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Festschrift zum 127. Deutschen Fleischer-Verbandstag 2017

Deutscher

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Trotz des geringen Abfallanteils von etwa fünf Prozent sieht die EU-Behörde gerade den Einzelhandel als wichtigen Teil der Lösung des Verschwendungsproblems, denn er habe den größten Einfluss sowohl auf den Verbraucher als auch auf die Produzenten von Lebensmitteln. So erhofft sich Brüssel auch vom Fleischerhandwerk, dass es vor allem die wichtige Schnittstelle zum Kunden bestmöglich nutzt, um aktiv auf eine Bewusstseinsveränderung beim Verbraucher hinzuwirken. Hinweise und Tipps zur Haltbarkeit, Lagerung/Kühlung oder auch zur Zubereitung von Lebensmitteln sollen dem Kunden noch intensiver kommuniziert werden. Bei vorverpackten Lebensmitteln solle zudem die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums besser erklärt werden. Diese Angabe bezeichnet nämlich lediglich, dass bis zu diesem Datum Kriterien des Lebensmittels wie Geschmack, Farbe oder Konsistenz unverändert bleiben. Bei der Genießbarkeit solle sich der Verbraucher hingegen auf seine Sinne verlassen. Derzeit würden leider viel zu viele noch genießbare Lebensmittel weggeworfen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft oder gerade abgelaufen ist. Chancen nutzen Grundsätzlich kann es nicht von Nachteil sein, wenn jeder einzelne Metzger die mit der Thematik Lebensmittelverschwendung verknüpften Chancen nutzt, seinen Betrieb, seine Unternehmensethik und nicht zuletzt seine wertigen Produkte in den weiteren Fokus seiner Kunden zu rücken. Auch die jährliche Veranstaltungsreihe der Metzger Europas, das European Meat Forum (EMF), wird als Plattform für Best-Practise-Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung genutzt werden. „Reducing Food Waste“ Am 8. November 2017 laden der IMV und seine Schirmherrin, die Europaabgeordnete Dr. Renate Sommer, unter dem Titel „Reducing Food Waste – EU Policy Approach and Craft Butchers` Commitments“ 4 zu ihrem 19. EMF in das Europäische Parlament (EP) zu Brüssel ein. Neben der Schirmherrin des parlamentarischen Abends und dem Präsidenten des IMV, dem Luxemburger Jean-Marie Oswald, werden für das Podium der zuständige Kommissionsbeamte Dr. Tim Gumbel und die EP-Berichterstatterin, die Europaabgeordnete Dr. Biljana Borzan, erwartet. Bis zu 150 europapolitische Entscheider werden das Auditorium komplettieren, darunter weitere Europaabgeordnete, Vertreter der Europäischen Kommission und des Generalsekretariats des Rates sowie zahlreiche Repräsentanten der Ständigen Vertretungen der Mitgliedstaaten sowie Vertreter aus der Wirtschaft, Verbraucherschaft und seitens der Presse. Dass so vieles aus der Küche nicht im Magen, sondern im Abfalleimer landet, hat nicht zuletzt auch mit den niedrigen Preisen für Lebensmittel in Deutschland zu tun. Es ist daher wünschenswert, dass die Diskussionen um das Problem der Lebensmittelverschwendung das Gespür der Verbraucher für die Wertigkeit von Lebensmitteln sensibilisieren und nachhaltig erhöhen hilft. Dann erführe auch der Anspruch der Metzger – Klasse statt Masse – eine ihm zustehende breitere Akzeptanz beim Verbraucher! 4 „Verringerung von Lebensmittelabfällen – Herangehensweise der EU-Politik und Engagement des Fleischerhandwerks“ Vertretung des DFV bei der EU, 4, rue Jacques de Lalaing, B – 1040 Bruxelles Telefon: +32-2-230.66.90, Fax: +32-2-230.34.51, E-Mail: info@cibc.be

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Verbandsarbeit 51 IFFA einst und jetzt Wenn die nächste IFFA vom 4. – 9. Mai 2019 in Frankfurt ihre Pforten öffnet, dann wird sie 70 Jahre alt sein. Sicherlich ein guter Zeitpunkt, um in das Archiv des DFV zu gehen und einen kleinen Rückblick zu nehmen. Damals noch acht Tage lang, lockte die IFFA 1949 im Juli rund 100.000 Besucher auf das Messegelände nach Frankfurt. Die sehr große Zahl an Besuchern lässt den Hunger nach einem wirtschaftlichen Aufschwung und einem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg erkennen. Ganze 200 Aussteller verzeichnetet die Messe, die zu diesem Zeitpunkt noch „Fleischer-Fachausstellung“ hieß und nicht wie seit 1971 „Internationale Fleischwirtschaftliche Fachmesse“. Schon damals war die IFFA die größte Messe ihrer Art, obgleich auf nur 5.000 m 2 veranstaltet. Heute sind es rund 100.000 m 2 bei knapp 1.000 Ausstellern. Man kann sich kaum vorstellen, was damals für ein Gedränge auf der Messe geherrscht haben muss. Die Aussteller gaben an, einen Umsatz von 20 Millionen Mark gemacht zu haben, davon rund 500.000 Mark mit Exporten. Diese Umsatzzahlen wurden als außerordentlich erfolgreich bezeichnet und waren auch nur möglich, weil der Wiederaufbau große Investitionen forderte. Parallel zur Messe fand 1949 auch der Verbandstag des „Fleischerverbands der US-Zone“ unter Leitung des Frankfurter Obermeisters Wilhelm Hartmann statt. Der Verband war auch Veranstalter der Messe, die in Folge bis zum Jahr 1971 durch ganz Westdeutschland tourte. Der damalige Verbands tag stand ganz im Zeichen des Kampfes um die Wirtschaftsfreiheit. Der geplante Hauptredner, Reichsminister a. D. Schlange-Schönigen, sagte kurzfristig ab, da er die Forderungen des Fleischerhandwerks nach einer Aufgabe der Bewirtschaftung zugunsten der Wirtschaftsfreiheit nicht teilen wollte. Passender Redner war dann der damalige Direktor der Verwaltung für Wirtschaft, Prof. Dr. Ludwig Ehrhard. Wichtige Forderungen des Verbands waren zu diesem Zeitpunkt die angemessene Einfuhr von Futter und Fleisch anstelle einer Einfuhr nicht lebensnotwendiger Waren wie Zitrusfrüchte oder Tabak sowie das Recht, „markenfrei“ verkaufen zu dürfen. Insgesamt stellte der Verband 22 Forderungen an die Politik. Das Rahmenprogramm des Verbandstags wurde unter anderem gestaltet von Peter Frankenfeld. Die IFFA – seit 1971 dauerhaft in Frankfurt Nachdem die Messe dann mehrere Jahre an wechselnden Standorten ihre Tore öffnete, wurde 1971 eine Entscheidung getroffen, die für die Fortentwicklung der IFFA von außerordentlicher Bedeutung war. 1971 entschied sich der Ausstellerbeirat der IFFA, der seine konstituierende Sitzung 1967 hatte und der sich aus Vertretern des Deutschen Fleischer-Verbands und der Zulieferindustrie (VDMA) zusammensetzte, die IFFA dauerhaft in Frankfurt anzusiedeln. Die Dr. Reinhard von Stoutz, Geschäftsleitung des Deutschen Fleischer-Verbands erste „feste“ IFFA wurde sofort international ausgerichtet und war bereits ein großer Erfolg. Die Messe stand ganz im Zeichen des technischen Fortschritts. Stark steigende Kosten und ein schon damals spürbarer Verdrängungswettbewerb zwangen die Fleischer zu Investitionen in neue Techniken. Das ließ 71.000 Besucher auf die IFFA strömen. Die IFFA war gemessen an der Fläche damals etwa halb so groß wie heute und fand gänzlich auf der stadtwärts ausgerichteten Seite des von der Bahnlinie getrennten Messegeländes statt. Das wird 2019 ganz anders sein. Nach dem Neubau der Halle 12 wird die IFFA erstmals komplett auf dem stadtauswärts gerichteten Teil des Messegeländes stattfinden. Die alten Flächen waren schlicht zu klein. 1971 war es noch üblich, mit der ganzen Familie und zumeist zusammen mit den Mitarbeitern die IFFA zu besuchen. Die IFFA, das machen die Protokolle deutlich, war schon damals ein „Muss“ für jeden Fleischer. Die schon 1971 gezeigten riesigen Maschinen für die industrielle Produktion wurden mit großem Interesse beachtet, zeigten sie doch eindrucksvoll, welche Technologien, zum Teil mit zeitlicher Verzögerung, im Fleischerhandwerk die Arbeit erleichtern würden. Herausragende Themen auf der IFFA 1971 waren die Erzeugung kalorienreduzierter Produkte sowie das Grillen. Das Fleischerhandwerk stellte sich gern diesen „Trends“, die sich seither durchaus wiederholt haben. Insbesondere bei den kalorienreduzierten Produkten tat man dies jedoch auch mit Wehmut, da man sowieso schon einen starken Rückgang beim Verkauf von Schweineschmalz verkraften musste. Dieses wurde gerade in den Küchen vom Öl verdrängt. Der Trend „Grillen“ wurde in einer Sonderschau von DFV und