Versetzt

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Versetzt

Zum Aufführungsrecht

• Das Recht zur Aufführung erteilt der

teaterverlag elgg, CH-3123 Belp

Tel. + 41 (0)31 819 42 09

www.theaterverlage.ch / information@theaterverlage.ch

Montag - Freitag von 09.00 bis 11.30 Uhr & 13.30 bis 17.00 Uhr

• Der Bezug der nötigen Texthefte - Anzahl Rollen plus 1 - berechtigt

nicht zur Aufführung.

• Es sind darüber hinaus angemessene Tantièmen zu bezahlen.

• Mit dem Verlag ist vor den Aufführungen ein Aufführungsvertrag

abzuschliessen, der festhält, wo, wann, wie oft und zu welchen

Bedingungen dieses Stück gespielt werden darf.

• Auch die Aufführung einzelner Teile aus diesem Textheft ist

tantièmenpflichtig und bedarf einer Bewilligung durch den Verlag.

• Bei eventuellen Gastspielen mit diesem Stück, hat die aufführende

Spielgruppe die Tantième zu bezahlen.

• Das Abschreiben oder Kopieren dieses Spieltextes - auch

auszugsweise - ist nicht gestattet (dies gilt auch für

Computerdateien).

• Übertragungen in andere Mundarten oder von der Schriftsprache in

die Mundart sind nur mit der Erlaubnis von Verlag und Verfasser

gestattet.

• Dieser Text ist nach dem Urheberrechtsgesetz vom 1. Juli 1993

geschützt. Widerhandlungen gegen die urheberrechtlichen

Bestimmungen sind strafbar.

• Für Schulen gelten besondere Bestimmungen.

"Es gibt Leute, die ein Theaterstück als etwas "Gegebenes"

hinnehmen, ohne zu bedenken, dass es erst in einem Hirn erdacht,

von einer Hand geschrieben werden musste.“

Rudolf Joho


Beat Ruff

Versetzt!

(music for the jilted generation)

Besetzung 2 F, 3 M (Doppelrollen im Vorspiel), 1 DJ

Bilder Bar- und Partyräume

Ausgerechnet Karl – der Neue vom Land – landet bei der

ansonsten unnahbaren Sonja. Fritz und Chiko plagt die

Eifersucht, zumal letzterer überzeugt ist, Sonja und er seien

für einander bestimmt. Die in Sachen Männer nicht wählerische

Isa möchte hingegen nur wissen, «wie er ist». Von

Sonja erfährt sie es nicht, aber bald schon mit Karl selber.

Eigentlich ‚normale‘ Beziehungsturbulenzen unter Jugendlichen

– aber was der ‚versetzten‘ Generation an Sprache,

Ideologie und Verhaltensmustern bekannt ist, lässt mehr

draus werden: Die Intrigen entwickeln sich entlang einiger

Bar- und Partybesuche zur blutigen Katastrophe.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

elgger schaulust 16


Personen

Fritz

Sonja

Karl

Isa

Chiko

ein DJ

Hochstein, Rosenfeld, Brandenberger, Diener (im Vorspiel)

Musik (Stücktitel, BAND, «CD-Titel»)

Szene 1 Intro (0:45) zusammen mit Break and enter (8:24).

PRODIGY «Music for the jilted generation» (1994).

Szene 3

Szene 6

Metrolike (9:18). JUNKIE XL «Saturday teenage kick»

(1998).

Hey boy hey girl (4:50). THE CHEMICAL BROTHERS

«Surrender» (1999).

Szenen 8,9,10 Poison (6:42). PRODIGY «Music for the jilted generation»

(1994).

Szene 12 Love vs. hate (4:34). GUSGUS «This is normal» (1999).

Szene 17

Busy child (7:25). THE CRYSTAL METHOD «Vegas»

(1997).

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Szene 18 Overcome (4:28). TRICKY «Maxinquaye» (1995).

Die Musik für die restlichen Szenen wählt der DJ.

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Versetzt!

Hochstein

Rosenfeld

Hochstein

Vorspiel

Fritz ist während des ganzen Vorspiels auf der

Bühne. Bevor der Dialog des Vorspiels beginnt, zieht

er den Pokerspielenden Karten aus den Händen und

steckt sie einer jeweils anderen Person zu.

Kurz bevor Rosenfeld und Diener spielen, steckt er

ihnen noch eine Karte zu.

An Ende des Dialoges nimmt Fritz die Karten und beginnt

sie zu mischen. Es folgt sein Monolog ans Publikum

gerichtet.

Während seines Monologes lässt Fritz die vier Pokernden

der Reihe nach abgehen.

Nach dem Monolog geht Fritz direkt in die erste Szene

des Hauptspiels.

Na komm schon. Dann zeig, was du hast.

Wie ihr wollt. Hier: Vier Damen.

Das hätte ich dir nicht zugetraut, Rosenfeld. Der Mann

hat Nerven. Ich muss passen.

Brandenberger So ein Dreck! Ich passe auch.

Rosenfeld

Wer hoch gewinnen will, muss auch hoch pokern.

Brandenberger Und was sagst du, Diener?

Diener

Wer allzu hoch steigt, wird tief fallen. Vier Könige.

Brandenberger Na schaut euch den an! Was für ein Sieger!

Rosenfeld

Hochstein

Rosenfeld

Hochstein

Rosenfeld

Das kann nicht wahr sein. Das ist unmöglich. Ich habe

doch vier Damen.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ein wirklich gutes Blatt. Doch die Könige sind stärker.

Was für ein Pech.

Alles weg. Ich bin verloren.

Gespielt ist gespielt. Verloren ist verloren.

Ich bin erledigt.

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Brandenberger Ja, ja, und was wird erst die Frau dazu sagen. Keine

gute Geschichte, keine schöne Geschichte. Wer schon

möchte das einer solchen Frau erzählen. Er besitzt

wirklich eine schöne Frau.

Diener

Hochstein

Rosenfeld

Frauen kann man nicht besitzen, Brandenberger. Du

wirst in den Gesetzen nichts zum Besitz oder Eigentum

von Frauen finden.

Und nun kann er sie vielleicht schon bald nicht mehr

ernähren. Die arme Schönheit ist wirklich zu bedauern.

So weit sind wir noch nicht, Hochstein

Brandenberger Der Personalchef einer so grossen und mächtigen Firma

ist urplötzlich bettelarm. Was meint ihr denn, was

die Leute dazu sagen werden?

Diener

Rosenfeld

Hochstein

Diener

Ich würde in dieser Situation raten, zu kündigen.

Wollt ihr mich zerstören? Wo bleibt die jahrelange

Freundschaft?

Vielleicht gibt es doch noch eine Möglichkeit, ihm eine

letzte Chance zu geben, eine letzte Chance unter Freunden.

Ein Spiel schreit nach einem Einsatz.

Brandenberger Richtig! Völlig richtig! Und wenn wir unter uns vier

Ehrenmännern für eine gewisse Zeit über die Gesetze

des Besitzes hinwegsehen würden. Dann hätte er auch

wieder einen Einsatz. Versteht ihr, was ich meine?

Rosenfeld

Ich hoffe, ich habe dich falsch verstanden, denn sonst

kannst du es vergessen, du Schwein. Niemals! Niemals!

Brandenberger Sag nie wieder Schwein zu mir. Nicht in deiner Situation.

Ich versuche nur zu helfen, und da wird der noch

frech. Was soll man dazu sagen.

Diener

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Faktisch hat er also nur noch seine Frau, wobei man

hier nicht im eigentlichen Sinne des Wortes von Besitz

reden kann.

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Versetzt!

Brandenberger Na ja, der Mann braucht einen Einsatz, will er noch eine

letzte Chance.

Rosenfeld

Das nennt ihr Chance? Soll meine Frau mein letzter

Einsatz sein? Sieht so meine letzte Chance aus? Ihr

seid Hyänen, alle drei. Das ist unmenschlich, so etwas

von mir zu verlangen.

Brandenberger Unmenschlich… unmenschlich… was ist schon unmenschlich,

wenn niemand etwas davon erfährt?

Diener

Hochstein

Wir verlangen gar nichts von dir, Rosenfeld. Du bist

frei in deiner Entscheidung. Wir haben dir lediglich ein

Angebot gemacht, ein Angebot aus alter Freundschaft

heraus. Andere hätten dich in deiner Lage schon fallen

lassen.

Kommen wir zur Sache. Gewinnst du, gewinnst du

alles, was du heute an uns drei verloren hast, zurück.

Verlierst du, dann… du weisst schon.

Natürlich würdest du deine Arbeit behalten können,

wenn du gewinnst. Dann bestünde für den Konzern

kein Anlass zur Kündigung. Du hättest deinen gesamten

Besitz wieder. Alles wäre wie vorher.

Brandenberger Eines muss noch gesagt sein: Falls du nicht spielst,

werden wir uns in Zukunft nicht mehr kennen. Falls du

spielst und gewinnen solltest, bleiben wir gute Freunde

wie bisher. Und falls du spielst und verlieren solltest,

wirst du mich in Zukunft mit «Sie» anreden. Damit das

klar ist.

Hochstein

Rosenfeld

Diener

Du musst dich entscheiden. Wir haben nicht ewig Zeit.

Morgen erwarten uns dringliche Geschäfte.

Gut! Ich spiele! Noch ein letztes Spiel. Wo bleiben die

Karten!

Er spielt. Und zu keiner Seele ein Wort.

Brandenberger Er spielt. Und zu keiner Seele ein Wort.

Hochstein

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Er spielt. Und zu keiner Seele ein Wort.

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Fritz

Pause.

Rosenfeld wollte also spielen. Und er spielte auch. Und

wie der spielte. Er spielte wie… Um es kurz zu

machen: Rosenfeld verlor das Spiel und somit auch den

Einsatz. Der Einsatz wurde gemäss Vereinbarung eingelöst,

wenn auch unter einigem Gewalteinsatz. Seine

Frau wurde so richtig rangenommen, so richtig hart,

von allen dreien. Sie hatte sich heftig gewehrt, denn sie

hatte überhaupt keinen Spass daran. Sie hatte laut geschrien,

vergebens. Sie verstand die Welt nicht mehr,

kannte doch die drei nur allzu gut und hatte vom Spiel

und dem aussergewöhnlichen Einsatz noch nichts erfahren.

Und Rosenfeld, ihr Mann, hatte sich danach

irgendwo aufgehängt.

Sie verliess die Stadt und zog weit weg, weil ihr Kind

nichts von dieser Geschichte erfahren sollte und damit

sich der Lauf des Schicksals nicht an der Zukunft, nicht

an den Kommenden weitervergreife. Ja ja, sie haben

richtig gehört. Die Frau war schwanger. Und nicht

etwa von ihrem verstorbenen Mann, nein, nein, einer

der drei Schänder war der leibliche Vater.

Diener nahm sich etwa eine Woche, nachdem die Rosenfeld

abgehauen war, das Leben. Er soll vollgeschissene

Hosen gehabt haben, als man ihn erschossen

in seinem Büro fand.

Brandenberger ist erst zehn Jahre später gestorben. Bei

einem seiner selbst erzählten schmutzigen Witze

musste er derart laut lachen, dass er den Kern eines

Pfirsichs schluckte und daran erstickte. Er soll dabei eine

Erektion bekommen haben.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Hochstein lebte als letzter ab. Fast zehn Jahre nach

Brandenberger. Er verreckte langsam an Krebs. Er soll

ganz normal mit vollgepissten Hosen gestorben sein.

Man kann also sagen, dass die Geschichte an sich abgeschlossen

ist. Der war gut… Geschichte an sich…

nicht? Nein, es geht natürlich weiter, weil man fürs

Geld, das man bezahlt hat, ein Recht bekommt, mehr

zu sehen. Oder nicht? Was meinen Sie, hat man nicht

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Versetzt!

das Recht, mehr zu erwarten? Man hat bezahlt und deswegen

eine bestimmte Erwartungshaltung… zu Recht,

meine Damen und Herren, zu Recht. Und heute, ihr

Glücklichen… heute bin ich da! Da, um euch das zu

geben, was ihr wollt. Und wie euch das beruhigt. Ich

kann fast nicht hinsehen. Ihr sitzt echt zu ruhig da. Ihr

unterschätzt die Realität der Fiktion.

Ich bin der Geist, den ihr schon immer vernachlässigt

habt, den ihr nie so richtig Ernst genommen habt. Nein,

ich bin nicht dieser oder jener, um Gottes willen nein,

ich bin der Geist, von dem ihr noch nie etwas gehört

habt, der Geist, den eure Gelehrten euch verschwiegen

haben. Ich bin der Geist der Geburt. Ganz genau.

Richtig gehört… und ich bin nun hier, ja bin hier…

ach ja, um für euch die Geschichte weiterzuführen, nur

für euch. Ja, weil die Geschichte dieses Pokerabends

wurde keiner Seele erzählt. Alle haben sie stillschweigend

ins Grab mitgenommen. Die Vergangenheit hat

alle Spuren und alle Verbindungen zur heutigen Zeit

gelöscht. Doch jetzt endlich geht die Geschichte weiter.

Nur für euch! Habt ihr bezahlt?

Ich werde euch zeigen, wie sie in der heutigen Zeit

weitergeht. Ihr wollt ja was sehen fürs Geld.

Ich könnte euch jetzt zeigen, was ich wollte. Niemand

weiss vom Erbe der neuen Generation. Und ihr, ihr

habt schon bezahlt. Und solange ihr heute etwas zu

sehen bekommt, seid ihr auch zufrieden. Auch mit

Scheisse! Das Entscheidende danach ist, ihr habt sie

gesehen, ihr habt etwas bekommen fürs Geld, ihr könnt

mitreden. Und jetzt seid ihr glücklich. Müsst ihr ja, so

wie ihr dasitzt. Es ist einfach glücklich zu sein, wenn

man so langweilig dasitzt wie ihr. Ich gehe jetzt; ich

habe Durst. Mehr habe ich eh nicht zu sagen. Vielleicht

nur noch das Eine: schön ruhig sitzen bleiben.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

And now ladies and gentlemen: music for the jilted

generation.

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Fritz

Sonja

Fritz

Sonja

Fritz

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Fritz

Karl

Fritz

Sonja

Fritz

Sonja

Karl

Erste Szene

He Sonja, hast mir noch ein Bier?

Ist ja gut. Kommt sofort. Pause. Hier dein Bier.

Ein Bier aus deinen Händen ist ein doppeltes Vergnügen.

Trinkst etwa deswegen so viel Bier?

Und charmant wie immer. Nein, ich trink so viel Bier,

weil ich mir keinen Whiskey leisten kann. Whiskey aus

deinen Händen, das wär das Grösste. Vielleicht gibst

mal einen aus.

Wenn ein paar Jahrzehnte warten kannst, warum nicht.

Pause. Und du, was nimmst du?

Ein Bier… wenn's geht.

Und warum sollte das nicht gehen?

Äh…

Lass gut sein. Bekommst dein Bier.

Nimm's nicht persönlich. Die lässt niemanden ran. Die

ist die Reinkarnation der Jungfrau von Orléans oder so

was Ähnliches. Ist das nicht reinste Verschwendung?

Wenn du's schaffst, bei der zu landen, zahl ich dir einen

Whiskey.

Mal sehen, was die Zukunft bringt.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ja, das ist gut: Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Et voilà! Einmal Bier… Geht auf meine Rechnung.

Das gibt's ja nicht. Mann, du bist ein Glückspilz. He

Sonja, gefällt er dir?

Halt die Klappe, Fritz. Das geht dich einen Dreck an.

Verhalt dich einfach ruhig. Dann verstehen wir uns.

Vielen Dank. Und womit habe ich das verdient?

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Sonja

Karl

Sonja

Karl

Fritz

Sonja

Fritz

Karl

Fritz

Sonja

Fritz

Sonja

Karl

Versetzt!

Einfach so. Pause. Hab dich hier noch nie gesehen.

Wie heisst du denn?

Karl… Und du bist Sonja.

Richtig. Und? Bleibst länger hier? Ist eine geile Stadt,

wenn dich ein bisschen auskennst.

Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich weiss es noch

nicht. Ich muss mal sehen, wie sich die Dinge hier entwickeln.

Ich bin hier, um einen Mann zu besuchen.

Letzter Wille meiner Mutter. Da kann man nichts

machen. Und ich habe nichts zu verlieren.

He Sonja, hast mir noch ein Bier?

Darf man sich denn nie eine Pause gönnen?

Tut mir leid, die Turteltauben gestört zu haben. Aber

ich hab Durst, der gelöscht werden muss. Und ich bin

doch hier in einer Kneipe, oder nicht? Will unser

Schönling auch noch ein Bier?

Nein danke, mein Glas ist noch fast voll.

Nicht so anständig, mein Lieber. Macht gar nichts. So

ein Glas leert sich schnell. He Sonja, bring dem Schönling

auch noch eins. Auf meine Rechnung. Für einen

Whiskey reicht's noch nicht. Aber ein Bier sollst du bekommen,

dafür, dass du sie aufgeweicht hast. Oder

etwa nicht, Sonja?

Pause.

Dein Bier. Lass mich in Ruhe, oder es soll für heute

dein letztes sein.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Eh… wirst doch wohl noch einen Scherz vertragen.

Hast heute vielleicht Chiko schon gesehen? Immer dasselbe.

Wo bleibt der nur?

Nein, hab ich nicht. Jetzt lass mich endlich in Ruhe.

Verschon mich deinem Kram und trink dein Bier.

Sind das eure üblichen Umgangsformen hier?

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Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Fritz ist okay. Auch wenn er ein Bulle ist.

Der ist ein Bulle!

Ja, so ne Art Spezialeinheit. Immer in Zivil. Weisst nie,

ob sie jetzt arbeiten oder frei haben.

He Fritz, vielen Dank für das Bier. Auf dein Wohl.

He, wie wär's, wenn wir später noch wo hingehen? Ich

könnt dir noch was anderes in der Gegend zeigen. Eine

echt geile Kneipe. Ich hab um zehn Feierabend, danach

bin ich frei. Na, was meinst du? Hast Lust?

Na klar. Ich fange schon an, mich hier einzuleben. Ich

habe schon mein erstes Date, zwei spendierte Biers…

dazu geile Musik. Ich lasse dich jetzt arbeiten. Ich will

noch tanzen. Echt geiler Sound. Was ist denn das für

Musik?

Weiss nicht. Fette Beats. Wie wär's mit… music for the

new generation…

Music for the new generation… Ja, die neue Generation.

Bei der geht's voll ab. Wir sehen uns um zehn.

Bis dann.

Zweite Szene

Und? Wie ist er?

Wer?

Jetzt tu nicht so. Der Neue, wer sonst?

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Und? Was soll mit ihm sein?

Ihr seid doch gestern Abend heimlich aus der Kneipe

abgehauen. Ihr hattet nicht mal mehr Zeit, euch zu verabschieden…

Und? War gegenseitige Gier am Werk

oder wolltet ihr etwas verheimlichen? Komm schon,

erzähl.

Ach, hör auf mit deinen Fantasien.

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Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Versetzt!

Fantasien? Dass ich nicht lache. Also ich find, ihr würdet

ein gutes Paar abgeben. Ja, ihr würdet echt gut

zusammenpassen.

Ach, hör auf. Gib dir keine Mühe.

Doch, echt im Ernst. Und wie ihr gut zusammenpassen

würdet!

Und wieso?

Der sieht echt spitze aus. Und was für ein Knackarsch!

Ist echt ein schöner Mann. Der ist sicher voll gut im

Bett. Nun erzähl schon, wie ist er?

Da gibt's wirklich nichts zu erzählen.

Warum zierst dich denn so? Leg schon los.

Da gibt's nichts zu erzählen.

Bist du verklemmt. Was wär schon dabei, wenn du's

mir erzählen würdest? Pause. Gut. Wie du willst. Dann

werd ich's wohl oder übel selbst herausfinden müssen.

Was meinst denn dazu?

Kannst es ja versuchen.

Und dir wär das völlig egal?

Klar. Es gibt nichts zu erzählen, und jede von uns ist

frei, zu tun, was sie will.

Okay. Wie du meinst. Dann werd ich's versuchen. Dir

ist's ja egal… Und mir gefällt sein Arsch.

Ja ja ja, Isa… Du warst schon immer so, was Männer

angeht.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ich war schon immer wie?

Du willst mit jedem doch nur ins Bett.

Und warum auch nicht? Ich geniess mein Leben. Man

lebt nur einmal.

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Sonja

Isa

Tu, was du nicht lassen kannst. Ich geh jetzt. Hab noch

zu tun.

Pause.

Werd ich. Werd ich ganz bestimmt.

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Dritte Szene

Dann ist alles klar.

Alles klar. Glasklar wie ein Kristall.

He Fritz, dieser Neue da geht mir voll auf den Sack.

Warum ist der überhaupt in unserem Quartier? Was

will dieser Arsch? Soll doch woanders hin.

Gefällt dir wohl nicht, wie er mit der Sonja rummacht?

Halt die Klappe, Mann! Er hat ein Gesicht, in das man

am liebsten einfach reinschlagen möchte.

Ja, er hat schon ein schönes Gesicht.

Willst eins in die Fresse. Das hört sich ja an: Er hat

schon ein schönes Gesicht. Ein Bubigesicht hat der.

Schau ihn dir doch mal genau an. Das Gesicht eines

Weicheis hat der. Der hat ja ein Gesicht wie eine Frau.

Schwul ist der auf jeden Fall nicht, so wie der mit Sonja

tanzt.

Jetzt lass mal Sonja aus dem Spiel. Die lässt sich nicht

so schnell mit einem Typ ein. Find lieber heraus, warum

der hier ist und wie lange er noch bleiben will.

Vielleicht müssen wir ihm mal zeigen, dass wir auch

noch hier sind. Was meinst dazu, Fritz?

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ja, warum nicht. Meinst so wie letztes Mal beim Karim?

Auf meine Unterstützung kannst dabei zählen,

Chiko.

So ist's schon viel besser. Bist ein echter Kumpel, Fritz.

Ich wusste, auf dich kann ich mich verlassen.

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Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Karl

Sonja

Und wann, Chiko, wann schlagen wir zu?

Versetzt!

Nicht so schnell Fritz, nicht so schnell. Man darf die

Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Unsereins plant

solche Angelegenheiten, langsam und taktisch. Das unterscheidet

uns von denen. Wir sind Gewinnertypen,

Fritz, Gewinnertypen. Vorerst warten wir ab. Noch haben

wir Zeit. Die Zukunft wird zeigen, was gegen ihn

zu unternehmen ist.

Und Sonja?

Jetzt kommst schon wieder mit ihr. Sonja geht dich

nichts an. Lass das nur meine Sorge sein. Sonja gehört

mir. Wir sind füreinander bestimmt… Ist sie nicht die

schönste Frau im Quartier, Fritz?

Ja, das ist sie, Chiko. Das ist sie. Sie muss dich aber

auch wollen, damit's zwischen euch klappt.

Ja ja ja… ich weiss schon. Sie wird schon noch einsehen,

dass sie zu mir gehört. Irgendwann wird sie's

schnallen. Wir sind füreinander geschaffen. Wirst sehen.

Und wie willst das anstellen?

Weiss nicht. Weiss noch nicht… Sie wird schon noch

brennen, Fritz… wird sich schon ergeben… ist vorbestimmt…

wird schon noch brennen.

Vierte Szene

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ich bin so glücklich, dich kennen gelernt zu haben,

Sonja. Ich habe mich echt heavy in dich verknallt.

Ich mich auch in dich. Es kommt mir nur manchmal so

unrealistisch vor. Drei Jahre lang hatte ich schon keinen

Freund mehr. Drei lange Jahre… Drei Jahre kein

Kribbeln im Bauch, keine Zärtlichkeiten, keinen Sex…

Eindeutig zu lange. Zum Glück bist hierher gezogen.

Ich hab mächtig Nachholbedarf.

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Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Dafür bin ich da. Du hast den richtigen gefunden.

Irgendwie bist so anders als die Typen hier, Karl. Ja,

irgendwie anders.

Weil ich ein Bauernlümmel bin.

Wird schon was damit zu tun haben… Hattest überhaupt

schon viele Frauen?

Es geht. Die erste war eine reife Nachbarin. Die war

fünfzehn Jahre älter als ich. Eine gute Lehrerin, eine

sehr gute Lehrerin. Da war aber nichts mit Liebe und

so. Sie war eh verheiratet.

Hatte sie auch Kinder?

Na klar. Zwei.

Und du hast es dennoch mit ihr getrieben? Hattest denn

nie moralische Skrupel?

Nein, warum auch? Sie wollte es so. Und schliesslich

war ich ihr treu.

Ich könnt so was an ihrer Stelle nicht. Auch wenn's

altmodisch klingt, aber ich steh voll auf Treue. Ich find

das wichtig für eine gesunde Beziehung.

Ach was. Man muss nur sich selbst treu sein. Den Rest

kannst du vergessen. Ich finde Ehrlichkeit in einer Beziehung

viel wichtiger. Wenn man ehrlich ist, kann

man im Leben alles machen, was man will.

Wie meinst das? Und all die moralischen Werte und

Gesetze… Meinst, auch das darf man alles machen,

wenn man ehrlich ist?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Alles. Wenn man nicht anders kann. Man muss vor

allem zu sich selbst ehrlich sein im Leben. Man darf

sich nicht verleugnen. Ehrlichkeit steht über allem.

Und? Wie du diese Frau gebumst hast… hat ihr Mann

es gewusst?

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Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Versetzt!

Na klar. Warum auch nicht? Das wär ja sonst viel zu

stressig gewesen. Wir haben uns mindestens dreimal

die Woche getroffen.

Und was denkst… könntest mir untreu sein, Karl?

Nein, Sonja. Du bist zu wertvoll. So eine wie dich setzt

man nicht so leichtsinnig aufs Spiel, wenn man sie

einmal hat. Bei dir könnte ich es nicht.

Auch wenn die Zukunft verführerisch ist?

Man darf nicht an die Zukunft denken, Sonja. Nicht an

die Zukunft. Sonst lebst du nicht in der Gegenwart,

weil du sie vergisst. Um frei zu sein, musst du in der

Gegenwart leben, im Augenblick. Da gibt es keine

Zukunft… Du musst frei sein, Sonja, frei sein…

Ja, frei sein… frei sein… Und dennoch gibt's sie. Und

dennoch kommt sie, Karl, die Zukunft.

Ach, soll die Zukunft nur da bleiben, wo sie ist… Aber

wenn es dich beruhigt: nein, ich würde nicht mit einer

anderen ins Bett steigen… auch wenn die Zukunft

verführerisch ist… und sonst…

Und sonst?

Und sonst… sonst würde ich es dir sagen. Du würdest

es sofort erfahren. Aber was interessiert uns die Zukunft,

uns zwei Freien. Lass uns lieber die Gegenwart

geniessen.

Ist vielleicht besser. Die Zukunft bleibt immer unbekannt…

Und ich würd es auch ertragen, solang es mir

sagen würdest. Ja, ich glaub schon, dass ich's ertragen

könnt.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Du siehst… Zukunftsgedanken sind unnötig. Die wollen

nur dein momentanes Glück zerstören. Die Zukunft

ist noch nicht und wird auch nie. Zelebrieren wir den

Augenblick. Pause. Ja Sonja, ja, so mag ich es… ich

liebe dich.

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Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Fünfte Szene

Warum bist denn überhaupt hierher gezogen?

Was meinst du? Ach so… na ja, einfach so.

Und wie lange willst denn hier bleiben?

Ich weiss noch nicht. Im Moment jedenfalls gefällt es

mir hier recht gut.

Hast ja auch die Sonja bekommen. Da kann man's aushalten.

Kann man so sagen. Ja, kann man so sagen.

Und wie hast das geschafft? Verrätst mir deine Masche?

Ich habe keine Masche. Wir haben uns gegenseitig angezogen.

Das ist alles. Dafür muss man nichts tun. Das

geschieht einfach so.

Dann schuld ich dir wohl noch einen Whiskey. Lass

uns einen Whiskey auf euch beide trinken..

Lass uns lieber auf uns beide trinken. Wir beide kennen

uns ja auch erst seit kurzem. Männerfreundschaften

halten bekanntlich länger.

Da hast Recht. Ist einfach so im Leben. Und zudem…

auch Männerfreundschaften können ihre erotischen

Seiten haben.

Wie meinst du denn das?

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Auch Männer können sich näher kommen. Jetzt stell

dich nicht so blöd an. Ich meine, so wie einer Frau.

Bist du schwul oder was?

Musst nicht gerade so übertreiben. Aber so zwischendurch

mit einem Mann kann man schon Erfahrungen

sammeln. Du siehst jedenfalls nicht übel aus. Ja, bei dir

würd ich schon eine Ausnahme machen.

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Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Versetzt!

Da gibt es keine Ausnahme zu machen… he, was

schaust du denn da? Vergiss es. Du hast keine Chancen

bei mir. Ich bin hundertprozentig hetero.

Bist dir da sicher? Wer ist das heutzutage schon? So eine

neue Erfahrung kann auch seine Reize haben. Man

kann nie auslernen. Vielleicht würdest neue Bedürfnisse

entdecken, wer weiss. Vielleicht würd es dir

gefallen.

Glaube ich nicht. Kein Interesse. Ich gehe mit Sonja.

Was nicht kennst, kannst nicht beurteilen. Komm

schon. Lass uns erst mal einen Whiskey trinken, auf

uns zwei Süssen mit der ihnen ungewissen Zukunft.

Hör auf. Ich trinke mit dir einen Whiskey. Aber nicht

auf uns beide. Auf mich und Sonja oder auf gar nichts.

Ist doch nichts dabei, einen Whiskey auf uns beide zu

trinken. Hast doch vorhin noch selbst vorgeschlagen.

Nicht auf dich, nicht auf mich und nicht auf uns beide.

Damit das klar ist.

Komm schon, sei nicht so verklemmt. In der heutigen

Zeit sind solche Neigungen kein big deal mehr. Wir

sind hier nicht auf dem Lande. Hier kannst dich ausleben.

Hier kannst alles erfahren. Hier brauchst dich

für nichts zu schämen.

Da gibt es nichts, um mich schämen zu müssen. Weder

hier noch sonst wo. Lass mich in Ruhe damit. Such dir

einen anderen. Ich will nichts von dir, und du bekommst

nichts von mir. Und damit basta.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Wie du meinst. Wie du meinst.

Und den Whiskey kannst du auch behalten. Dann

kannst du ihn auf was auch immer du willst trinken. Es

ist mir egal.

Ach, bist du ein Weichling. War doch nicht Ernst gemeint.

Wollt nur wissen, an was für einen die Sonja da

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Karl

Fritz

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

geraten ist. Die Sonja war schon immer was Spezielles.

Man macht sich halt Sorgen.

Ja, ja, gut gespielt, Fritz… O.K, ich trinke einen

Whiskey mit dir… auf was auch immer und danach

lass mich in Ruhe.

Wie du meinst. Trink ich meinen auf meine Zukunft.

Sechste Szene

Wann hast denn Feierabend heute?

Wieso sollte dich das interessieren?

Mich interessiert alles an dir, Sonja.

Da haben wir ein einseitiges Interesse…

Ich dachte nur, du könntest nachher noch zu mir kommen.

Wir könnten uns eine schöne Nacht machen.

Nicht heute, nicht morgen… vergiss es, Chiko. Für

jetzt und immer. Übrigens hab ich zur Zeit einen

Freund, falls das noch nicht gemerkt hast.

Dieser Neue? Dieser Schönling vom Land?

Ganz genau. Da drüben tanzt er. Kannst ihn gern kennen

lernen, wenn willst.

Hab keine Lust, ein Landei kennen zu lernen. Was

sollte an dem schon interessant sein. Was wollte der

mir schon erzählen können, was ich nicht schon kenne.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Schau, da drüben ist Isa. Warum fragst nicht die? Bei

der hast vielleicht mehr Glück.

Werd deinen Rat befolgen. Aber wart's ab, eines Tages

werden sich unsere Herzen schon noch kreuzen. Und

dann verbrennen wir. Wirst mich schon noch mögen.

Glaub ich nicht… Ich muss jetzt weiter arbeiten. Versuch

dein Glück woanders.

Pause.

- 18 -


Karl

Fritz

Chiko

Isa

Fritz

Sonja

Fritz

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Fritz

Karl

Sonja

Karl

Fritz

Versetzt!

Hey Sonja, Diese Musik ist voll gut. Die bringt die

besten Beats. Hast mir noch was zu trinken?

Ja, was zu trinken, Sonja. Gib mir auch noch was.

Pause.

He Fritz, wir sehen uns morgen. Du siehst, ich muss

gehen. Ich hab noch zu tun…

Bye, Leute.

Pause.

Da gehen sie… zusammen… Chiko mit Isa… Isa mit

Chiko…

Und du bekommst sie nie. Ist das ein Pech, obwohl sie

sonst jeden ranlässt.

Ja, red nur. Red du nur.

Das war Chiko?

Ja, das war Chiko… und Isa. Keine zwei Minuten hat's

ihn gekostet, sie abzuschleppen.

Hat er sie jetzt einfach so abgeschleppt. Einfach so?

Hat sie einfach gefragt mit ihm zu kommen, und schon

ist sie mitgegangen?

Das macht der immer so. Und sie fackelt auch nie

lange.

Ist nicht das erste Mal.

Das geht ja schnell bei denen. Unglaublich schnell.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Lass nur die Hände von der, Karl. Die versucht's bei

jedem. Nur unser armer Fritz hat immer Pech bei ihr.

Muss wohl was Persönliches sein, Fritz.

Scheint bei dir noch öfters vorzukommen, dass du abgewiesen

wirst, Fritz.

Ja, ja, lacht nur. Lacht nur alle. Ihr alle, alle hattet die

Vergangenheit. Mir gehört die Zukunft. Die Zukunft

- 19 -


Sonja

Fritz

Sonja

Fritz

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

wird gut. Dann wird alles besser. Dann könnt ihr mir

alle gestohlen bleiben. Dann lach ich… Die Gegenwart

lass ich euch auch noch.

Bist ja total besoffen, Fritz. Komm, geh nach Hause.

Du hattest genug.

Die Zukunft gehört mir. Ihr werdet's alle sehen… alle

sehen. Die Zukunft gehört mir…

Die Zukunft gehört dir. Sicher Fritz, sicher… und wir

werden es alle sehen. Bestimmt. Und jetzt komm

schon, geh nach Hause.

Die Zukunft gehört mir… mir gehört die Zukunft…

Siebte Szene

He Chiko. ich könnt mir sogar vorstellen, dass der

bisexuell ist.

Du meinst, der ist vielleicht eine halbe Schwuchtel?

Könnt's mir vorstellen. So wie der manchmal den

Männern auf den Arsch schaut…

Nicht vorzustellen so was.

Pass nur auf, dass er sich nicht noch in deinen Arsch

verguckt.

Der schaut nur einmal auf meinen Arsch. Das sag ich

dir… und ich mach ihn fertig… und hör auf zu lachen.

Das ist alles andere als lustig. Lass mir doch nicht von

einem Halb-Schwulen auf den Arsch gucken.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Vielleicht wär's ja nicht so schlimm.

Spinnst du! So was ist das Perverseste, was es gibt.

Wie ich diese Schwuchteln und Halb-Schwuchteln

hasse. Zu seinem Gesicht könnt's schon noch passen.

Und Muskeln hat er ja auch nicht viel. Ja, es würd

schon passen.

- 20 -


Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Versetzt!

Wär er eine Schwuchtel, wär er wenigstens nicht mit

Sonja zusammen…

Da hast Recht. Ein Halb-Schwuler ist viel schlimmer.

Stell dir vor, der ist wirklich bisexuell. Ist mit Sonja

zusammen und schaut zwischendurch auch noch den

Männern auf den Arsch. Ist das nicht eine ekelhafte

Vorstellung, Chiko?

Mir wird schlecht dabei… Mit Sonja ist er schon zu

weit gegangen. Viel zu weit.

He Chiko, schau mal da rüber. Er küsst sie wieder. Und

wie der sie küsst. Der schleckt ihr ja Haut und Knochen

ab. Und danach guckt er sicher wieder auf einen

Männerarsch. Ich sag dir, das ist so einer. Bestimmt.

Ist zum Kotzen, Fritz. So etwas ist zum Kotzen. Das ist

nichts für Sonja. Das kann man nicht mitansehen.

Zusammen sind sie jetzt jedenfalls. Das ist unübersehbar.

Schau nur hin.

Ich seh's Fritz. Jetzt sind sie zusammen. Ja, jetzt sind

sie zusammen… für den Moment jedenfalls. Ich seh's.

Und wie geht's jetzt weiter? So wie beim Karim?

Noch nicht. Warten wir zuerst das Wochenende ab.

Hast vergessen? Ist doch wieder eine Fete beim Second-Hand-Laden?

Hey, stimmt. Das ist geil. So wie letztes Mal, Chiko?

Halb privat, halb geschäftlich und halb beruflich…

machen wir's wieder so?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Klar. Was sonst? Das wird wieder ein geiles Wochenende.

So wichtig er auch ist. Von so einem lassen wir

uns eine coole Fete nicht verderben. Wir sehen danach

weiter. Danach.

Ist mir auch lieber so. Aber danach sehen wir weiter.

- 21 -


Chiko

Fritz

Chiko

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Die Zukunft ist, wie sie ist, Fritz. Und bleibt, wie sie

ist. Daran kann ein so kleines Wochenende nichts ändern.

Aber danach, Fritz, danach brauchen wir eine

Idee. Eine schöne Idee für den schönen Neuen.

Ja, eine schöne Idee… für den Neuen.

Er wird's bereuen, hierher gekommen zu sein. Er wird's

bereuen…

Achte Szene

Tschau Karl, was machst du denn hier? So eine Überraschung.

Mit dir hätte ich nie hier gerechnet.

Eh Tschau Isa! Ich bin eher zufällig hier. Ich habe in

einer Kneipe ein paar Leute kennen gelernt. Die haben

mich dann mitgenommen.

Und Sonja? Ist die auch hier?

Nicht dass ich wüsste. Ich dachte gerade, ihr seid vielleicht

zusammen hier.

Nein. Schade, da verpasst sie was. Was hältst denn von

dieser Fete?

Die ist ziemlich heftig. Und so viele Menschen. So

etwas hab ich noch nie erlebt. Hier bei euch ist mächtig

was los.

Kannst laut sagen. In diesem Laden ist nur einmal pro

Monat was los, aber dann geht's so richtig ab. Hast

Glück gehabt, ist nämlich erst das dritte Mal und eher

was für Insider. Ist sonst tagsüber ein Second-Hand

Laden. Und alle sind hier immer völlig abgedreht. Die

Hälfte ist total besoffen, und die anderen schlucken,

was ihnen gerade so in die Hände kommt, oder ziehen

sich was auch immer in die Nase. Jeder ist auf seine

Art voll drauf. So ist das hier. Wenn was willst, musst

nur nach oben gehen. Da hat's zwei special rooms. In

einem werden die Drogen reingelassen und im anderen

kann man sich ficken.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

- 22 -


Karl

Isa

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Versetzt!

Das ist ja irre. Ich glaube, ich brauche noch ein Bier.

Willst du auch etwas trinken?

Da sag ich nicht nein. Ist eh Zeit, mit dir mal anzustossen.

Bring mir einen Vodka Orange. Und dir auch

gleich einen. Hier. Geht auf meine Rechnung. Zur Feier

des Tages.

Pause.

Thanks… Findest nicht auch, dass es hier extrem überfüllt

ist. Man hat gar keinen Platz zum Tanzen.

Möchtest du gerne tanzen?

Zum Beispiel. Oder wo hingehen, wo's weniger Menschen

hat.

Wenn du willst… hast du einen Vorschlag?

He komm, lass uns doch mal nach oben gehen. Die

Drinks nehmen wir mit und holen uns noch zwei.

Du meinst nach oben zu den special rooms… Ich weiss

nicht so recht.

Ach komm schon. Das musst du sehen. Ist völlig abgedreht.

Wird dir gefallen.

Neunte Szene

Chiko, und wenn's jetzt eine Razzia geben würde?

Easy Fritz, easy. Geniess das Zeug und mach dir keine

Sorgen. Du musst geniessen. Ist echt gutes Zeug!

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Und wenn's dennoch eine Razzia gibt? Ich werd diesen

Scheiss-Gedanken nicht mehr los.

Beruhige dich, Fritz. Alles im Griff. Glaub mir, ich

wüsst davon. Ich weiss von jeder Razzia. Bei uns auf

der Abteilung geht keine Information an mir vorbei.

Bist du sicher?

- 23 -


Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Todsicher. Unsere Kollegen wissen noch nichts von

den Festen hier. Und erst gar nichts von den special

rooms… Das Zeug ist echt spitze, Fritz… ist erst das

dritte Mal, dass hier was abgeht. Davon wissen nur

Insider. Wenn der Laden hier hochfliegt, dann wissen

wir's. Wir lassen ihn eigenhändig hochfliegen. Aber

nicht heute, Fritz, nicht heute. Geniess das Zeug und

mal dir lieber was Schönes für den Neuen aus.

Insider… Was Schönes für den Neuen… Du hast

Recht, das Zeug ist echt geil.

Du musst auf die Wand da starren, Fritz. Wenn genug

lange schaust, kannst alles sehen. Das ist zu viel… ist

das Zeug cool! Man kann alles sehen… Fritz, da kannst

die Zukunft sehen…

Ist das ein geiles Flash. Chiko, du bist der Grösste. Das

Zeug ist zu cool… ich kann's auch sehen… ich kann's

auch sehen… die Zukunft.

Zehnte Szene

Das dort ist der Drogenraum. Wird hier drug store genannt.

Ist sicher auch überfüllt. Komm, wir gehen in

den anderen.

Ist denn da was los?

Und wie! Voll abgefahren. Wirst sehen. Wird dir gut

reinkommen. Wirst sehen.

Schon krass mit den Räumen hier oben.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

He, das sind die special rooms. Hier… willst noch eine

Pille? Dann bist nachher voll geil drauf.

Was ist denn das? Ich habe noch nie so etwas genommen.

Dann ist's ja höchste Zeit. Nimm sie, und alles wird

gut. Alles wird schön. Du wirst sehen. Und zudem

nimmt deine Liebesfähigkeit zu. Auch wenn das na-

- 24 -


Karl

Isa

Karl

Isa

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Versetzt!

türlich nicht nötig hättest, versuch's mal. Free your

mind and your ass will follow…

Du gehst ja mächtig ran. Und scheu bist du wohl nicht?

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Aber wenn

nicht willst…

Okay, gib schon her das Ding. Du hast Recht, man

muss die Gelegenheiten packen, wenn sie da sind. Man

muss alles ausprobieren, will man Erfahrungen

sammeln. Und überhaupt… was soll's. Live for the

moment!

Richtig mein Hübscher. Hier. Nimm. Und nun komm,

lass uns hinein gehen… hinein in die Liebeshöhle.

Elfte Szene

Dir scheint's ja gut zu gehen mit Karl.

Ja, es ist wundervoll.

Muss es ja, so wie alle von ihm schwärmen.

Er ist so anders als diese Köpfe hier. Findest nicht

auch?

Ja, ja. Er ist der Beste. Er ist der Schönste. Er ist der

Geilste…

Und? Was dagegen? Wir lieben uns echt stürmisch.

Das ist was Ernstes.

Sicher Prinzessin, sicher. Und? Wie steht's denn mit

dem Ficken? Lässt ihre Hoheit den Prinzen auch mal

ran?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Du brauchst gar nicht so ironisch zu sein, Isa… und so

vulgär. Geht dich eh nichts an, was ich mit ihm mache.

Schau du lieber, dass du an ihm nicht verbrennst.

Wieso erwähnst denn das? Machst dir Sorgen? Wenn

er ja so anders sein soll als die anderen… Kann ich

doch verbrennen, wie ich will.

- 25 -


Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Bei dir weiss man nie. Du willst jeden Schwanz zwischen

deine Beine. Und wenn's dir drum ist, ist dir jede

Methode recht.

Und wenn auch, es braucht dazu immer zwei. Ich könnt

keinen Mann vergewaltigen.

Was red ich überhaupt mit dir darüber. Ich kenn ihn.

Nicht mit dir.

Bist dir da ganz sicher?

Klar bin ich mir ganz sicher. Er erzählt mir alles.

Pause. Geht dich alles gar nichts an. So was kennst du

nicht.

Ja, ja, so was kenn ich nicht. Und wer ausser euch zwei

Hübschen lebt sonst noch so auf diesem Planeten?

Das ist ja so lustig. Deine Intrigen kannst dir sparen.

Und er hat dir natürlich bis jetzt noch nie was erzählt,

weil noch nie was geschehen ist. Denn er ist anders als

die anderen… und er ist ja ehrlich…

Du willst mich nur provozieren, weil so eine wie du bei

ihm keine Chance hat. Und das schlägt dir nun auf dein

Ego, deine Selbstverliebtheit und deine Besitzgier. Erträgst

unser Glück wohl nicht?

Euer Glück! Dass ich nicht lache! Du hast doch keine

Ahnung von Männern. Für die Männer bist du doch

nichts anderes als die hübsche Süsse mit dem Keuschheitsgürtel.

Eine, mit der man sehr gut diskutieren

kann, oh mit der kann man ja so gut diskutieren… hat

ja schliesslich ein gutes Aussehen… aber eine, mit der

sonst nichts anzufangen ist. Also eine, bei der man für

den Spass im Leben besser zu einer anderen geht. Eine,

die langweilt.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Du bist eine Schlampe, Isa. Lieber ich, als eine, die

jeden, der ihr gefällt, mal schnell rüberlässt. Schlampe.

- 26 -


Isa

Sonja

Isa

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Versetzt!

Verklemmte Nonne! Und von so einer soll ich mir

erzählen lassen, was Moral ist? Von einer, die gar

keine Ahnung von Männern hat! Vielleicht wüsst ich

dir noch was zu erzählen…

Wüsst nicht, was wir uns noch zu sagen haben. Ich

muss jetzt gehen. Bin mit Karl verabredet.

Pause.

Ja, geh nur, geh… Prinzessin.

Zwölfte Szene

Und wie war's?

Das war echt Klasse. Isa, du bist die Beste.

Warst aber auch nicht schlecht. Komm, lass uns eine

Zigarette rauchen. Was meinst dazu?

Hört sich gut an. Da kann ich nicht nein sagen. Wie

wär's mit Musik?

Klar. Pause. He Karl… hast auch manchmal Angst vor

der Zukunft?

Nein, wieso sollte ich auch? Leb im Augenblick, Isa.

Dann gibt's keine Zukunft. Dann gibt es nichts, wovor

man Angst haben müsste. Vergiss die Zukunft.

Ich hab dennoch manchmal Angst vor der Zukunft.

Brauchst du nicht. Der Augenblick kennt keine Zukunft.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Weisst, ich glaub, ich hab zu lange nur im Augenblick

gelebt. Hab dabei die Zukunft vergessen. Zu lange vergessen.

Und dann ist sie plötzlich wieder da. Und

dann… ja, dann ist sie viel mächtiger da, viel stärker…

so dass ich fast durchdreh.

Du darfst die Zukunft nie aufkommen lassen. Du musst

sie nur ignorieren. Du musst dein Hier und Jetzt geniessen,

Isa. Dann ist alles andere unwichtig.

- 27 -


Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Isa

Karl

Hast recht, Karl. Man muss das Hier und Jetzt geniessen.

Was soll die Zukunft? Und trotzdem macht sie

mir irgendwie Angst…

Vergiss sie schon, vergiss sie. Pause. Ach, weisst du,

Isa, wenn ich bei dir bin, ist alles so einfach, so leicht,

so unbeschwert…

Ja ja, sicher. Und dennoch willst mit mir nur ficken.

Willst ja nie ins Kino oder an eine Fete oder sonst irgendwo

hin mit mir. Dafür nimmst lieber Sonja.

Sonja ist meine Freundin. Das ist etwas anderes. Mit

der muss man vorsichtig umgehen.

Und mit mir? Was ist mit mir? Willst sagen, mit mir

kann man umgehen, wie man will.

Ach hör auf damit. Du hast genauso Bock auf Sex mit

mir wie ich mit dir. Wir haben eine sexuelle Beziehung.

Wir haben beide, was wir wollen. Es besteht

kein Grund, dies zu ändern oder es nun plötzlich zu

hinterfragen.

Ich hab keine Lust mehr auf dieses Versteckspiel.

Sonja darf ja nichts erfahren. Sonja darf ja nichts sehen.

Sonja darf ja nichts hören. Sonja darf ja nichts

riechen. Ich hab's satt. Immer Sonja, Sonja. Soll sie

ruhig davon wissen. Warum auch nicht?

Sonja darf nichts davon mitbekommen. Sonst ist alles

aus. Verstehst du? Wir haben eine Abmachung. Sonja

darf nichts davon merken. Hast du verstanden?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ist ja gut. Hey, reg dich ab, Mann. Ich hab langsam die

Schnauze voll von deiner Sonja. Lange halt ich das

nicht mehr aus. Ich find genug Männer, die mich fikken.

Ich bin nicht auf dich angewiesen, Karl. Ich bekomm,

was ich will.

Wenn du es nicht lassen kannst, dann such dir einen

anderen. Ich dachte nur, dass du mich schöner findest

als die anderen. Und ich glaube, wir haben echt den

- 28 -


Isa

Karl

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Isa

Chiko

Fritz

Isa

Versetzt!

besten Sex zusammen. Du bist die Beste. Du bist die…

Gierigste. Warum schaust du nicht mal nach. Vielleicht

regt sich schon etwas. Da bekommst du, was du willst.

Pause. Ach… deine Hände sind so was von geil.

Ja, findest du? Pause. Hast recht, Karl. Wenden wir

uns wieder den schönen Seiten im Leben zu. Wir zwei

ficken echt geil zusammen. Warum sollten wir das

ändern. Dazu gibt's keinen Anlass. Aber ich sag dir:

Lange mach ich da nicht mehr mit. Ich bekomm, was

ich will.

Ja ja… und jetzt komm schon zur Sache. Zeig mir

deine Gier… ja, dein Mund ist der geilste.

Dreizehnte Szene

Ich hab langsam aber sicher genug von diesem Karl.

Jetzt ist Schluss. Es muss etwas gegen ihn unternommen

werden.

Und was, Chiko?

Ich weiss nicht. Irgend etwas, verdammt noch mal. Ich

kann nicht weiter zusehen, wie so einer mit Sonja zusammen

ist.

Ich möcht ja nicht wissen, was der alles mit Sonja anstellt.

Jetzt hör mal mit Sonja auf. Scheisse… ich kann es

nicht mehr hören. Es muss etwas geschehen. Jetzt

reicht's. Ich kann diesen Bauernarsch nicht mehr ausstehen.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Und wenn ihr wüsstet, was der schon alles mit mir

angestellt hat.

Was meinst du?

Sie meint, was sie mit ihm alles angestellt hat.

Ich wollt nur helfen. Ich sag euch, was der mit mir alles

angestellt hat… warum sollte es bei Sonja anders sein?

- 29 -


Chiko

Isa

Chiko

Isa

Chiko

Isa

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Isa

Chiko

Isa

Chiko

Fritz

Ich kann diesen Arsch schon nicht mehr riechen.

Kommt hierher und fickt einfach unsere Frauen. Benimmt

sich wie ein Ausländer. Ist ja auch fast einer.

Man müsst wissen, wo der sich sonst noch so rumtreibt.

He genau… da fällt mir was ein für euch. Ihr kennt ja

die Feten beim Second-Hand-Laden. Er wird nächstes

Mal bestimmt auch dort sein.

Wieso meinst?

Er war letztes Mal auch da. Hat ihm gut gefallen. Ist

voll drauf abgefahren. Hat noch nie in seinem Leben

eine so wilde Fete erlebt. Mann, war das ein Spass. Der

ist voll durchgestartet.

Er war da? Bist sicher?

Und wie ich da sicher bin. Wenn das nicht echt war,

was bleibt dann noch…

Hört sich interessant an. Da könnte man vielleicht was

arrangieren. Was meinst, Fritz?

Hast eine Idee, Chiko? Komm schon, was hast dir ausgedacht?

Wart's ab. Nur so eine Idee. Wart's ab. Der Mann muss

von Sonja weg. Das ist klar… auch zu Sonjas Wohl.

Wir zeigen's ihm.

Ja, zeigt's ihm.

Bestimmt. Ich werd's ihm zeigen. Er muss weg, weg

von Sonja.

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Und eine Pille hat er an der Fete auch noch geschmissen.

Ich hab's mit eigenen Augen gesehen.

Ja, ich werd's ihm zeigen.

Pause.

He, Isa… was ist denn dein Interesse an der Sache?

- 30 -


Versetzt!

Isa

Mein Interesse… ach, kein besonderes… soll Chiko

nur die Sonja bekommen…

Chiko

Fritz

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Fritz

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Fritz

Vierzehnte Szene

Na, wen haben wir denn da? Was für eine Überraschung!

Ja, den kennen wir. Was macht denn der hier? Ist das

aber ungünstig.

Das ist eine Durchsuchung. An die Wand. Hände über

den Kopf.

Was soll denn das? Wir kennen uns doch.

Sie befinden sich an einer illegalen Feier. Es besteht

dringendster Verdacht auf illegalen Drogenkonsum und

illegalen Drogenhandel. Aus diesen Gründen müssen

Personendurchsuchungen und eine Gebäudedurchsuchung

vorgenommen werden.

Hört auf. He Fritz, sag du es ihm. Wir kennen uns

doch. Du hast mir doch auch schon ein Bier bezahlt.

Sag du ihm, er soll aufhören.

Sie befinden sich an einer illegalen Feier. Es besteht

dringendster Verdacht auf illegalen Drogenkonsum und

illegalen…

Schon gut, diese Leier kenne ich schon. Ich sage euch,

ihr durchsucht den Falschen.

Das sagen alle. Name?

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Kein Aufführungsrecht.

Was soll die Verarschung, Chiko? Du kennst meinen

Namen.

Name?

Sag du mir doch deinen Namen, du Scheiss… aaaah…

He, ich würde an Ihrer Stelle ein bisschen vorsichter

sein. Das ist nämlich nicht Chiko, sondern der Sohn

des ehemaligen Polizeikommandanten dieser Stadt.

- 31 -


Chiko

Karl

Chiko

Karl

Fritz

Karl

Fritz

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Fritz

Chiko

Karl

Zum letzten Mal: Name?

Okay, okay. Karl ist mein Name.

Vollständiger Name?

Ist das der Beginn eines Verhörs? Was ist mein Verbrechen?

Sich an einer Feier aufhalten und dort ein

Bier trinken, wird doch erlaubt sein.

Ich würde Ihnen raten, Ihren Namen anzugeben, falls

Sie weitere Schwierigkeiten verhindern wollen.

Ich will ja kein Geheimnis daraus machen. Karl Rosenfeld.

Ich heisse Karl Rosenfeld. Zufrieden?

Und? Hast was gefunden Chiko?

Was sollte er finden? Wo nichts ist, kann auch nichts

gefunden werden.

Ich hab was. Ja, ich hab was. Dacht ich's mir doch.

Meine Nase täuscht sich nie. Hat sich gelohnt, ihn

unter die Lupe zu nehmen, Fritz.

Was? Wie? Das ist wohl ein kleiner Scherz. Aaaah…

Leider nein, mein Lieber. Pech für Sie, war zu wenig

gut versteckt für mich. Ich find alles. Nicht wahr,

Fritz?

Ja, ja, er findet alles. Zeig her. Was haben wir denn da?

Was ist denn das Schönes?

Der Herr betreibt also kleine illegale Geschäfte… und

dann noch so viel Stoff auf einem Haufen. Er versteht

sein Geschäft noch nicht so gut, der Pechvogel. Und

bleiben Sie schön ruhig, oder ich bin gezwungen, noch

mehr Gewalt anzuwenden.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Aaah … hey Leute, das ist nicht mein Stoff. Das müsst

ihr mir glauben. Ich hatte noch nie mit solchem Zeug

zu tun. Ich weiss ja nicht einmal, was für Stoff das ist.

- 32 -


Fritz

Karl

Chiko

Fritz

Chiko

Fritz

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Versetzt!

Das sagen sie alle, mein Lieber. Doch das hier ist eine

ansehnliche Menge, und das ist eine beweisbare Tatsache.

Das verheisst nichts Gutes für Sie.

Das muss mir jemand zugesteckt haben. Das ist nicht

meines.

Was meinen Sie? Jemand zugesteckt? Was für eine

Ausrede! Hast du gehört, Fritz? In diesem Geschäft

wird nichts verschenkt. Es wurde an Ihnen gefunden,

folglich gehört es auch Ihnen. Da gibt es keine Zweifel.

Ja, da gibt es keine Zweifel. Und zudem bin ich Zeuge.

Ich hab gesehen, wie es an ihm gefunden wurde,

Chiko. Ja, ich hab's gesehen. Da gibt es keine Zweifel.

Wir haben den Schuldigen. Wir haben das Gift. Lass

uns gehen. Gute Arbeit, Fritz, gute Arbeit.

Wer weiss, vielleicht stellt sich noch heraus, dass er

der grosse Schieber vom special room oben ist. Was

meinst?

Ganz richtig. Gut kombiniert, Fritz. Ganz richtig. Die

Feiern hier gibt's noch nicht so lange. Wie lange sind

Sie denn schon in dieser Stadt, Rosenfeld? In diesem

Quartier, Rosenfeld?

Fünfzehnte Szene

He Chiko. Sperrstunde. Wir haben zu. Kannst deine

Füsse draussen lassen.

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Sperrstunde? Umso besser. Dann kann ich mein Bier

mit dir ganz alleine geniessen.

Hau ab, Chiko, es gibt nichts mehr.

Nicht so unfreundlich, Sonja. Gib mir für den Anfang

ein kaltes Bier. Das wird mich vorerst ein wenig abkühlen.

Ich mag jetzt nicht mit dir streiten, Chiko. Wir haben

wirklich geschlossen. Wir müssen… solltest du doch

- 33 -


Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

am besten wissen. Du weisst schon… die Bullen. Lass

mich jetzt fertig aufräumen und zisch ab.

Ach, wenn das dein Problem ist… kein Problem,

Sonja. Ich bin ja da. Nehm ich mir halt selbst ein Bier.

Ich hab echt keine Lust, dein doofes, Bier trinkendes

Gesicht in meinem Rücken zu spüren, während ich

putze.

Nicht in deinem Rücken, meine Schöne, in deinem

Arsch. Spürst mich schon? Und wie gefällt's dir? Ist

nur ein kleiner Vorgeschmack.

Behalt das Bier und hau ab, Chiko!

Ruhig, Sonja, cool down, ich hab was mit dir zu besprechen.

Komm also wieder runter. Ist was Wichtiges.

Wüsst nicht, was wir zwei miteinander Wichtiges zu

besprechen hätten.

Hör zu, ich mach mir ernsthafte Sorgen um dich. Ich

denk, dein Freund… du weisst schon… dieser Karl, ich

denk, der ist ein allzu schlechter Umgang für dich.

Wie nett, dass du für mich denkst. Wie rührend! Mach

eine Fliege, Chiko!

Glaub mir, der ist nichts für dich. Fritz und ich haben

ihn vor ein paar Tagen an einer Fete erwischt. Fritz hat

dabei jede Menge Stoff an ihm gefunden. Der Mann ist

kriminell, Sonja.

Karl hat doch keine Ahnung davon. Und wenn auch,

wer hat denn heutzutage keine Drogen in den Taschen.

So ein Zufall, dass es gerade Karl erwischt hat. Warst

schon immer eine fiese Ratte, Chiko.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Nun mal sachte, Sonja. Hey, ich bin ein Bulle. Ich tu

nur meinen Job. Ich bin auf der guten Seite. Das musst

doch aus den Filmen kennen. Aber weisst, Sonja, vielleicht

könnt ich was für ihn tun, wenn dir so viel an

ihm liegt. Mein Einfluss ist nicht ohne, und ich denk,

- 34 -


Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Versetzt!

da liesse sich schon was machen. Vielleicht könnten

wir beide einen Deal machen…

Was meinst damit, wir beide könnten einen Deal

machen.

Ist doch klar. Du hast ein Problem, und ich könnt dir

helfen, und ich hab ein Problem, und du könntst mir

helfen.

Und wie kann ich dir helfen?

Na ja… ich find dich echt Spitze Sonja. Und da dachte

ich, dass danach Karl vergessen und dich für mich

interessieren würdest.

Du spinnst.

Schon unsere Väter waren die besten Kumpels. Warum

sollten wir's nicht auch sein?

Lass unsere Väter aus dem Spiel, Chiko. Bevor ich

mich für dich interessier, geh ich ins Kloster.

Sei nicht so widerspenstig. Komm schon, Sonja, komm

schon. Wir könnten gleich hier und jetzt damit anfangen.

Wir sind alleine.

Fass mich nicht an, Chiko. Du sollst mich nicht anfassen,

hab ich gesagt. Ich schrei sonst. Ich schwör's.

Und wer sollte es hören? Niemand mehr da, Sonja. Nur

wir zwei.

Du würdest doch nicht…?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Seit Jahren schon begehr ich dich, Sonja. Und du gibst

mir nicht mal eine Chance, nicht die kleinste. Da staut

sich was an über die Jahre. Da denkt man sich aus, wie

man das Unerreichbare erreichen kann. Verstehst du?

Lass meinen Arm los. Du tust mir weh. Das willst du

doch nicht.

Richtig, meine Schöne. Das will ich eigentlich gar

nicht, das heisst, wenn mich nicht dazu zwingst. Was

- 35 -


Sonja

Chiko

Sonja

Chiko

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

einem zusteht und man nicht bekommt, wird einfach

genommen.

Du kannst mich mal, du Schwein.

Pause.

Wolltest doch nicht etwa weglaufen vor Chiko? Weglaufen

vor mir? Solltest doch wissen, dass mich mit so

was nur herausforderst. Jetzt gehörst mir. Die schöne

Widerspenstige gehört mir. Ja!

Nein, Chiko, nein. Hör auf. Ich will nicht.

Ja, schrei nur. Schrei, Sonja, schrei. So hab ich's gern.

Denn jetzt bist du mein. Jetzt bist mein… schrei

schon… brenn für mich… endlich…

Sechzehnte Szene

He Sonja, das musst dir anhören. So ein Zufall…

dieser alte Bekannte von meiner Mutter… Du wirst es

kaum glauben, Sonja. Aber ich weiss nun, wer es war.

Es war dein Vater. Ja, zuerst dachte ich auch, es sei

einfach irgendein Hochstein, aber nein, es war dein

Vater. Kein Zweifel. Meine Mutter und dein Vater

haben sich gekannt. Ist das nicht ein Zufall?

Ja, das ist schon ein komischer Zufall.

Und nicht nur das. Das ist ein Zeichen. Ein Zeichen,

dass wir beide zusammengehören. Und durch uns verbindet

sich das, was einst vom Schicksal verweigert

wurde. Wenn das nicht ein Zufall ist! Wenn das nicht

ein Zeichen für uns ist.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ja, das ist schon ein sonderbarer Zufall.

He, du freust dich ja gar nicht. Was ist dir denn über

die Leber gelaufen?

Lass mich in Ruhe. Ich will alleine sein.

- 36 -


Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Versetzt!

Was ist denn los? Hast ja völlig verweinte Augen. Und

dein Gesichtsausdruck… He Sonja?

Komm mir nicht zu nahe. Und versuch nicht ständig

mich zu berühren. Lass mich!

He, was ist geschehen? So kenn ich dich gar nicht. Erzähl

schon. Kann nicht so schlimm sein.

Karl? Hast je mal was gehabt mit Isa?

Wegen sowas bist du so traurig? Spür ich da etwa Eifersucht

in deinem Blick? Musst mich sehr lieben,

Sonja… ich dich doch auch. Ist aber noch lange kein

Grund, eifersüchtig zu sein. Hör auf, sonst werd ich

noch verlegen.

Hast du was mit Isa? Karl, ich will es wissen. Hier und

jetzt.

Was ist denn los? Sicher hab ich nichts mit Isa… lass

uns lieber was unternehmen. Wie wär's denn mit

Kino… oder lieber Theater? Zuerst noch ein Kuss. Der

macht alles wieder gut.

Fass mich nicht an. Ich kann jetzt keinen Mann spüren.

Jetzt mach doch nicht so ein Theater. Keinen Mann

spüren… Ich hab nichts gehabt mit Isa.

Und wenn sie mir was anderes erzählt hat? Was dann?

Was dann, was dann. Dieses Biest. Diese verdammte

Schlange… Und wenn auch? Ich hab dir schon immer

gesagt, dass ich nichts von Treue halte. Wir sehen uns

einfach ab und zu. Was ist schon dabei? Lieben tu ich

dich und nur dich.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ab und zu? Ihr trefft euch ab und zu? Und was ist mit:

Ehrlichkeit steht über allem? Was ist damit? Wo bleibt

deine Scheiss-Ehrlichkeit?

Das ist nichts Ernstes mit Isa. Das ist nur Vergnügen.

Da sind keine Gefühle im Spiel. Glaub mir.

- 37 -


Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Und dann noch mit der. Isa Diener. Der Name sagt

schon alles: Isa Diener, stets zu ihren Diensten. Ihr Vater

war stets meinem zu Diensten, und sie ist es nun

dir. Ironie meines Schicksals. Wie konntest mich nur

anlügen?

Ich hab dich nicht angelogen. Ich hab dir nur was verschwiegen.

Du siehst ja jetzt, was die Wahrheit angerichtet

hat. Da wird was Harmloses plötzlich zur Tragödie.

Ich lieb dich doch über alles. Das weisst du

doch.

Ich weiss gar nichts mehr.

Ach komm. Lass uns ins Kino gehen, davor noch was

essen. Wir machen uns einen gemütlichen Abend und

wollen die Sache vergessen. Komm schon.

Jetzt vergessen?

Du bist meine Traumfrau, Sonja. Wirklich. Ich will nur

dich. Ich liebe dich. Was soll ich denn sonst noch alles

sagen, damit mir glaubst?

Du brauchst nichts mehr zu sagen. Es ist aus, Karl. Aus

und vorbei. Ich kann nicht mehr. Nicht nach all dem.

Es gibt nichts mehr zu sagen.

Nein, das darf nicht sein. Nein, Sonja, das darf nicht

sein. Wir dürfen uns nicht trennen, nicht wegen der. Du

weisst, dass sie genau das damit bezwecken wollte. Ich

kann mich ändern Sonja, wirklich. Ich schwör's. Ich

will all das nachholen, was ich vernachlässigt hab. Ich

mach's wieder gut.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Gefühle können nicht nachgeholt werden. Entweder

gibt man sie im Moment, oder sie sind vorbei. Gefühle

kann man nicht nachholen, Karl. Gefühle kann man

nicht zurückgeben.

Pause.

Und… wann hat sie's dir erzählt? Wie lange weisst es

schon?

- 38 -


Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Sonja

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Versetzt!

Nicht Isa hat's mir erzählt… Chiko hat's erzählt. Bei

ihm war ich zuerst nicht sicher, ob's stimmt. Ist nun

egal. Jetzt ist alles vorbei.

Chiko, Chiko! Wie ich den hasse! Würd ihn am

liebsten umbringen.

Ja, Karl, du denkst immer nur an dich.

Wieso weiss der das überhaupt? Warum muss der dir

das sagen? Was geht's ihn an? Dieses Schwein. Er hat's

auf mich abgesehen. Will mein Leben kaputt machen.

Zuerst das mit dem Stoff. Jetzt das mit Isa. Er hat's auf

mich abgesehen.

Du denkst immer nur an dich, Karl. Wie die anderen.

Wie kommst denn jetzt auf so etwas? Nur an mich…

ich denk an uns, an uns, verstehst du?

Du denkst immer nur an dich, du Scheisskerl, immer

nur an dich. Er hat mich vergewaltigt… verstehst du,

du Scheisskerl? Du denkst, er hat's auf dich abgesehen?

Vergewaltigt hat er mich, vergewaltigt…

Siebzehnte Szene

Name?

Du kannst mich mal!

Name?

Deiner ist sicher Bubigesicht.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Ich sehe. Ich muss hier mal die Verhältnisse klären.

Pause. Name?

Chiko.

Richtiger Name! Vollständiger Name?

Niklaus Brandenberger, du Arschloch.

Ich tu's nicht gern, aber Sie scheinen es zu brauchen.

Pause. Name?

- 39 -


Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Niklaus Brandenberger.

Nennt sich Chiko und heisst Niklaus Brandenberger.

Ja, ja. Wie ist das lustig. Lass die Scheisse und bind

mich lieber los.

Falls Sie bis jetzt schon Schmerzen verspürt haben

sollten, so tut mir das schrecklich Leid… und falls Sie

weiterhin vor der Urteilsverkündung geschlagen werden

sollten, so kann ich das nur bedauern.

Pause.

Jetzt hör mal auf, mich zu schlagen. Was soll die

Scheisse, Karl? Wie redest denn überhaupt mit mir?

Was soll das ganze Theater? Jetzt bind mich los. Sofort,

Karl. Bind mich los, verdammt, bind mich los.

Und stell endlich diese Musik leiser.

Warten wir zuerst das Urteil ab. Es wird für Ihre Zukunft

entscheiden.

Was für ein Urteil? Pause. Lass uns das Ganze vergessen,

Karl, und bind mich jetzt los. Ich werd mich

auch nicht an dir rächen. Und das mit dem Stoff geht

vielleicht auch noch in Ordnung. Ehrlich… ich werd

dir kein Haar krümmen für die paar Schläge, die mir

ausgeteilt hast. Komm schon. Bind mich los, und wir

reden darüber.

Jetzt wird nicht mehr verhandelt.

Du willst doch nicht einen solchen Fehler begehen?

Komm schon. Bind mich los.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Jetzt wird nicht mehr verhandelt.

Bind mich los, verdammt noch mal. Willst mich doch

nicht wütend machen? Pause. Du Schwein, dafür wirst

du büssen. Du wirst für jeden Schlag zehnfach büssen.

Das schwör ich dir. Wenn ich hier rauskomme, bist ein

toter Mann.

Ja, falls Sie hier rauskommen…

- 40 -


Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Versetzt!

Was meinst denn damit? Willst mich ewig hier festhalten.

Und hör auf, mich ständig mit «Sie» anzureden,

Arschloch.

Pause.

Der war fürs Arschloch.

Scheisse… wie lange soll denn das noch so weitergehen?

Ist die Show bald zu Ende? Na, ist die Show

endlich zu Ende? Pause. Gut, ich gebe mich geschlagen.

Pause. Und wie geht's nun weiter?

Schon genug? Und so ungeduldig… Wie Sie wünschen.

Schreiten wir also zur Urteilsverkündung.

Lass uns das Theater möglichst schnell über die Bühne

bringen. Leg schon los. Für was und zu was bin ich

denn verurteilt, he? Hat dich das mit dem Stoff dermassen

mitgerissen, dass hier jetzt eine solches Ding

abziehen musst?

Das Urteil lautet: Tod durch Verbluten.

Der spinnt. Der spinnt völlig. Der ist völlig durchgedreht.

Ich wiederhole. Das unwiderrufliche Urteil lautet: Tod

durch Verbluten.

Auf was ist denn der? Pause. Der meint das im Ernst.

Der ist so durchgeknallt, dass er das noch im Ernst

meint. Nein, so geht das nicht. So schnell kann das

nicht gehen.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Tod durch Verbluten.

Warum bin ich denn verurteilt und woran soll ich verbluten?

Pause. Sprich mit mir, du Arschloch. Du sollst

mit mir sprechen.

Ich sag's dir schon. Keine Angst, Chiko, ich sag's dir

schon. Du erfährst es noch früh genug.

- 41 -


Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Chiko

Karl

Endlich redest wieder normal mit mir, Karl. Ich glaub,

bist vorhin schnell durchgedreht. Und jetzt komm, bind

mich los. Bevor's noch schlimmer wird mit dir.

Jetzt bist verurteilt. Und… ich bin vorhin nicht schnell

durchgedreht, Chiko. Das hält an. Glaub mir. Das hält

an.

Was geht hier ab? Zum Tod verurteilt… jetzt lass endlich

die Scheisse. Hast mir schon genug Angst eingejagt.

Und Sonja? Meinst, Sonja hatte keine Angst?

Da war nichts mit Sonja. Das kannst nicht verstehen.

Bist nicht von hier.

Ich versteh, Chiko, ich versteh… überleben heisst

leben können. Und ich, Chiko, ich kann nur überleben,

wenn du nicht lebst. Denn du willst alles zerstören.

Und das muss ich verhindern.

Was redest denn da? Was soll das?

Tod durch Verbluten. Es ist vorbei.

Spinnst du? Bind mich los. Was hast denn vor? Wie

willst mich denn töten?

Ich werd dich nicht direkt töten. Ich werd dir nur deine

Männlichkeit abschneiden, Chiko. Für Sonja und… Du

sollst langsam sterben.

Nein. Nein. Das kannst nicht machen. Nein, Karl, das

kannst nicht machen. Vergiss die Vergangenheit. Denk

an die Zukunft, Karl. Für das hier kommst lange ins

Gefängnis. Da gibt's keine Zukunft, Karl. Da gibt's

keine Zukunft. Doch die Zukunft kann besser werden.

Hoffst du nicht auch auf eine bessere Zukunft, Karl?

Hoffst nicht auch?

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Warum sollte ich für die Zukunft Hoffnung haben,

Chiko? Vielleicht bin ich morgen schon tot. Vielleicht

- 42 -


Chiko

Karl

Isa

Sonja

Isa

Versetzt!

bist du morgen schon tot, vielleicht übermorgen. Wer

weiss das schon!

He Karl, die Hoffnung ist da, um die Zukunft als

bessere sehen zu können.

Welche bessere Zukunft? Es kann keine Hoffnung auf

eine bessere Zukunft geben, wo es keine Zukunft gibt.

Es ist vorbei. Leben lassen ist Geschmacksache. Ich

werd dir jetzt den Mund zubinden, damit nicht so viel

schreien musst. Denn je mehr du schreist, desto schneller

verblutest. Und das wollen wir ja beide nicht. Und

schreien wirst, glaub mir, so viel Blut und so… und

dann mit den eigenen Augen sehen zu müssen, wie die

eigene Männlichkeit verschwunden ist… ja, du wirst

schreien. Wenn Glück hast, reicht's nicht aus zum Verbluten.

Jemand findet dich und du überlebst. Auch gut.

Vielleicht sogar besser. Hast genug Zeit, deinen blutigen

Schwanz auf dem Boden anzuschauen. Am Anfang

wird er vielleicht noch eine Weile zucken, irgendwann

dann das letzte Mal. Und genau dann, Chiko, spätestens

dann bist Mann gewesen. Nie mehr wirst deinen

Schwanz irgendwo reinstecken können. Nie mehr wirst

Mann sein. Da kannst sogar froh sein, wenn danach

langsam sterben darfst. Oder nicht, du Hengst? Welcher

Mann möchte schon leben, wenn er nicht mehr

Mann ist? Jetzt ist entgültig ausgemannt. Nie wieder,

Chiko, nie wieder. Dafür sorg ich jetzt. Es gibt keine

Zukunft, Chiko. Keine Zukunft für dich und mich.

Nach uns kommt die Zukunft. Ja… nach uns die

Zukunft.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Achtzehnte Szene

Und? Wie geht's bei dir jetzt weiter?

Was willst du?

Na, wie' s weitergehen soll… in der Zukunft?

- 43 -


Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Ich weiss nicht. Ich weiss es echt nicht. Scheisse! Lass

mich alleine. Ich hab keinen Bock mit dir über meine

Zukunft zu sprechen.

Ist schon voll krass. Karl sitzt für die nächsten Jahre

wegen Mordes im Knast. Den können wir vergessen.

Chiko ist tot. Den können wir auch vergessen. Und

Fritz, die Ratte, hat sich aus dem Staub gemacht. Hat

schon gewusst warum.

Was willst denn noch?

Wird schon nicht grundlos verschwunden sein. Hat

sicher seinen Teil dazu beigetragen.

Es ist sinnlos zu fragen, wer mitschuldig ist und wer

nicht. Mitschuldig oder nicht ist nicht mehr wichtig.

Was Chiko und Karl getan haben, ist nicht rückgängig

zu machen und unentschuldbar. Und jetzt lass mich in

Ruhe.

Fritz war kein Engel.

Es ist, wie es ist. Daran lässt sich nichts ändern.

Wie dich das kalt lässt. Ist dir das alles scheissegal?

Jetzt ist eigentlich gar nichts mehr wichtig. Aber

hättest zum Beispiel nicht mit Karl gefickt, Isa, sässe er

jetzt vielleicht nicht im Knast.

Du spinnst! Das ist wieder mal typisch. Und hättest du

nicht mit Karl gefickt, wäre vielleicht gar nichts geschehen.

Dann hätte dich vielleicht auch Chiko nicht

vergewaltigt. Damit das klargestellt ist. Ich habe zwei

Schwänze verloren. Du nur einen. Im Nachhinein kann

man immer alles verdrehen.

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Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Jetzt gehst du zu weit, Isa. Karl war meine Liebe. Liebe!

Verstehst du? Mich hat er nicht einfach nur gefickt,

nein, mich hat er geliebt. Und ich ihn auch. Wahre

Liebe! Verstehst du? Solche Liebe kennt keine Gewalt.

Daraus kann keine Gewalt entstehen. Aber du, du

- 44 -


Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Versetzt!

musstest ja dabei stören. Musstest alles zerstören.

Wusstest auch, wie man Chiko anstacheln kann.

Anstacheln zu was?

Bei dir ist alles denkbar.

Na klar. Ich hab Chiko angestachelt, dich zu vergewaltigen,

Karl angestachelt, Chiko den Schwanz abzuschneiden…

Was noch? Jetzt bist völlig durchgeknallt.

Ist zum Kotzen dein Gejammer. Kannst nur

nicht ausstehen, dass ich mit Karl gefickt hab. Gefällt

dir diese Vorstellung nicht? Träumst du davon? Sein

Schwanz zwischen meinen Beinen… Du kannst mich

mal. Wenn damit nicht leben kannst, dein Problem.

Und woher wusste Chiko, dass mit Karl fickst? Woher

hat er das gewusst? Er hat's mir immer wieder gesagt,

während er mich vergewaltigte. Was meinst, wie sich

das anfühlt?

Ich darf doch Chiko sagen, was ich will. Er hätt's aber

auch so gemerkt. Karl hat mich dreimal die Woche gefickt.

Das kann man sehen, wenn man will. Sind nicht

alle blind wie du. Hat noch jeder mit mir gemacht, was

er wollte. Auch Karl. Ob dir das gefällt oder nicht. War

auf ihn nicht angewiesen. Auch jetzt nicht. Und auch

auf Chiko nicht. Im Gegensatz zu dir kenn ich noch

andere geile Männer.

Ich hasse dich, Isa. Bist eine Sau. Lässt dich von nichts

zurückhalten. Dir sind doch die Menschen scheissegal.

Hauptsache bekommst immer, was willst. Hauptsache

du stehst im Mittelpunkt. Alles andere zählt nicht. Karl

hätt dich umbringen sollen. Wegen dir lohnte es sich

wenigstens, im Knast zu sitzen.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Pause.

Macht er ja. Macht er ja. Pause. Karl hat Chiko nicht

umgebracht. Chiko hat noch gelebt, wie ich ihn gefunden

hab. War das eine Schweinerei! Alles voll Blut,

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Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

Isa

Sonja

sein Schwanz auf dem Boden… Er hätt's noch schaffen

können. Ja, er hätt's noch locker schaffen können…

Sag, dass das nicht stimmt. Nein, das kann nicht sein.

Warum solltest du? Warum sollte dann Karl… ?

Ja, Karl… er konnte ja manchmal so süss sein. Er

dachte, du hättest Chiko später gefunden und ihn dann

erwürgt. Für ihn war klar, dass du's gewesen bist.

Sag, dass das nicht wahr ist, Isa…

Und sitzt nun für Mord hinter Gittern… Sind schon ein

paar Jahre länger für unseren Karl… wollte dich in

Schutz nehmen. Dacht, du seist's gewesen, der arme

Kerl. Na ja, ich wollte auf Nummer sicher gehen.

Warum, Isa, warum auch nur?

Warum, warum! Es gibt kein Warum im Augenblick.

Pause. Hab dennoch ein paar schöne Erinnerungen. Im

Gegensatz zu dir konnt ich's mit Chiko immer geniessen.

Hau ab. Bist das Letzte. Hau einfach ab. Verschwind

endlich… verschwind schon. Will dich nicht mehr

sehen. Nie mehr.

Ist Zeit zu gehen. Hast Recht, Prinzessin. Man kann die

Vergangenheit nicht ändern. Versuchs doch einfach

mit Vergessen.

Pause.

Ja, ich werd's vergessen… Vergessen… alles vergessen…

Karl vergessen… Chiko vergessen… Fritz

vergessen… Isa vergessen… meinen Bauch vergessen…

mich vergessen… einfach vergessen.

© Teaterverlag Elgg in Belp.

Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht.

Kein Aufführungsrecht.

Pause.

Musik, ja Musik… Music for the new generation…

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