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Schachnovelle

Schachnovelle

Schachnovelle Dr. B.-Erzähler Glücklicherweise fiel das Verhör diesmal kurz aus, und ich brachte das Buch heil in mein Zimmer. Endlich war ich wieder in meinem Zimmer, endlich allein und doch nicht mehr allein! Nun vermuten Sie wahrscheinlich, ich hätte sofort das Buch gepackt, betrachtet, gelesen. Keineswegs! Erst wollt ich die Vorfreude auskosten, dass ich ein Buch bei mir hatte. Wollte die künstlich verzögernde und meine Nerven wunderbar erregende Lust erleben, mir auszuträumen, welche Art Buch es am liebsten sein sollte: Projektion von Texten, Buchstaben, Kalligraphie, Dichtung, Zeitungen in verschiedenen Sprachen. Dr. B.-Spieler und Dr. B.-Erzähler …viele, viele Buchstaben, viele, dünne Blätter!... Literatur… ein Roman… oder.. Gedichte… Balladen…! Dr. B.-Erzähler Sehr eng gedruckt sollte es vor allem sein, sollte viele, viele Lettern enthalten, viele, viele Seiten, damit ich länger daran zu lesen hätte. Und dann wünschte ich mir, es sollte ein Werk sein, das mich geistig anstrengte, nichts Flaches, nichts Leichtes, sondern etwas, das man lernen, auswendig lernen konnte, Gedichte, und am besten - welch verwegener Traum! - Goethe oder Homer. Langsam öffnet Dr. B.-Spieler die Augen. Er unterdrückt den Impuls, das Büchlein im Zorn aus dem Fenster zu schleudern. Verzweiflung. Beruhigung. Dann setzt er sich hin und blättert verdrossen die Seiten durch. Dr. B.-Erzähler Es war nichts anderes als ein Schachrepetitorium, eine Sammlung von hundertfünfzig Meisterpartien. Nichts als die nackten quadratischen Diagramme der einzelnen Meisterpartien und darunter mir zunächst unverständliche Zeichen. Dr. B.-Spieler a2-a3, Sf1-g3...? © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 27-

Dr. B.-Erzähler Erst allmählich enträtselte ich, dass die Buchstaben a, b, c für die Längsreihen, die Ziffern 1-8 für die Querreihen standen und den jeweiligen Stand jeder einzelnen Figur bestimmten; damit bekamen die rein graphischen Diagramme immerhin eine Sprache. Dr. B.-Spieler entdeckt das karierte Bettuch, faltet es zurecht und legt es als Schachbrett auf den Tisch. Er holt Brot vom Teller und fängt an, weisse und, indem er die Hälfte davon mit Staub dunkel färbt, schwarze Schachfiguren daraus zu formen. Das Deckenlicht geht im Folgenden ein und aus und zeigt die Tage an, die bei der Beschäftigung vergehen. Dr. B.-Erzähler Ich verwirrte mich in den ersten Tagen unablässig; fünfmal, zehnmal, zwanzigmal musste ich diese eine Partie immer wieder von Anfang beginnen. Aber wer auf Erden hatte so viel ungenutzte Zeit wie ich, gefangen im Nichts, wer so viel unermessliche Gier und Geduld? Dr. B.-Spieler ...a 2 weiss geht auf a3, Schwarz von h3 auf h4... Ist im Begriff, eine Partie zu rekonstruieren, was ihm immer wieder misslingt, weil er seine unvollkommenen Figuren nicht richtig identifizieren kann. Haut sie zornig platt, knetet sie um. Fängt von vorne an. Dr. B.-Erzähler Nach sechs Tagen spielte ich schon die Partie zu Ende, nach weiteren acht Tagen benötigte ich nicht einmal die Krümel auf dem Bettuch mehr, um mir die Positionen aus dem Schachbuch zu vergegenwärtigen, und nach weiteren acht Tagen wurde auch das karierte Bettuch entbehrlich; automatisch verwandelten sich die anfangs abstrakten Zeichen des Buches... Dr. B.-Spieler hat das Bettuch entfernt (Teller räumt er unters Bett), spielt im Geiste weiter, wirft vielleicht ab und an noch einen Blick auf das Muster. Projektion des Bettuches, der Brotfiguren, richtige Schachfiguren, richtiges Brett, Diagramme. © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 28-

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