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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

22 Rückblick: Bernhard

22 Rückblick: Bernhard Steiner – musikalisch von Anfang an…

mit 14, als diese Entscheidung anstand, wusste ich eben noch nicht ganz genau, in welche Richtung es später einmal gehen sollte. Sollte ich mich ab sofort nur noch mit Musik beschäftigen? Das war mir zu einseitig. Mich interessierten Sprachen, aber auch Philosophie, Psychologie, sogar Geologie – und ich liebte das Schauspiel! Damals sogar mehr als die Oper. Ich wollte von vielem etwas lernen und so wählte ich den altphilologischen Weg mit Latein und Griechisch in der Oberstufe. Würden Sie sich heute wieder so entscheiden? Auf keinen Fall. Weil sich die Zeiten geändert haben. Für mich war das damals toll und ich profitiere in vielerlei Hinsicht auch noch heute davon, es hatte aber auch was von einem Elfenbeinturm. Meinen inzwischen schon großen Töchtern habe ich das nicht empfohlen. Heute würde ich sagen: Lerne lebende Fremdsprachen – Englisch, Spanisch oder gleich Chinesisch. Eine zielgerichtete Ausbildung ist heute wichtiger als universelle Bildung. Wie sind Sie schließlich zum Gesang gekommen? Ich begann mit einem Musikpädagogikstudium. Meine Lehrer fanden, ich hätte eine schöne Stimme und ich sollte damit mehr machen, doch ein Jahr später kam zunächst Tonsatz (also Kompositionslehre) dazu, erst danach noch Gesangspädagogik. Erst nach vier Jahren begann ich mit Dirigieren. Wie gesagt, ich hatte viel aufzuholen und so war meine Studienzeit kein Zuckerschlecken. Ich habe rund um die Uhr gelernt, geübt und gearbeitet. Eigentlich war meine Studienzeit nur Stress. Aber ich wollte eben eine möglichst breite Ausbildung haben. Ich habe sogar noch ein Germanistikstudium angefangen. Aber das klappte zeitlich dann doch nicht. Zwischendurch musste ich ja auch noch Geld verdienen. Kellnern beim Heurigen? Nein, ich hatte zum Glück immer einen Job gefunden, bei dem ich beruflich profitieren konnte. Ich habe Klavier unterrichtet, bei den Wiener Sängerknaben zunächst die Grundschulmusikkurse gehalten, zuerst einen weniger guten kleinen, später einen größeren, ziemlich jungen und ambitionierten Chor geleitet. Aber das tollste war ein Job als Musikredakteur beim ORF. Redaktionsarbeit, Recherche und Live-Moderation – das volle Programm. Und das beim österreichischen Kultur- und Klassiksender Ö1, was etwa WDR 3 entspricht. Das war eine höchst interessante Mischung aus journalistischer und musikwissenschaftlicher Arbeit. Hätte das auch eine Laufbahn werden können? Ja durchaus. Ich hatte aber bald das Gefühl, auf der falschen Seite des Mikrofons zu sitzen. Ich spielte Musik von anderen vor, wollte aber eigentlich selbst Musik machen. Ich verdiente damit zwar meinen Lebensunterhalt, aber irgendwann war es das nicht mehr. Außerdem wurde ich zu dieser Zeit Kapellmeister bei den Wiener Sängerknaben, und es fehlte die Zeit für den Rundfunk. Und wann trafen Sie die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen? Das war Mitte der 90-er Jahre und wie so vieles im Leben Zufall. Ein Kollege hatte mir den Tipp gegeben, den damaligen Chordirektor der Bayreuther Festspiele, Norbert Balatsch, eine wahre Berühmtheit, zu fragen, ob er einen Assistenten benötige. Lustigerweise war Norbert Balatsch als Chordirektor in Bayreuth direkter Nachfolger von Wilhelm Pitz, der ja auch Leiter des KMGV war. Und noch früher hatte Balatsch den Wiener Männer Gesang Verein geleitet. Jedenfalls fragte ich nach und nach einer Personen und Persönliches 23