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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

24 ersten Absage gab es

24 ersten Absage gab es plötzlich eine kurzfristige Vakanz. Und ich musste von heute auf morgen zusagen. Das war gar nicht einfach, denn ich hatte damals schon eine junge Familie und ein zweijähriges Kind und sollte einen Sommer lang von zu Hause weg bleiben. Dieser Sommer in Bayreuth war aber eine Art Initialzündung für mich. Wie ist das zu verstehen? Was ich in Bayreuth erlebte, hat mich geprägt wie nichts zuvor. Der Balatsch war eine Kanone und der Chor war fantastisch. Alles was ich über Chorarbeit weiß, habe ich dort gelernt. Das war besser als mein ganzes Studium. Bei Norbert Balatsch in Bayreuth habe ich in fünf Wochen gelernt, wie man mit einem Chor arbeitet. Und was war an der Arbeit von Balatsch so besonders? An erster Stelle stand seine absolute Souveränität. Balatsch kannte Wagners Chorwerk auswendig und im Chor wusste jeder, wer nicht spurte, war im darauffolgenden Jahr nicht mehr dabei. Aber das Erstaunlichste war, man konnte schon nach der ersten Probe einen Effekt sehen. Der Chor, der ja nur aus Profis besteht, machte in einer Stunde mit Balatsch einen Qualitätssprung. Das hat mich ungemein beeindruckt. Und die fünf Wochen Bayreuth habe Sie zum Bleiben in Deutschland bewogen? Nicht ganz, aber mit Bayreuth hing es schon zusammen. Ich bekam einen Hinweis auf eine freiwerdende Chordirektorenstelle am Stadttheater in Gießen. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Und damit war der Abschied von Wien klar. Mir ging es in Gießen hervorragend. Ich war ein blutiger Anfänger, durfte aber Dinge tun, die man sonst erst nach vielen Jahren tun darf. Und wie ging es dann weiter? Nach drei Jahren wechselte ich in gleicher Funktion nach Koblenz. Dort war ich ins-

gesamt fünf Jahre bis 2003 Chordirektor am Theater. Und den Rest kennen Sie ja: 2001 stieg ich beim KMGV ein. Zwei Jahre später übernahm ich zusätzlich die musikalische Leitung des Divertissementchens. Von 2008 bis 2012 arbeitete ich als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Theater Hagen und im Juli 2011 wurde ich Chefdirigent der Bayer Philharmoniker Leverkusen. Als Sie vor zwölf Jahren zum KMGV kamen – war da absehbar, dass der Männerchorgesang im Abschwung begriffen ist? Auch damals galt schon, dass es wenig Uncooleres gab, als Männergesang. Hätte ich nicht auch hier von einem Kollegen und Freund einen Tipp bekommen, wäre ich nie im Leben auf die Idee gekommen, mich zu bewerben. Ich dachte immer, was um Himmelswillen soll man mit einem Männerchor singen? Es gibt ja gar nicht genug Literatur. Aber dann kam es eben anders und inzwischen weiß ich, dass es für den Männergesang als Ganzes viel mehr Möglichkeiten gibt, als auf den ersten Blick zu erahnen ist. Was haben Sie im KMGV in den 12 Jahren verändert? Ich weiß nicht, was ICH verändert habe, aber ES hat sich sehr viel verändert. Wenn ich zu dem einen oder anderen etwas beitragen konnte, freut mich das sehr. Jedenfalls hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Heute besteht der Chor zu mindestens zwei Dritteln aus Sängern, die bei mir die Aufnahmeprüfung gemacht haben. Im Vorstand und in den Ausschüssen arbeiten immer mehr Sänger mit großem zeitlichem Engagement. Als ich 2001 begann, haben hier drei bis vier Herren den ganzen Laden geschmissen. Das wäre heute gar nicht mehr möglich. Heute ist natürlich mehr Arbeit da, klar, es sollte sich ja viel ändern. Aber auch die Anzahl der handelnden Personen ist gewachsen. Das ist auch gut so, denn so gibt es mehr Ideen und die Arbeit lastet nicht nur auf Wenigen. Der KMGV ist ein Riesenbetrieb geworden. Mit der Cäcilia und ihren fest installierten Ensembleproben, den in Hürth nahezu idealen Probenbedingungen, mit den größtenteils sehr anspruchsvoll programmierten Konzerten in der Philharmonie, mit den gelegentlichen Gastspielen (Ödipus in Hamburg, Litcologne, Carmina Burana in Solingen, demnächst Fidelio-Gefangenenchor in Bonn) aber auch mit dem Kammerchor, mit der höchst effizient ausgebauten Chorschule und den Stimmbildnern. Nennen Sie mir einen zweiten Chor, der dies alles bietet! Für das Chorwesen ist aber insgesamt eine neue Zeit angebrochen. Jeder Chor muss seinem Publikum etwas Besonderes bieten. Das Standardprogramm in periodischen Abständen abzuspulen, reicht nicht mehr, um die Leute ins Konzert zu locken. Der KMGV hat im Vergleich zu anderen Chören im freien Wettbewerb traumhafte Besucherzahlen. Und wenn so viele Sänger mit Freude dabei sind, dann muss ja was Personen und Persönliches 25

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