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INSIDER Osnabrück // März 2018 // No. 416

Arm in Osnabrück: So lebt es sich (fast) ohne Geld in OS // Exklusive Einblicke in Europas modernstes Sporthaus // Im Test: Döner-Kebap // Event-Highlights: Oster-Leuchten & Strong Viking Run // Promi-Talks mit Shahak Shapira u. Till Brönner // Die perfekte Pizza: Gastronom Roulat Nabo auf den Spuren des Originals // Ohne Navi durch Europa: Osnabrücker veranstalten Abenteuer-Rallye // + Szene-News, Verlosungen, Party-Pics, Entertainment-Tipps, Termine & mehr!

Wie lebt es sich (fast)

Wie lebt es sich (fast) ohne Geld in unserer City? „Jeder Mensch ist hungrig. Unabhängig davon, ob er Türke, Portugiese oder Deutscher ist!“ Dieses Statement von Hermann Große-Marke, dem 1. Vorsitzenden der Osnabrücker Tafel, ist deutlich und bringt auf den Punkt, wie kontrovers die aktuelle Debatte um die Verteilungsschlüssel der Tafeln in Deutschland ist. Hintergrund: In Essen/NRW zog der dortige Tafel-Chef im Februar die Reißleine. Dort kommen täglich bis zu 70 bis 80 Prozent Nicht-Deutsche zur Ausgabestelle. Jörg Sator, dortiger Tafel-Chef, will deshalb vorerst die Lebensmittel nur noch an Deutsche herausgeben, um wieder Herr der Lage zu werden. „Viele Deutsche, besonders ältere Frauen, trauen sich schon länger nicht mehr zu uns“, monierte Sator. In Osnabrück sieht die Lage da vergleichsweise entspannt aus, berichtet Hermann Große-Marke. „Zu uns kommen wöchentlich etwas mehr als 3.000 Menschen. Tendenz leicht steigend“, so der Osnabrücker Tafel-Verantwortliche. Hinzu kommen etwa 120 Bedürftige, die aufgrund ihrer Krankheit nicht mobil sind und deshalb beliefert werden müssen sowie rund 400 Kids bei der sogenannten „Kindertafel“. Osnabrücker Kinderarmut alarmierend Speziell die Kinderarmut in Osnabrück steigt seit einigen Jahren dramatisch an. Große-Marke schätzt die Zahl mittlerweile auf mehr als 5.000 Kids, die in sozialschwachem Umfeld aufwachsen müssen. Maria Aepkers, Leiterin und Geschäftsführerin der FABI Osnabrück, sieht die Auswirkungen dieser Entwicklung in ihrer täglichen Arbeit: „Wir erleben hautnah, dass viele Kinder und Familien mit Bildungsbenachteiligungen sowie kulturellen und sozialen Benachteiligungen zu kämpfen haben.“ Diese gelte es auszugleichen. Aepkers merkt allerdings an, dass das Problem eigentlich nur politisch zu lösen sei. „Wir bekämpfen hier nur die Symptome.“ Hauptziel müsse es sein, für alle Kinder gleichberechtigte Bildungszugänge zu ermöglichen. „Das gelingt uns in Deutschland leider immer noch nicht“, so Aepkers. Insofern gleiche das Ganze einem Teufelskreis. „Wir haben immer noch unzureichend Plätze für die Kindertagesbetreuung. Dadurch ist der Nachwuchs teilweise stundenlang auf sich allein gestellt. Die Familien benötigen von Anfang an eine kontinuierliche Begleitung. Diese Angebote müssten preisgünstig sein. Dafür reichen die bestehenden Finanzierungen jedoch oft nicht aus.“ Caritas: „Die Wohnsituation ist ein riesiges Problem“ Am 21. Februar tagte aufgrund der aktuellen Situation in Osnabrück auch wieder der „Runde Tisch gegen Kinderarmut“ im Dominikanerkloster. Dort besprechen Vertreter aus Kommunalpolitik und sozialen Diensten jährlich einmal, an welchen Stellschrauben dringend gedreht werden muss, um Heranwachsenden in Osnabrück eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Daran beteiligt ist auch die Caritas, die u.a. eine „Allgemeine Soziale Beratung“ anbietet. Gabriele Bührs ist Leiterin dieses sozialen Angebots und mahnt auf INSIDER-Anfrage an: „Unsere Beratungszahlen sind in den vergangenen zwei Jahren stetig angestiegen!“ Themen seien dabei vor allem die Finanzierung von Schulmaterialien und von kinderspezifischen Dingen sowie Wohnungseinrichtung. Problematisch seien zudem die zu niedrigen Mietobergrenzen, sodass Familien mit (mehreren) jüngeren Vergangenheit deutlich zu kurz gekommen ist. Die Stadt versucht mittlerweile gegenzusteuern – eine Entspannung des Wohnungsmarktes ist allerdings kurzfristig nicht zu erwarten. „Niemand wird freiwillig arm“ Heinrich Funke von der Arbeitslosenselbsthilfe Osnabrück ist ebenfalls Teil des Runden Tisches gegen Kinderarmut sowie Mitglied beim Sozialprojekt „Gute Nachbarschaft“. Es meint, dass nicht nur 23 Prozent der Letzter Ausweg: nach Pfandflaschen suchen Osnabrücker Kinder armutsgefährdet seien. Die Situation sei längst viel dramatischer, die Statistiken entsprechend veraltet. Besonders alarmierend: „Die Stadt gewöhnt sich mittlerweile daran, dass so viele Kids zur Veränderung gibt. Es wird so fatalistisch getan, als sei das ein Naturgesetz. Das ist natürlich Quatsch.“ Wie also lässt sich diese Spirale aufhalten? „Handeln müssten alle. Eine Schuldzuweisung ist nicht so ganz einfach. Das ist eine Entwicklung, die war auch ein Stück weit so politisch gewollt. Es gibt eine Vielzahl an Ursachen. Bei einigen Problemen könnte die Kommune helfen, bei anderen ist es schwieriger.“ Hauptproblem dabei: Wenn Eltern zu Hause Perspektivlosigkeit vorleben, wie soll der Nachwuchs dann in der Schule den Spieß allein umdrehen? Wenn man die Situation nachhaltig verbessern wolle, dürfe man die Eltern nicht abschreiben, so Funke. Denn: Niemand entscheide sich freiwillig für die Armut! „Wenn man sich die Zahlen der Arbeitsagentur anschaut, jubeln alle: ‚Wir haben weniger Arbeitslose‘. Die Leute sind beschäftigt, aber sie sind so beschäftigt, dass das Einkommen nicht zum Leben reicht. Da sind auch die Arbeitgeber gefragt bessere Löhne zu zahlen. Und natürlich der Staat mit seiner Kontrollfunktion. Strong viking obstacle run Strong 10.03.2018 viking - obstacle Fürstenaurun 10.03.2018 www.strongviking.de - Fürstenau www.strongviking.de Vorstand der Osnabrücker-Tafel. In der Bildmitte: Hermann Große-Marke, erster Vorsitzender dieser Sozialeinrichtung. Kindern häufig keinen geeigneten Wohnraum fänden.“ Auch deshalb, weil der soziale Wohnungsbau in Osnabrück in der 04 in armen Haushalten aufwachsen. Das ist fast schon Normalität“, so Funke. Und weiter: „Ich sehe nicht, dass es einen Willen Lokal | Regional Anzeigensonderteil Wie sind eure Erfahrungen? INSIDER wird sich dieser Entwicklung nun regelmäßig redaktionell annehmen und berichten, welche Lösungen und Ansätze in Osnabrück gefunden werden können, um den Teufelskreis endlich zu durchbrechen. Teilt uns gern eure Erfahrungen zum Thema mit: redaktion@ insiderosnabrueck. de oder via Facebook (facebook. com/INSIDERos).

Osnabrück ist ziemlich cool“ Warum Comedian Shahak Shapira so gern in unsere Stadt kommt Foto: Boaz Arad Shahak Shapira wurde in Israel geboren und lebt mittlerweile in Berlin. Vor acht Jahren besuchte er die Miami Ad School und war unter anderem als Copywriter in der Werbeagentur Jung von Matt in Hamburg tätig. Große Bekanntheit erlangte er Anfang 2017 mit seinem Projekt „Yolocaust“ (eine Wortneuschöpfung aus Yolo – für „You only live once“ – und Holocaust). Auf einer Website hatte Shapira zahlreiche Fotos aus sozialen Netzwerken gesammelt, auf denen Touristen fröhlich am Holocaust-Mahnmal in Berlin posieren – wer den Mauszeiger aber über ein Bild bewegt, sieht die Protagonisten plötzlich vor einen Bildhintergrund aus den nationalsozialistischen Vernichtungslagern montiert. Im selben Jahr sprayte er Hassbotschaften auf den Fußweg vor dem Twitter- Büro in Hamburg. Dabei handelte es sich um Original-Tweets, die das soziale Netzwerk trotz Meldung von Shapira selbst bislang nicht gelöscht hat. Am 16. März ist er zu Gast in der Osnabrücker Lagerhalle. INSIDER sprach vorab mit dem Comedian über Social Media, Politik, Osnabrück und Pimmelwitze. Hallo Shahak! Du bist schwer auf Twitter und Facebook unterwegs. Wie wohl fühlst du dich da? Ich fühle mich dort wohl und sehr unwohl zugleich. Meistens fühle ich mich dort eigentlich unwohl. Es gibt so viele Dinge, die in sozialen Online-Netzwerken passieren, aber eigentlich ins echte Leben gehören. Wir dürfen nicht den Fehler machen, diese Netzwerke als Ersatz für echte Gespräche zu betrachten. Alles, was dort passiert, ist mit Vorsicht zu genießen. Aber da sage ich ja nichts Neues. Stehst du also viel lieber auf der Bühne? Ja, unbedingt! Das ist auch die einzige Zeit, in der man nun wirklich nicht online sein kann und es deswegen auch nicht muss. Und das Publikum hat keine Chance mir zu widersprechen, weil ich ja das Mikro in meinen Händen halte. (lacht) Du bist 2002 mit deiner Familie nach Sachsen-Anhalt gezogen. Das war als junger Ausländer mit jüdischen Wurzeln sicher kein einfaches Pflaster. Ich glaube, nahezu jeder mit einem ausländisch klingenden Namen hat es in Deutschland schwer. In Sachsen-Anhalt ist es nicht unbedingt einfacher, das stimmt. Aber das war kein tägliches Problem, vielleicht ein wöchentliches. Aber, zur Beruhigung: Auch heute werde ich noch beleidigt. Trotz dessen, dass ich seit ein paar Wochen offiziell Deutscher bin. War es dir denn wichtig eingebürgert zu werden und einen deutschen Pass zu bekommen? Nicht besonders. Es hat sich auch eigentlich nichts verändert. Außer, dass ich jetzt einfacher in ein paar Länder einreisen darf, in denen sie mich sonst umgebracht hätten. Wenn die allerdings meinen Namen lesen, werde ich wahrscheinlich trotzdem umgebracht. Ich brauche den Pass jetzt nicht, um mich hierzulande sicherer zu fühlen. Einzig in die USA kann ich nun einfacher einreisen. Und ich musste meinen israelischen Pass abgeben. Am 07. März zeichnet das ZDF erstmalig deine eigene TV-Show auf. Was dürfen wir davon erwarten? Es wurde mir verboten darüber vorab zu sprechen. (lacht) Aber, ich sag mal so: Ich mache da keine Politsatire oder Kabarett. Ich mache Comedy, ich mag Comedy. Und mein Ziel ist es, bei allem was ich mache, das einem größtmöglichen Publikum zugänglich zu machen. Ich versuche also über Dinge zu sprechen, die gleichzeitig witzig und originell sind, aber auch neuartig und nicht zu kompliziert. Bist du vor deiner TV-Show- Premiere besonders aufgeregt? Aufgeregter als beispielsweise vor dem Gig am 16. März in der Osnabrücker Lagerhalle? Das würde ich nicht sagen, nein. Aber eine normale Bühnenshow ist natürlich etwas einfacher, weil man viel weniger unter Zeitdruck steht. Wenn das Publikum gut ist, überziehe ich auf Tour auch gerne mal um zweieinhalb Stunden. Für die TV-Show muss die halbe Stunde schon sitzen – man hat dann ja sogar einen Warm-Up Act, um das Publikum schon mal in Stimmung zu bringen. Nach Osnabrück komme ich übrigens besonders gerne. Osnabrück ist ziemlich cool! Tatsächlich? Welchen Bezug hast du denn zu Osnabrück? Ich habe im Internet das Video gesehen, als die AFD bei euch zu Gast war und Beatrix von Storch auf dem Marktplatz von tausenden Bürgern ausgepfiffen wurde. Da dachte ich mir: Das muss eine sympathische Stadt sein, dieses Osnabrück. Aber ein anspruchsvolles Publikum kann auch nerven. Die wollen dann immer „Comedy mit Haltung“ oder „Witze, die Deutschland nach vorne bringen.“ Dabei mache ich doch so gerne blöde Pimmelwitze… Wir freuen uns sehr darauf. Wie entwickelst du eigentlich neue Gags? Allein im stillen Kämmerlein? Nein. Ich habe aber eine unfassbar lange Liste kleiner Beobachtungen und Ideen in meiner Notizen-App auf dem iPhone. Und wenn aus ein paar davon dann echte Gags werden, teste ich sie in Berlin beim „Open Stage“ vor härtestem Publikum aus. Wenn da dann drei Leute kichern, müssen es Knallergags sein, die ich meinem zahlenden Publikum vorsetzen kann. Vielen Dank für das Gespräch! Jetzt wird’s schmutzig! Strong Viking Run in Fürstenau am 10. März wH ‘s next? Bist du bereit für Schlamm, Schlamm und noch mehr Schlamm? Dann wage gemeinsam mit deinen Freunden die Herausforderung bei der Mud Edition in Fürstenau bei Osnabrück! „Noch gibt es einige wenige Startplätze“, verrät Pressesprecher Jan Ruch auf INSIDER-Anfrage. Doch was erwartet mich als Teilnehmer vor Ort beim „Strong Viking Run – Mud Edition“? Schlamm, Schlamm und noch mehr Schlamm Zusätzlich zu den vielen einzigartigen und spektakulären Hindernissen, erwarten dich bei der „Mud Edition“ unfassbar dreckige Kilometer! Werbe-Waschweib Amy Sedaris hätte anschließend seine wahre Freude an den Sportlerklamotten. Teilnehmer können wählen zwischen 7, 13 oder 19 Kilometern. Die mutigen Abenteurer erwarten viele „Trenches“, „Mud Crawls“ und jede Menge „Schlammhindernisse“. Die „Strong Viking Mud Edition“ wurde in den Niederlanden in der Vergangenheit mehrfach zum besten Hindernislauf gekürt. Als Austragungsort für unsere Region haben sich die Veranstalter auch in 2018 erneut für das Waldstück auf dem ehemaligen Militärgelände in Fürstenau entschieden. Zeit spielt keine Rolle: Habt Spaß! Beim Strong Viking Run wird traditionell keine Zeit gemessen und kein Gewinner gekürt – im sogenannten Walhalla hinter der Ziellinie wartet die Siegerehrung samt Bier und natürlich alkoholfreien Getränken auf alle. Vielmehr geht es bei diesem Lauf darum, seine Grenzen kennenzulernen und auszutesten, im Team Erfahrungen in der Natur zu meistern und gemeinsam Spaß zu haben. Natürlich sind auch Zuschauer herzlich willkommen, um die matschigen Helden anzufeuern. Für sie ist der Eintritt frei. Are you strong enough to be a Viking? Dann schau schnell auf Seite 8. Dort verlost INSIDER exklusiv zwei der letzten Wildcards für den Abenteuer-Run am 10. März! Anzeigensonderteil Lokal | Regional 05 Heimat genießen! www.spirit49.de