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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

26 KMGV auf Rezept

26 KMGV auf Rezept Charlie Wilke (80/2. Bass) blinzelt in die Septembersonne, die vorsichtig hinter der »Kirche zur Schmerzhaften Mutter« in Kürten hervorlugt. Er sitzt auf seinem Stammplatz im Garten des Restaurants »Zur Post«. Vor kurzem kehrte er von einem mehrtägigen Aufenthalt im Hospital nach Hause und in den KMGV zurück. Glücklicherweise bestätigte sich die Diagnose »leichter Schlaganfall« nicht. Ein bisschen schonen soll er sich allerdings…

Deshalb hat er den Festgottesdienst in Wesseling nicht mitgesungen und auch die Konzertreise nach Bamberg, Würzburg und Bayreuth abgesagt. Und zum ersten Mal in seinem Leben bekam er ein Medikament verschrieben – Aspirin. »Das haben wir früher nach einer durchzechten Nacht gegen die Kopfschmerzen genommen«, schmunzelt Karl-Heinz Wilke, der man im Chor nur unter seinem Spitznamen Charlie kennt. Burgbote: Wir haben Dich längere Zeit bei den Chorproben vermisst. Schön, dass Du wieder an Bord bist. Ist alles wieder in Ordnung, oder willst Du mit 80 Lenzen nicht doch ein wenig kürzer treten? Charlie Wilke: Ich fühle mich wieder ausgezeichnet. Ich war allerdings auch in besten Händen und wurde im Krankenhaus umsorgt wie ein Prominenter. Bekommt man als langjähriges KMGV-Mitglied etwa eine Sonderbehandlung? Nein, ganz anders. Nach ein paar Tagen auf Station habe ich die zuständige Krankenschwester gefragt, warum mir eine so auffällig besondere Fürsorge und Zuwendung zuteil werde. Und die Antwort lautete, weil ich mit meinen 91 Jahren mit Abstand der älteste Patient im Hause sei. Deshalb gebe man sich noch mehr Mühe als sonst. Da war ich von allen Socken und klärte das Missverständnis schnell auf. Es hatte sich ganz einfach ein Schreibfehler in meine Unterlagen eingeschlichen. Als Geburtsjahr war dort 1922 statt 1933 vermerkt. der Ingenieurschule größer als in Wilhelmshaven. Das hat dann auch gut geklappt. Welches Fach hast Du belegt? Ich studierte Gesundheitstechnik. Das bezeichnete damals etwas anderes als man heute vermuten würde. Es ging viel um Wasser und Gas und Dampf. Unter anderem war Berieselungstechnik dabei. Ich wollte nämlich früher immer nach Australien oder Südafrika auswandern. Und weil ich dachte, dort gebe es viel Trockenheit und wenig Niederschlag, interessierte ich mich natürlich für Bewässerungsmöglichkeiten. Hast Du dann später tatsächlich in diesen Ländern gearbeitet? Das nicht, aber zumindest bin ich mit dem KMGV nach Australien und Südafrika gereist. Wie bist Du eigentlich zum KMGV gekommen? Das ist eine sehr lustige Geschichte. Singen wurde mir sozusagen vom Arzt verordnet. Personen und Persönliches 27 Rusemondaach »De Botz vom Funke-Jeneral«, 1973 Ein lustiger Irrtum, so lange es gut ausgeht. Doch nun zu Dir und Deinem langen Leben. Du bist ja hörbar kein Rheinländer, sondern Norddeutscher. Wann und wie hat es Dich nach Köln verschlagen? Das war 1952. Ich wollte studieren, und in Köln waren die Chancen auf einen Platz an