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Festschrift zum 127. Deutschen Fleischer-Verbandstag 2017

48 Verbandsarbeit

48 Verbandsarbeit Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Der Vegetarierbund ist dagegen der Auffassung, dass die Verwendung der traditionellen Fleischbezeichnungen für vegetarische oder vegane Produkte für den Verbraucher mit mehr Klarheit verbunden sei. Durch die Verwendung der traditionellen Bezeichnung würde der Verbraucher über den Verwendungszweck beispielsweise zum Braten oder als Brotauflage informiert. Nach der Denkweise des Vegetarierbunds könnte damit ein Sojabratling deshalb als „Schnitzel“ bezeichnet werden, weil er flach ist, gebraten und verzehrt werden kann. Hier wird klar: Es geht nicht um Wahrheit und Klarheit, sondern einfach darum, über die Bezeichnung das Ansehen, die Qualitätsvorstellung, die Tradition und das positive Image und Erleben aus Marketinggründen auf völlig andere Produkte zu übertragen. Dass Menschen, die bewusst auf Fleisch verzichten wollen, zu Produkten greifen, die in Aussehen, Geschmack und Bezeichnung Fleischprodukte imitieren, ist aber nicht nur für Fleischer unverständlich. Konsequenz schaut anders aus. Initiative des Deutschen Fleischer-Verbands Deshalb war es richtig, dass der Deutsche Fleischer-Verband und der Deutsche Bauernverband bei der Lebensmittelbuch-Kommission einen gemeinsamen Antrag auf Er- Schnitzel bleibt Schnitzel gänzung der Leitsätze gestellt haben. Ziel der Initiative ist es, dass für vegetarische und vegane Produkte nicht die Verkehrsbezeichnungen verwendet werden dürfen, die für traditionelle Lebensmittel üblich sind. Zwischenzeitlich unterstützen auch andere Marktbeteiligte den Antrag. Auch Bundesminister Schmidt persönlich und die Koalitionsfraktionen von Union und SPD fordern mehr Klarheit für die Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln. Wurst, Schnitzel, Salami oder Fleischsalat dürften nur aus Fleisch hergestellt werden. MdB Alois Rainer, selbst Metzgermeister, hat in der Debatte im Bundestag erklärt: „Wurst besteht aus Fleisch.“ Resümee Dem Fleischerhandwerk geht es nicht um die richtige Ernährung, das richtige Bewusstsein oder die richtige Ideologie, sondern um die richtige Bezeichnung im Sinne von Klarheit und Wahrheit. Und es geht um die Glaubwürdigkeit und Stringenz der Leitsätze. Der Zusatz „vegan“ oder „vegetarisch“ darf kein Freibrief für die kreative Verwendung von Bezeichnungen sein, die mit klaren Wertvorstellungen verbunden werden. Es ist dem Verbraucher auch nicht zu erklären, dass das Wort „Käse“, wie der Europäische Gerichtshof gerade wieder festgestellt hat, für Käseersatzprodukte verboten, der Hinweis auf „Fleisch“ bei Fleischersatzprodukten hingegen legitim sein soll. Mit dem Hinweis auf unterschiedliche Rechtsvorschriften können gleiche Dinge nicht ungleich behandelt werden. Mittlerweile haben vier Sitzungen des Fachausschusses 8 „vegetarische und vegane Lebensmittel“ der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission stattgefunden. Für den DFV nahm an den Sitzungen als Sachkenner Präsidiumsmitglied Konrad Ammon und als Mitglied der Lebensmittelbuch- Kommission Dr. Wolfgang Lutz teil. Am 26. Juni 2017 sind die Beratungen nun zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Alle Marktbeteiligten können nunmehr im Rahmen des Anhörungsverfahrens zu dem neuen Leitsatz Stellung nehmen.

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Verbandsarbeit 49 Europa verstärkt den Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln In der Europäischen Union (EU) landen jährlich etwa 88 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Mülltonne, das entspricht einem Gegenwert von geschätzten 143 Milliarden Euro. Zu Beginn dieses Jahres hat nun auch der EU-Rechnungshof (EuRH) die Europäische Kommission aufgefordert, das Problem der Lebensmittelverschwendung wirksamer zu bekämpfen. So ersucht der EuRH die Kommission, u. a. eine EU-einheitliche Definition von Lebensmittelverschwendung zu schaffen, einen Aktionsplan für die kommenden Jahre vorzulegen, verschiedene Strategien besser miteinander zu verknüpfen oder auch rechtliche Hindernisse für Spenden von Lebensmitteln auszuräumen. Brüssel hat sich zum Ziel gesetzt, die Menge der weggeworfenen Lebensmittel bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Es versteht sich von selbst, dass das Fleischerhandwerk auch diese Aktivitäten der EU-Institutionen mit Rat und Tat begleitet und sich im Austausch mit den zuständigen politischen Entscheidungsträgern befindet. Nicht zuletzt geht es wie so oft auch darum, die vorwiegend kleinstrukturierten Metzgerbetriebe vor potenziellen neuen, unnötigen Belastungen zu bewahren. Schließlich sind die Fleischerhandwerker Profis im Vermeiden von Lebensmittelabfällen, und das aus vielerlei Gründen: Allem voran natürlich aus Respekt vor dem Lebewesen verbunden mit dem Bestreben, den gesamten Tierkörper zu verarbeiten – getreu dem handwerklichen Verarbeitungsgrundsatz: „from nose to tail“ –, wegen des Vorteils der Flexibilität kleiner Strukturen, was Einkaufs-, Sortiments-, Aktions-, Mengen- oder Preispolitik betrifft, oder der Kernkompetenzen des Sektors wie Innovation und Kreativität, was u. a. erlaubt, auch weniger nachgefragte Teilstücke zu veredeln. Auch ökonomisch betrachtet impliziert Abfallvermeidung in der Regel nur Gutes. Der Kern des Problems Dass der Kern des Problems Lebensmittelverschwendung über die gesamte Kette gesehen nicht beim Fleischerhandwerk zu suchen ist, haben auch die zuständigen Beamten der Europäischen Kommission anlässlich Rechtsanwältin Kirsten Diessner, Leiterin der Vertretung des DFV bei der Europäischen Union und des IMV 1 -Generalsekretariats der bereits geführten Gespräche bestätigt. Der mit bis zu 60 Prozent bezifferte größte Anteil der Lebensmittelabfälle kommt schließlich aus den Kühlschränken und Töpfen der Haushalte. Pro Jahr werden etwa 80 Kilogramm Lebensmittel allein von jedem einzelnen Bundesbürger weggeworfen. Nur logisch, dass sich die ersten Informationskampagnen zur Müllvermeidung in den EU-Mitgliedstaaten auf den Verbraucher konzentrieren. 2 Für Deutschland beispielsweise lancierte das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Kampagne „Zu gut für die Tonne“ 3 . 1 Im Internationalen Metzgermeister-Verband (IMV) sind die europäischen Landesverbände mittelständischer, handwerklicher Metzger- und Traiteurbetriebe zusammengeschlossen. Derzeit gehören dem IMV 16 Fachverbände aus den Ländern der Europäischen Union und der EFTA an. Der IMV vertritt die Interessen von 150.000 Fleischer- und Metzgerhandwerksbetrieben mit mehr als 1 Million Beschäftigten. Der Gesamtumsatz dieser Unternehmen beträgt circa 60 Milliarden Euro. www.cibc.be 2 Initiativen in den EU-Mitgliedstaaten: www.ec.europa.eu/food/safety/food_waste/library_en 3 www.zugutfuerdietonne.de