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Festschrift zum 127. Deutschen Fleischer-Verbandstag 2017

42 Verbandsarbeit

42 Verbandsarbeit Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Tierhaltung: Vertrauen gewinnen mit Offenheit und den richtigen Partnern Die Haltung von Nutztieren steht immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Zwar essen die allermeisten Verbraucher trotz der aufgezwungenen Debatte um vegane Ernährung nach wie vor Fleisch und Wurst. Aber die Kunden wollen sicher sein, dass es den Tieren zuvor gut gegangen ist. Leider haben sie zuletzt oft das Gegenteil gesehen. Was ist passiert? Selbsternannte Tierschützer sind immer wieder in Ställe eingebrochen und haben Bilder geschossen, die den Verdacht von Tierquälerei bestätigen sollen. In der Zusammenfassung von Fotos, die über viele Monate hinweg entstanden sind, ergibt sich für viele genau dieser Eindruck. Vor allem bei unbedarften Laien haben viele dieser Abbildungen Bestürzung ausgelöst. Kriminelles Handeln Es ist selbstverständlich absolut inakzeptabel, dass durch kriminelles Handeln, nämlich durch den Einbruch in Ställe, echtes oder manipuliertes Datenmaterial gesammelt wird, um es dann in reißerischer Form gegen Tierhalter einzusetzen. Für die Überwachung der Tierhaltung sind die Behörden zuständig und nicht Ideologen, die es mit der Einhaltung von Gesetzen nicht so genau nehmen. Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Fleischer-Verbands So gesehen kann man die Empörung der Bauern verstehen. Andererseits: Die Bilder sind da, und wir alle, vor allem aber die Landwirtschaft, stehen vor der Frage, wie wir damit umgehen. Es wird nicht genügen, der Öffentlichkeit zu erklären, dass die Bilder illegal erschlichen wurden. Vor diesem Hintergrund hätte man sich beim Deutschen Bauerntag im Frühsommer als Zuhörer aus dem Fleischerhandwerk ein wenig mehr Eindeutigkeit gewünscht. Unter großem Beifall wurde dort gefordert, dass Einbrüche in Ställe genauso bestraft werden wie Wohnungseinbrüche. Dem kann man nur zustimmen. Was aber fehlte, war die klare Aussage, wie man künftig verhindern will, dass es überhaupt etwas zum Fotografieren gibt. Dem Verbraucher ist es unter dem Strich weitgehend egal, unter welchen Umständen die Aufnahmen entstanden sind, es ist ihm aber nicht egal, wie Tiere gehalten werden. Prozesstechnik für Nahrungsmittel Am Seefeld 3 35510 Butzbach +49 6033 9190-0 info@vos-schott.com www.vos-schott.com Ihr Partner in der thermischen Behandlung von Nahrungsmitteln | Pet-food | Pharmazeutika

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Ein schwammiges „Wir haben schon viel erreicht“ ist da inzwischen zu wenig. Auch Hinweise auf bedauerliche Einzelfälle, auf wenige „schwarze Schafe“ oder auf die rechtliche Zulässigkeit von bestimmten Vorgängen helfen nicht mehr. Die Bilder und das, was darauf zu sehen ist, sind auch für Fachleute nicht akzeptabel. Umso mehr stellt der Verbraucher kritische Fragen, die aber sehr häufig seitens der Landwirtschaft unbeantwortet bleiben. WÜRZSAUCEN VIELFÄLTIGER GESCHMACK Hausgemachte Probleme An dieser Stelle kommt man zum Kern des Problems: Ein guter Teil der Kritik an der Nutztierhaltung ist hausgemacht. Nach wie vor wird das Bild der heilen bäuerlichen Familienbetriebe gezeichnet. Alles ist eigentlich wie früher, nur moderner. Aber der Verbraucher ist nicht dumm. Er weiß, dass es immer weniger Bauern gibt. Er weiß, dass die Bestände immer größer werden. Er weiß, dass Nutztiere heute anders gehalten werden als vor Jahrzehnten. Er weiß, dass Deutschland immer mehr Fleisch exportiert. Aber anstatt damit offen umzugehen, zeichnet man ein verklärtes Bild. Es ist doch geradezu absurd, wenn man im Internet-Auftritt des Bauernverbandes lesen kann, dass die Zahl der Nutztiere in Deutschland nicht steigt, sondern in den letzten 60 Jahren sogar gesunken ist. Fakt ist, dass es heute in Deutschland viele Millionen Nutztiere mehr gibt als Mitte der 50er Jahre. Wie also kommt man zu dieser sonderbaren Aussage? Ganz einfach: Man rechnet die Zahl der Tiere auf Großvieheinheiten um. Und weil es nach dem Krieg noch Zugpferde und verhältnismäßig viele Rinder gegeben hat, kann man das wunderbar runterrechnen. Es muss endlich verstanden werden, dass man der Öffentlichkeit mit solchen Taschenspielertricks nicht mehr kommen kann. Diese Selbstdarstellung hat allein die Folge, dass die Verbraucher systematisch das Vertrauen FÜR HÖCHSTE FLEISCHVEREDELUNG RAPS GmbH & Co. KG Adalbert-Raps-Str. 1 95326 Kulmbach