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Festschrift zum 127. Deutschen Fleischer-Verbandstag 2017

Deutscher

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 CMA aufgegriffen und fand viel Beachtung bei den Fleischern und den Herstellern von Marinaden. Auch die IFFA 1971 wurde wieder flankiert von einem Verbandstag des DFV in Frankfurt. Es war ein interessanter Verbandstag, an dem nicht nur ein neuer Präsident, Hermann Viellieber, gewählt wurde und einige Satzungsänderungen durchgesetzt werden konnten, sondern an dem auch erstmalig über einen größeren Etat für Werbung diskutiert wurde. Grund dafür war der bereits deutlich erkennbare Wettbewerb durch Discounter und Supermärkte. Um sich von diesen absetzen zu können, wurde ein Etat von 290.000 Mark (heute wären dies 470.000 Euro) beschlossen. Ein Teil des Etats wurde gleich der Nachwuchswerbung zugeordnet. Das war notwendig, da ein großer Mangel an Personal, insbesondere im Verkauf, beklagt wurde. Sinkende Gründungsrate bei den Fleischern Erwähnt wurde im Rahmen der Pressekonferenzen rund um IFFA und Verbandstag, dass die Neugründung einer Fleischerei die stattliche Summe von 75.000 Mark erforderlich mache. Die damit verbundene Kaufkraft entspricht heute einer Summe von rund 120.000 Euro. Der Vergleich mit heute notwendigen Investitionssummen für den Aufbau einer Fleischerei dürfte zum Teil dazu beitragen, die stark gesunkene Gründungsrate im Fleischerhandwerk zu erklären. Von vielen politischen Forderungen, die 1971 erhoben wurden, sticht eine heraus, die nicht erfüllt werden konnte. Das Fleischerhandwerk wünschte die gesetzlich vorgeschriebene Fünf-Tage-Woche. Dies, so der DFV, entspreche der allgemeinen Entwicklung der Arbeitszeiten in Deutschland. Zum Ausgleich könne man sich am Freitag eine Öffnung bis 20 Uhr vorstellen. Auf dem Messegelände organisierten DFV und Zentrag schon 1971 eine imposante Sonderschau. Dieser gemeinsame Auftritt der politischen und wirtschaftlichen Organisationen des Fleischerhandwerks ist heute noch aktuell wie damals. Die Gestaltung der Stände bestätigt die Vermutung, dass man 1971 die ganze Fleischer-Familie angesprochen hat. Das hat sich völlig geändert. Heute kommt in der Regel nur noch der Inhaber oder der Produktionsleiter auf die IFFA. Personalmangel und die vielen neuen Geschäftsfelder, die zu einer erheblich höheren zeitlichen Arbeitsbelastung geführt haben, sind der Grund dafür, dass nur noch die wichtigsten Entscheider anreisen. Insgesamt kann man sagen, dass die IFFA nicht an Attraktivität verloren hat. Im Gegenteil. Konnte man früher sehen, was sich in Deutschland in der Fleischwirtschaft tut, so kann man heute sehen, was sich in der Welt so tut. Die neuen Technologien, insbesondere im digitalen Bereich, kommen heute aus allen Ecken der Welt. Auf der IFFA treffen sie zusammen. Der DFV wird wieder mit einem eigenen Stand für seine Mitglieder, aber auch für seine vielen Partner aus dem In- und Ausland auftreten. Die ersten Vorbereitungen sind schon angelaufen.

Deutscher Fleischer-Verbandstag 2017 Verbandsarbeit 53 Fleischer-Fachgeschäfte sind die besseren Startups Spätestens seit der ersten Boomphase des Internets geistert der Begriff Startup durch die Weltgeschichte, erst durch die einschlägigen Web-, dann durch die Wirtschaftsseiten und schließlich allgemein durch die Medien und die Öffentlichkeit. In den Folgejahren interessierten sich viele große Wirtschaftsunternehmen für diese ursprünglich kleinen Unternehmen, die mit ihren neuartigen Geschäftsideen zum Teil wirtschaftlich enorm erfolgreich waren und sind. Nach dem Platzen verschiedener „Blasen“ im Wirtschaftsraum Internet werden Startups im Allgemeinen heute nicht mehr ganz so überschwänglich als die neuen digitalen Hoffnungsträger gefeiert wie früher, aber vielerorts dennoch wohlwollend gefördert und beklatscht. Das wirft zwei Fragen auf: Was genau ist eigentlich ein Startup? Und warum werden kleine Handwerksbetriebe nicht in gleichem Maße gefördert, vor allem, wenn sie zumindest in politischen Sonntagsreden außerordentlich wohlwollend beklatscht werden? Die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten, da sich diejenigen, die sich hauptberuflich mit dem Thema Startups beschäftigen, selbst nicht ganz einig scheinen. Ein plausibel klingender Versuch einer Definition stammt von Eric Ries, dem Autor des Buches „Lean Startup“. Er sagt: „Ein Startup ist eine menschliche Institution, die ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung in einem Umfeld extremer Ungewissheit entwickelt.“ Einigen seiner Kollegen klingt das nicht eindeutig genug, so zum Beispiel Daniel Hüfner, dem Chef vom Dienst beim t3n Magazin, einer Fachpublikation zum Thema Digitalisierung 1 . Er fragt sich zum Beispiel, warum gewöhnliche Existenzgründungen wie Bäckereien nicht als Startups angesehen würden. Er begründet dies mit dem fehlenden technologischen und disruptiven – man könnte auch sagen revolutionären – Anspruch. Startups nutzten Technologien mit dem Potenzial, bestehende Märkte von Grund auf umzukrempeln, nicht, so Hüfner, bewährte Konzepte. Zudem wählten Startups als Vertriebskanal das Internet, das als virtueller Marktplatz genutzt werde. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal zu einer normalen Existenzgründung nennt der Autor das Bestreben, schnell weltweit bedeutsame Marktanteile zu erobern. Die gilt sicher nicht für ein alteingesessenes Fleischer-Fachgeschäft, das als Einzelbetrieb oder mit Filialen in einer Region vertreten ist. Andererseits spricht nichts dagegen, den Vertriebsweg über den Onlineshop auch auf ganz Deutschland oder das europäische Ausland auszuweiten, wenn man entsprechende, weithin bekannte und einmalige Produkte 1 Daniel Hüfner, Jetzt mal ehrlich: Was ist eigentlich ein Startup? http://t3n.de/news/was-ist-ein-startup-841129 Gero Jentzsch, Pressesprecher des Deutschen Fleischer-Verbands hat. Ein weiterer Punkt, den digitale Gründer mit aufgeweckten und aktiven Fleischermeistern gemeinsam haben, ist eindeutig ihre Innovationskraft und Experimentierfreude. Ebenfalls mit Startups gemeinsam haben Fleischer-Fachgeschäfte übrigens die Flexibilität und Manövrierfähigkeit. Auch handwerkliche Fleischer-Fachgeschäfte haben flache Hierarchiestrukturen, eine Chefin, einen Chef, eine überschaubare Anzahl qualifizierter Mitarbeiter und Auszubildender. Im Idealfall ein gutes Team, das Hand in Hand zusammenarbeitet. Wenn dann der digitale Wandel dem Unternehmen neue Chancen eröffnet, dann können diese schnell und entschlossen ergriffen werden. Und im Unterschied zu manchen Startups verfügen die meisten fleischerhandwerklichen Unternehmen über einige Dinge, die manchen Gründern bisweilen abgehen: Zum einen verfügen sie über ausgebildetes Fachpersonal, das sein Handwerk versteht, zudem meist über ausreichendes Eigenkapital, um die eigenen Ideen ohne Fremdmittel umsetzen zu können, und vor allem über ein durchdachtes Geschäftsmodell, aus dem heraus Innovationen entwickelt werden, ohne dass gleich die Existenz der ganzen Firma aufs Spiel gesetzt werden muss. Wenn man jetzt noch einmal die Definition von Eric Ries bemüht, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass moderne Handwerksbetriebe eigentlich die besseren Startups sind. Die Frage, warum sie dennoch nicht genauso wohlwollend gefördert werden, sollten wir unseren gewählten Vertretern bei passender Gelegenheit stellen.