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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

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1 2 3 4 5 6 7 8 Charlie Wilke: »Casanova« und »Roter Funke« 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mit Ludwig Weber (Vize-Dirigent im KMGV) Rusemondaach »De Botz vom Funke-Jeneral«, 1973 Mit zwei unserer hübschen »Damen«, 1973 2001 Et Zauberhandy, 2002 Prinzenwagen Karneval, 1998 Ne Rusekavalier, 1990 Mit bläcke Fööss, 2010 Rusemondaach »De Botz vom Funke-Jeneral«, 1973

man das auch richtig aussprechen können. Und unsere Ur-Kölner haben mir hinterher gesagt, das habe fast so geklungen, als stamme ich aus der »Deepe Jass«. Also hast Du schließlich Beruf und KMGV doch ganz gut unter einen Hut gebracht? Das war nicht immer einfach, aber meistens ist es mir gelungen. Die Probeabende an den Donnerstagen hielt ich mir stets arbeitsfrei. Wenn ich auswärts Besprechungen an dem Tag hatte, machte ich mit dem Hinweis auf einen unaufschiebbaren Termin abends in Köln immer rechtzeitig Schluss. Zuweilen hatte ich aber auch große Probleme in der Firma und musste einmal sogar den Chor um Unterstützung bitten. Was war passiert? Es stand die KMGV-Reise nach Japan an, und ich wollte natürlich unbedingt mitfahren. Aber in der Firma wollte man mir keinen Urlaub geben. Ich sei unabkömmlich, hieß es. Ein Schreiben unseres damaligen Präsidenten Max Adenauer an meinen Arbeitgeber bewirkte dann Wunder, und ich bekam den Urlaub. Einmal aber war solche eine Intervention zwecklos: Die Konzertreise nach Bulgarien durfte ich partout nicht mitmachen. Der Hintergrund war: Ich verantwortete bei Interatom, ein Unternehmen, das im Kernkraftwerksbau tätig war, Sicherheitsfragen. Und als Geheimnisträger war es mir verwehrt, in ein Land des damaligen Ostblocks zu reisen. Inzwischen bist Du längst Rentner und musst auf keine Unternehmen mehr Rücksicht nehmen. Macht Dir das Singen und Spielen noch immer so viel Spaß wie früher? Auf jeden Fall. Ich möchte den KMGV nicht missen. Auch wenn es eine lange Anreise nach Köln zu den Proben und Zillche-Aufführungen ist. Ich wohne zwar in Kürten wunderschön auf dem Land aber eben auch weit weg von der Stadt. Mein Auto habe ich schon vor Jahren abgeschafft. Nun fahre ich mit Bus und Bahn nach Köln. Wie sieht das konkret aus? Zunächst gehe ich einen Kilometer zu Fuß zur Bushaltestelle. Dann fahre ich mit dem Bus zum Bahnhof nach Bergisch-Gladbach und von dort weiter mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof nach Köln. Noch einmal umsteigen in die Straßenbahn und schon bin ich an der Wolkenburg. Das hört sich nach einer langen Reise an. Wenn ich alle Anschlüsse bekomme, benötige ich 65-70 Minuten für die Hinfahrt. Aber wehe es gibt eine Verspätung auf der Rückfahrt. Dann hilft nur das Taxi. Immer wieder musste ich deshalb die Chorprobe um fünf vor halb zehn verlassen, damit ich sicherheitshalber eine Bahn früher nehmen konnte. Denn mein letzter Bus fährt 23.17 Uhr ab Bergisch-Gladbach. Auch beim Divertissementchen bin ich oft vor dem letzten Bild aus der Oper gestürmt, konnte das Zillche-Lied nicht mitsingen und den Schlussapplaus nicht mit entgegennehmen. Inzwischen sind die Bahnen aber pünktlicher geworden. Wie lange willst Du noch mit dem KMGV auf der Bühne stehen? Ich habe bis heute 37 Mal beim Zillche mitgespielt und möchte gern noch drei Mal bis zum 40. Bühnenjubiläum dabei sein. Und im Chor singe ich mit, so lange ich es gesundheitlich vermag. Die Kirchturmuhr schlägt sechs Mal, die Sonnenstrahlen verschwinden hinter dem Gotteshaus. Das ist mein liebster Platz, strahlt Charlie Wilke. Hier möchte ich noch möglichst oft sitzen und der Sonne in den Abend hinterherschauen. UR Personen und Persönliches 31