-und Studienmesse

Österreichs –letzte Chance!

14:00

Aufnahmeprüfungen im Vergleich

Dieser Vortrag gibt eine Übersicht verschiedener Aufnahmeverfahren

in Österreichs Bildungsinstitutionen.

Ort: Vortragssaal 2

14:30

Kommen wir ins Gespräch!

Das Sprachenzentrum der Uni Wien informiert über

ihr reiches Angebot an Sprachkursen. Auch IELTSund

Cambridgeprüfungen gehören dazu!

Vortragsaal Uni Wien

Dein Ferienjob

Wohne für einige Wochen mit anderen Studierenden

in einer Ferienwohung zusammen und sei im Team

mit Ihnen für große Hilfsorganisationen wie das

Rote Kreuz und die gute Sache unterwegs.

Du wirst nicht nur gut verdienen, du wirst auch viel

lernen - fürs Studium, für den Beruf und fürs Leben!

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Selbermacherin

Die Besser-Wisserin

Ana Barros hat ihr Hobby

zum Beruf gemacht.

Gemeinsam mit einem

Freund gründete sie die

Social Media Agentur

Better. Über Bauchgefühle

und Identität im Netz.

Von Nada El-Azar, Foto: Julia Peternell

Ana Barros begrüßt uns in ihrem neuen Büro im ersten

Wiener Gemeindebezirk. Eingelebt haben sich sie

und ihre Kolleginnen und Kollegen von Better in den

drei Monaten, die sie hier sind, noch nicht. Überall stehen

noch unausgepackte Kartons. Ana ist Co-Founderin und

Creative Director der Social Media Agentur. Aber was kann

man sich darunter vorstellen? „Wir helfen Firmen dabei, ihre

Markenidentität zu finden und diese auf diversen Social Media

Plattformen zu präsentieren“, so die gebürtige Portugiesin.

Diese Aufgabe, mit der früher in Firmen oftmals Praktikantinnen

und Praktikanten betraut wurden, ist mittlerweile ein eigener

Marketingzweig und ein gewinnbringendes Geschäft. Ana ist

Instagrammerin der ersten Stunde. „2010 war Insta noch nicht

so präsent in Österreich. Meine Community wuchs daher sehr

schnell.“ Heute nutzt sie Social Media, um Trends frühzeitig zu

erkennen. Damit holt sie sich wertvollen Input für ihre Arbeit.

56 / KARRIERE /


WIE ALLES BEGANN

Eigentlich ist die 32-Jährige studierte Architektin und reiste für

Projekte durch ganz Europa. „Als mobile Architektin brauchte

ich irgendwo einen Tisch zum Arbeiten“, erzählt sie. Im Impact

Hub bekam sie einen Schreibtisch – im Gegenzug generierte

sie Inhalte für die Social Media-Seiten des Wiener Co-Working

Spaces. Zusammen mit Kai Wichmann entdeckte sie die

Geschäftsidee dahinter. „Wir sind draufgekommen, dass sehr

viele Firmen auf der Suche nach einem solchen Service sind.“

Längst sind soziale Netzwerke ein Marketingtool geworden, mit

dem sich viel Geld verdienen lässt. Better geht eine „Beziehung“

mit den Kunden ein, sagt Ana, und arbeitet mit Projektmanagern,

Textern, Grafikern und Strategikern an Inhalten, die

für maximale Präsenz im Netz sorgen.

INTUITIV ZUM ERFOLG

Das Konzept geht auf. „Alle denken, dass sie sich mit Social

Media auskennen und ihre Arbeit gut machen. Aber wir

machen es eben besser“, sagt Ana. Daher auch der Name ihrer

Agentur, die sich auch auf sogenanntes Influencer Marketing

spezialisiert hat. Ana und Kai zogen ihre ersten Kunden an

Land, noch bevor sie ein Büro für Better fanden. Die Nachfrage

ist immens, denn in Österreich sind Social Media Agenturen

noch nicht so groß. „Wenn’s hart auf hart kommt, kann ich

immer zum Architektenberuf zurückkehren. Mein Bauchgefühl

zeigt mir aber immer den richtigen Weg“, lächelt sie stolz.●

WKO-WIEN HILFT

Im Gründerservice der WKO-Wien kann man

bei einem Beratungsgespräch alle Fragen

stellen, die die Gründung eines Unternehmens

betreffen. Im Vorhinein kann man sich

auch schon eigenständig online informieren.

Ob generelle Tipps zur Selbstständigkeit,

rechtliche Voraussetzungen, Amtswege

oder Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten:

Auf der Website kommt man mit

wenigen Klicks zu allen wichtigen Informationen.

wko.at/wien

www.gruenderservice.at

Die Selbermacherin-Serie ist eine redaktionelle

Kooperation von das biber mit der Wirtschaftskammer

Wien.

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TECHNIK & MOBIL

Alt+F4 und der Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

MEINUNG

Tony Stark lebt!

Der echte Ironman heißt Elon Musk.

Mit dem Start der SpaceX-Rakete

„Falcon Heavy“ ist der Galionsfigur

der Technikwelt ein weiterer Eintrag

in die Geschichtsbücher gelungen.

Vieles, was Musk verspricht, klingt

anfangs unglaublich oder zu gut,

um wahr zu sein. Tatsächlich versetzen

er und sein Team die Welt in

Staunen: selbstlenkende Elektroautos,

blitzschnelle Zugreisen (Hyperloop)

oder eben aufrecht landende

Raketen. Es wird sich weisen, wie

nachhaltig diese revolutionären

Fortschritte sind: Tesla hat arge

Probleme, die angepeilten 50.000

Model 3 Autos zu fertigen,

die „Gigafactory“

kämpft mit Produktionsschwierigkeiten.

Andererseits

zeigt sich am

Beispiel von Amazon,

dass ein langer Atem

zur absoluten Marktdominanz

führen kann.

bezeczky@dasbiber.at

BAUEN MIT SUPERHOLZ

Jianwei Song von der Universität

Maryland in den USA pimpt den traditionellen

Baustoff der Menschheit.

Mit seinen Verbesserungen wird das

so gewonnene „Holz 2.0“ drei Mal

so dicht und elf Mal so fest wie die

Naturversion. Ob bald Hochhäuser

aus Holz gebaut werden?

Kampf der

Lauscher

Mit dem Homepod steigt Apple in den

Markt der smarten Lautsprecher ein.

Neben Alexa, Google und Cortana

belauscht uns jetzt also auch Siri im

Wohnzimmer. Obwohl die Geräte die

„Basics“ wie Songs abspielen und

Timer stellen beherrschen, sind sie

noch weit von den Fähigkeiten von

echten Assistenten entfernt.

Far Cry 5:

Showdown in

Montana

Ende März beginnt der große

Showdown. Ein religiöser

Redneck-Kult hat weite Teile

des US-Bundesstaates Montana

unterjocht und nur wir,

die Spieler, können die armen

Teufel retten. Überzeichnete

Gewalt, epische Grafik und

viel Action bringt das neue

Kultspiel von Ubisoft. So kann

der Frühling beginnen! Far

Cry 5 erscheint am 27. März

2018.

VÖLKERBALL

Mit Age of Empires: Definitive

Edition bringt Microsoft einen

der Urväter der Aufbaustrategiespiele

zurück auf die XBox.

Remastered für 4k-Auflösung

erleben wir 10 historisch

akkurate Kampagnen von 16

Völkern und Hochkulturen der

Geschichte!

Marko Mestrović, SpaceX, Apple, Ubisoft

58 / TECHNIK /


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ES BEGLEITET DICH, WO DU BIST. UND DU TÄTIGST

DEINE GELDGESCHÄFTE EINFACH UND SICHER,

AUF DER GANZEN WELT.

www.erstebank.at/george


LIFE & STYLE

Mache mir die Welt, wie sie

mir gefällt

Aleksandra Tulej

MEINUNG

Über 2 €-Drinks und

das Erwachsenwerden

Es ist Samstagmorgen, 8:30 Uhr. Vor zwei

Jahren wäre ich um diese Uhrzeit an einem

Samstag wahrscheinlich heimgekommen. Ich

stehe in meinem Sport-BH und meiner Leggings

vor dem Spiegel, putze mir die Zähne,

und erkenne die Person im Spiegel nicht

wieder. Auf dem Heimweg nach dem Boxtraining

kaufe ich Gemüse ein – um diese Uhrzeit

hätte ich mir vor zwei Jahren eine Pizza

beim Lieferservice bestellt. Damals hätte ich

mein heutiges Ich wahrscheinlich ausgelacht.

Plötzlich bin ich irgendwie einer dieser Menschen

geworden, vor denen ich früher Angst

hatte. Ich hatte Angst, erwachsen zu werden.

Ein Teil von mir war früher neidisch auf

diese Leute, die ihr Leben so im Griff haben.

Ein anderer Teil schwebte an Wochenenden

irgendwo zwischen dem Verlangen nach der

ewigen Jugend, einer Weißweinfahne und

der ständigen Angst, etwas zu verpassen.

Jugend ist dabei relativ, da ich ja doch schon

ein Vierteljahrhundert alt bin. Ich habe keine

180-Grad-Drehung gemacht, von „erwachsen“

bin ich immer noch weit entfernt. Aber es tut

gut. Langsam, aber doch. Wobei mir bei dem

Gedanken an grüne Smoothies immer noch

das Kotzen kommt – aber immerhin nicht mehr

von 2 €- Drinks von Freitagnacht. Gut, dass

gleich Samstagabend ist und ich mir mittlerweile

jene um 4 € leisten kann.

tulej@dasbiber.at

Geldanlage

Ab geht die Post?

Schon vor zwei Jahren sorgte das

DHL-Shirt des Labels Vetements

für Aufsehen. Preis: Stolze 245 €.

Aber im Frühling geht es weiter:

Vetements hat nun eine ganze

Capsule-Kollektion mit

dem Titel „Vetements

x DHL“ designt. Rot

und gelb sind dementsprechend

die

dominierenden

Farben der Kollektion,

die T-Shirts,

Longsleeves,

Caps und Socken

umfasst. Auf die

Preise können wir

gespannt bleiben.

Wie seid ihr auf

die Idee gekommen,

nachhaltige

Unterwäsche zu

kreieren?

Wir kennen

das Gefühl von

Unterwäsche,

die einen den

ganzen Tag unter

der Klei dung

heimlich quält,

weswegen wir

angefangen

haben, komfortable

und vielseitig

einsetzbare

Wäsche zu

entwerfen.

Was genau zeichnet

die Kleidungsstücke

aus?

Gerade als

3

FRAGEN AN:

Studio Miyagi

Nachhaltiges Wiener

Unterwäschelabel

PFLANZ TIPP

MACH

(K)EIN

AUGE

Bock auf DIY, schöne

Augenbrauen und schöne

Wimpern? Die BeautyLash-

Produkte sind aus pflanzlichen

Inhaltsstoffen, wie

Wacholder, Johanniskraut,

Färbedistel und Blüten der

Goldrute gemacht – und

sind dazu auch noch vegan!

junges Label war

es für uns wichtig

einen hohen Wert

auf Nachhaltigkeit zu

legen - die innovative

Faser wird in

Österreich hergestellt,

die Stoffe aus Dead-

Stock bezogen und in

einem kleinen Atelier

verarbeitet.

Wo bekommt man die

Teile?

Aktuell kann man

Miyagis online auf

www.studiomiyagi.

co bestellen, in den

nächsten Monaten

sind sie allerdings bei

Pop-Ups in ausgewählten

Geschäften

in Wien und Graz

erhältlich.

Marko Mestrović, bereitgestellt, Christoph Liebentritt

60 / LIFESTYLE /


MANN & BODY

Du bist,

was du isst

Von Artur Zolkiewicz

FUN FACT

KelnerInnen gehen

täglich zweimal mehr als

Polizisten und Anwälte.

Foto: Ulrich Eigner, Retusche: Blaupapier

Marko Mestrović, pixabay

MEINUNG

Leistungsziele setzen

Ich habe in meiner letzten Kolumne

geschrieben, dass man sich manchmal

einfach nur bewegen soll. Ohne

darüber nachzudenken, wie weit man

gelaufen ist oder wie schwer man

gehoben hat. Das sollte aber nicht heißen,

dass Zielsetzung im Sport keine

Anwendung findet. Natürlich nimmt

sie im Leistungssport eine zentrale

Stelle ein. Auch im Hobbysport kann

sie aber angewendet werden, um zu

lernen, wie man mehr Spaß am Sport

verspüren und wie man seine Ziele wie

z.B. Gewichtsabnahme effizienter, und

vor allem auf eine viel angenehmere

Weise, erreichen kann.

Ein Leistungsziel kann mit einem

anderen Ziel kombiniert werden. Dabei

sollte das Leistungsziel (z.B. 10 km

laufen) als primäres und das ästhetische

Ziel (z.B. 5 kg abnehmen) als

sekundäres Ziel gesehen werden.

Somit fokussiert man sich nicht auf die

Zahl auf der Waage, dies kann nämlich

oft zur Frustration führen, sondern

auf die Zielerreichung. Der Vorteil von

Leistungszielen ist, dass sie, wenn sie

erreicht werden, rasch durch neue

ersetzt werden können. Die Gewichtsabnahme

kommt automatisch und

wird somit auf eine gesündere Art und

Weise erreicht.

Was ist Dein nächstes Ziel?

zolkiewicz@dasbiber.at

Zahl

des Monats

160 km/h, so

schnell wird die Luft beim

Niesen aus der Nase oder

dem Mund ausgestoßen!

Tipp

CBD-Öl

CBD Öl, Cannabidiol Öl wird

aus Hanf hergestellt und soll

angstlösend, entzündungshemmend,

antiepileptisch

und entkrampfend wirken.

Das CBD Öl hat somit das

Potenzial bei zahlreichen

Gesundheitsproblemen ein

wichtiger Helfer zu sein. Und

nein, obwohl es aus Hanf

hergestellt wird, hat das CBD

Öl trotzdem keine berauschende

Wirkung und ist

legal erhältlich.

DAS GEFÜHL,

WIEDER MIT

EIGENEN

AUGEN

ZU SEHEN.

Mit 30 Euro

Augenlicht

retten.

/ LIFESTYLE /

licht-fuer-die-welt.at


Ein großer

Pluspunkt:

Der Nike-Pro-

Hijab sitzt ohne

Stecknadeln.

Praktisch!

SPORTY

HIJABI

62 / LIFESTYLE /


Nike hat einen Sport-Hijab herausgebracht.

Unsere Autorin und Model

Mona hat den Nike-Pro-Hijab auf

Funktionalität, Bequemlichkeit,

Ninja-Moves und Halal-Tauglichkeit

getestet.

Von Mona Shama

Fotos: Marko Mestrović, Styling: Hvala Ilija

Egal ob beim Schwimmen,

Laufen oder

Gewichte heben: Mona

fühlt sich wie ein Ninja

Look: Adidas originals –

P&C – € 99,99

Der Nike-Pro-Hijab im Test:

Zugegeben, ich hatte beim Auspacken

ein wenig Zweifel. Zunächst kommt es

einem so vor, als würde man ein Ninja-

Hijab in der Hand halten. Sitzt das Teil

aber, fühlt man sich tatsächlich wie einer.

Man braucht auch keine Stecknadeln, um

ihn zu befestigen – einmal anziehen und

schon kann es losgehen. Kostenpunkt:

30 Euro. Der Hijab verrutscht nicht beim

Sport, was ein großer Pluspunkt ist. Er

bedeckt dabei die Haare und den ganzen

Hals, ist also somit komplett halal. Weil

er aus leichtem, luftigem Polyster ist,

könnte er vielleicht auch beim Schwimmen

praktisch sein. Mein Fazit: Der

Nike-Pro-Hijab ist eine gute Alternative

zu anderen Kopfbedeckungen, die sich

Hijabis beim Sport sonst einfallen lassen

müssen. Er sieht gut aus und ist natürlich

eine Revolution, was das Kopftuch selbst

angeht.

/ LIFESTYLE / 63


„Just do it“- Der Nike-

Spruch passt auch zu

unserer Fotostrecke.

Mit ihrem Nike-Pro-

Hijab steht Mona

sporttechnisch nichts

mehr im Wege.

Look: Tricot – Reebok

vintage – Humana - € 60,-;

Sneaker – Nike – € 120,-

64 / LIFESTYLE /


Beim weißen Hijab

blitzen die Ohren durch:

„Wenn das wen stört,

dann empfehle ich eine

Unterbandage!“, so Mona.

Look: Daunenjacke – Hvala

Ilija – Preis auf Anfrage; Pullover

– Hugo Boss – P&C – €

129,99; Capy – Kids of the

Diaspora - € 20,-

/ LIFESTYLE / 65


KOPFTUCHVERBOT AN SCHULEN

PRO UND CONTRA

Die Parteimanagerin der SPÖ Wien, Barbara Novak, will ein Kopftuchverbot für Schülerinnen

durchsetzen. Die Meinungen zu dem Thema sind gespalten, auch innerhalb der Biber-Redaktion.

Zwei arabischstämmige Redakteurinnen, zwei Meinungen zum Thema Kopftuch an den Schulen.

Von Nada El-Azar und Nour Khelifi

PRO

von Nada El-Azar, biber-Redakteurin

CONTRA

von Nour Khelifi, Autorin und freie Redakteurin

Als „Frauenrechtlerin“ möchte Novak gegen das Kopftuch in

Schulen auftreten. Einige wundern sich jetzt: Wenn sie eine

Feministin ist – warum möchte sie anderen Frauen vorschreiben,

was sie tragen dürfen und was nicht? Bevor man Frau

Novak als diskriminierend abtut, sollte man sich die Frage

stellen: Woher kommt das Kopftuch eigentlich? Das Kopftuch

soll die sexuellen Reize der Frauen den Blicken der Männer

entziehen. Ergo ist es ein Zeichen sexueller Reife. Deswegen

hat es bei Klein- und Volksschulkindern schon mal gar nichts

verloren. Dass Frauen und Mädchen damit massiv sexualisiert

werden, scheint einer Vielzahl von Feministinnen egal

zu sein. Vielmehr verteidigen sie diesen uralten Brauch einer

rigiden Männergesellschaft als „kulturelle Eigenheit“, in die

man sich nicht einmischt.

Mein Vorschlag ist ein Kompromiss: Ein Mindestalter von 16

Jahren. Denn in der muslimischen Community ist es nicht

einfach, das Kopftuch abzulegen, wenn man einmal damit

begonnen hat. Es gleicht einem Abfall vom Glauben, und fällt

als „Schande“ auf die ganze Familie der Frauen zurück. Es ist

nicht „nur ein Stück Stoff“, sondern ist mit einer ganzen Reihe

Erwartungshaltungen an Frauen verbunden. Abgesehen

davon soll jungen Mädchen nicht zu früh vermittelt werden,

dass sie sich vor Buben zu verhüllen haben – viel zu viele

wachsen zu kleinen Duckmäuschen heran. Das Mindestalter

soll ein selbstbestimmtes Entscheiden stärken und Empowerment

fördern!

Nada El-Azar, 21, ist biber-Redakteurin und Absolventin der

Biber-Akademie.

„Ich werde als Frauenrechtlerin und Feministin weiter gegen

das Kopftuch auftreten.“ Barbara Novak ist neue Parteimanagerin

und Bezirkschefin der SPÖ in Döbling. In einem

STANDARD-Interview erzählt sie vom Vorhaben im Bildungsbereich

für ein Kopftuchverbot an den Schulen einzutreten.

Mit dem obigen Zitat hat sich Novak selbst ein Eigentor

geschossen, denn Feminismus ist das sicherlich nicht.

Feminismus besteht nicht darin einer Frau zu untersagen

oder aufzuerlegen, was sie anzuziehen oder abzulegen hat.

Feminismus sollte Empowerment sein. Stattdessen wird auf

das Kopftuch die vermeintliche Diskriminierung der Frau projiziert.

Wenn also ein junges Mädchen herumexperimentiert,

ihre Identität noch ausforscht und das Kopftuch dabei auch

eine Rolle spielt, wo liegt dann das Problem? Wenn Menschen

sich sexuell entfalten können, dann wohl auch religiös.

Abgesehen davon – in diesem Diskurs, ob ein Kopftuch

in der Öffentlichkeit sichtbar sein soll oder nicht, findet keine

Diskussion statt. Es werden nur Meinungen kundgetan und

Schlagzeilen damit gemacht. Die SPÖ hat diese Schiene, wie

sie schwarzblau führt, nicht nötig. Anstatt also die Defizite in

der Sozial-und Bildungspolitik auf das Kopftuch zu schieben,

würde mich, und viele andere Österreicherinnen und

Österreicher auch, interessieren, was die SPÖ als Opposition

gegen Schwarzblau an konkreten Lösungsvorschlägen zu

bieten hat. Und nicht weiter den rassistischen und diskriminierenden

Diskurs in der Gesellschaftspolitik zu befeuern.

Nour Khelifi (24), ist Autorin und freie Redakteurin u.a beim ORF

und der Wiener Zeitung, sowie Absolventin der Biber-Akademie.

Christoph Liebentritt, bereitgestellt

66 / MIT SCHARF /


WILLST DU MEHR

SCHARFE STORYS?

Willst du exklusive Storys lesen und wissen, was in der Community so abgeht?

Dann ist "scharfe Post von Biber" genau das richtige für dich: Wir schicken dir

einmal die Woche guten Journalismus mit scharf und Insider-Informationen aus

der Biber-Redaktion zu. Anmeldung unter www.dasbiber.at/scharfepost

Beratungsstelle

#GegenHassimNetz

Beratung und Unterstützung für Betroffene

von Hass und Hetze im Internet.

Sie sind von Hass und Hetze im Internet betroffen? Die Beratungsstelle

#GegenHassimNetz kann Ihnen in solchen Situationen

helfen! Die Berater*innen unterstützen Sie dabei sich aktiv gegen

Hass im Netz zu wehren und informieren Sie über mögliche

rechtliche Schritte.

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz ist erreichbar von:

Mo – Mi: 9.00 – 16.30 Uhr

Do: 10.00 –18.30 Uhr

Fr: 9.00 –15.00 Uhr

Telefon: (+43) 01 - 236 55 34

E-Mail: beratung@zara.or.at

Web/Chat/Meldeformular: https://beratungsstelle.counteract.or.at/

Facebook Messenger: facebook.com/zara.or.at/

Twitter: @CounterACT_Hass

https://beratungsstelle.counteract.or.at/

/ MIT SCHARF / 67


KULTURA NEWS

Verstaubte Museen sind

Schnee von gestern.

Von Jelena Pantić

MEINUNG

Darf man

das noch?

Die Apokalypse naht, Menschen

rennen verwirrt durch die Gegend,

fassen sich wie in Edvard Munchs

“Der Schrei” ans Gesicht und fragen

verzweifelt: Was darf man denn

noch machen?” Die scheinbar größte

Frage unserer Zeit. Oft als Mittel

eingesetzt, um ungemütliche aber

wichtige Debatten ins Lächerliche zu

ziehen, weil sie einem selbst Unwohlsein

bereiten. Letztens lese ich einen

Artikel mit der Headline “Darf man

noch nackte Frauen malen?” oder so

ähnlich. Weiters wird dunkel prophezeit,

dass Kunst nur noch zensiert

werden wird, um ins heutige moralische

Schema zu passen und das

Überhängen von Bildern bald an der

Tagesordnung stehen wird. Vergangene

Kunst sollte nicht ausradiert werden,

sie gehört zu unserer Geschichte.

Und ja natürlich wird sie aus der Zeit

verstanden, in der sie entstanden ist.

Aber heißt das, dass sie nicht in einen

heutigen Kontext gesetzt werden

darf? Das kann doch kein Rückschritt

sein. Ganz im Gegenteil: Es ist der

ultimative Fortschritt sich mit Kunst

gemäß der jetzigen Zeit entsprechend

kritisch auseinanderzusetzen. Und

sollten Museen nicht genau jene

Texte und Führungen bieten und jene

Orte sein, wo wir das tun?

pantic@dasbiber.at

#GRLPWR

Ivana Stojković vertritt Österreich bei

den World Championships of Performing

Arts 2018 in Los Angeles. Unter

der Kategorie Schauspiel und Tanz zeigt

die Wienerin mit serbischen Wurzeln,

was sie drauf hat. Da es keine staatliche

Förderung gibt, suchen unsere KandidatInnen

nach Sponsoren! Freiwillige vor!

Alle Infos zur Veranstaltung:

www.wcopa.com

„Der Antrag ging verloren,

der Antrag kam nie

an, ein Kind ist gestrandet,

ohne Namen, ohne

Land.“ Unterlegt mit

„Jump Around“ rappt

Ebow in „Asyl“ darüber,

dass Wert im Westen an

Visa, Pass, Geld und Aufenthaltskärtchen

gemessen

wird. Die Münchnerin

mit alevitisch-kurdischen

Wurzeln (28) über Sexismus

im Rap und dass sie

nie aus Hass heraus Texte

schreibt.

3

FRAGEN AN:

Viele Migrant*innen fühlen

sich von Hip Hop verstanden

- Warum ist das so?

Weil HipHop aus der benachteiligten

Black community der Staaten kommt.

Die Message, die damit übermittelt wird,

war direkt zugänglich für viele Personen

mit Migrationshintergrund.

Du sagst, du schreibst nie Texte, wenn du

Hass empfindest. Aber wenn zum Beispiel

über Asyl rappst, musst du doch ziemlich

pissed sein?

Pissed sein ist etwas anderes als

direkten Hass zu empfinden. Mit

Hass zu schreiben bedeutet für mich

unreflektiert zu arbeiten. “Asyl” ist

durch viele Gespräche mit geflüchteten

Freunden und eigener Auseinandersetzung

entstanden. Das

ist für mich ein klarer

Unterschied.

Du sagst oft, du hattest

keine Probleme als

weibliche Rapperin in

einer männlichen

Domäne. Als Feministin

musst du von manchen

Texten deiner Kollegen

aber schon Magenkrämpfe

bekommen,

oder?

Ich hatte einfach

nur Glück weil die

Rapper in München,

zumindest die die ich

kannte super coole

Dudes waren und

mich supportet haben.

Das ist definitiv eine Ausnahme, da

viele meiner Kolleginnen eher negative

Erfahrungen gesammelt haben und

auch wenn ich nie direkte Erfahrungen

in diese Richtung gesammelt habe, hat

es mir in vielen Hinsichten Steine in

den Weg gelegt. Die deutsche Rapszene

ist momentan extrem sexistisch,

jedoch glaube ich dass sich das durch

viele neue Rapperinnen und durch die

momentane Aufmerksamkeit für das

Thema, etwas ändert.

Rapperin

EBOW

Für weitere Infos und eine extrem fette Webseite

schaut auf www.ebowsbazar.com

Magdalena Fischer, Alexandra Stanić, Clemens Bézard, Christian Rumerskirch, Marvel

68 / KULTURA /


Sinah:

„ALS FRAU BIST DU SCHNELL

DIE CUTE SÄNGERIN“

Sinah ist seit Jahren Journalistin und hat einen Blog (theblackshirtblog.com).

Mit der Musik hat die 26-Jährige ein

weiteres Ventil gefunden und will als Künstlerin vor allem

eines nicht sein: glatt gebügelt.

Filmtipp

BIBER: Welchen Prozess hast

du durchgemacht, um hierher zu

gelangen?

SINAH: Musik war immer der

eine Punkt, über den ich mich

nicht drüber getraut habe. Ich

war immer mit Männern in einer

Band, die härtere Musik gehört

haben und habe mich da oft

gefühlt, als ob man mir nicht

zuhört. Fünf Jahre habe ich nur

kleine Cover-Versionen gemacht.

Vor allem bei elektronischer

Musik mit Beats, die fast in

Richtung Hip-Hop gehen, hatte

ich immer das Gefühl, ich kenne

mich zu wenig aus, weil es doch

eine Männerdomäne ist.

Und wie ist das jetzt?

Zum Glück treffe ich großartige

Männer, die mich ernst nehmen

und mir das Wort überlassen.

Als Frau bist du nämlich schnell

die “cute Sängerin”. Heute bin

ich selbstbewusst genug, um für

meine eigenen Ideen einzustehen.

Du bist in Video-Szenen zu

deiner Debütsingle “Blame Me”

komplett ungeschminkt. Laut

Noisey das “realste Video des

Jahres”.

Wie ich es zum ersten Mal

gesehen habe, habe ich schon

geschluckt. Ich versuche als

Künstlerin authentisch zu sein.

Das stellt mich und meine eigene

Eitelkeit aber auch vor eine

Hürde. Aber der Anspruch ans

Video war es, nicht verkleidet

auszuschauen. Das Feedback

dazu war großartig und hat mir

sehr viel Selbstbewusstsein

gegeben.

Wie geht’s mit deinem Blog und

dem Journalismus weiter?

Journalismus ist mein Hauptjob

und alles andere mache ich

nebenbei. Der Blog ist mehr

ein Ableger für Themen, die

ich wirklich loswerden möchte.

Und bei der Musik will ich nichts

erzwingen und möchte nichts

schreiben, wovon ich nicht

überzeugt bin, nur um Geld zu

verdienen.

In Sinahs EP “Narcissist” könnt ihr auf

Spotify & Co. reinschnuppern.

BLACK PANTHER

REVOLUTION

Die neue Verfilmung des Marvel-Helden

“Black Panther” wird als Revolution gefeiert.

In einem Hollywood, in dem schwarze

Schauspieler*innen als Helfer*innen der

weißen Hauptrolle gecastet und ungenügend

ausgezeichnet werden, sticht Black Panther

hoffnungsvoll heraus. Ich möchte mir nicht

anmaßen, hier großartig zu beschreiben,

wie sich schwarze Menschen fühlen, wenn

sie sich in Black Panther auf der Leinwand

repräsentiert sehen. Das werden meine

Kolleg*innen vom Fresh Magazin und andere

übernehmen. Ich halte es hier wie Adele

mit Beyoncé bei den Grammys 2017: “The

way that you make my black friends feel is

empowering and you make them stand up for

themselves.” Danke dafür.

HERZBLUT LOHNT SICH

Nicole Luzar hat noch nicht einmal einen Verlag,

als sie sich darum bewirbt den Bestseller “Einsteins

Enigma” zu verlegen. Ihr Konkurrent: einer

der größten deutschen Medienkonzerne. Mit dem

Versprechen sich mit Leib und Seele für sein Buch

einzusetzen, überzeugt

sie den portugiesischen

Autor J.R. Dos Santos’ und

bekommt den Auftrag.

“Einsteins Enigma” und der

Nachfolger “Der Schlüssel

des Salomon” sind

nun bei luzar publishing

erschienen. Das ist noch

keine Buchempfehlung,

aber eine ziemlich coole

Geschichte - David gegen

Goliath und so. #fempreneur

/ KULTURA / 69


„Die Leiden des jungen Todor“

Von Todor Ovtcharov

Matriarchat

Im folgenden Text will ich mich beschweren.

Ich werde geschlagen. Meine liebe M schlägt

mich dauernd und sagt, dass sie es aus Liebe

macht. Stellt euch jetzt keine Szenen mit auspeitschen

und fesseln mit Handschellen am Bettrand

vor. Sie kommen in bestimmten Filmen, aber nicht

in meinem Leben vor. M ist viel kreativer. Als ich vor

Kurzem eine Zeitung gelesen habe, bekam ich einen

„Tschember“ auf den Kopf. Der „Tschember“ ist ein

spezieller Schlag im Repertoire von M. Sie nimmt den

Mittelfinger, streckt ihn aus und lässt ihn mit einem

lauten Knall auf meinem Kopf aufprallen. Üblicherweise

wackelt danach mein Kopf und ich vergesse

den letzten Satz, den ich in der Zeitung gelesen

habe. Ich brauche noch einen Tschember, damit

ich ihn mir wieder merke. Während ich Zeitung lese

und ab und zu solche Tschembers von M bekomme,

merke ich mir alle Reden von österreichischen und

Weltpolitkern auswendig. Ob das gut ist, weiß ich

nicht.

Der zweite Schlag im Arsenal von M ist die Watsche

auf den Hinterkopf. Sie trifft mich auf dem Hinterkopf

immer, wenn ich meinen Kopf gebeugt habe.

Ihre Hand passt ganz gut darauf. Das Klatschen ist

immer laut. Der psychlogische Effekt ist, dass ich

nie wieder vergebeugt gehe. Nach so einer Watsche

auf den Hinterkopf fiel ich auf den Boden und

schaute unter das Bett. Dort fand ich meine verloren

geglaubte Brieftasche. Da meine U-Bahn-Karte

drin war, bin ich drei Tage lang zu Fuss gelaufen.

Außerdem wurde ich um siebzehn Euro reicher. Die

Watschen auf den Hinterkopf machten mich reich für

einen Tag.

Die dritte Art von Schlägen, die ich aushalten muss,

ist das Kneifen. Das ist kein gewöhnliches Kneifen,

sondern mit Drehen. Bei dieser Art von Kneifen,

kneift mich M über dem Ellenbogen und ich spüre

wie meine Beine zum Step-Tanzen beginnen. Man

weiß ja nie, wie man sich drehen wird, wenn man

so gekniffen wird. Wenn mich M in der Öffentlichkeit

kneift, muss ich gleichzeitig aufpassen nicht

wie eine Sirene zu schreien und wie Fred Astaire zu

tanzen. Das letzte Mal wurde ich so gekniffen auf

der Weihnachtsparty eines Unternehmens, wo ich

gerade gearbeitet hatte. In dem Moment wollte ich

meinen Chef ausbessern, dass Hektor ein Held des

trojanischen Krieges war und nicht nur eine Hundefutter-Marke.

In dem Moment wurde ich gekniffen

und wackelte wie vom starken Strom geschlagen. Ich

vergaß schnell, was ich sagen wollte. Somit behielt

ich meinen Job, im Vergleich zu anderen Kollegen

von mir, die die ganze Zeit redeten wie dumm der

Boss wäre. Und man sagt, dass Kneifen gut für die

Haut ist. Ich habe wahrscheinlich die gesundeste

Haut in Mitteleuropa.

Ich wollte mich eigentlich beschweren... Es kam aber

heraus, dass das Beste, was mir passiert ist, war,

dass ich von M geschlagen werde. ●

70 / MIT SCHARF /


WAHRE ÖSTERREICHISCHE KRIMINALFÄLLE

NEU jeden DI 21:05


JOBS MIT AUSSICHTEN

„Ich zeig, was ich kann.

Als Lehrling bei SPAR!“

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