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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

8 Womit alles beginnt

8 Womit alles beginnt … Wie haben wir das nur hinbekommen? Wie so oft, hat auch hier der Erfolg viele Väter. Fangen wir ganz vorne an: Ein Konzertprogramm erstellt sich nicht von selbst – der erste Dank geht also an die »Väter« des Programms, Herrn Steiner und den Musikausschuss, die für die Auswahl und Zusammenstellung der einzelnen Stücke verantwortlich zeichnen. Hat noch jemand außer mir Herrn Steiners Worte im Ohr (gefallen in einer der ersten Proben nach dem Zillche)? »Zwei Stunden Wagner … dem will sich doch kein Mensch aussetzen!« Absolute Hard-core-Wagnerianer mal außen vor gelassen, darf diese Analyse getrost als zutreffend bezeichnet werden. Vielleicht können die folgende Erfahrung auch andere, die im Blauen Zelt für das Konzert geworben haben, bestätigen: Die Reaktionen der Angesprochenen auf ein Wagner-Konzert konnten – vereinzelt zwar, aber immerhin – durchaus deutlich ausfallen. Das ging dann etwa so: »Ach, Sie singen auch in der Philharmonie? Die Cäcilia Wolkenburg gehört zum KMGV? Wie interessant – wusste ich ja noch gar nicht! Und in diesem Jahr?« Plätscherte die Unterhaltung zunächst ganz freundlich dahin, konnte der Ton heftig umschlagen, wenn der Name Wagner fiel: »Wagner? Nein, bei Wagner komme ich auf keinen Fall!« Dann musste natürlich alles daran gesetzt werden, den zahlenden Gast wieder zu beruhigen – man will ja sein Zillche-Publikum nicht mutwillig im Foyer vergraulen. Das gelang dann ganz gewiss bei Nennung all der anderen Komponisten, deren Werke ebenfalls zu hören sein würden. »Ach so, die auch! … und mit Moderation? Ja dann, dann geben Sie mir doch mal so eine Karte mit!« Auch unser Dirigent und der Musikausschuss machen aus einem 200-Jahre- Richard-Wagner-Konzert keinen sommerlich leichten »Vergnügungszug«-Abend, aber mit der »Anrufung des Baccheus« aus der Antigone von Felix Mendelssohn Bartholdy, einem Bellini aus der Feder Wagners sowie den beiden Verdi-Chören war in der zweiten Hälfte des Konzerts die perfekte Beimischung gefunden worden, um diesem anspruchsvollen Konzertabend neben den »robusten« Tönen (Steuermann- und Jägerchor) sowie den »feierlich-mystischen« Stücken (»Finale« aus der Faust-Symphonie, »Chor der Knappen und Gralsritter« aus Parsifal und »Pilgerchor« aus dem Tannhäuser) eine heitere Note zu verleihen.

… und was sonst noch gut tut Anders als bei einem gut gemixten Cocktail (hier entscheiden Güte und Mischverhältnis der Zutaten über Erfolg und Misserfolg: Nicht jeder Caipirinha ist ein guter Caipirinha) reichen die sorgfältige Auswahl und die richtige Abfolge der Stücke bei einem Konzert wie dem diesjährigen nicht aus, um einen nachhaltigen Erfolg beim Publikum zu landen (dem Cocktail kann man sich »nachhaltig« widmen, aber unser Jahreskonzert, das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder …). Will man, dass davon möglichst viel beim Publikum »ankommt«, dann kann es nicht schaden, an der ein oder anderen Stelle Brücken zu bauen. Wir haben viele begeisterte Freunde, von denen aber längst nicht alle auch intime Kenner der Musikgeschichte sind (warum sollte das bei uns auch anders sein, als sagen wir, z.B. bei einem Museum?). Eine gute Moderation ist da für viele eine willkommene Hilfe, das Gehörte in einen Zusammenhang einordnen zu können. Nun, was die Kommunikation angeht, können wir schon eine ganze Menge mit »Bordmitteln« bewerkstelligen (Konzertflyer, Programmheft), aber eben doch nicht alles – wie gut, dass es für das andere dem KMGV verbundene, engagierte Profis gibt. Christoph Vratz etwa, der wie zuvor schon einmal die Moderation unseres Konzerts übernommen hatte, gehört in diese Kategorie. Sicher und gewandt, auch das Dunkel im Leben Wagners nicht aussparend, führte er durch das Konzert, was vom Publikum ganz offensichtlich goutiert wurde. Klingen muss es aber auch! Programm, Moderation, was braucht es noch? Ein Orchester, beispielsweise, ist bei einem solchem Konzert dann doch mehr als nur eine »schöne Sache«, die dabeizuhaben lohnt. Natürlich zweifle ich keinen Augenblick daran, dass wir das ganze Konzert zur Not auch a capella gesungen hätten, wenn die Damen und Herren der Philharmonie Südwestfalen auf dem Weg zur Philharmonie irgendwo im CSD-Trubel verloren gegangen wären; dass dies nicht passiert ist, hat unserem Konzert aber gewiss gut getan. Mag auch aus Sicht der professionellen Kritik beim Orchester nicht alles so gelaufen sein, wie man es sich dort eben wünschen würde (dem Paukist fehlte der Sound-Check in der Philharmonie, weil die Gerenralprobe erstmals woanders stattfinden musste ), der Chor jedenfalls hat in den Jahreskonzert 2013 9