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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

Anton Scharn Zwei Mark

Anton Scharn Zwei Mark die Stunde, ein Bier und ein Mittagessen – Frisch aufgespielt mit Toni Scharn! Der Kölner Männer-Gesang-Verein bereitet sich seit Monaten intensiv auf seinen 175. Geburtstag vor. Wenn der große deutsche Männerchor im Jahr 2017 sein Jubiläum begeht, wird auch Anton Scharn, 1. Tenor seit vielen Jahren, einiges zu feiern haben: Am 1. Mai 1967 trat er in den KMGV ein und wäre dann also 50 Jahre im Verein. Und am 12. Oktober 1927 kam Toni zur Welt, er wird also im Jubiläumsjahr 90 Jahre. 28

Burgbote: Du warst bereits 40 Jahre, als Du zum KMGV kamst, warum so spät? Anton Scharn: Das hatte vor allem berufliche Gründe. Ich arbeitete in der Exportabteilung bei 4711. Meine Frau war in der Spedition des gleichen Unternehmens angestellt. Und wir wohnten schon damals in Neuhonrath bei Overath, ein ganzes Stück außerhalb von Köln. Da blieb nicht viel Zeit für ein Hobby in der Stadt. Und wie bist Du dann dennoch zum Männergesang gekommen? Hier bei uns auf dem Dorf wurde früher immer Tanzmusik am Wochenende gespielt. Und da unserer Familie das örtliche Gasthaus gehörte, waren wir natürlich immer mit dabei. Und eines Tages sprach ich mit dem Leiter der Tanzkapelle, Rudolf Becher, und es stellte sich heraus, dass er Vizedirigent beim KMGV war. Da er mich als musikalischen Zeitgenossen kannte, fragte er mich, ob ich nicht dort mitsingen wollte. Nicht schlecht – vom Vizedirigenten geworben! Naja, ich ließ mich auf jeden Fall zu einer Schnupperprobe überreden. Ich erinnere mich, dass der Verein damals den Bauernkalender von Prof. Rademacher probte. Ich weiß nicht mehr, welcher Monat gerade gesungen wurde, aber diese Wucht und dieser Klang hatten mich regelrecht umgehauen. Immerhin waren damals ca. 180 Leute in der Probe. Und dann? Chorschule, Vorsingen, Aufnahmeprüfung wie heute? Etwas formeller war es damals schon noch. Ich musste mich bewerben und benötigte seinerzeit noch zwei Bürgen, die einen ordentlichen sozialen Status bestätigten. Eine Chorschule gab es auch, nur die Prüfung lief etwas anders ab. Wir mussten vor dem versammelten Chor ein komplettes Lied darbieten. Wir sangen ein schlesisches Volkslied und wurden aufgenommen. Erinnerst Du Dich an Deine erste Begegnung mit der Musik? Ich wurde in Köln geboren, und bis wir im 2. Weltkrieg ausgebombt wurden, wohnten wir auch dort. Und schon mit sechs oder sieben Jahren hatte mich die Musik so gepackt, dass ich ein Instrument spielen lernen wollte. Warum es dann die Handharmonika, der kölsche Quetschebüggel, wurde, weiß ich auch nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass mich meine Mutter immer zur Musikstunde bringen musste, weil ich den schweren Kasten gar nicht tragen konnte. Gab es musikalische Einflüsse in der Familie? Nein, bei uns waren alle unmusikalisch und es gab auch keine Hausmusik. Niemand hatte mich dazu gezwungen, ein Instrument zu lernen. Der Wunsch, Musik zu machen, entstand ganz allein in mir selbst. Und wie ging es dann weiter? Schon bald reichte mir die Harmonika nicht mehr, und ich nahm zusätzlich Geigenunterricht. Ja und dann kam der Krieg. Da war erst mal Schluss mit der Musik. Ich geriet in Gefangenschaft und kehrte 1946 nach Hause zurück. Nach Köln? Nein, das wäre nicht gegangen. Die Stadt war weitgehend zerstört. Ich kam nach Scheiderhöhe, wohin wir im Krieg ausgesiedelt worden waren, ein Nachbarort von hier. Und wann hast Du Dich wieder der Musik genähert? Ich fing sehr bald wieder an, zu spielen. Inzwischen hatte ich auch Klarinette gelernt. Und schon bald suchten die Menschen auch wieder das Tanzvergnügen an den Wochenenden. Da war ich natürlich immer mit Personen und Persönliches 29