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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

44 Sieben Jahrzehnte

44 Sieben Jahrzehnte für die Musik Gerd Langenberg (88/2. Tenor), dienstältestes Mitglied des KMGV, feierte am 27. November 2013 sein 70-jähriges Vereinsjubiläum – und war in den Tagen zuvor bereits sehr aufgeregt. Er wusste von einer geplanten besonderen Ehrung und erkundigte sich beim Präsidenten, ob er eine Krawatte tragen oder gar einen Anzug anziehen solle. In der Probenpause wurde er dann nach vorn gebeten, durfte sich in das Goldene Buch des KMGV eintragen und erhielt eine von unserem inzwischen nicht mehr aktiven Mitglied Heinz Schneider extra angefertigte Anstecknadel mit eingearbeitetem Vereinslogo, Violinschlüssel und einem kleinen Brillanten - ein Unikat also, das erstmals für 70 Jahre Mitgliedschaft verliehen wurde. Zwei Anekdoten aus 70 Jahren KMGV Danach erzählte er aus seinem langen Sängerleben. So verfügte der Verein früher über einen eigenen wohlgefüllten Weinkeller. Denn es habe, noch in der alten Wolkenburg, die Tradition gegeben, dass jeder noch anwesende Sänger nach der allwöchentlichen Probe eine halbe Flasche Wein spendiert bekam. »Damals ging keiner in der Pause nach Hause«. Langenberg berichtete auch von der Reise des KMGV in die Sowjetunion 1989, wo man mit Brot und Salz empfangen worden sei. Besonders tief haben sich ihm die Tage in Wolgograd, dem früheren Stalingrad, eingeprägt, wo eine der mörderischsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges stattfand. Gerade dort seien die deutschen Sänger besonders herzlich empfangen worden. Das Konzert des KMGV sei seit Wochen ausverkauft gewesen. Und immer sei zum Ausdruck gebracht worden, dass der Schrecken des Krieges zwar nicht vergessen

Jubiläum Langenberg werden könne, aber dass man bereit sei, zu verzeihen. Und zum Konzert sei der KMGV mit den Worten begrüßt worden: »Die Musik ist die Schwester des Friedens«. Wie alles begann Gerd Langenberg stammt aus einer sehr musikalischen Familie: Alle Kinder lernten Klavierspielen und ein weiteres Instrument. Bei ihm war es das Cello. Mit 18 Jahren schließlich – mitten im Zweiten Weltkrieg – trat er in den KMGV ein, und sang dort später über Jahre hinweg sogar gemeinsam mit Vater und Bruder im 2. Tenor. Sein erstes Konzert nach dem Krieg fand schon im September 1945 auf der Freitreppe des Hohenstaufenbades unter der Leitung von Franz Paul Decker statt. Sechs altgediente und hochmotivierte Sänger hatten innerhalb kürzester Zeit gut 100 Herren für den Wiederanfang des KMGV gewonnen. In seiner KMGV-Zeit hat Langenberg unter elf verschiedenen Chefdirigenten gesungen. Aber er profitierte auch auf ganz andere Weise vom KMGV: Seine Ehefrau lernte er bei einer gemeinsamen Probe für Carmina Burana kennen und ein Mitsänger im 2. Tenor vermittelte ihm seine Arbeitsstelle beim Gerling-Konzern. PD 45

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