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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

Zillche demaskiert

Zillche demaskiert Politiker Das neue Divertissementchen aus der Feder von Kalle Kubik verspricht ein opulentes Kostüm-Spektakel zu werden. 24 Im barocken Köln lässt der Zillche-Autor die Kölner Bürgerschaft gegen ihren Bürgermeister rebellieren. Hilfe erhofft sich der oberste Ratsherr von einem maskierten Unbekannten, der den Kölner Politikern an Bescheidenheit, Tugend und Moral weit überlegen scheint. Doch mit seinem aufgesetzten Charme kann »Dä Schinghillige« nicht jede/n Kölner/in täuschen. Bei der Vorstellung des Divertissementchens der Spielzeit 2014 am 3. Juni im Festsaal der Wolkenburg ist den geschichtsfesten der knapp 100 anwesenden Cäcilianer schnell klar, worauf Kalle Kubik in seinem Libretto für das neue Zillche anspielt: den Gülich-Aufstand von 1680. Der Kölner Hutmachersohn Nikolaus Gülich hatte damals eine Revolte gegen zwei Bürgermeister Kölns angeführt. Sie hatten sich ihre Kutschen vergolden lassen – mit Steuergeld! »Das ging damals also nicht viel anders zu als heute«, spitzt der Autor zu. Den historischen Nikolaus Gülich kostete der Aufstand das Leben. An der Stelle seines Wohnhauses (Gülichplatz, gegenüber Farina) klafft bis heute eine Lücke in der Bebauung – als Mahnung an die Kölner, nie wieder gegen die Stadtspitze zu rebellieren. Doch das lassen sich Kölner nicht verbieten – Cäcilianer schon gleich gar nicht, scheint Kalle Kubik den Politikern von heute mit seinem Libretto humorvoll aber unmissverständlich ins Stammbuch schreiben zu wollen. Tempo- und pointenreich transformiert der Autor und Regisseur die historische Vorlage in eine mitreißende Revue: Kölns Oberbürgermeister Maximilian von Cronenburg (gespielt von Henning Jäger) lädt aus Anlass seines Geburtstages zu einem vornehmen Maskenball. Mitten ins Fest platzt eine aufgebrachte Schar Kölner Bürger, allen voran Zillche-Rebell Nikolaus Höwedes (ihm verleiht Uwe Liefgen Stimme und Charakter), Anführer dieser Revolte gegen die Cliquenwirtschaft der Kölner Stadtführung. Plötz-

Divertissementchen 2014 lich löst sich ein Schuss. Schneller als sich der Pulverdampf senkt, entwickelt sich zwischen den erschrockenen Festgästen und den Eindringlingen ein undurchschaubarer Tumult. Erst der charismatische Fremde mit der Halbmaske weiß den Konflikt zu entschärfen. Schnell spricht sich in Köln herum, wer den Bürgermeister und seine Gäste vor dem Revoluzzer und seinen Kumpanen bewahrt hat: Chevalier Bernard de Châteaubriand (verkörpert von Joachim Sommerfeld) heißt der Unbekannte, der sehr reich sein, gute Geschäftsbeziehungen zu den Fuggern in Augsburg sowie Drähte in die Schweiz und in den Vatikan haben soll. Nur Gutes hört man über Châteaubriand: Erfolgreich und zugleich bescheiden sei er, sein christliches Mitgefühl für seine Mitbürger vorbildlich. Selbst seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als »Frauenversteher« bringen dem edlen Herrn mehr Respekt als Neid ein. Nicht nur die Kölner Bürger, auch die Mehrheit des Kölner Rates und die Familie des Oberbürgermeisters weiß Châteaubriand mit Charme und rhetorischer Brillanz für sich zu begeistern. Doch plötzlich gerät die heile Welt des Fremden im »hillige Kölle« aus den Fugen: Das spitzzüngige Hausmädchen des Oberbürgermeisters Thusnelda Blötsch (alias Peter Wallraff) lässt sich nicht hinters Licht führen – und nicht den Mund verbieten! Neben dem neuen Stück stellte der Cäcilia- Ausschuss auch den Spielplan vor: 2014 wird die Cäcilia Wolkenburg insgesamt 24 Vorstellungen an 20 Spieltagen bieten. Premiere feiert die Uraufführung von »Dä Schinghillige« am 6. Februar, der Vorhang zur Derniere wird am 4. März fallen – traditionell am Karnevalsdienstag. »Der Grund für diesen komprimierten Spielplan liegt in dem knappen Zeitfenster, das die Oper Köln uns, der Cäcilia Wolkenburg, in der kommenden Spielzeit angeboten hat«, erklärt Vize-Präsident und Cäcilia-Ausschussmit- 25