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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

34 Hast Du den Computer

34 Hast Du den Computer in dieser Zeit immer eingeschaltet gelassen, oder musstest Du das Gerät bei Deinen nächtlichen Geistesblitzen jedes Mal erst hochfahren? Von wegen Computer – so etwas Modernes gibt es bei mir nicht. Ich habe das meiste mit der Hand geschrieben. Und wer hat dann die Sisyphos-Arbeit erledigt und den Text in eine digitale Form gebracht, oder probte die Cäcilia in 2008 mit einem handgeschrieben Libretto? Bei mir im Haus wohnte eine ganz nette Dame, die mir das alles in den Computer übertragen hat. Das war schon eine ganze Menge Arbeit, auch für mich. Aber der spätere Erfolg hat alle Anstrengungen lohnenswert gemacht. Noch mal zur Entstehungsgeschichte. Wie muss man sich das vorstellen: Du schreibst das Stück, alle freuen sich und es wird einstudiert? Nein. Nicht nur das Schreiben hat sehr lange gedauert, auch Abstimmung, Korrektur und Freigabe nahmen einen großen Zeitraum in Anspruch. Als erstes vertraute ich mich damals Helmut Löffel an, der mir viele gute Ratschläge für Veränderungen geben konnte. Ich hatte zwar den großen Vorteil, dass ich das Divertissementchen aus vielen Jahren des Mitspielens sehr gut kannte. Daher wusste ich auch, welche schauspielerischen Talente wir im Chor haben, wer welche Rollen spielen könnte und welche Parts ich für wen schreiben müsste. So war von Anfang an klar, dass eigentlich nur der damalige Cäcilia-Baas Jürgen Nimptsch die Rolle des Edelmannes spielen konnte. Aber ohne professionelle Unterstützung vor allem durch den damaligen Regisseur Frietzdieter Gerhards hätte ich das nicht geschafft. Und an welcher Stelle mussten die Profis helfen? Da kann ich einige Beispiele nennen: So wollte ich das Stück eigentlich ins Jahr 1850 legen, in die Zeit der großen Industrialisierung, der Entstehung der Banken und der Schwerindustrie. Doch Fritzdieter Gerhards sagte, ein Stück in Anlehnung an Molière, der 1650 gelebt hat, kann auch in einer Zillche-Persiflage nur im 17. Jahrhundert spielen. Und das war goldrichtig. OK. Eisenbahn raus und Pferdekutschen rein. Das war alles? Oh nein, bei weitem nicht. Ich musste im Vergleich zu meinem ersten Entwurf eine ganze Menge umschreiben. Dazu habe ich stundenlang mit dem Regisseur gearbeitet. Wir trafen uns unter anderem in Wetzlar und Karlsruhe, wo Gerhards damals arbeitete. Ich möchte betonen, dass die Zusammenarbeit sehr harmonisch war. Ich habe mich ihm voll anvertraut und er hat mir als Laien wichtige professionelle Hinweise gegeben. Dabei ging es zum Beispiel um die Länge von Textstücken. So hatte ich dem Hauptdarsteller so viele witzige Sätze in den Mund gelegt, dass der Regisseur sagte, das ginge so gar nicht. Der Mann müsse sich ja

irgendwann auch mal für die nächste Szene umziehen, in der er von Beginn an auf der Bühne steht. An so etwas hatte ich natürlich nicht gedacht. Ohne Gerhards hätte ich das nie so gut hinbekommen. Hast Du Dir als Autor des Stücks eigentlich auch eine publikumswirksame Hauptrolle auf den eigenen Leib geschrieben? Ich bin nicht der Typ, der sich in den Vordergrund drängelt. Ich bin groß gewachsen, stehe deshalb immer in der letzten Reihe und bin dennoch gut zu sehen. Und in meinem eigenen Stück hätte ich beinahe gar keinen Soloauftritt gehabt, wenn nicht der Regisseur mir einen solchen zugeschanzt hätte. Das musst Du genauer erklären. Ich hatte in dem Stück sehr viele alte Kölner Straßennamen der kleinen Innenstadt-Gassen untergebracht wie beispielsweise Thieboldsgasse (Deepe Jass), Schemmergasse, Schartgasse und Krummer Büchel. Da sagte Gerhards, wir könnten doch nicht den ganzen Kölner Stadtplan verlesen. Das sei zu viel. An meiner Reaktion merkte er allerdings, dass ich über Streichungen an dieser Stelle sehr traurig wäre. Daran hing nun einmal mein Herz als alter Kölner. Da hatte er einen Einfall. Ich sollte zu Beginn des zweiten Teils der Vorstellung als Stadtführer mit einer Reisegruppe mit Besuchern aus Düsseldorf auf die Bühne kommen. Und so geschah es dann auch. Zum Abschluss der Führung wollte ich mit der Gruppe ins Brauhaus Päffgen gehen. Auf dem Weg dorthin streiften wir unvermeidlicherweise natürlich auch das frühere Rotlichtviertel in der Kleine Brinkgasse. Den Ausflug ins leichte Gewerbe wollte ich eigentlich auslassen, aber Gerhards hatte wieder eine gute Idee. Und so sagte ich dann an dieser Stelle, dass sich hier die Wege der Gruppe trennen müssten. Die Männer hier entlang und die Frauen dort. Welches war Deine schönste Rolle in einem Zillche? Meine schönste Rolle war vor zwei Jahren der Kardinal im Stück »Die kölsche Witwe«. Ich durfte drei Sätze in dem Soloauftrit von Personen und Persönliches 35