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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

Ausblick 2014

Ausblick 2014 Musikalischer Aufbruch nach Europa 44 Während sich das aktuelle musikalische Jahr dem Ende zuneigt – Chor und Kammerchor bereiten ihre Weihnachtskonzerte vor und die Cäcilia Wolkenburg probt das Divertissementchen – hat Bernhard Steiner, musikalischer Leiter des Kölner Männer- Gesang-Vereins, einen Ausblick auf das Konzertprogramm 2014 gegeben: »Wir sind von der Kultur-Abtei Brauweiler eingeladen, im Rahmen ihrer Open-Air-Konzertreihe »classic nights« ein Matinee-Konzert zu geben«, beginnt der KMGV-Dirigent seine Jahresvorschau. Einladung zur Open-Air-Konzertreihe »classic-nights« Über die Einladung zum Musik-Festival freue sich der Verein sehr, sagt Bernhard Steiner, »sie stellt aber auch unmittelbar die Frage nach einem geeigneten Konzertprogramm«. Zwar seien die Überlegungen dazu noch in einem frühen, vorläufigen Stadium, aber er favorisiere »ein Volkslied-Programm, das über das vertraute deutsche Liedgut hinausweist«. Langjährige Repertoire-Stücke wie »Ännchen von Tharau« oder »Am Brunnen vor dem Tore« würden in einer neu zusammenzustellenden Volksliedmappe reduziert – zugunsten europäischen Liedguts und deutscher Volksweisen in neuem Satz. Mit der Stärkung des Volkslieds im Probenalltag griffen musikalische Leitung, Musikausschuss und Vorstand auch einen in der Vergangenheit oft formulierten Wunsch vieler Sänger auf. »Allerdings werden Sie sich noch wundern, welch harte Arbeit die Einstudierung von Volksliedern bedeutet«, scherzt Bernhard Steiner. Dem Dirigenten scheinen noch die wenigen A-Capella-Auftritte des Chores während der Franken-Reise im Ohr nachzuklingen, wenn er anfügt: »Das sind nicht einfach leichte Liedchen, da hört jedes Kind, wenn ein Akkord nicht sitzt!«

Musikalische Inventur: Vorsingen aller Sänger Dieser »Neuaufbau des Repertoires« sei letztlich auch der Mitgliederentwicklung geschuldet. Gut 50 Prozent der aktiven Sänger sind innerhalb der letzten drei Jahre zum KMGV gestoßen, wie eine spontane Umfrage in der Probe zeigte. Die neuen Sänger müsse man nicht nur sozial, sondern auch stimmlich in den Chor eingliedern. Einerseits helfe dabei, für den ganzen Chor unbekannte Stücke neu einzustudieren, andererseits »werde ich mir auch die Zeit nehmen, mir jeden Sänger einzeln anzuhören, um seine Stimme besser beurteilen zu können« kündigt Bernhard Steiner an. Folge dieser »Stimmen-lnventur« werde sicher auch eine behutsame Neusortierung der einzelnen Stimm-Register sein: »Einen Sänger, der sich schon immer für einen 1. Tenor hielt, werden wir nicht aufhalten«, erläutert der Dirigent scherzhaft einen Aspekt dieses chorweiten Vorsingens – die dringend erforderliche Stärkung der Randstimmen. Musizieren in Klein-Ensembles stärken Neu für viele Sänger war sicher auch die Ankündigung des musikalischen Leiters, dass das Musizieren in Ensembles stark ausgeweitet werden soll. Gruppen von 8, 12, 24 Sängern sollen zukünftig – parallel zu den Proben des großen Chores – vertiefend Volkslieder erarbeiten. Ziel dieser Intensiv- Proben sei nicht in erster Linie die Aufführung der einstudierten Lieder, sondern die Kultivierung sängerischer Fähigkeiten wie »aufeinander hören«, »sich stimmlich einfügen«, »lntonation und Artikulation«, aber auch »sängerische Sicherheit« – statt sich in der Masse des Chores zu verstecken. Philharmoniekonzert 2014 Auch für das Philharmoniekonzert (am 10.10.2014) hat der musikalische Leiter bereits eine Idee: »Ödipus«, ruft Bernhard Steiner als Leitmotiv des kommenden Jahreskonzerts aus, »ist sicher ein spannendes Thema – zumal, wenn es von einem reinen Männerchor dargeboten wird«. Strawinskis »Ödipus Rex«, den einige Sänger bereits 2011 in Hamburg aufgeführt haben (vgl. Burgbote 04/2011), werde den Kern des monothematischen Konzerts bilden und von Werken anderer Komponisten zum selben Sujet umrahmt. Mit dieser Art der moderierten Aufführung habe man schon 2011 mit »Lieb’ Vaterland magst unruhig sein« gute Erfahrungen gemacht. Der KMGV wolle auch in Zukunft die künstlerischen Erwartungen, die das Publikum an ihn stellt, erfüllen. Doch kurz vor dem großen Jubiläum und angesichts des großen Zuwachses an neuen Sängern gelte es auch, den Chor nicht zu überfordern. »Eine schlechte Kritik macht schnell die Arbeit der letzten Jahre zunichte«, sagt Berhard Steiner. Die anwesenden Sänger reagieren positiv auf das offene Wort ihres Dirigenten und danken ihm mit Applaus für diese frühzeitige Information über die Entscheidungsprozesse in den musikalischen Gremien des Vereins und zu den bevorstehenden Aufgaben des Chores. BW Ausblick 2014 45