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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

38 schwerlich und dauert

38 schwerlich und dauert ewig. Allerdings fand ich die Rückkehr an einen mir gut bekannten Ort sehr spannend. Du kanntest die Fernsehstudios? Hast Du etwa mal in einer Seifenoper mitgespielt? Nein, ganz anders. Ich wechselte nach 20 Jahren Arbeit auf dem Großmarkt zum Zentraleinkauf der Rewe und war dort für den Einkauf von Obst und Gemüse verantwortlich. Und als Rewe in den 80-er Jahren die Stüssgen-Gruppe übernahm, musste ich für fast drei Jahre von 1993 bis 1996 im zentralen Obst- und Gemüselager von Stüssgen in Hürth arbeiten. Und dieses Lager befand sich in genau der Halle, in der wir die Cäcilia-Proben abhielten. Ich hatte nach meiner Rückkehr in die Rewe-Zentrale zwar gesagt, hier komme ich nie wieder her, diesen Quadratkilometer betrete ich nie wieder, weil es damals viel Ärger auf der Arbeit gab. Aber wie so oft im Leben, niemals gibt es nicht, alles kann wiederkehren. Wie bist Du eigentlich zum KMGV gekommen? Auf den KMGV wurde ich durch einen früheren Schulfreund aufmerksam, der schon seit Anfang der 70-er Jahre im Chor war. Den hatte ich plötzlich im Zillche auf der Bühne gesehen. Ich sagte zu ihm, wie ich ihn bewundere, wie er so toll kostümiert auf der Bühne seine Rolle spiele. Und da sagte er zu mir, komm doch mal vorbei, wir machen gerade eine Chorschule auf. Das war nämlich eine Zeit, in der der Bekanntheitsgrad des Zillche stark stieg, vor allem durch die Übertragung im WDR. Es mussten also in jedem Jahr mehr Vorstellungen gegeben werden und ergo wurden neue Sänger und Mitspieler benötigt. Die Chorschule gab es also schon damals? Eine Chorschule gab es wohl immer wieder einmal. Zu meiner Zeit wurden allerdings tatsächlich möglichst viele neue Sänger gesucht. Also ging ich zur Wolkenburg. Dort war damals Hermann-Josef Rübben der

Chorleiter. Und ich staunte nicht schlecht, denn es waren mit mir rund 50 Herren zu der Chorschule gekommen. Im Hintergrund gab es allerdings ein Problem, denn der damalige Präsident Horst Massau wollte mindestens die Hälfte der Aspiranten aus Qualitätsgründen aussortieren, während Rübben dafür bekannt war, dass er am liebsten mit 350 Mann auf der Bühne stand. Du wurdest offenbar nicht aussortiert, sonst wärst Du ja heute nicht hier. Aber es blieben nur 25 Sänger aus dieser Chorschule übrig, von denen übrigens heute noch zwölf dabei sind. Wir wurden 1980 aufgenommen. Was ganz toll war: Fast alle Neuen durften bereits im gleichen Jahr mit auf die Sängerreise in die USA mitfahren. Es folgten Rom, Kanada... Es tut mir schon sehr leid, dass wir heute so etwas Großes nicht mehr auf die Beine stellen können. Es müsste doch möglich sein, mal eine Reise in eines unserer schönen europäischen Länder zu machen. Eine Woche Spanien oder Frankreich zum Beispiel. Das sollten wir doch hinbekommen. Zumal wir ja wieder deutlich mehr Sänger haben und es nicht so dramatisch wäre, wenn nicht alle mitkämen. Und es muss ja auch nicht immer ein komplettes Orchester mit auf die Reise gehen. In Australien sind wir auch mit vier Hornisten und einem Pianisten ausgekommen und feierten große Erfolge. Welche musikalischen Voraussetzungen brachtest Du damals mit? Ich habe keinerlei musikalische Vorbildung. Meine Mutter spielte zwar wunderschön Klavier, aber das Instrument musste 1945 im wahrsten Sinne des Wortes für einen Appel und ein Ei verkauft werden, weil wir nichts zu essen hatten. Aber wir waren privilegiert, denn wir hatten in Weidenpesch eine für unsere und die damaligen Verhältnisse sehr große Wohnung. Und nach dem Krieg war es Usus, dass Zimmer untervermietet wurden, denn es gab ja nicht genügend Wohnraum. Und wir hatten eine sehr nette Dame als Mieterin, die besaß einen Plattenspieler. Und ich als kleiner Steppke bewunderte natürlich die Musikmaschine und schon bald durfte ich die Platten selbst auflegen. Die Dame war sehr der Klassik verbunden und hatte viele Aufnahmen. Ich konnte schon bald die ganzen Lieder von Zarah Leander auswendig. Sie war auch ein großer Freund von Franz Liszt. Und so bin ich früh zur klassischen Musik gekommen. Hast Du auch Konzerte besucht? Wenn es Zeit und Geld erlaubten, bin ich gern in den Gürzenich zu Konzertaufführungen gegangen, oder wenn es irgendwie möglich war in die Beethovenhalle nach Bonn, weil dort eine bessere Akustik herrschte. Aber die Zeit war ja nicht einfach. Ich habe mit 15 Jahren die Volksschule beendet und sofort auf dem Großmarkt eine Lehre als Großhandelskaufmann für Obst und Gemüse begonnen. Im zweiten Lehrjahr fing mein Arbeitstag um 3 Uhr in der Frühe an. Ich fuhr also von Weidenpesch mit dem Fahrrad zum Bonntor. Da war ich dann abends auch oft sehr müde. Hast Du neben der Musik noch weitere Hobbies? Ich höre klassische Musik nicht nur in der Oper und bei Konzerten, sondern auch gern zu Hause. Ich besitze fast ausschließlich Schallplatten. Die Musik ist einfach authentischer und natürlicher. Bei mir dreht sich eigentlich immer eine Scheibe. Außerdem bin ich ein begeisterter Hörer von WDR 3. Zudem treibe ich Sport. Ich spiele seit 40 Jahren Tischtennis. Es geht noch rund, wenn ich an der Platte stehe. Und dann habe ich noch ein Hobby – Pferderennen. Wenn ich früher mit einem langen Gesicht nach Hause kam, pflegte meine Personen und Persönliches 39