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Ich bin nicht Melanie Meiler

Ich bin nicht Melanie Meiler

Tonia Töpfer Tonia

Tonia Töpfer Tonia Töpfer Ich bin nicht Melania Meiler! Champagner ernähren dürfen! Zum Erhalt meiner Konzentrationskräfte brauche ich auch einen gelegentlichen Abstecher in die «New York-Bar», wo die garantiert frischesten Austern der Stadt serviert werden. Austern mit weissem Bordeaux. Nach einem weiteren Schluck Austern mit weissem Bordeaux haben mir schon über manchen Engpass im Schreibprozess hinweggeholfen. Niemand behaupte, es existiere ein Schreibstau, der sich nicht durch Austern mit weissem Bordeaux beseitigen liesse! Gibt es nicht. Es sind übrigens immer die besonders ansehnlichen Speisen, die mich inspirieren. In der perlmutterähnlich glänzenden Schale einer köstlich-kühlen Auster habe ich einige meiner kühnsten Ideen aufblitzen sehen. Aber man muss es sehen. Überhaupt muss eine Schriftstellerin sehen können. Das wusste auch schon die ganz junge Melania Meiler. Sie liest. «Eine Schriftstellerin muss schauen, die Dinge mit Respekt genaustens und in jedem möglichen Zusammenhang sehen, sowohl zeitlich wie geographisch und psychologisch. Nein, nicht starren, schauen. Die Zeichen erkennen, alle Zeichen! Restlos alle Zeichen. Schauen will gelernt sein, und schauen macht müde! Dabei sein, voll, ganz dabei sein, das macht müde! Müde! Müde! Der ganze mörderische Schreibprozess macht müde. Aber die Folter des Schreibprozesses kann ich doch nur auf mich nehmen, wenn ich weiss, dass meine Anstrengung nicht sinnlos und überflüssig im Leeren verpufft. Natürlich ist meine Kunst nur von Bedeutung, weil meine Leser und Leserinnen diese Kunst schätzen und brauchen, weil Sie mich brauchen. Aber mit Leib und Seele den Schreibprozess auszuhalten, genauer, stärker, hellhöriger zu sein, als man sich dies gemeinhin vorzustellen bereit ist. Das Verborgene © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 17 -

Tonia Töpfer Tonia Töpfer zwischen den Menschen aufzuspüren und doch nichts an mich herankommen lassen, das eigene Leben verlangsamen, der Geschwindigkeit der Umgebung zum Trotz! Teilhaben und doch Distanz wahren… Es ist zum…!» Sie schaut vom Buch auf. Hier lässt sie sich zwar gehen, sie war aber schon damals nicht so dumm und dämlich, wie sie in Klagenfurt von einem snobistischen Lohnschreiber in Nadelstreifen, der sich irrtümlicherweise für einen Grosskritiker hält, hingestellt worden ist. Sie liest weiter. «Nichts ist schwerer für eine Frau, als einer Welt entgegenzutreten, die nicht die Ihre ist. In dieser Welt besitze ich kein Gewicht. In dieser Welt bin ich eine Minderheit. Ich bin die Minderheit schlechthin: Ich gehöre zu jener Minderheit der Gesellschaft, die noch immer auf ihrem eigenen Leben besteht, deshalb Höllenqualen leidet, graut und stirbt inmitten von Dummheit und Unbelehrbarkeit, inmitten von so viel unfundierter Überheblichkeit, solch keifender Arroganz. Man nimmt mich nicht wahr, will mich nicht wahrnehmen, weil ich eine Frau bin, weil ich eine intellektuelle Frau bin! Noch spüre ich die Gewalt gegen die Frau, die ich bin, gegen die verachtete intellektuelle Frau… Es ist der Kopf der Frau, der zerstört werden soll…» © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. Sie greift zur Silberflasche. Es schockiert Sie bestimmt nicht, wenn ich erwähne, dass mich meine Mutter längst für eine Trinkerin hält. Sie behauptet sogar, meine Ehe sei an meinem Trinken zer… Oft heiraten Frauen oder gehen sonst irgendwie zugrunde. - 18 -

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