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Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)

28 Interview mit Bettina

28 Interview mit Bettina Neuhaus Bühnenbilder mit einem Augenzwinkern Seit 1992 entwirft Bettina Neuhaus die Bühnenbilder für das Divertissementchen. Zu ihrem 22. Cäcilia-Jubiläum sprach der Burgbote mit ihr über ihre Arbeit an den Zillche-Kulissen. Burgbote: Wie wird man »Bühnenbildnerin der Cäcilia Wolkenburg«? Bettina Neuhaus: Wahrscheinlich hat eine damals viel beachtete Produktion an der Musikhochschule, die ich mit Andreas Homoki – damals Assistent an der Oper, heute Intendant am Opernhaus Zürich – gemacht habe, die Aufmerksamkeit des Cäcilia-Ausschusses auf mich gelenkt. Ich vermute, von mir als klassisch ausgebildeter Theatermalerin versprach sich die Cäcilia eher gegenständliche, vielleicht sogar schwelgerische Bühnenbilder, die im zeitgenössischen Regietheater jener Zeit fast nicht vorkamen. Mich persönlich faszinierte, eine große Opernbühne mit all ihren technischen Möglichkeiten künstlerisch ausreizen zu können. Dafür bin ich dem Verein sehr dankbar: Einer jungen Bühnenbildassistentin vom Schauspiel Köln auf dem Sprung in die Selbstständigkeit solch eine Chance zu geben! Wie entsteht ein Entwurf für ein Bühnenbild? Zuerst lese ich das Stück mehrfach, notiere mir dabei erste Ideen und Fragen. Diese bespreche ich mit dem Regisseur, um zu klären, welche Details szenisch wichtig sind, wie viel Platz er auf der Bühne braucht, wie viel Zeit für einen Bühnenumbau bleibt. Ab dann laufen viele Arbeiten parallel: z. B. die Suche nach historisch korrekten und atmosphärisch stimmigen Vorlagen in Museen, Archiven und meiner eigenen Zillche-Bibliothek, die ich über die Jahre aufgebaut habe. Das aktuelle Stück sah z. B. die Szenerie »Im Park« vor. Den öffentlichen Park, wie wir ihn kennen, gab es zu jener Zeit aber gar nicht in Köln. Wir haben daraufhin gemeinsam beschlossen, die Szene ans Rheinufer zu verlegen. So wird auch noch einmal deutlich, dass die Handlung in »Kölle am Rhing« spielt, das gefällt mir. Auch die Kalkulation der Kosten, zu denen gebaut, gemalt und gebildhauert wird, liegt auf meinem Schreibtisch und ich kontaktiere die beteiligten Firmen und Werkstätten. Das sind Arbeiten, die an einem Opernhaus von einem ganzen Produktionsteam geleistet werden – nicht vom Bühnenbildner selbst. Parallel finden immer wieder Treffen mit Regisseur, Arrangeur, Kostümbildnerin und Choreografin statt, um die Einzeldisziplinen zum »Gesamtkunstwerk Zillche« zusammenzufügen. Solche Gespräche sind nicht immer konfliktfrei, aber sie machen sehr viel Spaß! Die Entwurfsarbeit ist im Groben nach drei Monaten mit Modell und maßstabsgerechten Zeichnungen soweit fertig, dass der Bau nach Genehmigung der Kosten beginnen kann. Dann arbeite ich die Malvorlagen im Maßstab 1:25 genauer aus. Und wie wird aus den Zeichnungen und dem Modell ein Bühnenbild in 3D? Anders als an der Oper kann ich beim Zillche nicht über eine komplette Bühnenwerkstatt verfügen. Doch über die Jahre habe ich mir ein Netzwerk aus freien Theatermalern, Plastikern, Dekorateuren und Großdruckereien aufgebaut. Und in Wolfgang Fey habe ich einen zuverlässigen Ansprechpartner für die technische Planung, sowohl als Verantwortlichen für die Bühne als auch für den Bau der Kulissen, d. h. der Schreiner- und Schlosserarbeiten. Die großen Hintergrund- Prospekte messen gut 200 qm und werden in der Regel ganz handwerklich gemalt. Der Nesselstoff wird dafür am Boden aufgespannt und mit Pinseln und Bürsten an

langen Stielen im Stehen bemalt. Ein guter Theatermaler kann dabei meine Vorlage im DIN-A2-Format an den richtigen Stellen verfeinern und ausschmücken. Das kann ein Digitaldruck nicht leisten, er vergrößert die Vorlage nur, ergänzt aber keine Details, die ich vielleicht nur mal im Gespräch erwähnt habe. Gibt es ein Thema, das Du gern einmal als Bühnenbild für die Cäcilia Wolkenburg umsetzen möchtest? Ich würde gerne mal wieder verrückte Bühnenbilder schaffen: eine Unterwasserwelt, den Himmel, den Flug zum Mond, die Reise zum Mittelpunkt der Erde entwerfen. Eine kölsche Alice in ihr Wunderland begleiten, wo alle Menschen klein wie Zwerge sind. Am Ende muss das Zillche aber wieder in Köln spielen. Stellt die neue Spielstätte »Oper am Dom« besondere Anforderungen an das Bühnenbild? Die Bühne ist sehr breit aber leider auch sehr flach. Die Seitenbühnen bieten kaum Raum, um Kulissenteile zwischenzulagern, und im Schnürboden habe ich maximal 6 brauchbare Züge zur Verfügung. Zum Vergleich: In der Oper waren es 60! Hier lautet meine Herausforderung, trotz der geringen Bühnentiefe ein Bild zu entwerfen, dass räumliche Tiefe suggeriert, einen Ausblick in die Ferne öffnet. Das Zillche lebt von opulenten Bildern, da darf man bei Bühne und Kostümen nicht zurückhaltend sein. Was reizt dich nach wie vor daran, für die Cäcilia zu arbeiten? Ich mag das Farbenfrohe am Zillche. Ich darf viel Malerei einsetzen, selbst stilistische No-Gos sind im Zillche möglich, weil es letztendlich mit einem Augenzwinkern auf die Bühne kommt. Die Bühnenbilder dürfen verrückt, pompös aber auch liebevollschmuddelig sein, echt kölsch eben. Da wir immer wieder Stücke aus verschiedenen Epochen haben, habe ich meinen Stil auch x-fach neu erfinden dürfen. Die Arbeit am Bühnenbild wird also nie langweilig. Außerdem hat mir die Arbeit für die Cäcilia in Köln viele Türen geöffnet. Für meine Recherchen durfte ich auf das Dach des Doms, wurde durch das Schloss Brühl geführt und hatte für einen Tag das FC-Stadion für mich allein. In Köln ist die Cäcilia Wolkenburg ein Begriff. Außerhalb – erst recht im Ausland – verstehen die Profis der Opernwelt nicht, warum ich einem Laientheater mit Männern in Frauenkostümen so viel Zeit widme. Aber das Zillche ist für mich auch eine künstlerisches Heimat. Wer wie ich beruflich viel reist und aus dem Koffer lebt, freut sich, wenn er einmal im Jahr »nach Hause« kommen kann. Außerdem finde ich es fantastisch, welche Energie das Zillche Jahr für Jahr freisetzt, mit wie viel Engagement die Herren jedes Jahr eine Uraufführung stemmen. Das ist der große Zauber des Zillche, et Hätz, das große Miteinander. BW Divertissementchen 2014 29

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