Aufrufe
vor 4 Monaten

Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

14 Ja,

14 Ja, selbstverständlich, besser geht immer. »Der Tag erscheint«, am Übergang von der zweiten zur dritten Strophe – Auftakt, drei, vier, Einsatz – oft geprobt, eindringlich ans Herz gelegt (»Jetzt tragen sie sich das doch endlich in die Noten ein, wozu haben sie denn sonst einen Bleistift?«) – und doch ist ein Unglücklicher zu früh. So was passiert, jeder wird die Stellen kennen, an denen es bei ihm persönlich besser hätte laufen können. Wer ganz unbedingt auch noch wissen will, wo wir allesamt zu spät oder zu früh eingesetzt haben, wo in welcher Stimme welcher Ton vielleicht einmal nicht 100%ig gepasst hat, der frage Herrn Brauckmann oder Herrn Steiner. Er wird, wenn er lange genug insistiert, vielleicht sogar eine Antwort bekommen, die seine Bedenken bestätigt. Das ändert aber nichts daran, dass wir auf den Punkt genau abgerufen haben, was in uns steckte – und da war einfach jede Menge richtig Gutes dabei. »Der »Steuermannchor« war schon immer ein Paradestück des Traditionsensembles«, schreibt die Rundschau und fährt fort: »Dem folgte ein weiteres Sahnehäubchen, Webers »Jägerchor« aus dem »Freischütz««. »Feines Piano« im Tannhäuser. Wem all das nicht »runtergeht wie Öl«, dem ist nicht mehr zu helfen. Und bedenken wir, wie viele neue Sänger wir in den vergangenen drei Jahren aufgenommen haben, dann wird dieses Lob doch noch wertvoller, oder nicht? Aufgeschlossener als die professionelle Kritik zeigte sich unser Publikum gegenüber den unbekannten Werken aus Wagners frühen Jahren (»Norma il predisse, o Druidi« und »Festgesang zur Enthüllung des Friedrich-August-Monuments in Dresden 1843«), die wir in unserem Konzert dargeboten haben und die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Stichwort »Festgesang«. Da kommt im Wagner-Jahr mal etwas Unbekanntes, und dann heißt es, diese »Fingerübung« Wagners sei entbehrlich gewesen. Schade! Wir haben es uns mit dem Stück lange Zeit nicht leicht gemacht, erst im Konzert ist der Knoten geplatzt und die Dynamik hat gestimmt – und das ist es ja, was die Besonderheit dieses frühen Stückes ausmacht. Eine »Fingerübung«? Ob Wagner, eben erst zum sächsischen Hofkapellmeister berufen, es sich getraut hätte, seinen Auftraggeber zur Einweihung des Denkmals eines Königs, der Sachsen über 50 Jahre lang regierte, eine »Fingerübung« Rundschau 7.7.2013 Kölner StadtAnzeiger 10.7.2013

unterzuschieben? Wer’s glaubt, bitte sehr… Der Aufführung wert ist das Werk im Wagnerjahr übrigens auch anderen erschienen: Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle haben es im Mai bei ihrem ersten Wagner-Geburtstagskonzert in der Frauenkirche mit Hilfe von drei Chören dargeboten. Ebenfalls mit großer Begeisterung wurden Hector Berliozs »La damnation de Faust« und das Finale aus Franz Liszts »Faust- Symphonie« angenommen. Wer die »Anrufung des Baccheus« von Felix Mendelssohn Bartholdy in einem Wagner-Konzert hört und weiß, wie Wagner sich über diesen Mann geäußert hat, dem drängt sich die Frage auf »Wie verstockt kann ein Mensch eigentlich sein, wenn er sich selbst von solcher Musik nicht berühren lässt und auf der Stelle allen Unsinn widerruft, den er zuvor Dirigent Bernhard Steiner über jüdische Komponisten in die Welt gesetzt hat?« Wagner und die Juden, ein grauenhaftes Thema. Wenden wir uns dem von Wagner ignorierten Italiener zu … Als echte »Kracher« haben sich die beiden Chöre Guiseppe Verdis erwiesen. Der vom Kammerchor vorgetragene Chor Nr. 7 aus Verdis Oper Rigoletto hob sich in seiner formidablen Leichtigkeit herzerfrischend vom zuvor präsentierten »Festgesang zur Enthüllung des Friedrich-August Monuments« ab und sorgte im Publikum für gelöste Heiterkeit. Der »Ernani«, als Zugabe gegeben, darf ebenfalls getrost als »Sahnestückchen« bezeichnet werden. Hier passte dann aber auch – Glück des Tüchtigen – alles perfekt: Ein Trinklied als Zugabe bei herrlichem Sommerwetter als Einstimmung auf ein »Gläschen Wein danach« ist per se eine schöne Sache. Und wenn man dann als Dirigent bei Ankündigung der Zugabe auch noch eine Steilvorlage aus der Moderation von Christoph Vratz zum Rigoletto- Chor (»Verdis Geburtstag jährt sich 2013 ebenfalls zum 200. Mal, wie schade, dass Sie nur ein Stück von ihm singen!«) verwandeln kann (»Wir können natürlich mehr als einen Verdi … Als Zugabe hören Sie »Ernani««): Einfach perfekt. Noch auf ein letztes Wort Nur das noch, meine Herren: An diesem lauen Sommerabend hätte ich nirgendwo anders sein wollen als nur zusammen mit Ihnen auf der Bühne der Kölner Philharmonie! GF Jahreskonzert 2013 15