Muttermal

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Muttermal

Zum Aufführungsrecht

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teaterverlag elgg, CH-3123 Belp

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• Der Bezug der nötigen Texthefte - Anzahl Rollen plus 1 - berechtigt

nicht zur Aufführung.

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abzuschliessen, der festhält, wo, wann, wie oft und zu welchen

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tantièmenpflichtig und bedarf einer Bewilligung durch den Verlag.

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auszugsweise - ist nicht gestattet (dies gilt auch für

Computerdateien).

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die Mundart sind nur mit der Erlaubnis von Verlag und Verfasser

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• Dieser Text ist nach dem Urheberrechtsgesetz vom 1. Juli 1993

geschützt. Widerhandlungen gegen die urheberrechtlichen

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• Für Schulen gelten besondere Bestimmungen.

"Es gibt Leute, die ein Theaterstück als etwas "Gegebenes"

hinnehmen, ohne zu bedenken, dass es erst in einem Hirn erdacht,

von einer Hand geschrieben werden musste.“

Rudolf Joho


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Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch

Berufs-, Laien- und Schulbühnen, des öffentlichen Vortrags, der

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vorliegende Text ist nach dem Schweizerischen Urheberrechtsgesetz

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elgger schaulust 3


Beat Sterchi

Das Muttermal

Eine Staatsaffäre

Besetzung 1 Frau, 1 Mann

Bild Dachwohnung einer norddeutschen Grossstadt

«Klotz: Klara, meine Klara!»

In einer Dachwohnung einer norddeutschen Grossstadt (bzw.

Großstadt) leben Klara, eine junge Deutsche, und Klotz, ein

noch nicht alter Schweizer, in mancher Hinsicht auf engem

Raum. Immer wieder – ob sie nun über die ideale Stadt New

York, über Heiratspläne, Krampfadern, den Schwangerschaftstest,

die Schauspielschulaufnahmeprüfung oder über

Sex reden – früher oder später schnappt die Sprachfalle zu

und stellt sich dem gegenseitiges Verständnis in den Weg.

Das leidenschaftlich aufgekratzte Muttermal wird dabei zum

blutenden Mahnmal binnengermanischer Beziehungsprobleme.

Zum Glück gibt es den Zug nach Zürich und damit die

Sehnsucht…

«Klara: Klotz, mein Klotz!»

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Personen

25 Jahre alt, Deutsche, blond, blaue Augen spricht

reines Hochdeutsch, redet schnell, manchmal sprudelnd

30 Jahre alt, Schweizer mit gut bemerkbarem, jedoch

nicht penetrantem Akzent. Bemüht sich nicht,

«deutsch» zu klingen

Ort

Dachwohnung in einer Norddeutschen Großstadt

Hinweis

Die Sprache wird hier ausgestellt, sie dient nur

nebenbei der Entwicklung einer Handlung.

«Das Muttermal» in der vorliegenden Form ist eine

gegenüber dem Typoskript des Autors gekürzte

Fassung. Der ungekürzte Text kann im «teaterverlag

elgg» angefordert werden.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

I

Wochenende. Klara im Bett, Klotz kommt mit Kaffee.

Dornröschen schläft. Dornröschen schläft ewig, Dornröschen

döst und träumt. Und wenn Dornröschen die

Augen aufschlägt, steht der Prinz da und fragt…

Möchte Dornröschen einen Kaffee trinken?

Und was sagt er noch?

Es ist zwar Gift drin, aber nur sehr wenig.

Und Dornröschen reibt sich die Augen, streicht sich die

Haare aus dem Gesicht und fragt…

Liebster Prinz, wann heiratest du mich?

Noch an diesem Wochenende?

Oder erst am nächsten?

Klotz? Heiratest du mich?

Du klingst so fröhlich.

Ich dachte, du magst keinen deutschen Kaffee. Dornröschen

schläft jetzt noch 'ne Runde, die Arme muss ja

sonst immer so früh raus. Und dann gehen wir rüber in

den Wassermann zum Frühstück, ja?

Klara, heiratest du mich?

Aber nur zwei Kinder, Klotz. Versprochen? Nur zwei

Kinder. Zwei Mädchen. Oder ich steh gleich auf und

mache uns ein echt schönes Frühstück. Mit Rührei und

Marmelade. Mit Sahne-Joghurt und Trüffelpaté. Natürlich

mit Schweizerkäse. Und mit jeder Menge frisch

gepresstem Apfelsinensaft. Ich schlaf lieber doch noch

'ne Runde. Und du weckst mich, ja?

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

am Fenster. Vielleicht geh ich runter in den Hafen.

Wolltest du heute früh schon mit mir schlafen?

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Morgens will ich immer, du aber nie.

Und wenn ich will, kannst du nicht.

Ich habe einen anderen Kreislauf.

Die einen fühlen sich matt und schwer, die anderen

fliegen zum Mond.

Ich möchte nur bis in den Hafen.

Vielleicht steh ich lieber doch gleich auf.

Ich träumte, du würdest die Hand ausstrecken und

sagen: Klotz, nimm mich! Die Antwort ist «ja».

Dabei begehrst du mich nur, wenn ich mich dir entziehe.

Du willst nie.

Mit der Distanz wächst auch das Begehren. Mach doch

mal was, das mich beeindruckt.

Ein Mann muss wie ein Tiger sein, denn nur als Tiger

kann er immer Sieger sein.

Du sagst du liebst mich, und denkst, dadurch sei die

Sache ein für allemal geritzt, ja? Geiler Schweizer

Frühaufsteher. Ich glaube, ich steh auch auf.

Die einen teilen aus…

…die anderen stecken ein. Hatten wir doch alles schon

hundertmal. Grosser Klotz wir hobeln dich.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Wie oft du mich am letzten Wochenende wieder angelogen

hast.

Aber heiraten? Klotz?

Ja, heiraten. Ja, sich vermählen, ehelichen, freien,

vereinen, trauen, sich niederlassen und häuslich

machen. Seit drei Jahren halte ich Vollidiot um deine

Hand an.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Sich niederlassen? Wohl in Zürch?

Züüüriiich.

Jo? jo, und denn haben wir da in einem Hüsäli mit

einem Gärteli ein schönes Betteli mit einem Kindeli

und du wärst das Vattärli und ich das Mutterli und wir

wären glücklich wie die sieben Zwärgeli hinter den

sieben Bärgeli. And no more fucking around…

Hinten in meinem Rachen spüre ich das Aufglühen des

Schmerzes. Nach einem leeren Schluck, kann ich die

Galle mit der Zunge kosten. In Zürich gibt es

wenigstens richtigen Kaffee. Und Schauspielerin werden

kann man dort auch.

Ach, Klotz, Liebling, eine Frau wie ich gehört doch

nicht in die brave Schweiz. Sobald ich genug Geld

habe, geh ich eh zurück nach New York. Du, Liebling,

du könntest ja schon mal Brötchen holen. Ich geh jetzt

erst mal auf 's Klo. Ist ja echt Spitzenwetter heute.

Weisst du was? Ich geh erst mal baden und du machst

Frühstück, ja. Ist ja nicht viel zu machen. Aber bitte

nichts, das die Mäuse angeknabbert haben. Und wenn

du Brötchen holst, nicht wieder bloss Schrippen. Auch

Semmeln, Mohn- und Sesambrötchen. Ist eigentlich

noch Lachsschinken da? Klotz? Findest du, ich sollte

mir die Haare färben? Bin ich nicht zu dick? Klotz?

Liebst du mich? Heiratest du mich? Findest du meine

Familie nett? Bin ich klug? Sind andere Frauen doof?

Werde ich berühmt sein? Wirst du eines Tages der

reichste Mann der Welt? Hab ich nicht zu dicke Beine?

Klotz, hast du schon Brötchen geholt?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

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Klara

Klotz

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

II

Traum

Ich möchte einen reichen Mann heiraten, einen Arzt

oder einen aus der Industrie, jedenfalls einer, der Geld

hat. Ich will nämlich schöne Kleider, zwei Kinder und

viel reisen.

Wie hat es angefangen?

Wie fängt so was an?

Zuerst wird immer die Zeitung aufgeschlagen.

Das Wortmaterial wird auf das sorgfältigste vor unseren

blauen Augen ausgebreitet. Und dann müssen wir

uns sammeln. Und deutlich anfangen

Denn was endet, bevor es begann, hat gar nicht stattgefunden.

Wir müssen die Zeichen lesen.

Für jede Rede einen zündenden Einstieg und einen

Schluss mit Aha-Effekt.

Beide hinter aufgeschlagener Zeitung

Wehe du betrittst meine Welt.

Begegne Dir doch endlich selbst.

Liebling?

Ja, mein Schatz?

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Du hast auf anderen Hochzeiten getanzt.

Und du hast in einem anderen Obstgarten die schönsten

Äpfel aufgehoben.

Weisst du eigentlich, dass du noch immer unfähig bist,

dich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen?

Nie habe ich einen Menschen so geliebt wie dich.

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Klotz

Klara

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Klotz

Klara

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Klara

hinter der Zeitung. Ja?

Findest du, was du suchst?

Eine Partnerschaft, die mich bereichert.

Sind meine Wünsche unbescheiden? Bin ich nicht

gross und schlank? Sind meine Beine nicht makellos?

Bin ich etwa kein herrliches Abbild meiner selbst.

Eine seriöse Bindung von einiger Dauer. Noch hoffen

sie fest und ehrlich

Er nimmt seinen Hut vor die Brust, kniet nieder.

Vorzeigbar, temperamentvoll doch zärtlich, intelligent,

aber nicht…

…intellektuell. Offen, direkt und absolut unabhängig.

Ach Wärme gebender und nehmender, Grenzen

setzender und überschreitender, sinnlicher und aufregender

Mann. Dich muss es doch geben.

Du bildhübsche, du schlanke, du natürlich gebliebene

Selbstinserentin. Es gibt ihn.

Einfühlsamer, schöner Gefährte.

Eine starke Persönlichkeit findet ihr Gegenstück.

Liebling, küss mich!

Prinzessin. Königin. Engel.

Die ungezählten Stunden verpassten Glücks. Klotz,

Liebling, lass uns aufholen.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

am Fenster. Der Himmel. Die Stadt. Du.

Wir werden noch so viel voneinander haben.

Meine Klara.

Mein Klotz.

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Das Muttermal

Klotz Bitte rühr dich nicht.

Klara Der Blick über die Dächer.

Klotz Schau!

Klara Die Möwe.

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

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Klara

Klotz

Die Möwe Jonathan.

Liebling, hast du wieder ein Brot hinaus gelegt?

Schau! Die andern kommen auch.

Der ganze Schwarm.

Ohne Köder läuft da nichts.

Kannst du eine haben, kannst du alle haben. Liebling,

halt mich fest.

Meine Partnerin.

Genau wie im Horoskop.

Jonathan!

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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Klara

Klara

Klara

Klotz

Klara

III

Alltag. Früher Nachmittag. Klara kommt von der

Arbeit. Klotz am Tisch.

Warst du überhaupt weg oder haben wir bloss den

ganzen Tag in die Glotze gestarrt? Draussen ist Smog-

Alarm. Bei der Scheisskälte heizen die Leute wie die

Verrückten. Und hier stinkt 's. Wo ist die Flasche, die

hier stand? Blumen brauchen Wasser.

Klotz hustet.

In welchem Stadium befindet sich dein Lungenkrebs

eigentlich? Oder wird das auserwählte Volk der

Schweizer auch von so was verschont?

Klotz hustet.

zurück mit Flasche, giesst Pflanzen. Hier stinkts

wirklich. Aber draussen auch. Du könntest trotzdem

weniger rauchen. Du weisst doch, dass ich Sprechübungen

machen muss. Wo bleiben eigentlich die

Fallen? Du wolltest doch Mäusefallen besorgen. Die

Dreckviecher-Ekelpakete waren wieder auf dem

Kühlschrank. Hat meine Mutter angerufen?

hustet. Ja, hat sie.

Du hattest übrigens Unrecht. Frau Schollenburg macht

keinen Mittagsschlaf. Sie hat mir geraten, früh zu Bett

zu gehen. Ich bin nun aber mal ein Nachtmensch. Sie

hat mir auch geraten, möglichst bald zu heiraten. Ich

sei keine Putzfrau. Ich habe ihr auch gesagt, am

Sonnabend heiratet erst einmal mein Bruderherz. Dann

hat sie wieder endlos über die Torten gequasselt. Beim

Frühstück gab sie mir einen Teil der Bildzeitung. Für

sie sind alle Frauen im Laden «Torten». Und dann war

da so ein Typ, der hat mich von ganz oben herab

angestarrt. Eher so ein Student im Praktikum. Tat mir

jedenfalls echt weh, wie der mich so von weit oben

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

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Klara

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Klara

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Klara

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Klara

herab anstarrte. Lange mach ich diesen Scheiss-Job

auch nicht mehr. Wirklich nicht. Frau Schollenburg ist

ja nett, die hat auch was. Meinst du, ich sollte sie

nochmals umtopfen? Das ist unsere Pflanze, weisst du

das? Manchmal fallen Blätter ab. Störe ich dich etwa?

Setzt sich Klotz auf den Schoss. Ich lege mich ja auch

gleich hin und lese meinen Krimi weiter. Gleich wird

der Mörder gefasst. Ich will nur verhüten, dass du dir

übergangen vorkommst. Streift Pullover über Schulter.

Da auf dem Rücken muss ein Riesenpickel sein.

Kannst du mal? Ja, gut. So, das war unsere Knutschstunde.

Stört es dich, wenn ich hier lese?

Ja.

Ja, wirklich?

Ja, wirklich.

Dann lebwohl Liebling. Geht ab, kommt aber gleich

zurück. Eigentlich kann ich dich gar nicht stören, wenn

ich hier liege.

Klotz hustet kopfschüttelnd.

Bist du mir böse, wenn ich mich ausziehe und noch

mal kurz schlafen lege?

Ich wollte eigentlich alleine sein.

Also hör mal, ich meine, ich bin um halb fünf

aufgestanden. Um halb sechs habe ich schon mit der

ollen Frau Schollenburg Büros geputzt.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Weiss ich doch.

Eben.

Eben.

Glaub bloss nicht, ich wolle dich anmachen.

Tust du aber.

Ich will nicht, dass du auf mich böse bist.

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Klotz steht auf. Bin ich nicht.

Klara Gibst du mir auch einen Zug?

Klotz Nimm dir doch selbst.

Klara Es ist aber die letzte. Hast du Feuer? Danke.

Klotz Anytime.

Klara

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Falls du rausgehst, um Bier zu holen, bringst du auch

eins für mich? Aber nicht zu kalt. Blättert im Krimi.

Und einen Aschenbecher! Pause. Bitte! Liest.

kommt mit Bier. Du sollst bitte heute noch deine

Mutter anrufen.

Wolltest du dich nicht um eine Wohnung kümmern?

Wenn ich länger bleibe. Tritt ans Fenster. Der Himmel

ist wirklich wie Suppe. Den Fernsehturm sieht man

nicht mehr. Wahnsinn.

Ist meine Mutter aufgeregt, wegen der Hochzeit?

Da drüben steht einer und guckt raus.

Und was tust du?

Ich gucke auch raus.

Du guckst zu, wie er rausguckt?

Ich gucke, wie er guckt. Genau.

Dein Leben. Spannend. Geh doch mal rüber. Vielleicht

könnt ihr zusammen rausgucken.

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Du könntest von hier zugucken.

Wie ihr rausguckt?

Wie wir dir zugucken.

Wie ich gucke?

Wie du uns zuguckst.

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Klara

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Klara

Klotz

Aber ich gucke euch nicht zu. Hast du denn überhaupt

nach der Wohnung geguckt.

Die Maklerin verlangt ein Vermögen.

Du findest nie eine Wohnung.

Wenn wir uns nicht streiten, ist alles langweilig. Dreht

sich um sich selbst.

Wenn Harry wieder kommt, dann nur um uns zu töten.

Klappt Buch zu. Sie haben den Mörder gefasst. Blättert

in Zeitschriften, schlägt Zeitung auf. Hast du

meiner Mutter gesagt, dass ich arbeite?

Hat aber kaum zugehört.

Die labbert blind quer durch die Republik. Einmal

musste ich dringend aufs Klo und hab den Hörer auf

den Tisch gelegt, die hat das nicht bemerkt. Heute

startet wieder eine Raumfähre ins All, mit einer Frau

an Bord. Morgen früh 5 h 30 werden im Hafen für den

Bereich Kaffee und Zucker 500 zusätzliche Leute eingestellt.

Arbeitsschuhe, Arbeitskleidung und Arbeitspapiere

sind mitzubringen. Hast du gehört?

Was?

Ach, ist egal. Im Movie läuft eine Marylin Monroe

Retrospektive. «Some like it hot.» Eine Land-WG

sucht Mitbewohnerin. Bist du nicht. Aber hier, WG in

Reinbek hat zwei schöne Zimmer. Je schlappe 325

Mark inklusive. Vielleicht eins für dich. Wieder frei

zum ersten März, Hopplahopp zur S-Bahn, Schwuppdiwupp

zum Hauptbahnhof und ratzfatz im Sachsenwald,

Ruckzuck ans Telefon. Willst du die Nummer?

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Danke nein.

Wäre ich bloss in New York geblieben. Könntest du

mir ein Bad einlassen?

Diese Verkrampfung in mir.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

No, the lady should never have left New York. Ich

hasse mich. Verdammte Kacke. Klotz! Ich will einen

reichen Mann heiraten. All my life has been a long

slow knife. Klotz? Die Küche war voller Mäusekacke.

Du hättest ruhig fegen können, echt.

aus dem Bad. Ich habe gewischt.

Schon nur diese Sprache. Mein Gott Klotz! «Ich habe

gewischt». Ist das überhaupt eine Sprache. «Ich habe

gewischt». Was wir glätten wird gebügelt. So ein Wort.

«Gebügelt». Sagt doch schon alles über ein Volk. Dann

bestellen sie in den Kneipen Stangen. Du fragtest mich

einmal vor allen Leuten, ob ich deine Stange halten

könnte. Mir ist das Blut in den Kopf geschossen.

Klotz! Chrrdrgrckckrudgrckrbr! Schon nur deine

Familie. Das hat mir gereicht. Grüäzi, grüäzi, weit dr äs

Güäzi? Nein, Klotz, schrecklich. Weisst du noch, als

du mich zum picknicken überreden wolltest? Erst

dachte ich, mein Gott, was ist denn das Obszönes, hat

wohl was mit necking und petting zu tun. Kein

Wunder, man bezahlt bei euch auch noch Sackgebühr!

Klotz öffnet Fenster. Kannst du mir mal sagen, wozu

du dieses Fenster öffnest?

Der Nebel hob sich nicht, vor meinen Augen lag keine

Insel. Du wirst als Schauspielerin Erfolg haben. Und

sonst wirst du Künstlerin oder Journalistin.

Ach Klotz, Liebling.

Du bist ein verbales Wunder.

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Bloss weil ihr Schweizer alle eine schwere Zunge habt.

Ich liebe es, dir zuzuhören. Wie du auflebst, wenn du

redest. Ich beneide dich.

Don’t give me that bullshit. Ich weiss ja, dass ich ein

Versager bin. Die Paula, die findest du gut. Gib 's zu!

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

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Klara

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Klara

Die sei so fleissig, so lebendig, so kreativ. Das hast du

gesagt. So genial!

Das ist doch deine Freundin.

Ich bin doch die doofe Ziege, die sich morgens um halb

sechs mit der ollen Schollenburg trifft und bei einer

verdammten Exportfirma Abfalleimer leert und wie

bescheuert anderen den Dreck wegputzt. Aber ich will

auch kreativ sein! Ich möcht doch nur, dass über mich

mal jemand sagt, ich sei genial oder kreativ.

Hey Baby. You are going to be one fucking hell of a

fucking son of a bitch much more fucking famous than

even fucking Marylin Monroe. Ich bin doch hier und

bewundere dich. Komm, du gehst jetzt baden, und dann

gehen wir ins Kino.

Wenn ich bloss nicht schwanger bin. Mir ist so übel.

Ich bin so total Fertig. Guck mich nicht so an. Wäre ich

bloss in New York geblieben. Ich meine, in New York,

da hatte ich noch was drauf, da war auch ich noch

lebendig! Ja, ich war auch mal lebendig. Und hübsch

war ich… Wenn ich bloss kein Aids habe. Klotz, mein

Gott, jetzt noch Aids. Nein. Nein.

im Türrahmen stehend. In meiner Familie sagt

niemand «grüäzi». «Güäzi» schon. Das sagten sie auch

von dir. «Was isch de das für nes Güäzi?» Das kann

aber auch ein Kompliment sein.

Seit Tagen leide ich an Gliederschmerzen. Ein klar

erkanntes Symptom.

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Vom Putzen, weil du es nicht gewohnt bist, körperlich.

Und hübsch bin ich auch nicht mehr. Mein Hintern ist

einfach viel zu dick, viel zu dick. Ich habe mich doch

im Spiegel gesehen. Bin ich erschrocken. Und dann

diese Krampfadern, echt toll, echt Spitze! Krampfadern

wie ein Pferd. Das erinnert mich so an meine Mama.

Die hatte auch so eine riesige Scheibe mit einem

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Schlitz drin. Sag mal, kannst du mir vielleicht für

morgen 50 Mark leihen? Können es auch hundert sein?

Seifst du mir dann den Rücken ein?

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Das Muttermal

Klara

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Klara

Klotz

IV

Alltag. Klara im Badezimmer, Klotz am Fenster.

ruft aus dem Bad. Warum willst du eigentlich immer

im Hafen spazieren gehen? Das stinkt da so abscheulich.

Ach, ich habe wieder nichts zum Anziehen. Wenn

du wenigstens… ein schönes Hemd oder so. Erscheint

unter Tür. Sag mal, wie verliebst du dich eigentlich?

Ich? Was?

Liebe auf den ersten Blick. Wirft sich rauchend in

Pose. Einmal hat mich ein Typ auf der Stelle unheimlich

angemacht. Einfach so: Paff! Zack! Und ich

glühte. Kuno hiess er. Ich schmolz dahin wie Butter.

Der absolute Wahnsinn war das. Irre. Wie das abging!

Wie sich herausstellte, hatte er leider Beischlafschwierigkeiten.

Wir fuhren zu einem Fluss zum

Baden, weil ich aber meine Tage hatte, nannte er mich

schon nach dem zweiten Fehlversuch «bloody cunt».

Und weisst du was im Auto am Radio lief, als er mich

nach Hause fuhr? «I can't get no satisfaction».

bemüht, sie nicht anzuschauen. Das sind die Unwetter,

die sich im Nebel anschleichen.

Irre, nicht? «I can't get no satisfaction».

Plötzlich stehst du da, tropfnass, schaust an den aufgeweichten

Kleidern runter und kannst es nicht fassen.

Dich mochte ich auch auf den ersten Blick. Du warst so

süss, hast mir die ganze Zeit zugehört und einen

Campari nach dem anderen spendiert. Ich mochte dich

sehr, dachte aber auch dauernd, mein Gott, ein

Schweizer.

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Kein Aufführungsrecht.

Aber Dornröschen irrte sich.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Der Prinz, auf den ich wartete, warst du allerdings

nicht. Warst du überhaupt beim Arzt? Du musst unbedingt

einen Arzt aufsuchen.

Und du wolltest einen Schwangerschaftstest machen

lassen.

Mein Gott, Klotz, ich habe dir ein Muttermal aufgekratzt.

Das kann Krebs geben.

Du hast mich verletzt.

Morgen gehst du zum Arzt. Oder ich rufe an. Das ist

dringend, das ist gefährlich.

Ein kleiner Leberfleck, immerhin aufgekratzt. Kratz

mir noch mehr auf.

Ich will nicht mit dir schlafen. Ich will nicht. Ich will

mich aufs Bett legen und einen anderen Schundroman

lesen. Oder fernsehen. Meine Mama muss ich anrufen.

Das mit Aids deprimiert mich so, ich habe im Bad

einen Artikel gelesen. Vielleicht sollten wir doch

heiraten. Eine Bekannte von Paula hat in 'ner Disco

einen Typen aufgerissen. Sie hat ihn auch mit nach

Hause genommen, der sei morgens aber unbemerkt

abgehauen, habe rein nichts zurückgelassen, ausser mit

Lippenstift auf dem Toilettenspiegel den Satz «Welcome

to the Aids-Club». So ein verdammtes Schwein.

Nein, die Medien spielen das nicht hoch, im Gegenteil,

die spielen das runter. Aber du bist so konturlos, so

verklemmt, so steif.

Ich bin Schweizer.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Und Komplexe hast du auch. Ich liebe dich wirklich

nicht. Ich meine, du handelst nicht, du tust nichts. Ich

meine, du musst doch wissen, was du tust, was du

willst!

Nie habe ich eine Frau so geliebt wie dich.

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Das Muttermal

Klara

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Klara

Klotz

Klara

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Klara

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Klara

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Klara

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Klara

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Klara

Klotz

Klara

Und diese Sprache! Man kann doch reden können, wie

es menschenwürdig ist! Dabei kannst du dir nicht mal

erlauben, in einer Stadt eine Wohnung zu nehmen. In

deinem Alter. Ich meine, Peter hatte auch kein Geld,

hatte aber wenigstens Stil. Und Geschmack hatte er

auch. Wenn ich mir deine Klamotten anschaue.

Ich bewundere dich.

Und Spass bei der Liebe habe ich auch nicht. Wir

streiten, wenn wir zusammen sind.

Schau mal auf deine Uhr. Siehst du, wie lange ich dir

zugehört habe? Jetzt hör mir doch mal zu!

Was willst du, sag schon.

Ich will dir nur was zeigen.

Eine Intimität etwa? Doch nicht zufälligerweise etwas,

das meinen Körper betrifft?

zieht Klara sanft auf seinen Schoss. Wenn wir so miteinander

reden, ohne jegliche Distanz, dann ist doch

die Gefahr, dass du mich missverstehst viel geringer.

Geschickt gemacht, sehr geschickt.

Für einen Schweizer. Zündet sich eine Zigarette an.

Für einen bauernschlauen Schweizer.

Weil ich mich nicht habe, will ich dich.

Du hast dich einfach nicht in der Hand, du hast dich

nicht im Griff.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Mich nicht, aber dich.

Klotz, ich bitte dich.

Wir umschlingen uns. Wir küssen uns.

Jeder hat jetzt den Körperteil in den Händen, der ihm

am anderen am meisten bedeutet.

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

geht zum Fenster. Ein richtiger Mann muss wie ein

Tiger sein, denn nur als Tiger wird er immer Sieger

sein.

Hast du die Wäsche gemacht?

Ja.

Die Wollsocken auch?

Ja.

Von Hand?

Ja, klar.

Und sauber?

Das Wasser war schwarz.

Wollen wir vor dem Kino nicht noch eine Kleinigkeit

essen? Meine Mutter könnte auch zurückrufen, die

weiss doch, dass ich kein Geld habe. Es geht eh nur um

die Hochzeit meines Bruders. Soll ich uns nicht ein

paar Brote machen? Mein Bruder Fritz war immer ihr

Lieblingskind. Und jetzt heiratet der Fritz eine

Schwarze. Eine schwarze Amerikanerin. Meine Mama

ist ja so eine Chaotin. Wenn du meinst, ich sei

schlimm, die ist viel schlimmer. Du, die kommt rein, da

fliegt die Jacke auf einen Stuhl, rutscht von dort runter

auf den Boden, wo die hingeknallte Tasche bereits

umkippt und sich entleert. Da rollt ein Marmeladeglas

quer durch die Küche, keiner beachtet es, Obst kugelt

und kullert davon, keiner beachtet es, und ihre

abgelatschten Schuhe landen auf unerklärliche Weise

auf dem Tisch, noch bevor das Marmeladeglas

krachend gegen die Wand schlägt. Dann geht das

Geschrei nach den Brüdern los. Jeden einzelnen ruft sie

mehrmals beim Namen, bis sie merkt, dass keiner da

ist. Ich habe mich als Kind so geschämt. Wegen des

Chaos und allem. Hier wüten vielleicht die Mäuse, aber

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

- 20 -


Das Muttermal

dort! Da lagen Windeln unmittelbar neben dem

Kochtopf. Das musst du dir vorstellen. Da kochst du

vor dich hin und plötzlich siehst du die Windeln des

kleinsten Bruders dampfend auf dem Herd. Das war

fürchterlich. Die schaffte das einfach nicht. Im Grunde

wollte sie ganz anders sein, redete auch dauernd von

Ordnung und Sauberkeit, verzweifelte vielleicht sogar

daran, dass sie es nicht schaffte. Ab und an kam dann

mein Vater und schrie uns alle an. Der hielt sich da

möglichst raus, wollte seine Ruhe haben, der hatte eine

doppelte und gepolsterte Tür an seinem Arbeitszimmer.

Und im Sommer schleppte er uns dann alle nach

Norwegen. Zum Zelten und so. Bei den Mücken und

wir mit unserer Haut. Wie waren alle zerstochen wie

Omas Nadelkissen, echt. Mein Vater ist der Typ, der

zum Urlaub gerne in die Schweiz gefahren wäre, um

uns auf die Berge raufzujagen. Die Schweiz kam aber

Gott sei Dank nicht in frage. Bei der Menge Kinder, da

war die Schweiz einfach viel zu teuer. Sag mal, wo hast

du denn diese Zigaretten her?

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Kein Aufführungsrecht.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

V

Abend. Klotz und Klara beim Aufbrechen

Halb acht.

Erst erzählst du mir, wie gut Peter kochen konnte und

dann kommst du auch noch mit dem komischen Jens.

Ich sagte lediglich, Peter beherrschte es einfach, auch

wenn nichts im Haus wer, mit zwei Eiern ein stilvolles

Dîner zu fabrizieren. Mit Blumen auf dem Tisch, mit

schönen Gläsern. Während du… du möchtest am

liebsten ein Hausmütterchen aus mir machen.

Ich habe nur gesagt, ich wolle nicht dein Hausmütterchen

sein.

Jens, das ist doch längst gegessen. Nimmst du deinen

Mantel nicht?

Du hast doch damit angefangen.

Womit? Mit Jens?

Nein, mit Treue und so, eben.

Aber wegen Aids. Du aber wackelst gleich wieder mit

dem Zeigefinger und machst dir Sorgen um die Welt.

Ich sagte nur, du hättest ihn verführt.

Nicht direkt. Aber das geht dich gar nichts an. Wo ist

dein Mantel?

Du warst mit ihm im Bett.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Das kann man so nicht sagen. Nein.

Hast du oder hast du nicht?

Ein bisschen. Nur auf dem Sofa.

Aber das sag ich ja.

Bitte erspar' mir deine Kleinstaatlermoral.

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Aids hin oder her, die Antwort ist «Ja».

Wenn der nicht schon beim zweiten Mal versucht hätte,

mich zusammen mit dieser blöden Tootsi von der

Kunsthochschule flach zu legen, dann wäre vielleicht

wirklich was draus geworden.

Ich bringe schon mal den Müll runter. Warum ziehst du

jetzt meinen Mantel an?

Weisst du, was du bist dagegen? Ein Busengrabscher.

Genau. Ein biederer Busengrabscher. Ein ganz biederer

schweizer Busengrabscher.

Wenn du nie mit mir schläfst!

Bei dir ist die Grenze des guten Geschmacks ein Abgrund.

schaut auf seinen Mantel. Ich dachte, ich hätte nur

hässliche Klamotten.

Nicht wenn ich sie trage.

Und was ziehe ich an?

Deine Jacke. Ich habe immer gerne die Sachen meines

Bruders getragen. Er auch meine Sachen. Vor dem

Spiegel. Kommst du? Dein Mantel steht mir. Gehen

wir?

setzt sich. Nein. Ich habe diesen Film schon oft gesehen.

Vielleicht gehe ich später noch rüber in den

Wassermann.

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Kein Aufführungsrecht.

Klotz, wir waren verabredet.

Du könntest auch deine Rollen üben für die Aufnahmeprüfung.

Eboli zum Beispiel.

Prinzessinnen-Schnepfe!

Hab ich gesagt, dass es mir leid tut, oder nicht?

Habe ich gesagt, dass es mir leid tut oder nicht?

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klar

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Sonst bist du doch diejenige, die sich immer durchsetzt.

Ist ja auch höchste Zeit, dass wir Frauen uns mal

durchsetzen, ja?

Die Frauen setzen sich noch immer nicht durch. Du

setzt dich durch!

Bin ich etwa keine Frau?

Nicht die Frauen. Aber du, du setzt dich immer durch.

Fast immer.

Immer. Immer. Und ich bin es langsam satt, dauernd

der Klügere zu sein. Der Gescheitere.

Du willst der Gescheitere sein? Manchmal möcht' ich

wirklich, du würdest dich durchsetzen, würdest

kämpfen wie ein Krieger um die süsse kleine Klara.

Aber komm, jetzt lass uns gehen. Und morgen, wenn

ich nicht schwanger bin, besorg' ich mir die Pille. Das

versprech' ich dir.

Nicht wegen mir. No more Sex. Ich will mir das

abgewöhnen.

Du?

Immer dieser Stress.

Und du gehst auch zum Arzt. Einverstanden?

Wegen dem Muttermal?

Wegen des Muttermals, Klotz. Wegen des Muttermals.

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

VI

Klotz im Bett, Klara bringt Kaffee.

Ich meine, die verdammten Dreckviecher fühlen sich

da ganz schön zuhause. Eben musste eine noch dreimal

mit dem Schwanz wedeln, bevor sie sich entscheiden

konnte, die Flucht zu ergreifen. Na? Du hast ja gar

nicht versucht mit mir zu schlafen.

Ist Dornröschen doch noch aufgewacht?

setzt sich auf das Bett und parodiert die Sprechweise

von Klotz. «Du magst mich nicht, du liebst mich nicht,

findest du mich widerlich?»

Was soll das?

Und die Ausreden. Erst sagst du, du hättest schlecht

geschlafen, dann bist du zu nervös, dann tut dir etwas

weh, dann fragst du auch noch, ob ich nicht längstens

auf der Arbeit sein sollte. Bloss um mich los zu

werden. Deutscher Kaffee. Tut mir leid. Komm, dreh'

dich mal um! Wie geht es unserem Muttermal?

Kalter Kaffee.

Klotz, heute gehst du zum Arzt. Ich auch. Frau

Schollenburg schafft das allein mit Links. Weisst du

eigentlich, wieviele Männer mit mir schlafen möchten?

Ich glaube, du erträgst keine starken Frauen. Keine

aktiven Frauen. Du kannst nur, wenn ich nicht will.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Hm.

Dazu muss dir doch wirklich mehr einfallen. Klotz.

Schlag mal nach in deinem Rachensprenger- und

Grunzlaute-Katalog. Du kannst nur, wenn ich nicht

will. That’s it. Klotz parodierend. «Und jetzt stehst du

noch nackt hier rum. Brauchst mir doch nicht vorzuführen,

was ich nicht kriegen kann.»

Das machst du gut, besser als deine Eboli.

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Klara

wirft sich in Pose. Die kann ich auch.

«Sie war gemeint, wo ich so grenzenlos,

So warm, so wahr mich angebetet glaubte?

O ein Betrug, der ohne Beispiel ist!

Und eine Schwäche habe ich ihr verraten…»

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Den Schiller schaffe ich vor dem Frühstück.

«Wo unerhört der glänzendste Monarch

Der Erde schmachtet. Wahrlich! solche Opfer

Bringt hoffnungslose Liebe nicht. Wie feurig

War nicht sein Kuss! Wie zärtlich drückt' er mich,

Wie zärtlich an sein schlagend Herz!»

Und?

Na, bravo! Very good. Wirklich. Very good.

Ha!

Warum bist du plötzlich so lieb?

Mir geht es gut. Zerbrich dir bloss nicht den Kopf, was

das bedeuten soll. Es ist nicht, dass ich lieb bin. Kannst

dich nicht einfach freuen, wenn es mir einmal ein

wenig gut geht? Vielleicht kommt das von deiner Erziehung.

Kleinbürgerlich artig.

Moralisch…

Du setzt mich doch damit unter Druck. Mit diesem

«lieb-sein-müssen».

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Lass uns streiten.

Ich finde dich sexuell unattraktiv, werde dir sicher

auch bald wieder untreu sein. Vielleicht nicht mit

einem Mann, aber bestimmt mit einer Phantasie. Mit

meinem Traum von New York. Die Prüfung kann ich

auch vergessen.

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Die Eboli kannst du doch.

Du hast doch davon keine Ahnung. Wär' ich bloss in

New York geblieben. Ich meine, New York hat mir

echt 'ne Wahnsinnsmenge gebracht. New York hat mir

die Augen geöffnet. Als Mensch, als Frau. In New

York habe ich das Leben gesehen.

New York, New York. Ich höre immer nur New York.

Ja, New York ist New York. Das kannst du gar nicht

verstehen. Ich liebe New York. In New York ist die

kleine Klara aufgewacht. Und jetzt sitz ich hier.

Mit mir.

Geh du mal Büros putzen. Die blöde Paula, ja, die

haben sie genommen. Die hat ja schon ein Diplom von

der Journalistenschule. Was hat die, was ich nicht

habe?

Hör doch auf.

Schau mich an! Sag die Wahrheit! Was du ehrlich

denkst.

Natürlich kommst du auf die Schule.

Der Arzt hat mir doch das erforderliche Gesundheitszeugnis

in einem geschlossenen Umschlag überreicht.

Das ist doch üblich.

Nein.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ärzte verkleben nun mal ihre Zeugnisse.

Ich habe doch seinen Blick gesehen, als er mir die

Augenlider auf zog. Wie der mich anschaute. Der sah

eine Krankheit. Aids! Klotz! Aids!

Ach, hör doch auf!

Sei doch ehrlich! Ich hab ja nicht mal das Geld, um

überhaupt an die Prüfung zu fahren. Hübsch genug bin

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

ich auch nicht. Und für 'ne Schauspielschule viel zu alt.

Das sagen alle.

Erst fährst zu jetzt mal an die Hochzeit deines Bruders.

Wär' ich bloss in New York geblieben. Vielleicht bin

ich ja schwanger.

Ich kann es nicht mehr hören!

Mein Busen ist angeschwollen. Und der Knoten hier,

ist immer noch da. Klotz, wo willst du hin?

Weg! Ich will weg!

Ach, Scheisse. Ich find mich ja auch apathisch und…

Aber mit Schreien holt man da doch keinen raus. Tut

mir ja leid, aber ich werd' nur noch älter und

hässlicher. Gib es zu, du findest mich auch zu dick. Ich

bin dick. Oh, ich bin dick.

Klara, du bist…

So dick. Schrecklich.

Überhaupt nicht dick.

heult. Oh Gott, bin ich dick. Ich bin dick. Ich bin so

dick geworden. Dick. Dick. Dick.

Vielleicht hast du hier und dort ein bisschen zugelegt,

aber du bist doch nicht dick.

Bin ich dick! Oh, nein. Ich bin ja so dick!

Na und wenn. Es steht dir ja. Denkst du etwa deine

Marylin sei immer nur schlank gewesen. Die hatte

manchmal auch ganz dicke Schenkel.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Es steht mir! Nein, nein, ich bring' mich um. Ich

sammle Valium und bring' mich um. Je früher, desto

besser. Aus mir wird nichts. Ich pack' das nicht.

Sinnlos, dass ich überhaupt zu dieser Prüfung fahre.

Nein, der Prinz, der könnte mich vielleicht retten, aber

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

der bist du nicht. Wo bleibt bloss mein Prinz? Wo

willst du hin? Ach, Scheisse. Jetzt bist du böse, dass

ich dich angefaucht habe. Wenn ich endlich meine

gottverdammten Tage kriege, werde ich mich besser

fühlen. Ich bin jetzt so in mich selbst verstrickt, ich

weiss es ja. Aber an dir prallt alles einfach so ab. Paula

kennt eine ehemalige Schauspielerin, die jetzt über

Prüfungen informiert. Worauf es ankommt und so. Mit

der mach ich einen Termin aus. Ich habe solche Angst.

All die vertanen Jahre. Mein Gott, wenn ich nirgends

mehr reinkomme. Ich will nicht für den Rest meine

Lebens mit Frau Schollenburg in hanseatischen Exportfirmen

Männerpisse von Kloschüsseln putzen. Aber du,

du bist immer so unberührbar. So… so neutral.

Ich liebe dich trotzdem.

Du sollst mich aber nicht trotzdem lieben. Weil sollst

du mich lieben. Ich will geliebt werden weil! Weil ich

ich bin.

Ich liebe doch, weil du du bist.

Ich will ich sein. Mich selbst. So wie ich bin. Um

meiner selbst willen. Aber wie könntest du, du das verstehen?

Du kennst mich ja nicht. Ich will geliebt

werden, weil ich bin, wie ich bin. Weil ich ich bin.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

VII

Klotz, am Fenster, spielt mit einer Mausefalle. Klara

liegt mit einer Zeitung auf dem Bett.

In der Küche tanzen die Mäuse, vor dem Fenster

kreisen die Ratten der Lüfte, der Smog wird immer

dicker, im Hafen werden Kaffee und Zucker gelöscht,

im Wassermann spielen die Schulschwänzer Billard,

die Jungs von der Szene stürzen die ganz grossen

«Holsten» runter, auf dem Weg zum Himmel stürzen

brennende Raketen ab, alles bewegt sich, die Erde

dreht sich, und schon wird es wieder langsam dunkel.

Wenn du dich wenigstens vor Selbstmitleid im Bett

wälzen könntest. Aber nein, da liege ich drin, lutsche

Bonbons, rauche deine Zigaretten und flippe Zeitschriften

durch.

Immer, wenn mir kalt ist, liegst du im Bett.

Das mit der Raumfähre ist echt Scheisse. Da war eine

Frau an Bord. Eine Lehrerin. Die sollte aus dem All

Unterricht erteilen. Ihre Schulklasse war beim Start

dabei, die Kinder haben gejubelt, dann explodiert das

Ding. Aus! Futsch. Fertig.

Kap Karneval.

Du weisst genau, das heisst nicht Kap Karneval.

Für mich heisst das sehr wohl Kap Karneval.

Ich will nicht streiten.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

ironisch. Aber ich.

«Viel Freude und Herzlichkeit finden sie in der

Familie. Die Arbeit macht heute besonderen Spass. Die

Dinge des Tages regeln von selbst.» Na?

Komm schon, eine Runde.

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Du manipulierst mich.

Du provozierst mich.

Weil ich nicht mit dir schlafe?

Weil du dein ganzes Leben verpennst.

Kriegst deines selbst nicht auf die Reihe. Und falls du

mir sagen willst, dass ich den Job los bin, falls ich

morgen nicht hingehe, kannst du dir den Hinweis

ersparen. Ich weiss es selbst.

Du weisst nur, was dir gerade passt.

Ach, hör auf mit deinen blöden Sprüchen. Hör auf, an

mir rumzunagen. Ich hab deine Liebe satt. Ich bin nicht

deine Übermamma.

Warum ist das ein blöder Spruch?

Das weisst du selbst.

Warum? Sag doch!

Merkst du denn überhaupt nicht, was hier abgeht? Du

hängst hier rum wie vom Ochsen getreten und erpresst

mich mit deiner spiessigen Sex-Sucht. Das würde dir

so passen, ja, die schicksalhafte Leidenschaft, die dich

unabänderlich wie die verdammte Schwerkraft erfüllt

und beherrscht! Die grosse Liebe, die dich von

jeglicher Verantwortung für dein Tun entbindet! Hier

liege ich, ich kann nicht anders, wenn es sein muss,

schlagt mich tot! Denkst du, das macht mich an? Krank

ist das.

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Weiter, bitte! Es ist nie genug!

Ich will sogar ein Kind. Aber nicht von dir!

Weiter.

Ich bin nicht schuld, dass du nicht glücklich bist. Dass

du pleite bist. Bloss weil ich nicht andauernd mit dir

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

ficken und vögeln will. Klotz, ich muss zum Arzt.

Wegen dir, du Idiot.

Noch bin ich nicht pleite. Nicht ganz. Ich wollte dir

einen Vorschlag machen. Aber sprich nicht mehr so

achtlos von der Liebe.

Vom Ficken und Vögeln? Vom Ficken und Vögeln

sprech' ich, wie ich will.

Ich befürchte dauernd, du meinst das genau so, wie…

ach Klara. Süsse. Ich habe doch begriffen, dass es für

uns beide besser ist, wenn ich wieder gehe.

Ich jedenfalls werde dich nicht daran hindern.

Möchtest du ein Bier? Ich weiss ja, dass du Schiller

zitieren kannst, wenn du mit mir schläfst. Oder die

Zeitung lesen. Ich meine, ich muss… das merke sogar

ich, und… was ich sagen wollte. Mein Beruf, ich

meine… du… das Beunruhigende… ich wollte sagen,

wie unwichtig alles, wie alles so unwichtig geworden

ist. Aber noch bin ich nicht pleite. Deshalb lass uns

einen Pakt schliessen!

zieht seinen Mantel an. Klotz, ich muss zum Frauenarzt.

Schau, du… du… du gibst dich mir einmal hin, eine

Nacht lang voll und ganz, und ich verschwinde aus

deinem Leben.

Klotz!

Einmal, eine Nacht lang totale Hingabe, und weg bin

ich.

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Kein Aufführungsrecht.

Spinnst du?

Ist doch ein Angebot. Ich meine, ich bezahle.

Aber ich schlafe doch mit dir.

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Nicht richtig, nie… bitte sei nicht beleidigt. Ich rede

von der totalen Liebesnacht.

Und dann bin ich dich los.

Aber du musst auch tanzen.

Tanzen? Du weisst genau, dass ich nicht mit dir tanzen

kann.

Nicht mit mir. Für mich.

Mit Strapsen und Strümpfen und so?

Volles Programm. Was hast in New York angezogen?

Einen roten Bikini mit Goldfransen, oder nicht?

Klotz, in New York… Ich meine, da trug ich eine

Perücke, das war in Go-Go-Clubs, das mach' ich doch

nicht für meinen Freund. Du willst mich zur Nutte

machen. Du warst heute Mittag nicht im Hafen.

Wetten, du warst im Puff.

Im Kontakthof. Und im Kontakthof bin ich bei dir seit

Jahren.

Ihr denkt echt, mit Geld lasse sich alles kaufen. Dabei

würdest du gleich einschlafen.

Dann musst du mich wieder anmachen. Komm, Klara,

für dich als angehende Schauspielerin. Ich habe noch

rund dreieinhalbtausend Mark.

Dreieinhalbtausend für eine Nacht?

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Abzüglich Reisekosten für den Weg zurück nach

Zürich.

Du willst mich zur Nutte machen.

Erst wenn ich nichts mehr habe, bin ich gezwungen zu

handeln. Am Wochenende fahr ich.

Und wenn ich schwanger bin?

Bist du nie.

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Ich bin doch kein Endlager für die widerlichen

Konsequenzen deiner vermurksten Jugend. Sonst noch

einen Wunsch?

Nur einen.

Es gibt aber Paare, die schlafen jahrelang nicht zusammen

und gehen trotzdem nicht auseinander.

geht auf sie zu, packst sie am Handgelenk. Ein

richtiger Mann muss wie ein Tiger sein.

stösst ihn zurück. Du setzt dich jetzt an den Tisch und

tust was. Tschüss!

ruft ihr nach. Ich könnte mich auch auf dich setzen

und was tun.

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Kein Aufführungsrecht.

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

VIII

Nacht. Klotz im Bett, Klara trinkt Bier.

Du hast die Fallen gestellt. Klotz, wenn da eine reintappt!

Soll sie doch.

Und was wollte die olle Frau Schollenburg?

Man habe nach dir gefragt.

Geht die doch nichts an. Blöde Ziege. Pause. Mein

Gott bin ich froh, dass ich nicht schwanger bin. Wegen

des Muttermals hab ich auch gefragt. Vielleicht ist 's

nur ein Leberfleck. Wär 's ein Muttermal, müsste das

schmerzen. Und sonst? Hast du meiner Mutter am

Telefon von deinem Pakt erzählt? Die denkt eh, du

seist von mir abhängig. «Pass' auf mein Kind, dieser

Schweizer ist dir verfallen.» Die Alte heute im

Supermarkt hättest du sehen sollen. Ich wollte doch für

die Hochzeit meines Bruders eine Flasche Sekt kaufen

mit dem letzten Geld. Und da gab 's Unterwäsche im

Angebot und Zigaretten brauchte ich ja auch. Jetzt

reichte meine Knete aber nur noch für einen Piccolo.

Im Einkaufswagen nichts als Zigaretten, einen Henkel

Piccolo und drei schwarze Höschen. Und hinter mir

eine Alte mit einem Stock. Das vom Anhalter hab ich

dir erzählt?

Anhalter? Ich glaube ja.

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Kein Aufführungsrecht.

Sie hat doch sofort gemerkt, dass der was von ihr

wollte. Und warum auch nicht, habe sie gedacht, sei

doch ihr Typ gewesen. Und hat ihn mitgenommen in

ihre Wohnung und am nächsten Tag haben fünf

Scheine gefehlt und ein paar Wochen später hat sich

herausgestellt, dass der Hund sie geschwängert hatte.

Geschwängert?

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Kannte nicht mal seinen ganzen Namen.

Aber geschwängert?

Ja, klar, geschwängert hat er sie, das Schwein.

Aber sie war doch dabei?

Natürlich war sie dabei.

Dann ist sie schwanger geworden.

Wieso schwanger geworden? Gottverdammte Kacke.

Er hat sie geschwängert.

Und sie wurde schwanger.

Sie ist geschwängert worden!

Aber, wenn sie doch...

Wenn er sie doch geschwängert hat, das Schwein, ihr

Schweine! Pause. Bis gestern habe ich auch gedacht,

ich sei wieder schwanger. Du hättest mich wieder geschwängert.

Aber diesmal hätte ich dir nichts gesagt.

Bitte nicht.

Du hast mein Kind nicht gewollt! Und du sagst, du

liebst mich. Bringst mich auch noch zu einem Pfuscher

von einem Arzt, wie eine gottverdammte Kuh zum

Schlachter. Und jetzt willst du wieder abhauen. Wärst

du doch gleich in deiner blöden Schweiz geblieben.

Klara schau, du bist müde, du bist gereizt. Bitte nicht

entgleisen. Du bist in Fahrt. Aber du bist kein Zug, der

den Gefahren nicht ausweichen kann. Bitte überfahr

mich nicht.

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Kein Aufführungsrecht.

Hättest du mich mal in den Arm genommen, als ich

einen Schluchzanfall hatte. «Bitte nicht entgleisen»,

«Bitte nicht durchdrehen», «Bitte nicht überfahren»!

Als ob alles in vorgeschriebenen Bahnen ablaufen

müsste. Das Leben ist kein Intercity-Zug! Ich tue und

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

sage, was ich will, deswegen bin ich noch lange kein

Zugunglück. Soll ich etwa nach dem Fahrplan der

Schweizerischen Bundesbahnen funktionieren?

Ist ja gut. Hör auf!

Weisst du eigentlich, wie du mich behandelst? Wie ein

Stück Dreck.

Ist doch nicht wahr.

Zur Nutte machen willst du mich!

Und was ist mit dem Schmerz in mir? Mit der starren

Spannung, der Verkrampfung in meiner Brust? Mich

schmerzt der Gedanke, dir überhaupt nicht zu fehlen.

Dann such' doch wieder Trost im Puff!

Ich war nicht im Puff.

Aber im Kontakthof warst du.

Genau, im Kontakthof, da war ich. Und nachher war

ich auch in der Peep-Show. Wenn du es genau wissen

willst.

Du warst in einer dieser… dieser traurigen Kabinen?

Klotz? Wo man…

…für fünf Mark wichsen kann.

Und da hast du dir einen runtergeholt?

Mehr als einen.

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Du warst in der Peep-Show! Du bist krank. Das ist so

ungefähr das frauenfeindlichste…

Du hast doch in New York…

Und was hat die Frau gemacht? Oder waren da zwei?

…zum Vergnügen der Männer nackt getanzt.

Du tickst nicht richtig. Ich hab das für 's Geld gemacht.

Um zu leben. Aber du, du brauchst echt einen

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Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Psychiater. Denkt man der treibt sich bei den Frachtern

im Hafen rum, dabei steht der mit offenen Hosen…

Klotz, du bist krank. Du brauchst einen Psychiater.

Ich brauche keinen Psychiater. Ich brauche dich.

Still! Hörst du?

Eine Maus?

Nichts. Kichert.

Darf ich jetzt schlafen?

Ich sah dich eben mit offenem Hosenstall in der Peep-

Show.

Die eine tat genau so cool wie du. Heisst das nicht

«Hosenladen»?

Kriegst du wenigstens kein Aids dabei. Oh, dummer

Klotz. Willst du dich wirklich von mir trennen?

Ich bitte dich. Seit der Spätausgabe der Tagesschau

erklärst du mir, dass unsere Flugversuche nur scheitern

können, dass wir unsere Chance verpasst haben,

kommst dann runter zu «wir sollten uns einmal eine

zeitlang nicht sehen», und jetzt fragst du mich, ob ich

mich wirklich von dir trennen wolle.

Ich schaff' das doch alleine alles nicht. Und dieses

Bewusstsein, auch schon wieder in einer Beziehung zu

scheitern. Und nächste Woche die Aufnahmeprüfung.

Aber der Klotz schläft natürlich wieder weg.

Ich schlafe nicht.

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Kein Aufführungsrecht.

Klar. Was habe ich gesagt?

Dass du Angst hast.

Was soll ich bloss tun?

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Die Rollen lernen. In München konntest du nicht mal

die Texte auswendig.

Klotz, mir geht es schlecht.

Dauernd hast du eine Gefühlslage als Entschuldigung

zur Hand.

Wenn es mir verdammt noch mal hundemies geht. Was

habe ich dir getan? Man darf doch noch von einem

Freund erwarten dürfen...

Habe ich das Recht, zu sagen, ich sei hundemüde und

kaputt?

Aber ob es stimmt?

Das entscheide doch ich.

Du glaubst mir doch auch nicht, wenn ich sage, ich

hätte Kopfschmerzen.

Ein Mädchen stand im Regen, wusste weder ein noch

aus, stand zwischen Tür und Angel, war nackt und

ohne Segen, ein Mädchen stand im Regen. Geht in die

Küche.

Und wurde nass.

schreit hysterisch. Gottverdammte Kacke!

Was ist denn?

Die Falle. In der verdammten Falle auf dem Kühlschrank

streckt eine gottverdammte Maus ihren toten

Hintern raus.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

- 39 -


IX

Der Tag danach. Klotz weckt Klara.

Klotz Gleich ist zwei.

Klara Lass mich.

Klotz Du wolltest, dass ich dich wecke.

Klara

Klotz

Sind doch Semesterferien.

Du warst nicht an einer einzigen Vorlesung.

Klara Sind trotzdem Semesterferien. Jetzt lass mich.

Schliesslich bist du wieder auf mir rumgeritten die

ganze Nacht. Oder du wolltest auf mir rumreiten.

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Deine Mutter hat angerufen. Und Frau Schollenburg.

Deine Mutter zweimal. Frau Schollenburg wünscht dir

gute Besserung.

Ich bin nicht krank. Ich kann diesen Scheissjob zwar

nicht ausstehen, deswegen bin ich aber noch lange

nicht krank.

Sie haben es ja auch nicht geglaubt.

Haben die mich etwa gefeuert?

Sagt Frau Schollenburg.

Bloss weil ich zwei Tage nicht… Ich meine, wie die

mit mir umgegangen sind, so wie die mich behandelt

haben! Das ist die reinste Sklaverei. Du kennst mich,

ich meine, als Frau muss ich mich wehren, da schuftet

man morgens um halb sechs, wenn alle Männer noch

ihren Tiefschlaf pennen… Mir fallen jetzt noch die

Arme ab.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Warst ja auch nur eine Woche dort.

- 40 -


Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Das macht mich so wütend. So eine Gemeinheit! Ich

werd da hingehen. Die können sich mein ausstehendes

Geld hinten reinstecken. Steht auf.

Ich würde das nicht so persönlich nehmen. Komm,

trink eine Tasse Kaffee.

Ich bin einfach fertig. Und wenn du jetzt sagen willst,

ich hätte auch gestern hysterisch reagiert, kann ich dir

nur sagen: Geh du mal mitten in der Nacht in die

Küche, ohne Licht. Ja, und öffne den Kühlschrank,

eine Hand schon am Hals der Bierflasche, und dann

siehst du diesen ekelerregenden Mäusehintern und

diesen ekelerregenden Mäuseschwanz.

So ein Schrei, wegen einer kleinen Maus.

Das mit dem Schreien ist Nervensache. Ja wohl. Und

wenn du jetzt denkst, dass ich eine blöde Ziege bin,

Recht hast du! Sonst hätte ich dich längst verlassen.

Aber mein Selbstschutzmechanismus scheint zu versagen.

Ich glaub', ich hab echt 'ne Klatsche weg.

Nicht mehr ganz dicht unter dem Pony, wa?

Wie sehnsüchtig du mich wieder anstarrst.

Sogar deine Mutter weiss, dass ich dir hörig bin.

Wie du wieder angezogen bist. Bestimmt wartet in der

Schweiz so 'ne Latzhosen-Julia auf dich, du Strickjacken-Romeo.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ich liebe dich.

Und ich fahr zurück nach New York. Klotz, lass mich!

Ich meine, mein Bruder, mein grosser Bruder, der

heiratet übermorgen eine Amerikanerin. Ich heirate

keinen Schweizer, vielleicht heirate ich auch besser

einen Schwarzen. Mit Musik im Blut.

Das habe ich dir aus der Stadt mitgebracht. Zieht Buch

hervor. Dürrenmatt, aus einer Ramschkiste. Ich schlage

- 41 -


Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

es auf, einfach so, und was lese ich? «Wir können in

dieser Stadt nicht zusammen leben, wir müssen uns

trennen - ja - für immer - ja - dabei liebe ich dich so,

ich möchte die Welt ginge unter, ich möchte, dass du

mich noch einmal nimmst.»

Literatur. Parodierend. Mein Herz, mein Herz, mein

Herz zerreisst bei dem Gedanken an die missachtete

Liebe. Hast du kein weiteres Archivmaterial zum

Dazwischenschneiden?

Der Nebel hob sich nicht, vor meinen Augen lag keine

Insel.

Schweizer Lyrik.

nimmt Taschenmesser hervor. Hab ich mir auch gekauft.

Ein Messer!

Ein Taschenmesser! Ein Offiziersmesser.

Hab ich gekauft, damit ich Bierflaschen besser

öffnen… Klappt nahe vor ihrem Gesicht und dicht an

ihrem Hals einzelne Klingen auf. Und damit ich den

Wein besser aufziehen kann.

Hör auf Klotz.

Und damit ich das Brot besser schneiden kann. Und

Fleisch.

Steck das Messer weg! Ich schreie gleich so laut ich

nur kann.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ist doch praktisch.

Ich hasse dich.

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Das Muttermal

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

X

Klotz und Klara steigern sich.

Was such' ich in der deutschen Nacht?

Ich meine, auch an meinem Geburtstag, was du mir

geschenkt hast. Okay, du hast kein Geld. Aber solche

Geschenke.

Das war doch gut gemeint.

Das reicht leider nicht ganz. Auch Paula war

schockiert. So was bringt echt nur ein Schweizer.

Und du bist Deutsche.

Lieber Deutsch als gar nichts.

Ich bin nicht nichts.

Aber gar nichts! Weisst du, wie gross du bist? So klein

bist du. So klein. Kleiner als Mäusekacke. Du, du verbringst

dein Leben beim Billard im Wassermann, wenn

du dir nicht gerade mit offenem Hosenstall in einer

Peep-Show einen runter holst.

Dein spiessiger Traum von «ein bisschen Normalität»

und diese grenzenlose Arroganz.

Du bist du viel zu arrogant, um erkennbar arrogant zu

sein. Du brauchst auch echt 'ne Therapie. Das ist kein

Witz. Kannst ja zum Hundepsychiater gehen, falls dich

der Geiz sticht. Da kannst du sicher ein paar «Fränkli»

sparen.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Dir hat eure Mama ja beigebracht, es zeuge von Charakter,

wenn man möglichst viele Regeln bricht.

Sehr viel hat dir deine Alte echt nicht beigebracht.

Aber bei dir ist das zwanghaft! Nichts, rein nichts

nimmst du je auf dich. Wo du kannst, brichst du einen

Streit vom Zaun! Weisst du, was das ist? Das ist

typisch Deutsch. Da bin ich doch lieber brav und

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Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

spiessig. Auf eure Charakterstärken können wir verzichten.

All you want is my arse!

Du, du setzt dich mit fremden Leuten an einen Tisch…

Und weil du den nicht kriegen kannst, machst du

daraus eine Staatsaffäre. Hau doch ab in deine blöden

Berge, wenn du nicht mitkommst, mit dem Leben.

…ich meine du setzt dich zu anderen Leuten an den

gedeckten Tisch und rauchst innert kürzester Zeit aus

jeder Schachtel, trinkst den Wein gleich aus allen

erreichbaren Gläsern.

Das war vor drei Jahren, du Idiot.

Ha, ha! Du nimmst und nimmst…

Weil es mir so wahnsinnig schlecht ging, weil du…

weil du mein Kind nicht wolltest!

Du wolltest mich nicht!

Du wolltest mein Kind nicht!

heftig. Das wolltest du nur gegen mich.

Bitte beherrsche dich.

Und du? Warum beherrscht die sich nie?

Schlag mich doch!

Genau das willst du ja.

Und du wagst es nicht.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Du weisst, dass ich stärker bin.

Nicht mal deine einzige Überlegenheit weisst du Klotz

zu nutzen.

Hör auf!

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Das Muttermal

Klara

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Komm, komm! Schlag mich ins Gesicht!

Spuren von Gewalt

Mama!

Ruf sie doch endlich an, deine zartfühlende Mama aus

Fels und Stein.

Raus aus meiner Wohnung! Du bist total gestört, krank

bist du.

Die betrachtet es ja noch als Verdienst, solche Menschen

wie dich in die Welt gesetzt zu haben.

Selbstgerechtes Arschloch, verschwinde aus meiner

Wohnung!

Hysterisches deutsches Zertrümmerweib.

Raus! Du fettes Schwein. Ich hasse dich, ich kann dich

nicht mehr sehen. Fettes Schweizerschwein!

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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XI

Siegerehrung. Klotz und Klara mit Blumen.

Klara Ich bin noch gar nicht wach.

Klotz Liebling, ich muss.

Klara Noch eine Tasse Kaffee, noch einen Kuss.

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Klara

Klotz

Immer muss ich gehen.

Komm bald zurück.

Sobald ich kann.

Ach, Süsser.

Klara. Meine Klara.

Mein grosser Klotz.

Wenn ich dich anschaue.

Immer fährst du weg.

Ich bring' dir was mit.

Was ich will?

Was du willst.

Ich dachte, du könntest mir ein Parfum mitbringen.

Du musst nur sagen welches.

Aber nur, wenn du willst. Es ist sehr teuer.

Ein Mann muss wie ein Tiger sein.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Und komm bitte gesund zurück.

Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder hier zu sein.

Ich freue mich auch, aber so liebe ich dich auch wieder

nicht.

Klara, meine Klara.

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Das Muttermal

Klara

Klotz

Klara

Klotz, mein Klotz.

Klara, ich muss.

Ehe du gehst, nur noch ein letzter Kuss.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

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