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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

26 dran sein am

26 dran sein am Männerchor. Und am KMGV sowieso. Welche Höhepunkte gab es für Sie in den vergangen zwölf Jahren? Das waren vor allem die Inhalte einzelner Projekte. Hier ist auf jeden Fall die mehrfache Aufführung der Antigone von Mendelssohn zu nennen. Auch die Gründung des Kammerchores gehört in diese Reihe. Es gab ja bereits einen kleinen Chor, aber nicht vom KMGV aus organisiert und ohne feste Ziele. Haben Sie Ihre Ziele erreicht? Mein Ziel ist Qualität. Und das erreicht man eigentlich nie endgültig. Ein Ensemble kann besser werden aber auch wieder schlechter. Es gibt Höhepunkte und es treten Rückschläge auf, man muss immer arbeiten. Der derzeitige Generationenwechsel im KMGV ist für mich Ansporn, wieder sehr stark an der Qualität zu arbeiten. Wie führt man einen »Haufen von weit über 100 gestandenen Männern«, ohne zum Diktator zu werden? Diktator ist das falsche Wort. Ich weiß, dass ich bei manchen Sängern den Ruf eines Sklaventreibers habe, aber eigentlich komme ich von der anderen Seite. Als ich mit Dirigieren begann, habe ich mir gesagt, wir ziehen doch alle am gleichen Strang. Wir sind alle begeistert von der Musik. Aber ich musste sehr schnell lernen, dass das nicht immer stimmt. Vielen in den Chören und Orchestern ist völlig egal, was der Dirigent treibt. Manche lassen sich mitnehmen, andere nicht. Manche setzen in einem Chor Prioritäten, die mit dem Musizieren wenig zu tun haben. Da kommt man mit reiner Musizierfreude nicht weit. Da steht man schon manchmal auf verlorenem Posten. Und da habe ich gemerkt, ob ich es will oder nicht, ich muss in gewisser Weise eine eigentlich unterentwickelte dominante Seite von mir kultivieren.

Und das habe ich dann lernen müssen. Heute glauben viele, dass dies meine eigentliche Natur ist, aber ich war ursprünglich überhaupt nicht so drauf. Aber egal, ob mit einer gewissen Strenge oder mit Humor oder mit beidem: Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit ist gegenseitiger Respekt. Wie geht es weiter beim KMGV? Die Stimmung im Chor ist gut, wir haben kräftig an Mitgliedern zugelegt, aber wir müssen nun an der Qualität und vor allem an unserer Vierstimmigkeit arbeiten. Der Generationenwechsel bringt uns natürlichen frischen Wind, stellt uns aber auch vor neue schwierige Aufgaben. Es gibt immer weniger ältere Sänger, die ihre Erfahrung einbringen und immer mehr neue Sänger, die mit sehr wenig Erfahrung zu uns kommen, das merkt man natürlich. Und in den Randstimmen 1. Tenor und 2. Bass haben wir zu wenig Nachwuchs. Wir haben viel zu tun, wenn wir zum 175. Jubiläum des KMGV glänzen wollen. Ich denke aber, wir haben die Aufgabenstellung erkannt. Haben Sie eine musikalische Perspektive? Die muss man haben, sie orientiert sich aber an den Möglichkeiten des Chores und an den jährlichen obligaten Terminen. Wenn wir eines Tages »Drei Stücke für Männerchor« (darunter die Nr.2: Traumlicht – Anm. d. Red.) die Richard Strauss für den KMGV geschrieben hat, aufführungsreif singen können, dann geht ein kühner Traum in Erfüllung. Mein Credo aber ist, jede Art von Musik so gut wie möglich umzusetzen. Dann merkt man schnell, dass es immer Arbeit bedeutet, wenn man eine gewisse Qualität erreichen will. Manchmal ist man eben schneller, manchmal braucht es mehr Zeit. Die Freude am Musizieren ist entscheidend, und die habe ich nach 12 Jahren KMGV mehr denn je. UR Personen und Persönliches 27