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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

30 dabei. Anfangs

30 dabei. Anfangs spielte ich in einer Kapelle mit, und als das dann ganz gut lief, wurde ich gefragt, ob ich nicht in einer weiteren Tanzkapelle mitspielen wollte. Und auch das lief gut. Dann brachte ich mir selbst noch Klavier bei und gründete eine eigene Combo. Wie hieß die Gruppe – Anton Scharn und die vier lustigen Musikanten? Nein, da gab es einen lustigen Fehler: Auf der ersten Ankündigung sollte eigentlich mein Name stehen, aber der Wirt hatte etwas verwechselt und schrieb »Tonschari«. Und das haben wir dann einfach so gelassen. Das war eine schöne Zeit, einfach, aber wir waren genügsamer als heute. Für die Stunde gab es zwei Mark und zusätzlich bekamen wir ein Bier und ein Mittagessen. Und so zogen wir durch die Dörfer in der Umgebung und spielten auf zum Tanz. Es gab viel Spaß, wir waren lustig und frei und hatten immer Chancen bei den Damen. Bei der Tanzmusik habe ich auch meine Frau kennengelernt. Aber irgendwann war Schluss mit der Band? Arbeit und Familie brauchten ihre Zeit, da war keine Gelegenheit mehr zum Proben und Herumziehen. Aber zum Tanzen gingen wir natürlich immer noch, und so kam es zu der bereits geschilderten Begegnung mit Rudolf Becher. Und dann ging es in den KMGV. Ja, und ich war mit 40 damals einer der Jüngeren. Um mich herum saßen viele alte Herren. Das Verhältnis der Sänger untereinander war nicht immer einfach. Ich hatte mich mal versehentlich auf den Platz eines gestandenen Sängers, eines älteren Herren gesetzt. Oje, das war ein schweres Vergehen. Damals war das mit den Sitzplätzen noch streng geregelt. Hast Du ein Konzert des KMGV in besonders guter Erinnerung? Eines meiner schönsten Erlebnisse im Chor war ein Konzert in Luxemburg. Prof. Rübben dirigierte. Es gab lediglich eine Klavierbegleitung und kein Orchester. Das kam erst unter Bernhard Lang. Der war kein Chormensch, sondern ein Orchestermusiker. Er kam aus Süddeutschland, und ich habe noch einen Spruch von ihm im Ohr: »Wenn ich mei Trompeten bloasen lass, dann hört man eh nix mehr von Euch.« Aber wir haben unter Lang schwere Sachen erstmalig gesungen: Ödipus Rex von Strawinsky und Richard Wagners Liebesmahl der Apostel. Hast Du mal beim Divertissementchen mitgespielt? Das Zillche hat mich nie gereizt, deshalb habe ich auch nie mitgemacht. Mal abgesehen von der fehlenden Zeit wegen der beruflichen Pendelei nach Köln hat es mich nie auf die Bühne gelockt. 1982 mit dem KMGV in Rom

Warst Du schon immer im 1. Tenor? Ich wurde gleich nach meiner Aufnahme in den Chor in diese Stimmgruppe gesteckt und habe sie nie wieder verlassen. Damals waren wir noch rund 30 Leute im 1. Tenor. Das hat sich ja leider sehr verringert. Dank unserer Werbeaktionen sind auch in letzter Zeit auch einige erste Tenöre zu uns gestoßen. Das stimmt, aber man muss mal abwarten, wie das in einigen Jahren aussieht, ob die Leute bei der Stange bleiben. Das wird sich zeigen. Der Chor braucht Nachwuchs, da geht kein Weg dran vorbei, nimm mich als Beispiel mit meinen 88. Viele haben die 80 bereits überschritten. Da kann man sich ausrechnen, wann so mancher nicht mehr kommt. Aber in letzter Zeit kamen schon ziemlich viele neue Sänger in den KMGV. Wenn ich auf die Probe komme, gucke ich in zahlreiche fremde und jüngere Gesichter. Da bahnt sich ein Altersbruch an, was für einen langjährigen Sänger wie mich nicht einfach ist. Bis vor kurzem mussten wir wegen der fehlenden 1. Tenöre so manches Lied nur dreistimmig singen. Das hat sich inzwischen wieder geändert. Dafür schaut man doch auch mal gern in viele neue Gesichter, oder? Ja schon. Wenn ich mir die Diskrepanz vorstelle zwischen 1. Bass und 1. Tenor – 56 zu 18, das ist schon ein Problem. Und die Alternative, dreistimmig zu singen, tut dem Klang nicht gut. Ich kann mich erinnern, wenn wir früher bei Prof. Rübben mit der damals großen Sängerschar auftraten, schwelgte er richtig: »Dieser Klang, wie eine Orgel.« Wer war für Dich der beste Dirigent? Das kann man schwer so absolut sagen. Jeder hatte seine Stärken und Schwächen. Nach Rübben und Bernhard Lang kam z.B. Hans-Joseph Roth. Das war ein wunderbarer Musiker, ein Könner. Ich verstand mich sehr gut mit ihm, er holte mich sogar in die erste Reihe, wo ich heute noch sitze. Wir haben viele große Stücke unter ihm gesungen. Aber Roth war als Persönlichkeit zu schwach für den Verein. Ich dachte oft, warum haut der nicht mal auf den Tisch. Dann kam Steiner. Das war der richtige Mann für den Verein nach Roth, das habe ich sofort gemerkt. Der konnte uns zu Disziplin zwingen. Ordnung muss sein, erst recht in einem solch großen Verein.Auch musikalisch brachte er uns zu Höchstleistungen. In letzter Zeit haben wir Dich nicht mehr so oft bei den Proben gesehen, was ist los? Ich muss leider aus gesundheitlichen Gründen derzeit etwas kürzer treten. Deshalb war ich in diesem Jahr auch erstmals nicht beim Probenwochenende dabei und sing ebenfalls zum ersten Mal das Jahreskonzert nicht mit. Aber wenn es zu anstrengend wird, dann muss man eben die Konsequenzen ziehen. Der KMGV ist ein Teil meines Lebens. Ich werde immer im Verein bleiben. 48 Jahre sind ja kein Pappenstiel. Machst Du zu Hause noch Musik für Deine Familie? Ich spiele für mich oder für meine Frau schon noch ab und zu etwas. Mal auf dem Klavier und mal auf einer Dr.-Böhm-Orgel. Die habe ich mir vor Jahren selbst zusammen geschraubt. Das war ein Bausatz, da habe ich Monate dran gesessen. Alles funktionierte noch mit Transistoren, einzeln verdrahtet und verlötet. Eine Wahnsinnsarbeit. Bis auf einen Ton spielt sie heute noch wunderbar. Und da bei uns in der Familie alle ein Instrument beherrschen, musizieren wir zumindest Weihnachten immer zusammen. Meine Tochter spielt Keyboard, die Enkelin Querflöte. UR Personen und Persönliches 31