Aufrufe
vor 2 Monaten

Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

Hochzeit 3: in Tunesien

Hochzeit 3: in Tunesien 28 giös, glauben an Gott, praktizieren unseren Glauben aber nicht im streng-konservativen Sinne. Ich würde sagen, wir haben uns angepasst. Die Tunesier sind unter den Moslems ohnehin die eher nicht so Streng- Gläubigen. Ein Sprichwort bei uns sagt, Tunesien ist wie Europa in Afrika. So denkt man da, ist offen für alles, sehr europäisiert. Es gibt keine Probleme mit anderen Glaubensrichtungen. Wenn man den Islam von seiner ursprünglichen Seite sieht, ist er eine Religion, die andere Religionen respektiert. Leider gibt es zwar viele Menschen, die das anders sehen. Aber solche Leute haben für mich nichts mit dem Islam zu tun. Der Islam ist vom Grunde her friedlich. Ich bin sehr traurig, wenn ich sehe, was unter dem Namen meiner Religion alles getan wird. Ich selbst versuche, ein gutes Beispiel für den richtigen Islam zu sein, zu zeigen, wie gut und nett ein Moslem sein kann. Aber fühlt sich ein gläubiger Moslem am christlichen Weihnachtsabend? Mit gefällt das Christentum. Ich feiere gern die christliche Weihnacht in Polen. Und übrigens bin ich inzwischen nicht der einzige Moslem in unserer Familie. Meine Frau ist vor vier Jahren konvertiert und unsere Kinder erziehen wir im Moment auch im Sinne dieses Glaubens. Wir wollten, dass unsere Familie einen gemeinsamen Glauben hat. Und die katholische Familie in Polen akzeptiert das alles? Für die Eltern von Magda war das sicher anfangs nicht einfach. Aber sie respektieren unsere Entscheidung und es gibt heute keinerlei Spannungen. Wir tragen unseren Glauben ja auch nicht ständig nach außen. Glauben ist für uns etwas ganz Persönliches, etwas Privates zwischen dem Menschen und seinem Gott. Im Gespräch mit einem Moslem kommt unweigerlich die Frage nach dem Alkohol: Wie strikt siehst Du das?

Tunesisch-europäisch locker. Ich trinke gern ein Kölsch. Das macht wohl jeder Köbes. Und schließlich muss ich das neue Fass ja probieren, bevor ich es an die Herren des KMGV ausschenke. Einmal vor Jahren hatte ich das vergessen und prompt gab es einen Riesenaufstand, denn genau dieses Fass war überlagert und das Bier ungenießbar. Und wie kommst Du mit einer weiteren Besonderheit zurecht, die den Köbes in Köln betrifft, dem selbstverständlichen »Du«? Einen Köbes spricht man in Köln mit »Du« an, und das gilt auch für mich. Ich habe damit kein Problem. Ich fühle mich sogar wohler mit dem »Du« als mit dem unpersönlicheren »Sie«. Wenn man mich Mohamed nennt, ist das völlig ok. Nur einmal war es mir sehr unangenehm, dass ich in der Wolkenburg bei meinem Vornamen gerufen wurde. Das musst Du erzählen. Hatte der KMGV damit zu tun? Es war ein Donnerstagabend, also probte der Chor im großen Saal. Ich hatte schon alles für den späten Imbiss der Sänger vorbereitet und nutzte die freie Zeit, um hinter dem Vorhang Servietten für eine große Veranstaltung am nächsten Tag zu falten. Und weil die Musik des Chores so schön und eingängig war, und weil ich inzwischen auch schon viele Melodien kannte, habe ich leise mitgesungen oder -gesummt. Irgendwann hat der Chor aufgehört zu singen, aber ich bemerkte es nicht und trällerte weiter. Plötzlich kam einer der Herren hinter den Vorhang und zischte: Hey Mohamed – psssst! Naja, vielleicht musst Du nur noch ein bisschen üben, und dann kannst Du ja bei uns mitsingen? Vielleicht eines Tages. Im Moment fehlt mir noch die Zeit dafür. Singen macht mir auf jeden Fall Spaß. Aber ich verbringe ohnehin schon viel Zeit in der Wolkenburg. Ich habe sogar hier geheiratet. Und alle Kollegen waren dabei? Natürlich, aber die standesamtliche Trauung in der Wolkenburg war nur die erste unserer drei Hochzeitsfeiern. Ein Jahr später haben wir kirchlich in Polen geheiratet und wieder etwas später fanden die mehrtägigen arabischen Hochzeitsfeierlichkeiten mit 700 Gästen in Tunesien statt. Drei Hochzeiten, das klingt aufwendig. Ja, aber es war eine unvergessliche Erinnerung. Und schließlich darf ein Moslem drei Mal heiraten, auch wenn ich mich nicht ganz an diese Regel gehalten habe. Denn ich heiratete jedes Mal die gleiche Frau ... UR Personen und Persönliches 29

Der Burgbote 1979 (Jahrgang 59)
Der Burgbote 2014 (Jahrgang 94)
Der Burgbote 1983 (Jahrgang 63)
Der Burgbote 2007 (Jahrgang 87)
Der Burgbote 2016 (Jahrgang 96)
Der Burgbote 2017 (Jahrgang 97)
Der Burgbote 2012 (Jahrgang 92)
Der Burgbote 1989 (Jahrgang 69)
Der Burgbote 2009 (Jahrgang 89)
Der Burgbote 1990 (Jahrgang 70)
Der Burgbote 1984 (Jahrgang 64)
Der Burgbote 1981 (Jahrgang 61)
Der Burgbote 2011 (Jahrgang 91)
Der Burgbote 1975 (Jahrgang 55)
Der Burgbote 1986 (Jahrgang 66)
Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)
Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)
Der Burgbote 2003 (Jahrgang 83)
Der Burgbote 1987 (Jahrgang 67)
Der Burgbote 2006 (Jahrgang 86)
Der Burgbote 2010 (Jahrgang 90)
Der Burgbote 1982 (Jahrgang 62)
Der Burgbote 1977 (Jahrgang 57)
Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)
Der Burgbote 1970 (Jahrgang 50)
Der Burgbote 1978 (Jahrgang 58)
Der Burgbote 1985 (Jahrgang 65)
Der Burgbote 1974 (Jahrgang 54)
Der Burgbote 1980 (Jahrgang 60)
Der Burgbote 1991 (Jahrgang 71)