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Festschrift zum 127. Deutschen Fleischer-Verbandstag 2017

46 Verbandsarbeit

46 Verbandsarbeit Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 regionale Schweinefleischerzeuger vom heimischen Markt verschwinden. Pro Kopf der durch Zuwanderung gewachsenen Bevölkerung wurden zuletzt 36,2 Kilogramm Schweinefleisch verzehrt, das waren 1,7 Kilogramm weniger als im Jahr zuvor. Rindfleisch erfreute sich demgegenüber größerer Verbrauchergunst, und unter dem Strich blieb der Fleischverzehr mit 60 Kilogramm pro Kopf insgesamt, trotz der Veggie- Welle, weiterhin eine recht stabile Größe. Die Welle ist durch, die Euphorie um Fleischersatzprodukte ist abgeebbt. Was bleibt, ist eine kleine Minderheit, für die die Erzeugung und der Verzehr von Fleisch grundsätzlich ethisch fragwürdig, ökologisch schädlich und gesundheitlich bedenklich sind. Was bleibt, ist – wie bei jedem zwischenzeitlichen Verzehrstrend – ein Bodensatz, der in seiner Marktbedeutung überschaubar bleibt. Weniger Fleischer-Fachgeschäfte Auf der Absatzseite hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten die Zahl der Einkaufsstätten im Lebensmitteleinzelhandel auf rund 31.000 mehr als halbiert, die Anzahl der eigenständigen Fleischer-Fachgeschäfte ist im gleichen Zeitraum um 42 Prozent auf 12.797 gesunken. Bei den Bäckern sieht es nicht anders aus. Die Folgen für die regio- nale Nahversorgung sind offenkundig. In vielen ländlichen Regionen gibt es weder einen Fleischer oder Bäcker noch einen Lebensmittelhändler mehr und auch nicht jeder, der gerne vor Ort frische Lebensmittel einkaufen möchte, hat einen Wochenmarkt vor der Haustür. Eine Begleiterscheinung des Konzentrationsprozesses im Lebensmitteleinzelhandel sind Preiskämpfe, bei denen gerade Schweinefleisch eine unrühmliche Rolle spielt. 2016 haben die Privathaushalte in Deutschland rund die Hälfte ihrer Fleischeinkäufe in gekühlten SB-Packungen eingekauft. 47,1 Prozent der Einkaufsmengen entfielen dabei auf Discounter und SB-Warenhäuser. Fakt ist, dass über viele Jahre hinweg Qualität immer wieder beschworen, aber Fleisch möglichst billig eingekauft worden ist. Dass nun doch Ansätze für ein Umdenken vorhanden sind, signalisieren unter anderem die Titelseite einer Juni- Ausgabe des Stern-Magazins mit dem Titel „Fleisch um jeden Preis“ und der Leitartikel „Schweinerei“ mit der Feststellung, dass gerade in der Grillsaison Steaks und Würstchen als Köder für die Supermarktkunden verramscht werden. In Interviews mit Metzgern, landwirtschaftlichen Erzeugern und Spitzenköchen wie Tim Mälzer werden die Fehlentwicklungen angeprangert und deutlich gemacht, dass letztlich der Verbraucher dafür die Zeche zahlt und wie man Fleisch wieder mit gutem Gewissen genießen darf. Qualität statt Billigfleisch boco Berufskleidung im Mietservice. Sauber und praktisch. Als langjähriger Partner des Fleischerhandwerks wissen wir, was Ihnen wichtig ist. Bei boco mieten Sie moderne Berufskleidung, die Ihren Anforderungen an Optik, Funktion und Hygiene gerecht wird. www.cws-boco.de facebook.com/CWSboco.Deutschland Als Aldi Süd ein 600-Gramm-Steak für 1,99 Euro im Angebot hatte, wurde es einem Kunden zu viel. Mit drastischen Worten geißelte Facebooknutzer Dominik Boisen den „verantwortungslosen“ Preis, zu dem Aldi sein „Antibiotika-Schnitzel“ verramsche. Auf der Facebookseite von Aldi entbrannte daraufhin eine emotionale Billigfleischdebatte. Bei dem Aldi-Shitstorm kam auf den Internetseiten des „Stern“ auf Vermittlung der DFV-Pressestelle der Obermeister der Fleischerinnung im hessischen Wetteraukreis, Holger Buss, zu Wort. Er erklärte, dass er das Fleisch für sein Fleischer-Fachgeschäft bei örtlichen Bauern beziehe, die er kenne und denen er vertrauen könne, er die Tiere teilweise noch selbst schlachte und dass ein solches 600-Gramm-Nackensteak in seinem Laden zwischen 6 und 7 Euro kosten müsse. Diesen Preis wäre es wert, denn auch der Landwirt habe einen ordentlichen Preis verdient. Genau das ist es, was sich die Verbraucher unter Regionalität vorstellen und wünschen. Die hochwertigen Angebotssegmente im Rindfleischbereich zeigen, dass für gute Qualität auch eine kaufkräftige Nachfrage vorhanden ist. Fleischer-Fachgeschäfte sind fast immer lokale Nahversorger. Sie sind authentisch und stehen für die Qualität ihrer Waren. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass auch die vorgelagerten Strukturen diesem Anspruch gerecht werden. Dafür zu sorgen, muss ein zentrales Ziel der Politik sein.

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Verbandsarbeit 47 Kann ein Schnitzel vegetarisch sein? ne Ernährung ein. Bekannt ist die Vorliebe vieler Fleischer für Mehl- und Süßspeisen aller Art, und auch im Fleischerhandwerk sind vegetarische Gerichte im Imbiss seit langem üblich. Der derzeitige Streit entzündet sich daher nicht am Für und Wider einer bestimmten Ernährung, sondern lediglich an der Frage der richtigen Bezeichnung. Begriffe wie „vegetarischer Schinken“ oder „vegane Fleischwurst“ sind ein Widerspruch in sich. So wie es kein Hallenfreibad gibt, so gibt es auch keine vegane Fleischwurst. Beides stiftet nicht nur beim Verbraucher Verwirrung. Er muss sich nämlich im Falle der „vegetarischen Schinkenwurst“ ent scheiden, ob er den Worten „vegetarisch“ oder „vegan“ beziehungsweise den Worten „Schinken“ oder „Fleisch“ mehr Glauben schenken soll. Dr. Wolfgang Lutz, Geschäftsleitung des Deutschen Fleischer-Verbands Essen ist Nahrungsaufnahme und Genuss. Essen ist aber auch Ausdruck von Lebensstil, Individualität und Abgrenzung von anderen sozialen Gruppen. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Diskussionen um vegane oder vegetarische Lebensmittel, vor allem aber die richtige Kennzeichnung die Gemüter erhitzen. Viele Fleischer sehen es als Verbrauchertäuschung, wenn Produkte, die gar kein Fleisch enthalten, als „Fleischwurst“, „Schinkenwurst“ oder „Morta della“ bezeichnet werden. Sie empfinden es als Unverfrorenheit, wenn Fleischwarenhersteller öffentlich Fleisch „als die Zigarette der Zukunft“ bezeichnen. Natürlich kann jeder seinen Speiseplan so gestalten, wie er will, und die Fleischer treten seit jeher für eine ausgewoge- Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs Aufgabe der Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs ist es, die berechtigten Erwartungen der Verbraucher an die Zusammensetzung, den Charakter und die Merkmale eines Lebensmittels auf der Basis einer bestimmten Bezeichnung zu beschreiben. Dies erleichtert dem Verbraucher, sich in dem großen Angebot der Waren zurechtzufinden und gewährleistet den fairen Handelsverkehr. Bisher war es ehernes Gesetz, dass Produkte, die von dieser Verkehrsauffassung erheblich abweichen, nicht mit der Originalbezeichnung versehen sein dürfen. Deshalb dürfen beispielsweise Döner, die nicht den Leitsätzen entsprechen, nicht als „Döner“, auch nicht als „Hackfleischdöner“ oder als „feinzerkleinerter Döner“, bezeichnet werden. Ebenso ist eine Fleischwurst kein „feinzerkleinerter Schinken“, ein Bienenstich ohne Mandeln kein „Bienenstich mit Haselnuss“ und ein Speiseeis kein „vegetarisches Sahneeis“. Kein Gastwirt wird Rotkohl mit Klößen und Bratensoße als vegetarisches Hirschgulasch bezeichnen wollen.