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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

10 Zillche-Ballett in

10 Zillche-Ballett in Klausur Das gab es noch nie: Das Männerballett der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg entzieht sich den Blicken der Öffentlichkeit – und probt in völliger Abgeschiedenheit die anspruchsvollen Choreographien für das nächste Zillche. Ein ganzes Wochenende (22.-24.11.) lang haben die 14 Tänzer des Zillche-Balletts mit ihrer Choreographin Michaela Niederhagen die Tänze für das neue Divertissementchen »Dä Schinghillige« einstudiert. »Die zwölf Stunden reinen Trainings dieses intensiven Proben-Wochenendes wiegen schon rein rechnerisch drei Wochen normaler Proben auf«, erklärt KMGV-Präsident und Ballett- Baas Gerd Schwieren, »dank der konzentrierten Einstudierung durch die Ballettmeisterin ist der Fortschritt sicher noch weit größer einzuschätzen«. Ohne Ablenkung durch Beruf, Familie und Alltag konnten sich die Tänzer in zwei- bis dreistündigen Trainingseinheiten ganz auf die schwierigen Schrittkombinationen der insgesamt sechs einzustudierenden Tänze fokussieren. Mit bis zu drei Trainingseinheiten pro Tag wurde in einer Intensität trainiert, die »unter der Woche« nicht realisierbar wäre – schließlich stehen alle Tänzer jenseits der Bühne voll im Berufsleben. Die nötige Abgeschiedenheit für das Proben-Wochenende des Zillche-Balletts bot ein kleiner Landgasthof in Kreuzberg an der Ahr. Der Festsaal des Hauses diente den Tänzern als Probenraum, die angeschlossenen Gästezimmer boten kurze Wege und das Essen nahm das Ballett gemeinsam in der Wirtsstube ein. Dankbar ist das Ballett vor allem seinem Mittänzer Peter Schmitz, der das Probenwochenende maßgeblich organisiert hat: Bahnreise, Unterkunft, Halbpension – an alles hatte das Ballett- Mitglied aus Kerpen gedacht. »Die Gegebenheiten vor Ort sind ideal für ein konzentriertes Arbeiten: Das Haus ist so klein, dass man schnell alle Tänzer zusammentrommeln kann, der Probenraum bietet ausreichend Platz zum Tanzen«, sagt Karl Gesell, seit 23 Jahren Mitglied im Zillche-Ballett, »und der Ort selbst bietet keinerlei Ablenkung, die die Gruppe auseinanderreißen könnte. Toll!« Nicht einmal die malerischen Weinberge des Ahr-Tals schafften es, das Ballett aus seiner Klausur zu locken: Grau in grau versteckten sich die Rebhänge am Totensonntag hinter Nebelschwaden und dichten Regenschauern. Proben-Klausur geht auf Initiative der Tänzer zurück Die Idee zum Probenwochenende entstand in den Reihen des Balletts: Die Tänzer hat-

Divertissementchen ten untereinander früh die Idee ausgearbeitet, sich in der Mitte der Probenzeit zu treffen, um die bereits einstudierten Choreographien weiter zu festigen und neue Tänze zu erlernen. Denn anders als beim Chor, der das ganze Jahr probt, pausieren die Tänzer nach der Spielzeit des Zillche ein halbes Jahr: Ehe nach dieser langen Pause die Proben der neuen Choreographien beginnen können, muss der Körper erst einmal wieder mit den ungewohnten Bewegungsfolgen beim Ballett vertraut gemacht werden. Auch diejenigen Tänzer, die dank der Werbeaktionen der vergangenen Jahre neu – aber in der Regel ohne tänzerische Vorkenntnisse – zum Ballett gestoßen sind, brauchen anfangs noch genauere Anleitung durch die Ballettmeisterin. Es vergeht viel Zeit, bis Tanzfiguren, die der Kopf schon verstanden hat, ihren Weg in die Beine und Füße des Tänzers finden. Auch sozial hoffte man, die vielen neuen Tänzer der letzten drei Jahre auf dem Probenwochenende besser ins Korps de Ballet integrieren zu können. Auch alle anderen Tänzer bewiesen Korps-Geist: Nicht nur, dass sie zusätzlich zu den normalen Probenterminen ihre Freizeit (sowie einen Urlaubstag und die Reisekosten) eingebracht haben, gerade das Zusammengehörigkeitsgefühl des Balletts wurde von allen Tänzern gepflegt – im Training wie in der Freizeit. Denn natürlich wäre ein Probenwochenende nicht komplett ohne einen geselligen Abend bei Kölsch, Ahr-Wein und… Gesang! Schließlich ist es das Ballett der Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer- Gesang-Verein. Manfred Schreier begleitete die Tänzer, unter denen sich mittlerweile auch sieben aktive Sänger befinden, auf dem Akkordeon. Das Training aber begann morgens pünktlich um 9.30 Uhr: ausgeschlafen und motiviert. 11