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Auslöffeln-2003

Auslöffeln-2003

Titel Botschaft

Titel Botschaft übergeben, von Jean-Pierre wissen wir, dass er kandidiert, von Eveline, dass sie sich scheiden lässt, von Vater, dass er Frau Marti liebt, von Frau Marti, dass sie sich gut amüsiert, von Mutter, dass sie säuft und es im Bett gerne brutal hat. Ich möchte hier an die Offenheit und den persönlichen Ton von Hans-Ueli, Jean-Pierre, Eveline, Vater, Frau Marti und Mutter, der sich in ihren in bekenntnishafter Manier schimmernden Worten, deren Klang uns einen schwebenden Augenblick lang tief in uns hineinhorchen liess, so offenherzig manifestierte, mutig anschliessen und auch mein Seelenkästlein eine Spalte breit öffne. Und was findet sich darin? Worte. Viel Ungesagtes. Seit zwanzig Jahren hätte ich dringend etwas zu sagen. Oft kitzelten mir die Wörter auf der Zunge, formten die Lippen schon eine Silbe, dann hiess es wieder «Ä Guete». Und ich ass, bemerkte meinen Riesenhunger, leerte den Teller, schöpfte nach und vergass, was ich sagen wollte. Das Essen legte sich schwer auf meinen Magen, drückte mich auf den Stuhl und mir wurde schlecht, weil etwas nicht gesagt war. Was aber war dies? Manchmal rumpelten Worte durch meinen Leib, die waren wie Äxte, die einen Wald umlegen. Sie arbeiteten sich hoch aus dem Magendschungel und rodeten die Speiseröhre, sie kappten das Gaumensegel, schabten den Belag von der Zunge, hangelten über den Kiefer, schlugen ihre Schneide in zartes Lippenfleisch: Ä Guete, zum Wohl, Prost. Clemens schiesst mit der Pistole auf Vater und Mutter - ohne sichtbare Wirkung allerdings. Werner im Schlaf. Susanne, jetzt git’s de grad d Geburtstagsturte. Grossvater ergreift im Schlaf die Hand von Susanne. Hesch ghört Marie, es het no Turte. Clemens setzt seine Rede fort. Meine lieben Freundinnen und Freunde, damit habe ich meine kleine Tischrede in einer Zeit, die weder Würze, so hoffe ich, noch Kürze © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 31-

Hans-Ueli Grossvater Eveline Susanne Clemens Jean-Pierre Anneliese Werner Susanne Susanne Jean-Pierre Clemens Eveline vermissen liess, schon ihrem Schluss zugeführt und erhebe also mein Glas auf unsere kleine, feine Festgesellschaft. Prosit. Trink-Choreographie: Clemens nimmt die Flasche, trinkt einen Schluck. Alle anderen ebenfalls. Anneliese beginnt, „Zum Geburtstag viel Glück“ zu singen, die anderen stimmen ein. Nach dem Lied sitzen alle gelöst und zufrieden auf ihren Stühlen: Ig bi Gott. A d Wand stelle. Ig mache, was ig wott. Clemens, du bisch geil. Vielen Dank. Ig cha alles. Ig wott Sex. Läcket mi alli am Arsch. Der Grossvater kippt ganz leise aus seinem Schlaf vornüber in die Geburtstagstorte. fühlt nach seinem Puls. Er isch tot. Nach einem Moment absoluter Stille fängt Susanne an zu lachen. Die anderen setzen ein, dann beginnt Susanne nach der Melodie von «Äs wott es Froueli z’Märit gah» zu singen: Är isch nümm vo dere Wält… a wäm verdien ig jetzt mis Geld, tra la la la… Die Anwesenden setzen im Refrain ein, reihum erfinden alle eine Strophe zum Lied, zum Beispiel… Der Ätti isch jetz ändlech gstorbe… für das wei mir der Herrgott lobe… Dr Ätti üses Trampeltier... ‘s hei alli ghofft, dass er krepier... Das Feschte hett ihm gäng guet gfaue… drum hett ers jetz i Turte ghoue… © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 32-

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