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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

18 »Wiener Melange«

18 »Wiener Melange« Mit Schmäh und Charme – aber ohne Melone – leitet der Wiener Bernhard Steiner seit 12 Jahren den Kölner Männer-Gesang-Verein.

November 1963: Ein graues Mietshaus aus der Zeit der Jahrhundertwende im 9. Wiener Gemeindebezirk. Auf der Straße rumpelt ein Kohlentandler vorbei. Aus dem Hinterhof klingt leise Musik. Eine junge Frau singt ihr Neugeborenes in den Schlaf und begleitet sich selbst dazu auf dem Klavier. Sie weiß noch nicht, dass sie schon bald ihr Gesangsstudium aufgeben und sich eine Arbeit suchen muss, mit der sie die Familie ernähren kann. Die Wohnung ist zwar klein – ein Zimmer, Küche, Kabinett. Aber die Zeiten sind hart und die Ehe wird nicht lang halten. Bernhard Steiner ist in einfachen Verhältnissen zur Welt gekommen. Burgbote: Herr Steiner, welche Erinnerungen haben Sie an das Wien Ihrer Kindheit? Bernhard Steiner: Wien war damals ziemlich grau. Der Krieg war keine 20 Jahre her. Die Geschichte zweier Weltkriege hing bleiern über der Stadt. Wohnraum war seit langem knapp. Wien war seit Beginn des 20. Jahrhunderts förmlich aus den Nähten geplatzt. Aus allen Himmelsrichtungen kamen Zuwanderer und suchten ihr Glück in der Hauptstadt eines einstmals sehr großen Reiches. Meine Großeltern hatten noch das sogenannte Bettgehertum erlebt. Dabei wurde ein einzelnes Zimmer einer Wohnung bis zu drei Mal am Tag zum Schlafen an unterschiedliche Personen vermietet. Aber seit den 80-er Jahren ist Wien richtig schön geworden. Woher stammt Ihre Familie? Sind Sie überhaupt ein waschechter Wiener? Und wie! Klassischer geht es gar nicht. Ich bin ein Wiener wie er im Buche steht und nicht schöner gemischt werden kann: Ich habe eine väterliche Linie, die auf der einen Seite nach Ungarn führt und auf der anderen Seite bayerische Wurzeln hat. Und es gibt eine noch stärker ausgeprägte mütterliche Linie, die in beide Richtungen nach Böhmen und Mähren weist. Also ich bin ganz so, wie man als Wiener zu sein hat. Und wie sieht es mit den musikalischen Wurzeln aus? Das war nicht ganz so klassisch. Mein Großvater mütterlicherseits war stark sehbehindert, hatte auf beiden Augen jeweils zwölf Dioptrien. Deshalb musste er nicht in den Krieg ziehen und wurde stattdessen Gärtner bei der Stadtgemeinde Wien. Eigentlich hätte er den familieneignen Schneiderbetrieb im 9. Wiener Gemeindebezirk übernehmen sollen, also auch kein musikalischer Beruf. Aber er betreute unter anderem den Garten des damaligen Musikdirektors an der Volksoper und bekam oft Karten für eine Vorstellung geschenkt. Bei Operette kannte sich mein Großvater aus! Der Vater meiner Großmutter wiederum war ein böhmischer Bäcker, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingewandert war. Und der Großvater väterlicherseits war ein burgenländischer Automechaniker. Bernhard Steiner 2001 Personen und Persönliches 19

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