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WorldSkills Germany Magazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe & außerschulisches Lernen

Ausgabe 10 / März 2018 Digitalisierend ... Arbeiten und Lernen - heute & morgen Spannend ... Wettbewerbe und Trainings als Karrieremotor Herausfordernd ... Champions zwischen Abu Dhabi und Kazan Kooperierend ... Wie CWS-boco den Nachwuchs fördert

Digitalisierung &

Digitalisierung & Joballtag – Erfahrungen von Tischler Manuel Chmiel und Fräser Patrick Aiple „Arbeiten und Lernen – heute & morgen“. So das Thema dieser Magazinausgabe. Digitalisierung und die Anforderungen an die berufliche Bildung bis hin zu neuen Berufsbildern spielen dabei als Stichworte eine besondere Rolle. Zwei ehemalige WorldSkiller, also Teilnehmer an Weltund Europameisterschaften der Berufe, berichten aus ihrem Alltag. >> Wie hat Digitalisierung in deinen Joballtag Einzug gehalten hat – und wie hast du dich darauf eingestellt? Chmiel: Grundlagen der Digitalisierung sind Bestandteil der Berufsausbildung. Die Schule kann aber nur einen Überblick geben, denn Aufgabe einer handwerklichen Berufsausbildung kann ja nach wie vor nicht sein, Computer- und Softwarespezialisten auszubilden. Hierbei werden sicher autodidaktisches Lernen und Netzwerke in Zukunft viele Vorteile bringen. Meine eigene Erfahrung: Vor der Meisterschule hatte ich keinen Kontakt mit CNC-Bearbeitung von Holz, habe dort Grundlagen in der CNC-Bearbeitung erlernt. Diese konnte ich beim Arbeiten in einem Betrieb einsetzen, ausbauen und einfordern. Hierbei sind Fehler passiert und Fragen aufgetaucht, welche ich dann im Klassenverbund per WhatsApp lösen konnte. Insgesamt muss ich aber feststellen, dass die Lehrpläne im Schreinerhandwerk sehr veraltet sind. Der aktuelle ist von 1993 und enthält kein einziges Mal das Wort „Computer“ oder „EDV“. Inhalte der Digitalisierung werden zwar versucht zu integrieren, allerdings ohne nennenswerte Grundlage im Lehrplan. Hier sehe ich zwingenden Handlungsbedarf, damit das Handwerk in Zukunft nicht abgehängt wird. Aiple: Ohne Computer geht heutzutage einfach nichts mehr in meinem Beruf. Durch Computer und die dazugehörige Software kann man sehr komplexe Bauteile und Programme erstellen. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie kompliziert es früher gewesen sein muss. Ich bin einfach offen für neue Sachen und versuche alles als Spiel anzusehen. Da kann man richtig auf Entdeckungstour gehen und durch Probieren die Software erkunden. Klar braucht man anfangs eine Schulung, aber danach sollte man auch vieles selber ausprobieren. Durch Simulationen kann man da auch nichts kaputt machen und man bekommt gleich ein Feedback was man gemacht hat. Chmiel: Viele Leute assoziieren mit einer Tischlerei oft die bekannte Idylle von Meister Eder und seinem Pumuckl – kleine Hinterhofbetriebe, in denen händisch ein pfeifender Hobel über einzelne Bretter geführt wird. Tischler sind in ihrem Berufsalltag, wie beinahe alle anderen Handwerker auch, auf die Verwendung modernster Techniken angewiesen. Konkret heißt das in meinem Alltag: ganzheitliche Softwarelösungen erleichtern die Arbeitsvorbereitung. So lassen sich aus dreidimensionalen Zeichnungen nicht nur fotorealistische Ansichten für VR-Brillen und das Verkaufsgespräch erstellen, sondern auch Stücklisten und Preise für die Fertigung und das Angebot herausziehen. Danach werden mit diesen Daten die vernetzten Maschinen gerüstet. Die zugeschnittenen Möbelteile werden oft automatisch etikettiert und mit einem Barcode zur WorldSkills Germany Magazin / Ausgabe 10 / März 2018 16

Tischler sind in ihrem Berufsalltag auf die Verwendung modernster Techniken angewiesen Nach einer Schulung auch vieles selbst ausprobieren Weiterverarbeitung registriert. Maschinen greifen auf Datenbanken in der Cloud zurück. Mit der zunehmenden Digitalisierung erhöhen sich die Anforderungen an den Beruf des Tischlers, neue Bereiche kommen in der Ausbildung hinzu und fordern erhöhtes Vorstellungsvermögen und Vorausdenken. Dies in Einklang mit traditionellen, handwerklichen Fähigkeiten zu bringen, ist die Herausforderung. >> Welche Tipps hättest Du an Schulabgänger oder Azubis – wie sie sich auf neue Berufsbilder einstellen sollten? Chmiel: Offenheit und Interesse über das Verpflichtende hinaus. Das Internet wird von vielen als Plattform für Spiele, Austausch und Zeitvertreib genutzt. Dabei bietet es gerade bei der beruflichen Bildung einen unglaublichen Erfahrungspool. Hier können MeisterschülerInnen von Hobbybastlern lernen, welche ihre Erfahrungen mit alten Handwerkstechniken im Video posten. Natürlich gelingt dieser Austausch auch andersherum. So kann Erlerntes selbst vertieft und angewendet werden. Aiple: Man sollte offen sein und alles als Spiel ansehen. Dann: sich anfangs nicht verrückt machen, wenn etwas kompliziert erscheint. Und: probieren, versuchen, testen, eigene Erfahrungen machen. >> Wie hat dir persönlich WorldSkills mit Qualifikation, Vorbereitung, Training, Teilnahme an nationalen/internationalen Berufswettbewerben in deiner beruflichen Karriere geholfen? Chmiel: Meine Teilnahme an den WorldSkills ist immer wieder – auch nach zweieinhalb Jahren – Aufhänger für viele Gespräche. Hieraus entstehen für mich Aufträge. Meine handwerklichen Erfahrungen mit World- Skills bringen mich gerade jetzt in der Meisterprüfung weiter. Handwerkliche Verbindungen stellen für mich dank eines anspruchsvollen Trainings keine größere Herausforderung dar. So konnte ich bei WorldSkills insbesondere auch Arbeitsweisen vor Arbeitsschritten lernen. Aiple: Durch die Vorbereitung habe ich mir natürlich viel Wissen angeeignet und sehr viele gute Kontakte geknüpft, die mir später auch sehr viel geholfen haben. Die Teilnahme hat einfach meinen Horizont erweitert. Es war eine Erfahrung die mir niemand nehmen kann. Man bekommt einen Namen und ist nicht mehr der Unbekannte. Manuel Chmiel 24 Jahre /// Skill Möbelschreiner /// Teilnehmer World- Skills São Paulo 2015 – Exzellenzmedaille /// zurzeit an der Meisterschule in Ebern/Bayern (Abschluss März 2018) /// nebenberuflich Kleingewerbetreibender in eigener Firma „Ideenwald Möbeldesign & Schreinerei“ Patrick Aiple 24 Jahre /// Skill CNC-Fräsen /// Teilnehmer WorldSkills São Paulo 2015 – 6. Platz und Exzellenzmedaille /// Euro- Skills Göteborg 2016 – Silbermedaille /// Zerspanungsmechaniker/Anwendungstechniker der CHIRON Werke Tuttlingen in Baden-Württemberg 17

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